MACNOTES

Veröffentlicht am  8.10.06, 18:43 Uhr von  cd

Test: Mac Pro (3 GHz)

Mac ProDer schnellste Mac aller Zeiten, eine 64 Bit Workstation, die das Herz eines jeden Mac-Users höher schlagen lässt: der Mac Pro. Eine Woche lang stellte uns Apple das neue Spitzenmodell zur Verfügung – wir haben es wie üblich intensiv getestet und dabei überprüft, wie sich die geballte Kraft des Mac Pro im Alltagseinsatz schlägt.

Hardware

Die gelieferte Testausstattung bestand aus einem Mac Pro mit 2 Dual-Core Intel Xeon Prozessoren mit 3GHz, 4GB RAM, 250GB Festplatte, einer ATI Radeon X1900 XT mit 512MB und einem Apple Cinema Display mit 23 Zoll. Im Apple Store Deutschland ist diese Konfiguration für 5718,00 Euro zu haben. Lohnt sich eine solche Investition?

Rein äußerlich hat sich der Mac Pro im Vergleich zum PowerMac G5 kaum verändert. Sofort fällt vorne der Einschub für ein zweites optisches Laufwerk auf, der in diesem Fall leer ist und der zusätzliche Firewire 800 und ein USB 2.0 Anschluss. An der Rückseite sind die Anschlüsse durch das neue Innenleben entsprechend anders angeordnet, z. B. sind Netzteil und Stromanschluss im Mac Pro oben.

Das InnenlebenDas Öffnen bringt auch nicht viele Überraschungen: wie schon der G5 wirkt auch der Mac Pro im Inneren sehr aufgeräumt, sogar noch ein Stück aufgeräumter als sein Vorgänger. Besonders elegant ist jetzt der Einbau von bis zu 4 SATA-Festplatten gelöst. Einfach die Festplatte auf einen der nummerierten Schlitten schrauben, den Schlitten an die entsprechende Position unterhalb der optischen Laufwerke und des Netzteils befestigen – fertig. Kein Kabelgewirr, kein Blockieren anderer Komponenten. Und durch die Nummerierung der Schlitten ist auch die Gefahr einer Verwechslung beim Festplattentausch zumindest deutlich geringer. Ein Austausch der Festplatten während des Betriebs (Hot-Swapping) ist leider nicht möglich, aber auch bei Desktop-Systemen nicht unbedingt erforderlich.

Festplatten-Schlitten Der Festplatten-Schlitten eingebaut

Die optischen Laufwerke darüber lassen sich nicht ganz so leicht tauschen – hier werden aber noch Kabel verwendet. Da die optischen Laufwerke aber in einem eigenen Kasten untergebracht sind besteht keine Gefahr von Kabelunordnung im Rechner.

Speicher-Karten 1 Speicher-Karten 2

Die Speicherbausteine des Mac Pro liegen auf eigenen Karten, davon gibt es zwei mit je vier Steckplätzen für die Module, die sogar eigene Kühlkörper mitbringen. Für eine Speichererweiterung müssen die Karten einfach raus genommen, bestückt und wieder zurück gesteckt werden – dafür ist es aber wichtig auf die Bestückung zu achten. Die Speicher müssen paarweise und in der richtigen Reihenfolge eingesetzt werden, um die volle Performance liefern zu können.

ATI X1900 XTIm Vergleich zum G5 konnte Apple die Kühlung des Mac Pro deutlich einfacher und mit weniger Lüftern gestalten. Im Vergleich zum alten Spitzenmodell fällt auch die Flüssigkeitskühlung weg. Dafür kommt auf der ATI Radeon X1900 XT ein eigener Lüfter dazu, der auch während des Betriebs des Rechners ständig zu hören ist. Nicht zu laut wenn der Rechner unter dem Schreibtisch steht, aber auf den Schreibtisch sollte der Mac Pro nicht gestellt werden, vor allem auch, da auch die anderen Lüfter im Gehäuse von Zeit zu Zeit mal “aufdrehen” und das bedeutet auch einen deutlichen Anstieg der Lautstärke.

