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Veröffentlicht am  14.06.05, 12:30 Uhr von  Stefan Keller

Test: GTA: San Andreas – Yo, Motherfucker! für Windows PC

Grand Theft Auto: San Andreas Grand Theft Auto: San Andreas - Screenshot

Willkommen in San Andreas – einem US-amerikanischen Bundesstaat Anfang der 90er Jahre. Wir wünschen euch einen angenehmen Aufenthalt in den Städten Los Santos, San Fierro und Las Venturas.

Was wie eine von einem Reiseunternehmen gesponserte Reisesendung aus dem Fernsehen klingt, ist Teil der Verpackung von Rockstars neustem Hit Grand Theft Auto: San Andreas. Ganz richtig: Aus der typisch nach GTA aussehenden Verpackung fällt ein richtiges Buch heraus, welches die wichtigsten und schönsten Plätze der drei Städte in San Andreas beschreibt und ist wie ein Reiseführer aufgemacht. Neben einer Registrierkarte befindet sich in dem Buch noch ein San-Andreas-Poster und eine DVD, auf der das Spiel gespeichert ist. Die langwierige Installation – schließlich müssen knapp 4,7 Gigabytes entpackt und kopiert werden – wird durch comicartige Bilder versüßt. Während der Installation kann man sich aussuchen, ob man die Radio-Sender auf die Festplatte kopieren möchte. Wer das nicht tut, spart rund ein Gigabyte, jedoch wird das nicht empfohlen, weil dann während des Spielen das DVD-Laufwerk stärker beansprucht wird und dieses auf jeden Fall langsamer ist als die Festplatte, und folglich die Spielqualität durch die Ladezeiten negativ beeinflusst wird.

Zeitlich spielt GTA: San Andreas zwischen GTA 3 (Ende der 90er Jahre) und GTA: Vice City (Mitte der 80er Jahre), nämlich Anfang der 90er Jahre, um genau zu sein 1992. Entsprechend der temporären Einordnung ist auch das Ambiente des Spiels gestaltet: Alles ist etwas rap-lastig und letzte Ausläufer der in den 80er Jahren modernen Neon-Lichter sind noch hier und da zu entdecken – freilich nur in der Nacht. Es ist das dritte Spiel, welches technisch auf GTA3 basiert, jedoch merkt man davon nicht allzu viel – außer, dass manche Autos in GTA3 oder Vice City schon vorkamen, so z. B. der Sportwagen “Banshee” oder die Limousine “Washington”. So wurde so gut wie alles an der Grafik noch einmal überarbeitet.

Worum geht’s?

Carl Johnson (“CJ” genannt von seinen Freunden) hat früher in San Andreas gelebt, wo es ihm jedoch nicht gefallen hatte, aufgrund der vielen Gangster und Verbrechen, und er ist deshalb nach Liberty City (GTA-Fans erinnern sich: Liberty City ist der Schauplatz von GTA3) gezogen. Vor Kurzem erfährt er jedoch von dem Tod seiner Mutter und entschließt sich, wieder zurück in seine alte Heimat, Los Santos, zu fahren, um wenigstens auf ihrer Beerdigung dabei zu sein. Auf dem Weg vom Flughafen zum Grab seiner Mutter wird das Taxi, in dem CJ sich chauffieren lässt, von Polizisten angehalten, die ihm den Mord an Officer Ralph Pendelbury anhängen wollen. An dieser Stelle übernehmt ihr die Rolle des CJ und wollen mit der nötigen Wut im Bauch Ihre Ehre wieder herstellen.

Das Fahrrad: Der beste Freund des Gangsters

In GTA: San Andreas gibt es gegenüber den Vorgänger-Teilen viel Neues zu entdecken. So wäre als neues Fortbewegungsmittel zum Beispiel das klassische BMX-Rad zu erwähnen, einem zweiten Grund, weshalb man seine Kondition schulen sollte neben dem Sprint. Auch neu ist die Möglichkeit zu schwimmen, je nach dem wie groß das Lungenvolumen ist (das kann man natürlich auch trainieren), kann man sogar tauchen. Darüber hinaus gibt es noch weitere neue Gimmiks, so zum Beispiel die (Schnell-)Restaurants, in denen man etwas zu essen kaufen kann und die Möglichkeit, sein Auto zu tunen. Bei letzterem hat man sogar ähnliche Möglichkeiten, wie im Tuning-Rennspiel Need For Speed: Underground – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

