Kommentar: 17. Juni 2006,

Kommentar: Vorwürfe gegen Apple-Zulieferer

iPod 5G
iPod 5G in U2 Special Edition

Der Enthüllungs-Bericht der Mail on Sunday, in dem vergangene Woche die Arbeitsbedingungen beim chinesischen iPod-Produzenten Foxconn angeprangert wurden, hat eine Welle der medialen Empörung ausgelöst.

Perry Wu, Journalist für die ChinaTechNews, antwortet dagegen auf die Vorwürfe, dass er weder Freund von Großunternehmen sei, die ihre Mitarbeiter drangsalierten, noch würde er Sensationsjournalismus gutheißen. Besonders stört er sich an dem Argument, dass auf einem Firmengelände keine Besucher erlaubt seien. Was bei Foxconn praktiziert wurde, ist bei anderen Unternehmen, ob sie Microsoft heißen und Software herstellen oder Anheuser-Busch und Bier brauen, ebenfalls Gang und Gebe.

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“I’m no fan of big corporations bullying workers. But I am also no friend to shoddy, sensationalist journalism. (…) Visitors are not permitted into the factory? Since when were you able to tiptoe around the vats of beer at Anheuser-Busch’s brewery in Williamsburg, Virginia? Or when was the last time you showed up at Microsoft’s compound unannounced in Redmond and expected the royal treatment?
Perry Wu

Löhne über Durchschnitt

Wus Argumente sind kaum von der Hand zu weisen. Hinzu kommt: Einerseits verlangt man günstigere Produkte von Apple, andererseits heuchelt man Verwunderung darüber, dass iPods nicht von hoch bezahlten amerikanischen Ingenieuren in Handarbeit, sondern von chinesischen Fabrikarbeitern in Massenproduktion gefertigt werden. Abgesehen davon dürfte ein monatlicher Lohn von knapp 50 Euro wohl deutlich über dem Durchschnittseinkommen eines Arbeiters in China liegen.

Keine Frage, die Arbeitsbedingungen in chinesischen High-Tech Fabriken sind alles andere als rosig und eine gründliche Untersuchung der Vorwürfe angebracht. Doch wer jetzt behauptet, er hätte erst durch den Artikel der Mail on Sunday von der harten Realität globaler Wertschöpfungsketten erfahren, ist entweder sehr naiv oder sehr unaufrichtig.

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