Steve Jobs zu Musik und DRM
Einen Tag nach Bekanntgabe der Einigung mit dem Beatles-Label Apple Corp. äußert sich Steve Jobs jetzt auf Apples US-Website in einem ausführlichen Artikel über Musik im 21. Jahrhundert, Kopierschutzmechanismen und die Rolle, die die Firma aus Cupertino dabei spielt. Dabei verrät er auch interessante Details aus den Vereinbarungen mit den großen Plattenfirmen. Da Apple selbst keine Rechte an den Songs besitze, sei ein Online-Geschäft wie der iTunes Store nur mit Unterstützung der Musikindustrie möglich, die auf wirksamen Kopierschutz verständlicherweiße großen Wert lege. So haben sich die Labels ein Ausstiegsrecht vorbehalten, sollte Apples DRM-System Fairplay geknackt werden. Die Weiterentwicklung von Fairplay bezeichnet er wörtlich als “Katz-und-Maus Spiel” mit denjenigen, die versuchen, es zu umgehen.
Aus diesem Grund spricht er sich auch gegen eine Lizenzierung von Fairplay an andere Anbieter aus. Dies würde das Kopierschutz-System nur einer noch größeren Gefahr von Hacks aussetzen. Zudem ließen sich Lücken kaum noch stopfen, wenn nicht mehr nur Kunden eines Anbieters mit Updates versorgt werden müssten.
Aus Jobs Sicht gibt es nur eine Alternative zu Fairplay: DRM-freie Musik. Dies sei die beste Lösung, und Apple würde sie sofort anbieten, wenn die großen vier der Musikindustrie – Universal, Sony BMG, Warner und EMI – sich darauf einließen. DRM sei ohnehin zum Scheitern verurteilt, da CDs weiterhin ohne Kopierschutz verkauft werden. Daher sei es nur folgerichtig, auch Musik-Downloads künftig ohne Nutzungs- und Kopierbeschränkungen anzubieten. Dazu bedürfe es aber eines stärkeren Drucks der Verbraucher auf die Plattenfirmen.
Offensichtlich reagiert Jobs mit seinem Artikel auf die Vorwürfe europäischer Verbraucherschützer, die Apples DRM-System Fairplay schon seit langem kritisieren. Das ist durchaus bemerkenswert, denn in der Vergangenheit reagierte der Apple-Chef auf Kritik oft eher einsilbig bis schweigsam.
Dass aus Jobs Sicht die Plattenfirmen die Hauptverantwortlichen für rigide Schutzmechanismen sind, mag gar nicht so fern der Realität liegen. Allerdings macht Jobs es sich wohl etwas zu leicht, wenn er seine Kunden darauf verweist, doch bei Universal & Co zu protestieren. Schließlich sitzt nicht der Endabnehmer, sondern Apple am Verhandlungstisch mit den Labels und damit wohl am längeren Hebel. Wenn Jobs wirklich so viel an freier Musik liegt, dann müsste bei der Marktposition, die iPod und iTunes mittlerweile haben, doch mehr drin sein als das, was wir bisher für 99 Cent pro Stück erwerben können.







tl (Redaktion) meint:
Unabhängig vom gut geschriebenen Artikel: Eins der schönsten Jugendbilder von Steve Jobs! ;-)
switchpacker meint:
Was beschwert Ihr Euch? Ist es nicht bereits ein wichtiger Schritt, öffentlich auszusprechen, dass das Beste Songs ohne DRM sind und dass dies die Musikindustrie ändern muss. Was meint Ihr, über was die Labels beim nächsten Meeting mit Jobs reden werden?
MACNOTES.DE » Notizen vom 7. Februar 2007 meint:
[...] Reaktionen Erste Reaktionen auf Steve Jobs DRM-Artikel sind nicht wenig überraschend: Torgeir Waterhouse von den norwegischen Verbraucherschützern sieht Apple weiterhin in der (Mit-)Verantwortung, schließlich habe Apple die angesprochene Vereinbarung mit den Musikvertrieben getroffen und verkaufe die Musik an die Endkunden, sieht es aber als gutes Zeichen, dass Apple bereit wäre auf DRM und die Verzahnung von iTunes Store und iPod zu verzichten. Von der RIAA wurden Jobs Aussagen als Angebot FairPlay zu lizensieren interpretiert. Seitens der Vertriebe sieht man die Aufforderung auf DRM zu verzichten doch eher skeptisch: “How can you be in the digital business of content and say you’re not going to protect it? So is the film and TV industry looking at doing this? I can guarantee you they’re not.” [...]
sm (Redaktion) meint:
wird DRM-freie Musik dann eigentlich mehr kosten als DRM-geschützte Musik? Liegt irgndwie nahe, oder?
ha (Redaktion) meint:
@switchpacker:
Na ja, Wein predigen, aber Wasser verkaufen ist eben zu wenig. Wenn Steve wirklich seine Liebe zu DRM-freien Inhalten entdeckt hat, muss da aus meiner Sicht mehr kommen als ein nettes Wort zum Dienstag.
Titus meint:
Ich kann mir denken, dass es Apple bei Einführung des ITMS gelegen kam, das die angebotene Musik nur auf dem iPod läuft. Das hat doch erst dazu geführt, dass Apple den Musikmarkt revolutioniert hat. Beste Kombi aus Hardware und Software. Das finde ich als Strategie verständlich. Ähnlich wird es ja wohl mit dem iPhone & Mobile-Carriers und dem Filmdownloads & Studios laufen.
