Review: 20. Februar 2007,

Test: EyeTV Diversity

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In Deutschland heißt ein Multimedia-Trend dieser Tage DVB-T. Dabei beschränkt sich die Nutzung des sogenannten digitalen terrestrischen Fernsehens nicht mehr nur allein aufs Wohnzimmer, sondern greift auch auf PCs über. Während für Geräte mit Windows passende Komponenten für kleines Geld sogar immer wieder beim Discounter um die Ecke angeboten werden, muss man als Mac-Nutzer schon etwas tiefer in die Tasche greifen. Zudem führt am Marktführer Elgato so gut wie kein Weg vorbei. Wir haben uns EyeTV Diversity samt zugehöriger Software einmal genauer angesehen.

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Hardware

EyeTV Diversity kommt in einer unspektakulären Verpackung daher und gleicht von den Ausmaßen eher einer Zigarrenschachtel als einem DVB-T-Tuner. Dabei kann sich der Lieferumfang sehen lassen: Neben dem Tuner selbst liegen der Verpackung noch zwei separate Antennen, eine Fernbedienung samt zugehöriger Batterien, ein USB-Verlängerungskabel sowie eine Kurzanleitung und die begehrte Software EyeTV 2.0 bei. Die Installation funktioniert erfreulich reibungslos: Die Software erkennt nach der Installation automatisch, welches Gerät am Computer angeschlossen ist und führt den Benutzer schnell und zuverlässig durch die zugehörige Konfiguration samt obligatorischem Sendersuchlauf.

Kraft der zwei Herzen

Diversity – hört sich komisch an, ist technisch aber höchst interessant. Hinter dem Begriff versteckt sich eine neue Methode, um die Signalstärke terrestrischer Signale weiter zu verbessern. Somit haben Nutzer in Regionen mit schwachem DVB-T-Empfang höhere Chancen eine größere Bandbreite an Sendern störungsfrei zu empfangen. Zudem soll es die neue Technik ermöglichen, in einem fahrenden Auto bei bis zu 160 km/h noch ein adäquates Signal zur Verfügung zu haben. Aber was versteckt sich wirklich hinter Diversity?

Die neue Technik setzt auf zwei integrierte DVB-T-Tuner in einem einzigen Gerät. Dabei kann der Nutzer aus zwei möglichen Betriebsarten wählen: Mit dem „Dual-Tuner-Modus“ lassen sich zwei TV-Programme (inkl. Bild-in-Bild-Funktion) parallel anschauen, wohingegen der „Diversity-Modus“ einen bis zu max. 50% besseren Empfang bieten kann. Dazu werden zwei Antennen separat an jeweils einen Eingang des Tuners angeschlossen und schaffen es damit im Haushalt so genannte „tote Winkel“ fast vollständig zu eliminieren. In unserem Test erreichten wir damit stets eine Signalqualität von 100% und konnten alle über DVB-T verfügbaren Sender in unserer Region erreichen. Im direkten Vergleich mit einer „No Name“-Lösung für einen Laptop mit Microsoft Windows als Betriebssystem wurde die technische Finesse von EyeTV Diversity besonders deutlich: Während man sich mit dem Mac bequem durch mehrere Etagen und Räume bewegen konnte, ohne merkliche Signal- oder Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen, verweigerte die Konkurrenz des Öfteren den Dienst. Im direkten Vergleich konnte Diversity dann dank seiner zwei integrierten Tuner in Punkto Empfangsqualität punkten. Der Unterschied zwischen herkömmlichen Geräten und dieser neuen Technik ist bisweilen drastisch. Aber auch im Dual-Tuner-Betrieb machte das Gerät eine gute Figur: Für den doppelten Fernsehgenuss sollte man allerdings über einen Computer neuerer Generation verfügen, damit der TV-Spaß nicht in einer Diashow endet.

Design

Mit fortschreitender technischer Entwicklung werden DVB-T-Tuner immer kompakter und dadurch handlicher. Doch wenn ein ein entsprechendes Gerät im Format eines USB-Sticks auf den Markt kommt, drängt sich ein Vergleich mit dem vom Design her sehr ansprechenden Konkurrenz-Produkt Miglia TVMini auf. Und eines gleich vorweg: Die Abmessungen betreffend kann der Diversity-Stick nicht mithalten und wirkt im direkten Vergleich klobig. Dafür ist er der Konkurrenz mit seinen zwei TV-Tunern technisch weit voraus.
Ansonsten ist das Gerät optisch wenig aufregend: Eine halb-transparente Schutzkappe schützt den Stecker am Kopf des Sticks, ein großer Coax-Anschluss findet sich am anderen Ende. An den beiden abgeflachten Seiten befinden sich zum einen der Infrarot-Empfänger für die Fernbedienung und auf der anderen Seite ein vergoldeter Kontakt zum Anschluss der zweiten Antenne. Bei der Verwendung an einen mobilen Mac unterstreicht EyeTV Diversity seine bulligen Ausmaße noch einmal mehr: Aufgrund seiner Breite blockiert es gleich zwei USB-Anschlüsse. Kann man auf den blockierten Port partout nicht verzichten, so kann man entweder auf ein entsprechendes HUB zurückgreifen oder das von Elgato mitgelieferte Verlängerungskabel verwenden. Letzteres benötigt zwar nur einen freien Anschluss, trägt aber keinesfalls zu einem aufgeräumten Schreibtisch bei.

