Kommentar: 17. März 2008,

Mac-Zeitschriften in der Kritik: zu wenig Anspruch

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Nach über 20 Jahren PC-Erfahrung stellte der Umstieg auf den Mac kein Problem dar. Die Neugier trieb mich an den Kiosk. Doch die Mac-Zeitschriften bieten vor allem oberflächliche Informationen. Man ist geneigt, zu sagen, dass es keine anspruchsvollen Mac-Zeitschriften gibt.

Die Bilanz ist ernüchternd: Mac UP, Mac Life, Macwelt… zuletzt dann noch MAC Praxis von Data Becker, die nicht im monatlichen Turnus erscheint. Dazwischen waren noch einige Sonderausgaben und Zeitschriften, die ich durchblätterte. Von Lesen kann deshalb nicht die Rede sein, weil ich mir von Beginn an ein wenig veräppelt vorkam.

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Wenn man aus dem PC-Sektor kommt, dann bringt man notgedrungen einen anderen Maßstab mit. Dort gibt es anspruchsvolle und weniger anspruchsvolle. Beispielsweise bietet die Computerbild zum Teil Fehlinformationen versucht aber vor allem Einsteiger anzusprechen. Die c’t hingegen kann man als anspruchsvollere PC-Zeitschrift kategorisieren. Daneben gibt es einen ganzen Blätterwald mit Linux-Magazinen, Special-Interest-Blättern für Marketing, (Web-)Programmierung usf.

Wenig Information

Aber die Zeitschriften für Mac-Nutzer sind meines Erachtens das Geld meist nicht Wert, das der Kunde am Kiosk investiert. Tutorials sind Mangelware. Dafür kommt es einem vor, als würde man einen Katalog durchblättern. Immer dann, wenn Apple ein neues Produkt vorstellt, was zu mehreren Terminen im Jahr passiert, manchmal auch ohne Keynote, dann sind die Zeitschriften voll von großen Bildern der neuen Hardware und Info-Boxen mit Hardware-Spezifikationen.

Das Format MAC Praxis war ein negativer Höhepunkt der Anspruchslosigkeit. In einm Abschnitt über Kaufberatung werden in dem Magazin immer wieder Infoboxen mit Rechnerdaten gedruckt, möglichst großzügig. Man hätte auch am Ende der Produktvorstellungen eine Tabelle mit allen Konfigurationen angeben können. Stattdessen benutzt Data Becker diese Infoboxen als Kaugummi, um die Luft zwischen den Lücken zu füllen. So großformatig und wenig mit Inhalt gefüllt haben ich Infoboxen selten gesehen. Dazu gesellten sich viele Bilder, zum Teil mit falschen Bildunterschriften (bspw. wird eine Fotoanwendung gezeigt und in der Bildunterschrift von Logic Express für Hobby-Musiker geschrieben). Der Apple für Grafiker, der Apple fürs Büro, der Apple für zu Hause. Mac Mini und iMac immer wieder im direkten Vergleich. Die Infoboxen kaschierten das Nichtvorhandensein von Text.

Die Erfahrungen mit MacLife oder MacUP und Macwelt sind indes nicht wirklich besser ausgefallen. Es gibt viele Dinge, die man mit dem Mac anstellen kann, vor allem dann, wenn man sie als Nutzer erklärt kriegt. Viele PC-Nutzer waren von Magazinen wie DOS (heute PC-Magazin) oder der c’t auch deshalb angetan, weil man über einige Ausgaben hinweg Anleitungen zum Erstellen von Makros in Office, zum Programmieren mit Bordmitteln usf. erhalten hat. In den meisten Ausgaben der Mac-Zeitschriften findet sich hingegen immer wieder derselbe Inhalt nach Schema F. Während im PC-Sektor die Specials sicht Themen wie Datenschutz, Backup, Programmierung u. a. widmen, werden gerade die neuen Produkteinführungen Apples ausgereizt, um gleich dutzende Seiten zu füllen.

