MACNOTES

Veröffentlicht am  11.02.08, 12:12 Uhr von  Alexander Trust

Test: Zeiss Cinemizer

Auf der Macworld haben wir bereits einen ersten Blick auf bzw. durch den Cinemizer von Carl Zeiss werfen können. Nachdem sich die neue Videobrille anschließend auch im Alltag bewähren musste, wird es nun Zeit für unseren ausführlichen Testbericht. Hält der Cinemizer, was sein Name verspricht?
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Lieferumfang

Der Cinemizer kommt in einer schicken, aber recht klobigen Transportschachtel. Außer der Brille nebst Akkubox und Kabelfernbedienung finden sich darin insgesamt 6 Adapter-Clips für die verschiedenen iPod-Modelle, zwei unterschiedlich große Nasenpolster, eine Kurzanleitung sowie ein USB-Kabel. Letzteres dient lediglich zum Aufladen der Akku-Box, Filme lassen sich auf dem Cinemizer nicht speichern. Zwar verfügt der Cinemizer über einen Klinke-Eingang zum Anschließen anderer Video-Quellen (wie DVD-Player oder Spielekonsolen), ein passendes AV-Kabel muss allerdings zusätzlich gekauft werden.

Design und Formfaktor

Für das Design holte sich Zeiss mit Frog Design die Firma ins Boot, die auch für Apples Formensprache der achtziger Jahre verantwortlich zeichnete.

Entstanden ist eine Videobrille, die zumindest auf den ersten Blick auch für eine Sonnenbrille aus dem Sportbereich gehalten werden könnte – eine Illusion, die durch die verspiegelten “Gläser” der Brille ganz bewusst erzeugt wird. Schaut man etwas genauer hin, fällt dann aber doch der recht breite Rahmen auf, in dem die beiden Displays und die Linsen Platz finden. Statt in Schwarz gibt es den Cinemizer übrigens auch in vier etwas fröhlicheren Farbvarianten. Doch so sehr sich die Designer bemüht haben: Man sieht mit der Brille bestenfalls gewöhnungsbedürftig aus.
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Bedienung und Ergonomie

Dank der breiten, dehnbaren Bügel und dem austauschbaren Nasenpolster lässt sich der Cinemizer einigermaßen komfortabel tragen. Mit seinen 115 Gramm ist er allerdings kein echtes Leichtgewicht. Da die Brille das Sichtfeld nicht vollständig abdeckt, lässt sich zumindest noch erahnen, was um einen herum passiert.

Am Rahmen kann für beide Augen unabhängig voneinander eine Dioptrien-Stärke von -3,5 bis +3,5 eingestellt werden. Diese stufenlose Schärferegelung ist wohl der größte Pluspunkt des Cinemizer und macht sich selbst dann bezahlt, wenn man im Alltag keine Brille trägt.

Weniger gelungen sind dagegen die Ohrhörer: Sie werden von den Bügeln herunter- und vor die Ohren geklappt. Diese Konstruktion wirkt erstens ziemlich wackelig und ist zweitens auch in Sachen Klang alles andere als optimal (siehe unten). Die Konkurrenz – wie z. B. myvu – verfolgt mit flexiblen In-Ear-Hörern insoweit das bessere Konzept.

Am rechten Bügel ist die Brille über ein Kabel mit der schlanken und leichten Akkubox verbunden. Diese liefert das Videosignal, dementsprechend findet hier auch der iPod Anschluss. Dafür hat man mit den austauschbaren Adapter-Clips, die den iPod quasi Huckepack nehmen, eine gute Lösung gefunden. Drei LEDs an der Akkubox informieren über Ladezustand und Video-Modus, außerdem gibt es einen USB-Anschluss sowie einen Klinke-Eingang (siehe oben).