Ein ganz großer Unterschied (für viele ein entscheidender Vorteil) zum G5 ist natürlich der Intel-Prozessor. Damit und durch Boot Camp wird es möglich Windows direkt auf dem mac Pro zu installieren. Aber nicht mit dem 23″ Display. Anscheinend liegt hier eine Unverträglichkeit zwischen der Grafikkarte, dem Display und Windows XP vor. Mit einem 20″ Display ist die Installation und der Betrieb von Windows XP direkt auf dem Rechner aber problemlos möglich. Aber dank Parallels nicht immer nötig.

Ein Wort zum Display: es ist sehr scharf und hell. Im Vergleich zu einem 20″ Display aus dem Vorjahr noch ein Stück heller. Aber hier zählen ja vor allem der persönliche Eindruck und die eigenen Vorlieben. Für mich persönlich ist das Display in der Größe das Maximum dessen zu sein, was für die tägliche Arbeit verträglich ist. Größere Displays gehören meiner Meinung nach an die Wohnzimmerwand.

Die tägliche Arbeit

Eine Woche lang übernahm der Mac Pro nun die Aufgaben meiner Arbeitsmaschine. Wie schnell der Mac Pro ist zeigt sich schon beim Einschalten: wenn der iMac mir nach dem Druck auf den Startknopf noch die Zeit gibt mir aus der Küche einen Kaffee zu holen ist ein frisch installierter Mac Pro nicht weit vom “instant on” entfernt. Innerhalb einiger Sekunden ist Mac OS X gestartet und der Mac wartet auf seine Aufgaben. Und selbst die Installation der üblichen kleinen Erweiterungen und automatisch startender Programme verzögert den Startvorgang nicht besonders. Von Steve Jobs selbst wurde einmal die Anzahl “Bounces” eines Programm-Icons im Dock beim Start der Anwendung als “Benchmark” ins Spiel gebracht. Für den Mac Pro gilt dabei im Normalfall: weniger als ein “Bounce”. Und das gilt auch für emulierte PowerPC Software.

Das Thema Virtualisierung ist mit den Intel-Prozessoren in Macs ziemlich populär geworden. Das erste Produkt für den Mac in diesem Markt stammt von Parallels und in den aktuellen Builds läuft es auch auf dem Mac Pro. Und hier sieht man auch, welche Leistung in dieser Maschine steckt: Windows XP, Windows Vista, OpenSUSE Linux und ein Debian Linux gemeinsam auf dem Mac Pro und das gleichzeitig. Ideal für die Webentwicklung: ein virtualisiertes Debian als Testserver und zwei virtuelle Maschinen für Windows XP und Vista für die Tests mit den verschiedenen Versionen des Internet Explorer. Schade nur, dass auch der Mac Pro den VTx-Bug hat: beim ersten Start ist VTx – die Virtualisierungsunterstützung im Prozessor – deaktiviert. Das lässt sich zwar umgehen indem man den Mac einmal in den Ruhezustand versetzt und wieder weckt, trotzdem sollte Apple diesen Bug beheben.

Und auch ein bisschen spielen

Beeindruckend ist die Leistung der Grafikkarte und des Gesamtsystems immer dann, wenn man einen direkten und deutlich sichtbaren Vergleich hat. Ein schönes Beispiel ist hier Second Life. Ein Online-Spiel in einer 3D-Welt, in der man sich ziemlich frei bewegen kann. Da hier jeder seinen Avatar selbst und frei gestalten und ausschmücken kann hat man es bald mit vielen Objekten und Texturen zu tun. Bei entsprechend anspruchsvollen Einstellungen für das Rendering kommen hier selbst wirklich leistungsstarke Rechner irgendwann an ihre Grenzen. Der Mac Pro erlaubte selbst bei maximalen Einstellungen immer ein flüssiges Bewegen durch diese virtuelle Welt, kein Ruckeln beim Bildaufbau – so lange genügend Bandbreite vorhanden ist! Diese Limitierung trifft auch den dicksten Rechner, deswegen taugt das nicht wirklich für einen objektiven Benchmark. Der subjektive Eindruck aber bleibt: wow.