Kabelsalat beim EyeTV Diversity

Und wenn wir schon von Ordnung sprechen, dann sollte folgender Punkt auf keinen Fall unter den Tisch fallen: Nutzt man EyeTV Diversity mit beiden Antennen plus USB-Verlängerung, dann fabriziert man auf dem eigenen Schreibtisch einen ganz netten Kabelsalat. Letzterer ist bei mobilen Geräten lästig. Hat man es dennoch geschafft alle Kabel rund um den Schreibtisch einigermaßen zu verstauen, so könnte man eigentlich bequem vom Sofa aus per Fernbedienung das allabendliche TV-Programm genießen – aber nur eigentlich. Die mitgelieferte Fernbedienung funktionierte während unseres Test-Laufes alles andere als einwandfrei. Häufige Aussetzer und eine träge Reaktion auf Benutzereingaben trüben den Gesamteindruck des sonst hervorragenden Produktes. Hier sollte auf jeden Fall noch nachgebessert werden. Einen Trost für Besitzer aktueller Macs gibt es allerdings: Die EyeTV-Software funktioniert einwandfrei mit der Apple Remote Fernbedienung.

Software

Während die hardwareseitigen Features für sich alleine sprechen können, stellt das Herzstück des Bundles die oft prämierte Software EyeTV 2 dar. Ein Produkt, von dem Hersteller Elgato derart überzeugt ist, dass es für das teure Programm keine Demo-Version gibt. Ein Fenster zeigt das aktuell ausgewählte TV-Programm, das über eine Art „virtuelle“ Fernbedienung bequem bedient werden kann. Dazu passend gibt es noch ein Programmfenster, in welchem aufgezeichnete Sendungen verwaltet werden können oder man kurz mal durch die Online-Fernsehzeitung blättern kann.

Bedienung

Bezeichnet man ein Programm als intuitiv, so ist dies eigentlich schon mehr als ein Lob. Auf EyeTV trifft dieses Attribut eindeutig zu. Selbst eher unerfahrene Nutzer werden sich auf der Benutzeroberfläche schnell zurechtfinden. Alle Funktionen sprechen für sich und bedürfen keiner langen Erklärung. Dazu kommt noch die nahtlose Integration eines entsprechenden Programmführers (EPG) und der Brennsoftware Toast, sowie zahlreiche Export- und Editier-Funktionen. Letztere bieten zwar nicht den Funktionsumfang von iMovie, reichen aber für das schnelle Schneiden eines Films mehr als aus.

Bildqualität

Die beste TV-Software nützt natürlich nichts, wenn die Qualität bei der Wiedergabe nichts taugt. Bei EyeTv stimmt diesbezüglich allerdings alles. Entsprechende Signalqualität vorausgesetzt, bekommt der Nutzer ein glasklares Bild präsentiert, das weder von Aussetzern noch durch starke Verzögerungen verzerrt wird. Besitzer eines leistungsfähigen Macs können sich zudem über die Wiedergabe des Programms in 720p oder 1080i (MPEG-2) Auflösung freuen – entsprechende Versorgung natürlich vorausgesetzt.

Exportieren und Verwalten

Hat man sich die wöchentliche Lieblingsserie aufgenommen und möchte sie „mal eben“ für den iPod aufbereiten, so ist dies mit EyeTV ohne große Kenntnisse von Formaten und Auflösungen problemlos möglich. Über den Button „Für iPod exportieren“ lassen sich die Inhalte unkompliziert und effektiv auf den Player übertragen. Die Verwaltung von aufgezeichneten Sendungen oder das Anlegen von eigenen Sendegruppen oder Playlists funktionierte im Test tadellos.

Fazit

Bewertet man die Komponenten in diesem Bundle einzeln, so muss man bei der Hardware leichte Abstriche wegen der Probleme mit der Fernbedienung machen, wohingegen man der Software bedenkenlos die Bestnote ausstellen kann. Wer mit dem Gedanken spielt, sich in naher Zukunft eine DVB-T-Lösung für den Mac zuzulegen, der kommt um den Kauf von EyeTV 2 ohnehin nicht umhin, kann aber bedenkenlos zugreifen. Das neue Konzept mit zwei Tunern in einem Gerät kann durchweg überzeugen und sollte vor allem für potentielle Käufer in Gebieten mit schwacher Netzabdeckung interessant sein. Der Preis von 149,95 Euro geht durchaus in Ordnung und man erhält mit EyeTV Diversity ein gut geschnürtes DVB-T-Paket, das durch eine hervorragende Empfangsleistung sowie eine ausgezeichnete Software zu überzeugen weiß.