Auch gibt es neue Waffentypen, wie zum Beispiel die Spraydose. Mit der Spraydose kann man die Graffitis der feindlichen Gang mit dem eigenen übersprühen. Das sieht zwar die Polizei nicht so gerne, dafür aber die eigenen Gang-Mitglieder umso lieber und der Respekt steigt. Eine interessante andere Waffe ist der Fotoaperrat. Mit ihm ist es möglich, Fotos zu schießen, die man so aufnimmt, wie wenn man durch das Zielfernrohr einer Waffe schaut. Die Ergebnisse werden im “GTA San Andreas User Files”-Ordner im Unterordner “Gallery” im JPG-Format gespeichert. Vorteile dieser Funktion liegen, gegenüber der altbewährten Druck-Taste, darin, dass man das HUD (Human Interface Device, Gesundheit, Fahndungslevel etc) nicht auf den Bildern hat, Nachteil ist jedoch, dass diese Waffe nur zu Fuß funktioniert und CJ – außer er fotografiert sich im Spiegel – sich nicht selbst fotografieren kann.

Wie im richtigen Leben

CJ hat, im Gegensatz zu den Hauptdarstellern aller Vorgängerteile der GTA-Serie, ein “richtiges” Leben. Er muss essen, sich fit halten, Fähigkeiten erlernen und seine Kondition verbessern. Jedoch darf er es mit dem Essen nicht übertreiben, weil er sonst dick wird und seine Kondition dann abfällt. Neben seiner Figur muss CJ noch auf andere optische Dinge achten, so zum Beispiel seinen Bart und seine Frisur. Zum Glück gibt es für solche Sachen einen Frisör, der einem die Arbeit abnimmt – sofern man ihn besucht. Auch muss sich CJ mittels learning-by-doing gewisse Fertigkeiten (Skills) aneignen. Er kann zwar ohne Zutun des Spielers Fahrrad- und Motorradfahren, jedoch verbessert sich sein Geschick auf dem Zweirad, wenn er eine Weile damit fährt und sich mit den einzelnen Kunststückchen, wie zum Beispiel mit dem BMX-Rad springen, vertraut macht, in dem er sie einfach ausprobiert. So schafft er es, sich nach und nach sicherer auf seinem Zweirad fortzubewegen. Ähnliches gilt natürlich für die anderen Skills. Ein weiteres Merkmal, welches die Entwickler in GTA: San Andreas haben einfließen lassen, ist die Tatsache, dass manche Mitmenschen auf den Landstraßen fahren, als wären sie allein darauf, woraufhin man auch manchmal Verfolgungsjagden mit der Polizei beobachten kann. Aber auch in der Stadt gibt es derartige Zeitgenossen – jedenfalls wäre es nicht das erste Mal, dass wir von einem Verkehrs-Rowdy vom BMX-Rad geschubst worden wären.

And remember: Respect is everything!

Rockstar Games hat das interessante Kriterium “Respekt” wieder eingeführt, welches es zuletzt in GTA2, damals noch mit 2D-Grafik, gegeben hat. Mit fast jeder Mission steigt der Respekt innerhalb der anderen Gangs, dafür gibt es nicht für jede beendete Mission Geld. Wenn man genügend Respekt gesammelt hat, kann man auch auf Hilfe von Gangs hoffen, die CJ respektieren, wenn man in brenzligen Situationen steckt, zum Beispiel, wenn die Polizei hinter CJ her ist oder es andere Gangs auf ihn abgesehen haben.

Gangstersein ist lustig…

…und noch lustiger, wenn man sich vom Berufsgangster zum Hobbyeinbrecher etabliert. Wer mit sich nichts Besseres anzufangen weiß, kann des Nachts in viele Häuser einsteigen und die Besitzer um ihr Hab und Gut “erleichtern”. Jedoch muss man vorsichtig sein, wenn man einbricht – die Leute sind nicht außer Haus, sondern schlafen ganz einfach nur. Das bedeutet, dass man vorsichtig ins Haus gehen und sich dort umsehen muss, denn sonst weckt man die Hausherren auf, und das hat dann eine Begegnung mit den Herren in Blau zur Folge.

