MACNOTES

Veröffentlicht am  17.12.06, 14:34 Uhr von  Alexander Trust

Kommentar: Shareware 2.0

Heute geht mit MacHeist eine Aktion zu Ende, die wie kaum eine andere in den letzten Wochen für Wirbel in der Mac-Szene gesorgt hat. Sie ist dabei nur ein Beispiel für eine Reihe von Trends und Entwicklungen, die die Software-Industrie verändert haben. Selten durfte die Branche so viel Aufmerksamkeit genießen wie in diesem Jahr – und doch ist nicht alles Gold, was glänzt. Umso mehr lohnt sich ein kritischer Blick auf den status quo.

Außen hui, innen pfui
Kleider machen Leute und durchgestylte Oberflächen offenbar erfolgreiche Shareware. Das allein wäre nicht zu beanstanden, schließlich sind wir Mac-User eben auch besonders wählerisch was das Look & Feel der Programme angeht, für die wir bezahlen. Es scheint jedoch, als würden manche Entwickler ihre Ressourcen nunmehr fast ausschließlich auf im doppelten Sinne oberflächliche Kosmetik verwenden. Die Liste der Opfer dieses neuen Schönheits-Wahns ist lang, prominente Vertreter sind zum Beispiel Disco und Cha-Ching. Da wird mit optischen Effekten nur so um sich geworfen, doch auch perfekt animierter Rauch vermag funktionale Schwächen nicht zu vernebeln.

Beta forever
Die beiden genannten Programme stehen exemplarisch auch für eine weitere Unart, die sich immer mehr breit macht: Software wird mittlerweile bereits verkauft, wenn sie – im günstigsten Fall – gerade einmal halb fertig ist. Oft lassen die Programme heute nur das grobe Konzept erkennen, wenn sie der Öffentlichkeit zum Kauf vorgeworfen werden. Die Entwickler lassen sich die monatelangen Beta-Phasen teuer bezahlen und profitieren gar von kostenlosen Bug-Reports und Feature-Requests der Käuferschar, die – in der verzweifelten Hoffnung, irgendwann einmal eine brauchbare Software zu bekommen – gerne mit Rat und Tat zur Seite steht.

Das Diggtat der Masse
Wer heute in der Shareware-Szene erfolgreich sein will, braucht mehr denn je Publicity. PR ist mittlerweile alles und ohne eine Schar von Unterstützern, die (gänzlich aus eigenem Antrieb, versteht sich) die Software bei Digg, iUseThis & Co. an die Spitze klicken, haben Newcomer keine Chance. Hinzukommt, dass das, was alle toll finden, nicht immer tatsächlich gut ist. Denn auch ausgewiesener Schrott lässt sich heute gewinnbringend vermarkten, wenn nur der Hype drumherum groß genug ist.

Software zum Discounter-Preis
Ob MacHeist, Mac App a Day oder MacZot: Shareware wird heute verschenkt oder zum Discounter-Preis verramscht. Marketing-Guru Phill Ryu steht mit seinen Projekten an der Spitze dieses Eisbergs, an dem er selbst kräftig verdient. Nun muss man nicht gleich zum Mitleid mit den angeblich ausgebeuteten Entwicklern aufrufen, schließlich machen die freiwillig mit. Aber es fragt sich doch, ob dieser Trend aus Anwender-Sicht wünschenswert ist. Natürlich freuen wir uns über günstige Software, doch einem geschenkten Gaul schaut man eben auch nicht ins Maul. Bei sinkender Rendite pro Lizenz leidet zwangsläufig auch der Support, den die Entwickler dem einzelnen Anwender bieten können und wollen. Auch die Qualität der Programme wird nicht zwangsläufig besser, wenn ihr Wert nur noch in Cent-Beträgen taxiert wird.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 7 Kommentar(e) bisher

  •  Ralph sagte am 17. Dezember 2006:

    Geb dir ganz recht! Disco und Cha Ching wirken zwar vielversprechend, allerdings auch ziemlich unfertig. Fairerweise sollte man dazu erwähnen, daß die Programme als Betas auch günstiger zu haben sind. Bei Flickr hatte ja auch kaum jemand ein Problem, für einen Pro-Account zu zahlen, obwohl der Dienst lange Zeit Beta (und jetzt Gamma – was immer das auch heissen mag) war.

