MACNOTES

Veröffentlicht am  5.10.06, 11:44 Uhr von  Alexander Trust

Kommentar: Die Sache mit den Aktien-Optionen

Nun hat Apple also seinen Bericht zur internen Untersuchung der “Unregelmäßigkeiten” bei der Vergabe von Aktienoptionen an ranghohe Mitarbeiter in den Jahren 1997-2002 veröffentlicht (wir berichteten bereits in den Randnotizen). Die Kurz-Zusammenfassung könnte wohl lauten: Ja, es gab jede Menge unzulässige Rückdatierungen, aber nein, Steve Jobs hatte nichts damit zu tun.

Und doch bleibt ein fader Beigeschmack. Worum geht es hier eigentlich? Durch Rückdatierung von Aktienoptionen steigt – positive Kursentwicklung vorausgesetzt – die Rendite derer, denen diese Optionen eigentlich erst zu einem späteren Zeitpunkt gewährt wurden. Das geht zu Lasten des Unternehmens, das die Optionen vergibt, und damit insbesondere auch zu Lasten der übrigen Aktionäre. Es hat also durchaus seine Berechtigung, dass die US-Börsenaufsicht SEC diese Vorfälle nicht als Kavaliersdelikt betrachtet. Dass es Ende der 90er Jahre offensichtlich gängige Praxis bei börsennotierten amerikanischen Unternehmen war, macht die Vorgänge bei Apple nicht besser.

Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass Apple die Sache jetzt offenbar ernst nimmt: Nach eigenen Angaben hat man in den vergangenen drei Monaten 650.000 Dokumente und E-Mails untersucht und über 40 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter befragt. Auch der Rücktritt des ehamligen Finanzchefs Fred Anderson von seinem Aufsichtsratsposten zeigt, dass es hier nicht um eine Lapalie geht.

Und auch wenn es durchaus plausibel erscheint, dass Steve Jobs nicht persönlich von den Rückdatierungen profitiert und selbst wohl auch keine juristischen Konsequenzen zu befürchten hat, so bestätigt sogar Apples eigener Bericht, dass er in mehreren Fällen über die “günstige Datierung” von Optionspacketen informiert war. Dass Jobs sich, wie der Bericht behauptet, nicht der Bedeutung dieser Rückdatierungen für die Verlässlichkeit von Bilanzen und Jahresabschlüssen bewusst war, mag man zwar für reichlich naiv halten, aber ihm auch noch irgendwie abnehmen. Eines muss sich Jobs aber mit Sicherheit vorwerfen lassen: Er hat es offensichtlich über einen Zeitraum von fast fünf Jahren geduldet, dass sich einige wenige gut bezahlte Angestellte auf Kosten des Unternehmens und einer großen Zahl von Anlegern bereichern.

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