Kleine Dinge, die den Alltag belustigen

Abgesehen von den Anspielungen, die hier und da versteckt sind und von der Sache her nicht unbekannt sind, gibt es in GTA: San Andreas eine Vielzahl von kleinen Mini-Spielen, so zum Beispiel die Spiel-Automaten im Nachtklub oder in der Bar. Mit deren Hilfe kann man ein Spiel im Spiel spielen, wenn man es so möchte. Diese Mini-Spiele sind primitive und pixelige Spiele, die allesamt C64-Niveau haben, aber allemal besser sind, als mit Rumstehen die Zeit tot zu schlagen. Andere, etwas anspruchvollere Mini-Spiele sind die, die CJ “direkt” spielen kann, so zum Beispiel Basketball oder Pool-Billard, wobei letzteres zum Beispiel Geld kostet, damit man einen Einsatz hat, um den man spielen möchte.

Läden, wohin man schaut

Wenn man sich schon um alles selbst kümmern muss, dann ist es doch schön, wenn es auch Läden gibt, in denen man dazu etwas beitragen kann. Diese gibt es zu hauf und für alle möglichen Zwecke. Als Beispiel sei hier genannt der Kleiderladen, in dem man sich von Kopf bis Fuß nach Belieben einkleiden lassen kann oder das Tätowier-Studio, indem man seinen Körper verzieren lassen kann.

Grafik, Akustik und alles drum herum

Im Vorfeld wurde viel spekuliert über die Grafik. Mindestens genauso viel wurde gewettert, dass sie zum nunmehr dritten Male auf GTA3 aufbaut – das ist jedoch unbegründet. Die Engine mag auf GTA3 basieren, jedoch sieht man es der Grafik nicht wirklich an. Sie hat im neuen Teil eine große Auffrischungskur erfahren und glänzt nun mit fast allem, was eine Grafik gut aussehen lässt, wie zum Beispiel schönen Wassereffekten. Trotz der vielen Neuerungen ist das, was GTA3 und Vice City bei den Fans so beliebt gemacht hatte, erhalten geblieben: Der Hauch vom Comic-Feeling, der erst einmal die gesamte GTA-Atmosphäre ermöglicht.

Erstmalig kann man sich auch – abhängig von der verwendeten Hardware – aussuchen, wie hoch der Grad an Details sein darf. Wer zum Beispiel auf “niedrig” wechselt, verpasst einige Details, wie zum Beispiel den Schatten, den alle Objekte werfen, oder das Flimmern der Luft über dem heißen Asphalt. Auch Anti-Aliasing (Kantenglättung) kann jetzt eingestellt werden. Dies sollte jedoch nur gemacht werden, wenn die Grafikkarte schnell genug dafür ist. Der Sound ist, abgesehen von Aussetzern auf unserem Testrechner (mehr dazu siehe unten), gewohnt gut. Auch bei diesem Teil der GTA-Reihe hat uns Rockstar Games nicht enttäuscht, weder bei den Radios, noch beim Ambiente oder bei der Synchronisation der Akteure, welche nur auf Englisch ist, dafür aber mit deutschem Untertitel. Jedoch tut die “fehlende” deutsche Synchronisation dem Spaß keinen Abbruch – das englische Gefluche der Gangster ist einfach nur nett anzuhören und mit dem deutschen Untertitel geht auch der Sinn nicht verloren. Bei den Vulgär-Ausdrücken wird keine Rücksicht auf irgendetwas genommen, im englischen Text werden die schönsten Schimpfwörter verwendet und im deutschen Untertitel hat man versucht, möglichst sinngetreu deutsche Äquivalente zu finden, was auch sehr gut gelungen ist. Die Stimmen passen sehr gut zum Charakter, dem sie geliehen wurden.