Eine Art Benchmarking

Zum Beispiel das Kodieren von Musik nach AAC oder MP3. Da uns nicht die Geschwindigkeit des optischen Laufwerks interessiert habe ich die CD erst unkomprimiert in die iTunes-Bibliothek übernommen (AIFF) und dort dann nach AAC (128kBit/s) bzw. MP3 (160kBit/s) gewandelt:

AAC 128kBit/s MP3 160kBit/s
Mac Pro 3.0GHz 71 Sekunden 43 Sekunden
G5 Dual 2.3GHz 116 Sekunden 58 Sekunden
PowerBook G4 1.5GHz 226 Sekunden 160 Sekunden

Ein weiterer Test ist das Komprimieren einer Dual-Layer-DVD auf Single-Layer-Grösse. Auch hier habe ich die DVD erst als Image auf die Festplatte kopiert und dann aus dem Image heraus mit DVD2oneX komprimiert.

Mac Pro 3.0GHz 346 Sekunden
G5 Dual 2.3GHz 663 Sekunden
PowerBook G4 1.5GHz 1838 Sekunden

Nicht fehlen darf natürlich der Ego-Shooter-Benchmark. Getestet wurde Unreal Tournament 2004 mit dem Santa Toolpack Benchmark.

Test min fps avg fps max fps
Flyby
1280×1024
Max. settings
88.380402 238.791489 610.495911
Flyby
1280×1024
Min. settings
112.611633 332.159912 895.719177
Botmatch
1280×1024
Max. settings
30.794855 79.717171 151.314468
Botmatch
1280×1024
Min. settings
59.313896 168.599197 396.643890
Flyby
1680×1050
Max. settings
91.648079 267.107483 796.393982
Flyby
1680×1050
Min. settings
124.144913 434.037292 1128.124146
Botmatch
1680×1050
Max. settings
34.390282 86.561981 222.543503
Botmatch
1680×1050
Min. settings
59.321857 170.578903 378.310547

XBench bescheinigte dem Mac Pro einen Gesamtwert von 171.99 (CPU: 156.22). Vergleiche mit den Werten in der XBench-Datenbank (die natürlich mit entsprechender Vorsicht zu geniessen sind) zeigen, dass sich durch den Einsatz schnellerer Festplatten oder RAID-Systeme dieser Score noch steigern lässt. Ob und inwieweit sich das dann auf die tägliche Arbeit auswirken kann hängt vor allem von den zu bewältigenden Aufgaben ab. Für umfangreiche Videoarbeiten im Profibereich sind aber ganz unabhängig davon alleine wegen der Datenmengen entsprechende RAID-Systeme angebracht.

Der Test mit Cinebench 9.5 zeigt, dass die zusätzlichen CPUs – entsprechende Software vorausgesetzt – einen deutlichen Leistungsgewinn bringen:

Rendering (Single CPU): 493 CB-CPU
Rendering (Multiple CPU): 1606 CB-CPU
Multiprocessor Speedup: 3.26
Shading (CINEMA 4D): 589 CB-GFX
Shading (OpenGL Software Lighting): 2207 CB-GFX
Shading (OpenGL Hardware Lighting): 4419 CB-GFX
OpenGL Speedup: 7.50

In Sachen Photoshop – manchmal hat man den Eindruck, es wäre die einzige Software, die noch unter Rosetta läuft – macht der Mac Pro auch eine gute Figur. Photoshop gehört nicht zu meinen Hauptwerkzeugen, daher verzichte ich auf Benchmarks, die für die echten Profis wohl nicht wirklich hilfreich sind und belasse es bei meinem Eindruck: wenn die Software in Rosetta schon so schnell ist – welches Tempo ist dann erst mit einer Intel-Version möglich?

Fazit

Der schnellste Mac aller Zeiten ist der Mac Pro in jedem Fall. Vielleicht wirklich der schnellste Personal Computer. Gibt es normale Anwendungen, die ein solches Kraftpakte an die Leistungsgrenzen bringen? Kaum, es sei denn man beschäftigt sich mit Grafik- und besser noch Videobearbeitung. Mit normalen Desktopaufgaben ist dieser Rechner definitiv unterfordert. Raucher mögen so einen Rechner als Hilfe beim Aufhören ansehen: Zwangspausen während der Arbeit gehören weitgehend der Vergangenheit an. Wer also die maximal mögliche Mac-Power benötigt oder sie einfach nur will, der soll zugreifen. Bei der Wertung gibt es einen halben Punkt Abzug wegen des VTx-Bugs.

4.5/5Testurteil: 4.5/5 Macs
Bezeichnung: Mac Pro 3GHz
Hersteller: Apple
Preis: 5.718,00 Euro

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