MACNOTES

Veröffentlicht am  23.01.08, 15:36 Uhr von  Alexander Trust

Analyse: Wird das iPhone noch zum Business-Handy?

iPhoneDas iPhone gilt zwar als das Über-Gadget der letzten Monate und verkauft sich vor allem in den USA prächtig. Aber in der Welt der Anzugträger hat es sich bisher allenfalls als Zweithandy und Statussymbol für die Freizeit durchsetzen können. Die IT-Abteilungen größerer Firmen machen um das iPhone noch einen weiten Bogen und setzen stattdessen weiterhin auf Blackberry oder Windows Mobile Geräte.

Nur bedingt Business-tauglich

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Das iPhone unterstützt weder die Synchronisation mit den im Firmen-Umfeld verbreiteten Exchange-Servern, noch echte Push-Dienste für den E-Mail-Empfang. Die Touchscreen-Lösung des iPhones mit seinen “virtuellen Tasten” ist beim Schreiben längerer Mails den Mini-Tastaturen à la Blackberry unterlegen. Und auch die Copy&Paste-Funktion vermisst man schnell, wenn man am iPhone täglich mit Dutzenden von Kontakten, Terminen und E-Mails jongliert. Kurz: Das iPhone ist von Kopf bis Fuß als Lifestyle-Gerät konzipiert und wird auch so vermarktet.

Wachstumschance Business-Markt

Dabei böte der Business-Markt durchaus interessante Perspektiven, sowohl für Apple als auch für die Netzbetreiber. Firmen- sind meist Großkunden und der Business-Markt dürfte auch insgesamt weiter wachsen: In vielen Unternehmen steht derzeit die Ablösung der ersten Smartphone-Generation an, außerdem sind die “elektronischen Fußfesseln” zunehmend nicht mehr nur den Führungsetagen vorbehalten.

Zaghafte Annäherungsversuche

Dieses Potential scheint auch AT&T erkannt zu haben: Ab Montag ist das iPhone in den USA erstmals auch mit Firmen-Tarifen zu haben. Einen ähnlichen Schritt plant Orange in Frankreich offenbar für Ende des Monats. Für Deutschland sind allerdings keine vergleichbaren Pläne bekannt; unsere Anfrage bei T-Mobile blieb bisher unbeantwortet.

Derweil entstehen die ersten Software-Lösungen für den Einsatz des iPhones in Unternehmen. So soll z. B. der iPhone-Client von Lotus Notes kurz vor der Fertigstellung stehen, auch wenn ein IBM-Sprecher gegenüber ZDnet andeutete, dass es – anders als erwartet – noch nicht zur Hausmesse Lotusphere in der kommenden Woche soweit sein wird. Möglich, dass IBM zunächst das offizielle Entwicklerkit von Apple abwartet (dazu siehe unten).

Die deutsche Softwareschmiede Topix arbeitet unterdessen an einem iPhone-Client für seine Unternehmens-Software Topix:5. Die Safari-basierte Lösung wurde erstmals auf der MacLive Expo in Köln im November gezeigt und soll demnächst in einer ersten Beta-Version erscheinen.

[nggallery id=77]

Für Februar hat Apple außerdem die Veröffentlichung seines Entwicklerkits (SDK) angekündigt. Damit können erstmals auch offiziell native Anwendungen für das iPhone geschrieben und installiert werden. Sofern Apple die Dritt-Programme nicht in einer Art Sandbox einsperrt, dürfte das SDK den entscheidenden Schritt in Richtung Business-Tauglichkeit darstellen. Eine echte Exchange-Lösung wäre dann ebenso denkbar wie z. B. eine vollwertige, externe Tastatur. Tatsächlich zeigte der Zubehör-Hersteller Macally auf der Macworld in San Francisco bereits einen Prototyp einer Bluetooth-Tastatur für das iPhone. Sie soll im März auf den Markt kommen und rund 100 Dollar kosten.

Fazit: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Bisher existiert das Business-iPhone vor allem in den Wunschvorstellungen vieler leidgeprüfter Nutzer von Windows Mobile. Doch langsam scheint sich das Blatt zu wenden: Mit AT&T und Orange erkennen die ersten Netzbetreiber, das hier noch gewaltige Umsätze gehoben werden können. Und auch Hard- und Software-Hersteller sehen offenbar große Chancen für das iPhone im Firmenumfeld, halten sich wegen des bisher fehlenden Entwickler-Kits aber noch zurück.

Schließlich sollte auch Apple sich den Wünschen des Marktes nicht verwehren: Das iPhone soll und muss den iPod über kurz oder lang als Wachstumsträger ablösen. Und auch den vielbeschworenen “Heiligenschein-Effekt” sollte Apple nicht unterschätzen. Haben die IT-Entscheider ihre Firmen erst einmal hundertfach mit iPhones ausgestattet, dürfte ihr Blick über kurz oder lang auch auf den Mac fallen, wenn die nächste Investition ansteht.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 1 Kommentar(e) bisher

  •  rhk sagte am 24. Januar 2008:

    Die Programme, die mit dem SDK erstellt werden, müssen zwingend in einer Art Sandbox ablaufen! Anderenfalls zieht die FCC da einen Strich durch die Rechnung.

    Stichwort: Ein fehlerhaftes Programm (egal ob von Apple kontrolliert oder nicht) könnte das gesamte GSM Netz lahm legen und somit größt möglichen Schaden verursachen. Das will die FCC ausschließen und hat hier sehr rigerose Kontrollen.

    Aus dem selben Grund wird Google mit Android auch scheitern, denn da ist es ja noch offensichtlicher, dass Malware auch auf den GSM-Stack zugreifen kann.

    Leider, leider, leider wird man diesbezüglich Steve auch nicht umstimmen können, seine Apathie gegen Java doch noch zu kurieren. Da hilft es auch nicht, dass Java den Mobiltelefonprogramme-Markt faktisch bestimmt und noch wesentlich mehr Features bei Gosling&Co. in der Schublade liegen.

    Also bleibt nur eine Objective-C-Sandbox :-)

    Fazit: Es wird eine – wie auch immer geartete Sandbox – geben und schlimm ist es nicht.

    Antworten 

Kommentar verfassen

Werbung
© 2006-2013 MACNOTES.DE. Made with insanely great for all things Mac. Apple.de