Wertung

7/10
Signal-Verdopplung via Diversity
Alternativ Empfang zweier Programme gleichzeitig
Nutzung von Apple Remote möglich
Intuitive Bedienung
Leichter Export auf iPod
Klobig im Vergleich zum Miglia TVMini
Bei Nutzung beider Antennen entsteht Kabelsalat
Mitgelieferte Fernbedienung träge

Zuletzt kommentiert



 12 Kommentar(e) bisher

  •  ml (20. Februar 2007)

    Wenn Dresden nicht mal wieder zum Tal der Ahnungslosen gehören würde, dann hatte ich längst über die Anschaffung dieser DVB-T-Lösung nachgedacht :-(.

  •  Jens Franke (21. Februar 2007)

    Vielen Dank für den Testbericht.

    In irgendeiner Printausgabe meine ich gelesen zu haben, dass der Magnet in den Antennen ein Problem für Festplatten in der nähreren Umgebung darstellen kann. Könnt ihr das bestätigen?

  •  sl (21. Februar 2007)

    Was ich bestätigen kann ist, dass in den Füßen der Antennen recht „starke“ Magnete verbaut sind. Man sollte also zumindest vermeiden die Antennen an evtl. magnetischen Gehäusen externer Festplatten oder gar am Chassis seines Laptops zu befestigen ;-) Ansonsten konnte ich keinerlei Schwierigkeiten während des Tests beobachten.

  •  Jens Franke (21. Februar 2007)

    Hi Stephan,

    besten Dank für die Antwort.

  •  JörgL (21. Februar 2007)

    Wirklich „neu“ ist Diversity natürlich nicht, sie wird seit ca. 15 Jahren z.B. im Bereich von Autoradios verwendet, um die Empfangsleistung zu verbessern.
    Faszinierend ist die Technik trotzdem, da es nicht nur darum geht einfach mit 2 Antennen den Empfang zu verbessern, sondern auch durch technische Lösungen unterschiedliche Laufzeiteffekte bei hohen Geschwindigkeiten auszugleichen.
    Näheres seht unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Antenna_Diversity

  •  bopacasi (21. Februar 2007)

    Laut Elgato ist HDTV in Europa mit Elgato-Produkten (noch) nicht möglich:

    Die in Europa verbreitete HDTV Norm über MPEG-4 AVC oder H.264 kann derzeit von EyeTV nicht abgespeilt werden.

    http://faq.elgato.com/index.php/faq/more/483/

    Allerdings gibt’s HDTV in Deutschland zZt wohl eh nur über DVB-C oder DVB-S2.

  •  tom (22. Februar 2007)

    Die Fernbedienung ist wirklich das Letzte. Eine so schlechte Fernbedienung hatte ich bisher nicht gehabt. Ich habe einCiergyT von Terratec, da ist die selbe Fernbedienung dabei. Selbst bei nem Abstand von 1 m gibt es immer wieder Probleme (Batterien sind neu und geladen :-) ). Warum bei der Ferbedienung dermaßen gespart wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Da ich ein mac mini PPC, habe ich keine Ausweichmöglichkeit. :-( Na ja, mit dem nächsten Mac wird es dann besser :-)

  •  sl (23. Februar 2007)

    @tom: Hoffnung ist in Sicht ;-) Laut Elgato soll mit EyeTV 2.3.3 auch ein Firmware Update für den in der Fernbedienung verbauten Chipsatz mitgeliefert werden. Damit könnten die Probleme dann behoben werden.

  •  tom (23. Februar 2007)

    @sl: Das verstehe ich jetzt nicht ganz. EyeTV 2.3.3 ist doch schon längst raus, von nem update für die Fernbedienung habe ich nichts bemerkt.

  •  tom (24. Februar 2007)

    So, habe jetzt bei meinem Cinergy T2 in die Front-Plastikabdeckung ein Loch, für den IR-Empfänger, gebohrt. Habe ich in einem anderem Forum gelesen, dass das helfen soll. Ich muß sagen, es ist der helle Wahnsinn. Jetzt funktioniert die Fernbedienung endlich so wie man sich das vorstellt. Kein ziehlen mehr, selbst wenn man die Fernbedienung in entgegengesetzte Richtung auf ne Wand richtet reagiert das Teil :-) Ich bin total begeistert. So wie ich das sehe, ist diese Plastikabdeckung, beim Cinergy T2, eine Fehlkonstruktion. Da ist zwar ein Loch in der Abdeckung, aber das Loch ist für die Betriebs-LED, welche eigentlich total stöhrend wirkt, weil sie so hell leuchtet.

  •  Mario (25. Februar 2007)

    danke für euren test…
    mich würde jetzt noch interessieren, wie der akkubetrieb beeinflusst wird!?
    über einen screenshot der bildqualität würde ich mich auch noch freuen…

    damit könnte ich die wenigen stunden tv im monat, noch gezielt verbringen! :-)

  •  e1l52 (1. August 2007)

    Noch ein Kommentar zu den Magnetfüßen der Antenne : Genau das ist bei Verwandten von mir passiert. Deren 11-jährige Tochter hat damit rumgespielt und die Antenne neben das Trackpad aufs Gehäuse eines iBooks gestellt. Resultat : Platte komplett defekt. Totaler Datenverlust.


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