Das Steve nun freie Musik in Aussicht stellt, finde ich in der Tat bemerkenswert und gibt mir den Glauben daran zurück, dass Apple seine Kunden nicht ganz vergessen hat. Immerhin hat Apple sich im Musikmarkt unentbehrlich gemacht und es würde reichen, wenn sie fortan nur noch mit geilen Produkten (Software und Hardware) überzeugen.
MACNOTES.DE » Notizen vom 8. Februar 2007 meint:
[...] Scheinheilig Als scheinheilig und durchsichtig hat Michael Haentjes, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände die Forderung von Steve Jobs nach DRM-freier Musik bezeichnet. Apple versuche seine eigenen Probleme mit dem Kopierschutz zu denen der Musikindustrie zu machen. Schließlich verdiene Apple gut an dem geschlossenen System. Statt dessen solle Apple das DRM-System FairPlay an andere Anbieter lizensieren. Jon Lech Johansen (”DVD-Jon”) fordert Taten statt Worten: so ist es derzeit für Musiker und Vertriebe nicht möglich Songs über den iTunes Store ohne DRM zu verkaufen. [...]
MACNOTES.DE » Die Woche (KW06) meint:
[...] Die vergangene Woche hatte auf jeden Fall ein großes Highlight: Steve Jobs äußert sich in einem offenen Brief zu Musik und DRM. Das wäre nicht weiter wichtig, hätte Jobs nicht die Musikindustrie aufgefordert in Zukunft auf DRM zu verzichten. Eine Lizenzierung des eigenen DRM “Fairplay” an andere Anbieter schließt er dabei auch gleich aus. Die Reaktionen auf seinen offenen Brief kamen schnell und nicht überraschend. Skepsis bei den Vertrieben, eine Fehlinterpretation durch die RIAA und die Aufforderung den Worten Taten folgen zu lassen. [...]
MACNOTES.DE » Podcast #6 meint:
[...] In der sechsten Folge unserer wöchentlichen Mac-Gesprächsrunde haben wir Thorsten von Platho-Kettner zu Gast. Aus der Redaktion sind Sebastian Müller und Carsten Dobschat dabei. Unsere Themen sind der offene Brief von Steve Jobs, die Apple-Apple-Einigung und der zehnte Geburtstag der Microsoft MacBU. Thorsten empfiehlt noch die Software MailTags. Standard Podcast [26:16m]: Play Now | Play in Popup | Download podPressPlayerToLoad(‘podPressPlayerSpace_1065′, ‘mp3Player_1065_0′, ’300:30′, ‘http%3A%2F%2Fwww.macnotes.de%2Fpodpress_trac%2Fplay%2F1065%2F0%2FMacnotes-Podcast-6-070212-MP3.mp3′); Tags: Apple, apple corps, apple inc, Microsoft, Office, Podcast Kommentar hinzufügen Zur Druckansicht Social Bookmarks & Co cd, 12.02.07 Spiele von EA für das iP… [...]
MACNOTES.DE » Notizen vom 19. Februar 2007 meint:
[...] Lehrreich Apple stellt auf der Bildungsmesse didacta vom 27. Februar bis 3. März in Köln aus. Gerade im Bildungsbereich konnte Apple hierzulande in letzter Zeit wieder einiges an Boden gut machen, nachdem Macs noch Ende der neunziger Jahre fast vollständig aus den Schulen verschwunden waren. Konfliktreich Digitale Kopierschutzsysteme sind nicht erst seit Jobs offenem Brief höchst umstritten. In Europa laufen Verbraucherorganisationen seit langem Sturm gegen die proprietären Systeme. Jetzt hat das Ministerium für Ernährung, Landwirschaft und Verbraucherschutz nach einem Bericht der FTD eine “Charta für Verbrauchersouveränität in der digitalen Welt” erarbeitet, die unter anderem geschlossene DRM für unzulässig erklären soll. Welche Auswirkungen das für Apples deutschen iTunes Store haben wird, ist allerdings völlig unklar, da ein bloßes Absichtspapier weder verbindlich für die Anbieter, noch rechtlich durchsetzbar wäre. [...]
MACNOTES.DE » Notizen vom 10. August 2007 meint:
[...] DRM-freie Universal-Titel nicht im iTunes Store Auch Universal hat sich zwischenzeitlich dazu durchringen können, DRM-freie Titel anzubieten (zum Thema Kopierschutz siehe auch hier). Anders als Konkurrent EMI will Universal seine DRM-freien Titel aber nicht über den iTunes Store vertreiben – so berichtet zumindest die New York Times. Das passt jedenfalls ins Bild, denn schon im Juli hatte es Berichte über “atmosphärische Störungen” zwischen Apple und Universal gegeben. [...]
Kommentar: Apple DRM, HDCP, Online Media und ein Boykottaufruf » MACNOTES.DE meint:
[...] erhoffen kann: ein ähnlich klares Statement zu den Video-Schutzmechanismen wie seinerzeit gegen DRM auf Musik, dem Steve Jobs vor bald zwei Jahren seine Abneigung [...]