Im Kabel integriert ist die Fernbedienung, die sich dank der haptisch gut unterscheidbaren Knöpfe auch ohne Sichtkontakt bedienen lässt – alles andere wäre bei einer Videobrille aber auch höchst kontraproduktiv.
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Bild- und Tonqualität
Als “mobiles Kino für unterwegs” bewirbt Zeiss den Cinemizer und tatsächlich bietet er als erste Videobrille für die aktuelle iPod-Generation eine Auflösung von 640 x 480 Bildpunkten. Cineasten werden da zwar nur müde lächeln, aber bekanntlich entscheidet nicht allein die Auflösung über ein gutes Bild: Tatsächlich stellt sich beim Betrachter schon nach kurzer Zeit das Gefühl ein, auf einen großformatigen Fernseher bzw. ein kleineres Leinwand-Exemplar zu schauen.

Das Bild ist gestochen scharf und wirkt trotz der VGA-Auflösung erstaunlich detailreich. Allerdings könnte das Bild deutlich mehr Kontrast vertragen. Auch die 3-stufige Helligkeitsregelung an der Fernbedienung hilft hier nicht weiter: Zwar lässt sich damit für etwas mehr Farbintensität sorgen, gleichzeitig werden dann aber hellere Bereiche häufig überzeichnet.

Die integrierten Ohrhörer sind zwar laut, aber klanglich äußerst schwach auf der Brust: Bässe wirken blechern, im Hochton-Bereich wird es leicht schrill. Da die Ohrhörer lediglich vor den Gehörgang geklappt werden, schirmen sie Umgebungsgeräusche zudem faktisch überhaupt nicht ab.

Fazit

Auf der Coolness-Skala liegt der Cinemizer ganz weit vorn: Videobrillen wirken auch im 21. Jahrhundert noch seltsam futuristisch. Genau das könnte dem Cinemizer aber zum Verhängnis werden: Man sollte mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet sein, wenn man den Cinemizer nicht nur auf der heimischen Couch oder in der Business-Class, sondern auch in der S-Bahn oder im Wartezimmer beim Arzt tragen möchte.

Das Bild ist detailreich und scharf, leider aber auch erstaunlich konstrastarm. Trotzdem stellt sich nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ein recht passables Seh-Erlebnis ein. Klanglich dagegen enttäuscht der Cinemizer: Die merkwürdige Ohrhörer-Konstruktion sollte Zeiss noch einmal überdenken.

Wir empfehlen, das Gerät vor dem Kauf selbst auszuprobieren. Auch wenn der Cinemizer insgesamt durchaus gelungen ist: Er ist ein Fortschritt, aber keine Revolution und wird die Videobrille deshalb wohl weiterhin nicht zum Alltagsgegenstand machen.

5/5Testurteil: 3,5/5 Macs
Bezeichnung: Cinemizer
Hersteller: Carl Zeiss AG
Preis: 369 Euro (ab Ende Februar erhältlich)

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 8 Kommentar(e) bisher

  •  Takeo sagte am 11. Februar 2008:

    @Hendrik
    Kriegt man von dem Teil nicht auch, wie sonst immer von diesen Dingern, tierisch Kopfschmerzen, tränende Augen und überhaupt das Gefühl, dass man da etwas sinnfreies gekauft hat?

    Antworten 
  •  ha sagte am 11. Februar 2008:

    Wie gesagt, ich halte das Gerät für einen Fortschritt in Sachen Videobrillen, nach etwas Eingewöhnung hat man wirklich ein recht angenehmes Video-Erlebnis. Wenn die angesprochenen Schwächen nicht wären, hätte der Cinemizer auch deutlich mehr Punkte bekommen.

    Ob man das Gerät braucht, muss jeder selbst entscheiden.

    Antworten 
  •  Diddi sagte am 15. Februar 2008:

    Da hoffe ich nur das man es mal vor dem Kauf testen kann und das man diese Video-Brille auch so an meinem COWON A3 anschließen kann,
    das meine Sennheiser CX95 zum Einsatz kommen ;-)

    Interesse meinerseits ist auf jeden Fall vorhanden und über Geld spricht man nicht :-)
    Schauen wir mal.

    Übrigens Klasse Bericht, mal nett Danke sage!

