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Veröffentlicht am  14.03.08, 20:23 Uhr von  ml

Tutorial: Schöner schreiben mit LaTeX

LaTeXTextverarbeitungsprogramme lassen sich in zwei Gruppen unterscheiden: graphisch orientierte Wortprozessoren und einfache Editoren. Bei Ersteren kann der Anwender sofort mit der Eingabe des Texts beginnen. Dieser erscheint so auf dem Bildschirm, wie er später auch ausgedruckt aussieht. Das Ergebnis lässt sich unmittelbar überprüfen und ggf. korrigieren, deshalb spricht man hier oft auch von WYSIWYG (“What you see is what you get”, frei: Das was angezeigt wird, entspricht dem Ergebnis.). Zu diesen Programmen zählen u. a. Word und Pages.

Bei den Editoren verhält es sich anders. Zwar kann man auch hier gleich mit der Eingabe des Texts beginnen, doch das Ergebnis lässt sich erst nach der Verarbeitung durch ein sog. Formatierungsprogramm anschauen. Zudem muss der Schreiber seinen Text durch bestimmte Kommandos strukturieren und auszeichnen. Wer häufig Seiten in Wikis bearbeitet, ist mit einer solchen Beschreibungssprache schon in Berührung gekommen, denn erst nach der Verarbeitung durch die Wiki-Engine entsteht eine im Browser darstellbare HTML-Seite.

Auf den ersten Blick erscheint das erste Konzept daher als das ideale, denn man gelangt schnell und bequem zu ansehnlichen Ergebnissen. Doch diese Programme haben auch einen entscheidenden Nachteil: die Satz- und Formatierungsqualität entspricht nicht professionellen Ansprüchen. Insbesondere wissenschaftliche Arbeiten verwenden häufig viele mathematische Formeln und in dieser Disziplin haben die meisten Programme eklatante Schwächen.

In diesem Tutorial zeigen wir euch, wie sich das Programmpaket LaTeX (sprich: Latech) unter Mac OS X installieren und nutzen lässt. Im ersten Teil konzentrieren wir uns auf die Installation und die ersten Schritte. Im zweiten Teil stellen wir Editoren vor, mit denen sich LaTeX bequemer und komfortabler nutzen lässt.

Geschichte
Nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert durch Johannes Gutenberg entstand ein völlig neuer Berufszweig: der des Schriftsetzers. Aufgabe des Schriftsetzers ist es aus einem Text eine Druckvorlage zu schaffen. Bei der Erstellung eines Satzes müssen Dinge wie Zeilenabstand, Wortabstand und Typographie beachtet werden, damit ein gut lesbarer Druck entsteht.

Mit dem Ziel Texte in Buchdruckqualität auch am Computer erzeugen zu können, entwickelte Donald E. Knuth Ende der siebziger Jahre das Satzprogramm TeX (sprich: Tech). TeX bietet eine enorme Leistungsfähigkeit, die allerdings zu Lasten einer einfachen Benutzung geht, denn dem Anwender werden breite Kenntnisse über Eigenschaften des Drucks und der Programmierung abverlangt. Um auch Anwendern ohne Programmierkenntnisse die Verwendung von TeX zu ermöglichen, schuf Leslie Lamport mit LaTeX eine benutzerfreundliche Möglichkeit, dass darunter liegende TeX-System zu benutzen.
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Links ein Text der mit LaTeX gesetzt wurde. Rechts dazu die Variante mit Word. Deutlich zu erkennen sind die Schwächen von Word beim Blocksatz, die sich in einem unregelmäßigen Wortabstand zeigen. LaTeX beherscht auch automatische Trennung von Wörtern, die bei Word ebenfalls standardmäßig nicht eingestellt ist.

Update
Ich habe das LaTeX-Beispiel aktualisiert, da sich dort leider ein Trennungsfehler eingeschlichen hatte, der aus der falschen Sprachauswahl für das LaTeX-Dokument resultierte.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 13 Kommentar(e) bisher

  •  Andreas Moster sagte am 14. März 2008:

    Hm – LaTeX unter OSX ist wirklich prima – allerdings ist der i-Installer nicht mehr aktuell und wird seit 01.01.07 nicht mehr gewartet.
    Besser und auch einfacher ist die MacTeX Distribution:
    http://www.tug.org/mactex/

    Antworten 
  •  daniel sagte am 14. März 2008:

    Auf diese Serie bin ich gespannt.
    LaTeX ist toll und genial – vor allem mit LyX. Nie wieder Ärger mit irgendwas. Einfach schreiben, Fußnoten und Literatur aus der BibDesk-Bibliothek einfügen, Tabellen, Abbilder, Formeln…. alles automatisch und numeriert etc. :-)
    Man kann sich voll und ganz auf den Inhalt konzentrieren, sobald die Vorlage einmal eingerichtet ist. :-)

    Antworten 
  •  Chris sagte am 14. März 2008:

    Oh ja, da muss ich Andreas beipflichten, den i-Installer (zur Installation der eigentlichen TeX-Distribution) solltet ihr 2008 lieber nicht mehr empfehlen.