    Zum MacHeist-Bundle möchte ich anmerken, daß sich das besonders für Umsteiger oder Neukäufer schon bezahlt gemacht hat: TextMate, DEVONthink Personal, Newsfire und Delicious Library waren für mich als relativen Neuling interessant – der Rest nettes Beiwerk ohne Kaufanreiz.

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  •  ha sagte am 17. Dezember 2006:

    Klar, ich habe hier ja auch bewusst die negativen Punkte herausgestellt. Ich meine, es kann bei dem ganzen Hurra-Hype nicht schaden, sich auch darüber im Klaren zu sein ;-)

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  •  Mario sagte am 17. Dezember 2006:

    schön das mal jemand diese seite der medalie betrachtet oder anspricht… ich habe ja inzwischen auch einige euro für “schöne” software investiert, die sich auf dauer eher als nutzlos erwiesen hat. die portale nutzen uns (nutzer) insoweit, dass die progrämmschen nicht ganz so teuer über die theke gehen und der “ich bereue es”-faktor nicht so gross ist…

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  •  Frank sagte am 17. Dezember 2006:

    > Das Diggtat der Masse

    Herrlich, you made my day ;-)

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  •  kopfkribbeln sagte am 17. Dezember 2006:

    Netter Beitrag, auch wenn er meines Erachtens zu einseitig geschrieben ist. Klar gibt es Argumente gegen Beta-Shareware – aber es gibt auch Argumente dafür.

    Meines Erachtens ist es auch interessant mal zu erörtern, warum der Beta-Hype überhaupt erst entsteht. Ganz klar: Weil eine wirklich gut gemachte Software und ein unheimlich großer Nutzen in Sicht gestellt wird, auf den hingearbeitet wird. Und warum sollte man dann nicht die interessierten Nutzer mit in den Hype einbinden? Wenn diese dann die Software schon vorab im Beta-Stadium finanziell supporten ist das nicht nur eine Bestätigung, dass es in die richtige Richtung läuft, sondern ein zusätzlicher Motivationsfaktor. Wieviele Alphas oder Betas sind nicht irgendwann im Laufe der Fertigstellung aus Mangel an Interesse gestorben?

    Ich finde den Hype gut!

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  •  Kommentar sagte am 18. Dezember 2006:

    Toller Bericht. Es freut mich auch mal etwas objetivere, wenn auch kritische Meinungen zu lesen, als das vielen anderen News-Sites der Fall.

    Auch ich ärgere mich über den zuehmenden Beta-Wahn der Softwarehersteller (geppart mit dem Registrierwahn), sogar Adobes CS3 wird jetzt teilweise als Beta freigegeben. Und die Leute freuen sich sogar noch darüber. Sicherlich freue ich mich auch zu sehen, wie die neuen Features aussehen, aber die Bananenpolitik macht sich mittlerweile auf allen (Software-)Ebenen breit. Eine schnelle, zuverlässige Software mit einleuchtender Usability, die nicht ständig aktualisiert werden muss ist ja heute leider der Ausnahmefall.

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  •  canbuffi sagte am 25. März 2008:

    Auch wenn ich den Artikel erst ein geschlagenes Jahr später gefunden habe: Ich muss dringendst widersprechen!
    Tatsächlich haben mich Disco & Pixelmator – beide “Shareware 2.0″ – dazu bewegt 1 1/2 Jahre lang für ein MacBook zu sparen. Gerade Disco, das wirklich – ohne Untertreibung – das einzige Programm für “Burning the Mac way” ist. Jetzt aber ganz ehrlich, wie viele CDs habt ihr schon verschossen, nur weil ihr im altehrwürdigen Toast das falsche Format ausgewählt habt… das bei einem Programm, das dir geschlagene 100 EUR aus der Brieftasche stiehlt. Und dann hab ihr immer noch nicht die Spanning-Funktion gesehen – hach.
    Natürlich gibt es einige, wahnsinnig hübsche Programme, bei denen die Frage nach dem Sinn steht – CoverSutra & Co. seien erwähnt. Aber wie das immer ist in einer Marktwirtschaft… ohne Mühe beim Suchen bekommt man letztendlich immer nur Schrott.
    Aber in dieser Szene gibt es eine ganze Reihe von Perlen, die zu unglaublichen Preisen – schonmal Photoshop für 40 EUR irgendwo gesehen? – unglaubliche Funktionen bieten. Und von ist absolut jedes sein Geld wert!

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