    Antworten 
  •  TerminX sagte am 10. März 2008:

    hab grad gesehen, dass man sich auf der seite für eine 14-tägige testphase bewerben kann. wäre natürlich toll das ding vor dem kauf erst einmal ausprobieren zu können

    Antworten 
  •  Testpilot sagte am 15. Juni 2008:

    Habe mich auf der Seite angemeldet und siehe da…ich bin jetzt Testkunde des Cinemizer für 14 Tage!Man sollte aber unbedingt eine Video IPot haben da ein geeignetes Kabel für andere Quellen erst gekauft werden muss. Ob man da auf die Schnelle was bekommt ist fraglich. Meldet Euch auch mal auf der Seite an! Klappt sicher auch… Gruß

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  •  Madmax sagte am 20. Juni 2008:

    Ich teste das Gerät gerade und kann dazu folgendes sagen:
    - Das Gerät würde Sinn machen, wenn es auch höhere Auflösungen unterstützen würde (z.B. HD)
    - Es ist klobig und relativ schwer
    - Der Bildeindruck auf meinem iPod Video Gen. 5.5 ist besser (kontrastreicher)
    - Der Preis wäre nur gerechtfertigt, wenn man dafür das Gefühl bekäme, in den Film komplett einzutauchen. Aufgrund des relativ kleinen Teils des potentiell nutzbaren Sichtfeldes, welches das Bild tatsächlich einnimmt, haut einen das Bild nicht von den Socken.
    Fazit: Mir macht Filme gucken unterwegs mehr Spaß, direkt auf dem iPod. Außerdem bekomme ich dann noch etwas von meiner Umgebung mit (z.B. im Zug). Wenn der Preis bei ca. 100 EUR läge, wäre das mal ein nettes Gadget, welches man sich ohne groß nachzudenken kaufen kann. Aber 369 EUR ist ein völlig inakzeptabler Preis für ein Gerät mit fragwürdigem Mehrwert. Von einer Qualitätsfirma wie Zeiss erwarte ich zudem deutlich mehr in Sachen Wertigkeit der Ausstattung (z.B. was Tragekomfort und die Kopfhörer angeht).

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  •  Gast sagte am 9. April 2009:

    Ich kann mir nicht helfen aber das Teil ist aus Produktdesign Sicht einfach nur lachhaft. Hab es eben im AppleStore in der Hand gehabt und auch ausprobiert. Der Zeiss-Produktfilm kommt daher wie ein Mix aus 80er und 90er… gruslige Musik, Kommentare, Setgestaltung, etc. Der Prospekt zu dem rund 350 E teurem Gerät lässt einem dann schlussendlich das Teil nie mehr anfassen….
    Obendrein muss ich hier noch lesen dass FrogDesign bei der Entwicklung mitgemischt haben soll.
    puuhhhh !! Das ist ein Ding.
    Die Verantwortlichen sollten sich künftig besser nicht mehr auf den vor rund 30 Jahren errungenen Design-Lorbeeren ausruhen und dieser Videobrille ganz zügig einen umfassenden Relaunch verpassen !!
    Dieses Teil kauft niemand der nur ein Fünkchen Geschmack besitzt.
    Ps. Die technische Seite lasse ich bewusst unberücksichtigt, da ich den Cimemizer bei der Nutzung schließlich auf der Nase trage und nicht in der Hosen- oder Jackentasche.

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  •  Tester sagte am 27. Februar 2010:

    Hallo!
    Ich habe gestern in einem autor. Geschäft diesen Cinemizer mit meinem Ipod Classic getestet.
    In diesen 10 Minuten ist mir eins klar geworden: Mangelhaft!!!
    Warum?:
    * sehr Kontrastarm
    * zu kleines Bild
    * keine Abschirmung im Augenbereich (um die Brille herum sind die Einstrahlungen von Licht zu hoch!)
    * Ton miserabel
    * zu schwer auf der Nase sitzend
    * Preis/Leistungsverhältnis ungenügend
    Sorry!

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