Gibt es in Mac-Zeitschriften doch auch Tutorials, dann wirken diese eher wie Appetit-Anreger. An manchen Stellen denkt man außerdem, dass der Redakteur nur eine Pressemitteilung abgetippt hat, die dem Leser die Funktionen von Programm Y auflistet.

Ich bin bislang enttäuscht von dem Gros der Apfel-Zeitschriften, werde den Markt aber weiter sondieren.

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 7 Kommentar(e) bisher

  •  Neitzel, H. J. (8. Dezember 2008)

    Erst heute habe ich per Zufall diese Seite entdeckt, und ich bin sehr froh über den Inhalt, froh, weil ich bisher geglaubt habe, ich stehe allein mit meiner Meinung da, und traurig, weil ich mich bestätigt fühle: alle im Handel erhältlichen apple-„Zeitschriften“ (den Namen „Fachzeitschrift“ verdient keine!) sind schlichtweg Mist!
    Als ich spät (1999) zum PC kam, stand für mich nach kurzer Zeit fest: WIN 98 ist unerträglich, und so suchte ich nach Alternativen. Linux war damals noch viel zu kompliziert, das hätte ich als Anfänger überhaupt nicht installieren können. Ausserdem gefiel mir das Design des iMac damals sehr gut: endlich mal keine häßliche graue Kiste aus der Saurierzeit!
    Kurz und gut, der Anfang war schwer, keine Ahnung, viele Probleme, und dann suchte ich Hilfe bei den Mac-„Zeitschriften“. Ja, toll, mit CD, mit Programmen! Für kleines Geld!
    Die Ernüchterung kam bald: mit 95 % des Krams auf den Heft-CD’s kann kein normaler Mensch etwas anfangen, lediglich einige Updates von bekannten Programmen und einen Druckertreiber habe ich einmal benutzt. Ich habe auch damals versucht, mich bei den Redakteuren zu beschweren, weil sie am Thema vorbeischrieben, aber entweder bekam ich gar keine Antwort, oder mein Brief kam als unzustellbar zrück (Maclife, nur eine Scheinadresse? vielleicht doch Computer-Bild?)
    Seitdem habe ich nur noch gelegentlich mal eine mit den Neuheiten gekauft; ein einziges Mal habe ich einen wirklich brauchbaren Beitrag gefunden: die Aufrüstung des MacMini (2005 oder so).
    Mittlerweile habe ich mir alles selbst beigebracht, Hard- oder Software ist kein Problem mehr, auch „Umbauten“ nicht, aber ich ich arbeite mit den meisten Programmen wie ein Anfänger, da ich selbst nicht in die Tiefen blicken kann, dazu muss mich schon jemand an die Hand nehmen. Ein „Schulungsheft“ von Computer-Bild für Word 2000 habe ich gleich nach 10 min vor Wut in den Müll gechmissen, da gehörte es nämlich hin. Was da drin stand, wußte ich als Anfänger schon, wie man wirklich mit dem Programm arbeitet und welche Möglichkeiten es gibt, bekam man für 10,– DM leider nicht erklärt.
    Aber auch ich lebe von der Hoffnung, ohne diese wäre ich extrem suizid-gefährdet! Vielleicht hat ja mal ein reicher Scheich Spaß am Mac und trommelt ein gutes Team zusammen, um ein neues Superlativ auf die Beine zu stellen. Den „Scheich“ meine ich in keiner Weise abwertend; am Beispiel Dubai kann man sehen, dass diese Herrscher kleiner Länder weltoffen, intelligent und weitblickend sind, jetzt müssen sie nur noch mit dem Mac arbeiten! Diese Fachzeitschrift – wie z. B. die genannte CT, worin man leider immer nur winzige Mac-Berichte findet – würde ich dann auch für 20 Jahre abonnieren! Bis dahin lebe ich halt mit Systemabstürzen, Neustarts und 2 x im Jahr Festplatte putzen und neu installieren! In einer Nacht mit der Hilfe von zwei Flaschen trockenem Rotwein; die helfen mir dann, meinen Mac wieder auf’s neue zu lieben!