    Übrigens muss die Schrift nicht so “LaTeX-typisch” aussehen. Mit \usepackage{pslatex} gibt es z.B. Times und Helvetica …

    Noch eine ganz praktische Anmerkung zum Artikel: diese altbackene Aufteilung auf drei Einzelseiten mit Weiterklickzwang ist schrecklich! ;)

    Antworten 
  •  Jules sagte am 14. März 2008:

    Davon mal abgesehen ist es für den deutschen Sprachraum sinnvoll KOMA-Script Klassen zu verwenden. Nur so als Tipp ;)

    Antworten 
  •  ml sagte am 15. März 2008:

    Danke für die vielen LaTeX-Tipps. Das ist natürlich alles richtig, geht aber meiner Meinung nach über den Zweck dieses Tutorials hinaus. Sowas ist dann eher für den zweiten Teil gedacht.
    Noch eine Sache zum i-Installer: Das Programm wird zwar nicht mehr supported oder weiterentwickelt. Doch der i-Installer installiert die gleiche TeX-Version (TeXLive 2007) wie die MacTeX-Distribution. Außerdem enthält MacTeX auch den i-Installer. Der Vorteil dieser Distribution ist natürlich, dass man gleich passende Programme zum Schreiben und Verwalten dabei hat.

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  •  patrick sagte am 15. März 2008:

    Hm, mich wundert, dass neben Word und Pages nie z.B. InDesign erwähnt wird. Das vereint doch durchaus Professionalität und WYSIWYG und kann auch als Textverarbeitungsprogramm angesehen werden…

    Antworten 
  •  MacMacken sagte am 15. März 2008:

    Könnte man die beiden Bilder vielleicht so einbinden, dass man sie gleichzeitig öffnen und entsprechend miteinander vergleichen kann?

    Antworten 
  •  Moss sagte am 17. März 2008:

    Großes Lob für dieses Tutorial, trotz einiger Mängel!

    Neben dem, was die Vorkommentatoren schon angesprochen haben, fällt mir störend auf, daß da zuerst ein komplettes System installiert, aber dann für den ersten Gehversuch gleich auf der Kommandozeile gefummelt wird. Es gibt doch so schöne Oberflächen wie TeXShop (nutze ich selbst täglich professionell), iTeXMac, TeXmaker oder auch — für Emacs-Anwender — selbigen mit AucTeX und preview-LaTeX!

    Der i-Installer ist wahrlich angestaubt, allerdings werden die Repositories afaik immer noch gepflegt und sind für allerlei TeX-nahe Utilities immer noch gut. Anderes bekommt man gut über Fink, und für aktuelle Pakete gibt’s natürlich CTAN -> http://www.ctan.org .

    Für die Neuinstallation eines TeX-Systems würde ich allerdings auch die MacTeX-Distribution vorschlagen, je nach Anforderungen und Erfahrungsstand durch eine komplette TeXlive-Installation ergänzt. Beides gibt’s grob jährlich neu zusammengestellt auf CTAN und als gepreßte DVD zu kaufen. Dante-Mitglieder -> http://www.dante.de bekommen sie gratis zugesandt. ;-)

    Antworten 
  •  Moss sagte am 17. März 2008:

    Ohne die Ingrid machen zu wollen, fällt mir gerade noch ein: wer Lust hat, sich mal mit TeXies in freier Wildbahn zu konfrontieren, dem sei einer der Stammtische (Adressen und Termine siehe Dante-Seiten) oder z.B. der Dante-Stand am LinuxTag empfohlen.

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  •  Martin sagte am 28. März 2008:

    Wann kommt denn der nächste Teil?

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  •  mes sagte am 22. Mai 2008:

    Ich kenne mich nicht so mit Latex aus, erkenne aber das es sich um eine Bezeichnungs-Sprache handelt, um Text von der Formatierung zu trennen. Docbook und DITA besitzen den gleichen Ansatz, basieren allerdings auf XML und lassen sich Mittels XSLT in beliebige Zielformate konvertieren. Ist dies nicht – vorsichtig ausgedrückt – zeitgemäßer auf aktuelle Standards zu setzen?

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  •  latex sagte am 23. Mai 2008:

    schlechtes Beispiel, das hier zerrissen wird: http://www.forum-3dcenter.org/vbulletin/showthread.php?p=6523400#post6523400

    Antworten 
  •  ml sagte am 23. Mai 2008:

    @mes: Die Stärke von LaTeX ist ja nicht die Auszeichnung von Texten. Die Stärke liegt in dem typographischen Algorithmen, die in der TeX-Engine stecken. Vielleicht kann man auch sagen, dass LaTeX keine richtige Beschreibungssprache ist, denn LaTeX-Kommandos sind eher Shortcuts für eine Reihe von TeX-Kommandos, die letztendlich den Textsatz steuern. Wenn aber jemand daherkommt und ein XSLT schreibt, welches die TeX-Algorithmen umsetzt, dann könnte man auch XML verwenden.

    @latex: Die ganze Diskussion geht doch am Kern der Sache vorbei. Klar kann Word auch wesentlich ansehnlichere Texte erzeugen, aber in meinem Beispiel ging es darum zu zeigen, was mit den Standardeinstellungen, bei Word und bei LaTeX, produziert wird. Sich dann den ganzen Thread hindurch an einer fehlerhaften Trennung hochzuziehen, spricht nicht für das Niveau der Diskussion.

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