Review: 6. April 2007,

Test: Google Desktop für Mac

Macnotes
Macnotes - Logo

Nicht erst seitdem mit Eric Schmidt der Google-CEO im Verwaltungsrat von Apple sitzt widmet der Suchmaschinen-Gigant dem Mac gesteigerte Aufmerksamkeit. Seit dieser Woche ist Googles Desktop-Tool in einer Version für den Mac erhältlich. Wir werfen im Test einen ausführlichen Blick auf den Spotlight-Konkurrenten.

Werbung

Installation

Gerade einmal 1 MB groß ist die Datei, die man nach dem Klick auf den Install-Button bekommt. Wer sich über die Dateigröße wundert, tut das zu recht. Denn anders als der Name vermuten lässt, verbirgt sich hinter „GoogleDesktop.dmg“ der sogenannte Google Updater, mit dem die eigentliche Software erst noch heruntergeladen werden muss. Windows-Anwender mögen darüber nur müde lächeln, aber auf dem Mac ist so eine Installations-Prozedur alles andere als Standard und stößt deshalb auf natürliche Skepsis. Ein Grund für den Sonderweg, den Google hier einschlägt, ist jedenfalls nicht erkennbar. Weiteres Ärgernis: Der Google Updater macht sich mit einer ganzen Reihe von Prozessen im Hintergrund breit, die nach Beenden des Programms nicht verschwinden wollen und erst von Hand beendet werden müssen. Wie tief Google Desktop sich in die Systemstruktur einnistet, hat John Gruber bereits aufgezeigt. Positiv fällt dagegen auf, dass der Installer brav fragt, ob man sich mit dem automatischen Senden von Nutzungsstatistiken an Google einverstanden erklärt. Nach einem Blick auf Googles Datenschutzerklärung raten wir dazu, dankend abzulehnen.

Einmal installiert (ein Neustart ist nicht nötig) beginnt die Indexierung der Dateien, die dafür sorgt, dass Google Desktop später auf Anhieb findet, wonach man sucht. Dieser Vorgang ist zum Glück nur beim ersten Starten der Software erforderlich, denn er dauert seine Zeit: In unserem Test gut 5 Stunden für etwa 100 000 Dateien. Aber dankenswerterweise kann man währenddessen seinen Mac ohne Performance-Einbußen weiter nutzen.

Features und Bedienung

Das Suchfenster für Google Desktop lässt sich mit einem sehr praktischen Shortcut ein- und ausblenden. Ein doppelter Druck der Apfel-Taste genügt. Finger-Akrobatik ist also nicht erforderlich. Anders als bei Spotlight, erscheint das Eingabefeld zudem zentriert über allen anderen Fenstern. Kleiner Unterschied, aber große Wirkung: Die Augen müssen nicht erst in die obere Bildschirmecke wandern, was das Suchen deutlich angenehmer macht.

Die Suchergebnisse erscheinen bei Google Desktop nahezu simultan mit dem Eintippen des Suchbegriffs und damit gefühlt gut drei- bis viermal so schnell wie bei Spotlight. Das Suchfenster zeigt allerdings nur die ersten 5-15 Ergebnisse (in drei Stufen wählbar in den eher dürftigen Einstellungen), wer mehr will wird zu einem Browserfenster weitergeleitet. Per Klick auf einen der Treffer gelangt man direkt zu der Datei bzw. der Website, dem Termin oder der E-Mail. Leider ist die Sortierung der Treffer wenig strukturiert und die Gewichtung nicht nachvollziehbar. Zwar kann man im Browserfenster die Ergebnisse nach Typ filtern lassen, eine übersichtliche Gesamtdarstellung wie bei Spotlight sucht man aber vergeblich. Und was nützt einem die schnellste Suche, wenn man damit zwar den sprichwörtlichen Heuhaufen, aber nicht die Nadel darin finden kann?

Fazit

Was bietet Google Desktop, was Apples Suchtechnologie Spotlight nicht kann? In erster Linie Geschwindigkeit. Google Desktop hat in diesem Fall ganz klar die Nase vorn. Das Bedienkonzept kann im direkten Vergleich mit Spotlight ebenfalls überzeugen. Punktabzug gibt es aber für die Installation, die so gar nicht Mac-like ist, und die Aufbereitung der Suchergebnisse. Während Spotlight eine logisch nachvollziehbare Kategorisierung und direkte Finder-Integration bietet, verwirrt Google Desktop mit nicht nachvollziehbar sortierten Listen und dem Umweg über den Browser. Natürlich hängt das damit zusammen, dass Spotlight fester Bestandteil von OS X und Google Desktop eben nur eine Software eines Drittanbieters ist, aber andere Programme wie z. B. Quicksilver (dessen Schöpfer übrigens auch an der Entwicklung von Google Desktop beteiligt war) zeigen, dass es besser geht. Alles in allem ist Google Desktop für Mac ein vielversprechender Anfang, aber derzeit sicher noch kein Spotlight-Ersatz.

Wertung

4/10
Suchfeld zentral sichtbar
Aufruf per Tastaturkürzel
Standardsuche sehr schnell
Ungewohnte Installations-Routine
Nach Installation Hintergrunddienste weiter aktiv
Suchergebnisse wenig strukturiert
Weitersagen

Zuletzt kommentiert



 3 Kommentar(e) bisher

  •  Yoram (6. April 2007)

    Nachdem es auf meinem Macbook ohne Probleme sauber lief hab‘ ich’s auf’m großen installiert (iMac24″): GD lief erstmal ohne zicken, aber nach ca. 12 Stunden und 600.000 Dateien am zählen beim Index erstellen lief der iMac recht zäh mit teilweise 80% Prozessorbelastung. Index-Datei bis dahin: 2,8 GB – steigend. GD gekillt und geköpft. Next.

  •  Christian (6. April 2007)

    Pierre Igot fällt ein deutlich harscheres Urteil:

    Google Desktop: A pretty lousy Mac OS X application

    Google Desktop: Cannot uninstall either

  •  ha (7. April 2007)

    Also die Probleme, die er dort schildert, kann ich hier nicht nachvollziehen. Auch das Deinstallieren klappt – auf Dauer will ich Google Desktop zum jetzigen Stand der Dinge dann nämlich auch nicht haben ;-)


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.



Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>