Die Radiosender sind wie immer gut gestaltet, abwechslungsreich und unterhaltend. Es werden die Hits aus der Zeit, in der GTA: San Andreas anzutreffen ist, gespielt, so zum Beispiel Depeche Mode. Wem die Radiosender dennoch nicht zusagen, der kann sich auch seinen eigenen Radiosender mit der Musik auf seiner Festplatte basteln. Die Entwickler haben es so eingerichtet, dass das Spiel alle Formate abspielt, die auch das System beherrscht, also abhängig davon, welche Codecs installiert sind – der OGG-Vorbis-Decoder wird bereits mitgebracht. Zwischen den Liedern wird dann von der GTA-Soundengine eine Moderation und manchmal auch die Werbung, die auch in anderen Radiosendern kommt, eingespielt.

Selbst ist der Mann

Mit GTA: San Andreas hat der Spieler nahezu Narrenfreiheit, was die Möglichkeiten angeht, wie er das Spiel spielen möchte. Es wurde geschickt verpackt, dass man nicht mehr an eine bestimmte Reihenfolge der Missionen gebunden ist, und trotzdem die Story im Ganzen mitbekommt. Wichtig ist nur, dass man sich die Skills selbstständig antrainiert, aber wenn man das nicht tut, hat man schon früh Probleme im Weiter-kommen im Spielverlauf.

Wo Licht ist, …

Leider mussten wir bei unserem Test-Rechner (Athlon XP 2000+, Radeon 9800 Pro, SoundBlaster Live!, Windows XP Professional SP2) einige Probleme mit dem Spiel feststellen. Wir haben bemerkt, dass der Sound öfter mal aussetzte, das heißt, dass zum Beispiel nur noch das Auto-Radio funktionierte. Ein, in der Readme-Datei empfohlenes, Treiber-Updatehalf, jedoch nur bedingt – nach einiger Zeit, wobeiangemerkt sei, dass diese Zeit ziemlich lange war, trat das Problem wieder auf. Komisch fanden wir nur, dass bei dem Windows-eigenen Treiber (welcher von Microsoft signiert ist) der Fehler öfter und schneller auftrat, als beim Creative-Treiber, der nicht nur fast zwei Jahre älter, sondern auch nicht signiert ist.

Außerdem bemerkten wir, dass die Grafik sich erst auf die Grafikkarten einzurichten scheint – jedenfalls lief das Spiel bei einer Auflösung von 1024×768 Punkten, “sehr hohen” Details und der Kantenglättung auf Stufe 1 kurz nach der Installation ziemlich stockend, erst nach ca. einer Stunde Spielzeit normalisierte sich das Verhalten und es konnte bei den genannten Einstellungen ordentlich gespielt werden.

Das beste GTA aller Zeiten?

GTA: San Andreas steckt voller neuer Features und weiß, den Spieler möglichst lange bei Laune zu halten. Man möchte einfach wissen, was als nächstes passiert, und das muntert ungemein zum Weiterspielen auf.

Andererseits begeistert der neuste GTA-Teil mit Altbewährtem, so zumBeispiel ist die Spiel-Atmosphäre nach wie vor so unschlagbar fesselnd, wie es in älteren Teilen auch schon war. Da die Innovationen das Spiel aufwerten und die alten für GTA typischen Elemente erhalten geblieben sind, kann man durchaus sagen, dass GTA: San Andreas die vorläufige Krönung in der bisher 6-teiligen GTA-Serie ist.

Fazit

Es gibt für jeden Action-Fan nur einen guten Rat: Kaufen! Abgesehen von den Unregelmäßigkeiten, ist dieses Spiel jeden Cent wert. Die Spiel-Atmosphäre ist unübertroffen und der Spielspaß auch. Rockstar Games hat sich, mit Erfolg, sehr viel Mühe gegeben, der GTA-Serie mit dem neusten Teil noch eins drauf zu setzen. Nie war ein vergleichbares Spiel so nah an der Realität, macht trotzdem so viel Spaß und dennoch sind altbewährte und geliebte Elemente erhalten geblieben. Darüber hinaus übernimmt der Spieler das Kommando über die Spielfigur und ihm wird nahezu kein Lösungsweg vorgeschrieben. Hinzu kommen die aus vorangegangenen GTA-Teilen bekannten Anspielungen auf alles und jeden.

Wertung

8/10
tolle Atmosphäre
jede Menge Spielspaß
einige Ungereimtheiten
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