  •  Alexander Trust (9. Dezember 2008)

    Freut mich, dass ich quasi auf diese Weise ebenfalls einen Leidensgenossen gefunden habe. Zwar hab ich durchaus ein wenig mehr PC-Erfahrung, weil ich mit dem Medium aufgewachsen bin, doch finde ich es fahrlässig, wie wenig Anspruch Mac-Zeitschriften an sich selbst haben.

    Bald jeden Monat gehe ich durch die Regale und immer wieder wird auf dem Titel der Zeitschriften irgendein Hardware-Update als besonders erwähnenstwert betitelt. Damit ist dann bereits das halbe Magzain zugepflastert. Zwar gibt es hier und da immer mal wieder Tipps und Tricks, doch die sind selten brauchbar.

  •  Svenja-and-the-City (26. August 2009)

    Ich habe deinen Artikel gefunden über Google mit der Suchanfrage: „Mac Zeitschriften anspruchsvoll“ und hatte schon befürchtet, genau das lesen zu müssen. Ich habe nämlich die selben Erfahrungen gemacht. Allein die MacWelt ist noch halbwegs lesenswert, die MacUp ist eine Frechheit.

    Ich bin auf der Suche nach einer CT für den Mac, aber die habe ich noch nicht gefunden.

    Hat jemand einen Tipp?
    Oder ist Print ohnehin tot und Artikel gibt es nur noch über das Internet?
    Aber gute Arbeit muß doch auch bezahlt werden.

  •  RenéS (21. Oktober 2009)

    Ich habe den Beitrag auch spät entdeckt und auch ich dachte, dass ich vielleicht nicht richtig suchen kann um eine anspruchsvolle Mac-Zeitschrift zu finden. Tatsache ist aber, dass es eine solche nicht gibt, Ausnahme vielleicht c’t (siehe auch 20/2009), denn dort gibt es die brauchbarsten Mac-Artikel ohne viel schmückendes Beiwerk zur Füllung der Seiten. Mir ist auch aufgefallen, dass einige Redakteure betr. der Sicherheit eines Mac’s genause blind in das Horn „uns kann nichts passieren“ hinein blasen, wie einige langjährige und trotzdem blinde User in einigen Foren. Ich war und bin ein begeisterter Linux-Nutzer und habe mir einen Mac zugelegt, weil ich neue Technik brauchte und keine Lust hatte, viel Zeit für das Laufen eines Notebooks aufzuwenden. An diesem Punkt war ich echt begeistert. Aufklappen, einschalten, SW starten und alle Komponenten liefen. Was aber die MAC-Welt betrifft, da kann einem schon ein kaltes Gefühl erfassen.

  •  Alexander Trust (21. Oktober 2009)

    Joa, die c’t bietet oft recht tiefgründige Artikel, mittlerweile eben auch zum Thema Mac. Oft ist man im Internet besser aufgehoben als bei Hochglanz-Zeitschriften in denen die einzigen Inhalte neue Apple-Produkte vorzustellen sind und Top 10 iPhone-Listen.

  •  Jörg (30. Dezember 2010)

    Auch wenn hier schon lange kein Eintrag mehr gepostet wurde, so muss ich nun auch mal etwas dazu schreiben. Ich bin seit November 2010 auf einen iMac umgestiegen. Vorher war ich langjähriger Benutzer eines Windows-Gerätes. Mich erfreut es jeden Tag, wie leicht und unspektakulär der Umgang mit diesem Rechner ist. Wobei leicht nicht gleich zu setzen ist mit, ich kenne alle Programme. Und gerade deshalb habe ich auch ein wenig nach Zeitschriften für die Applewelt geschaut. Auch ich bin bisher enttäuscht. Die meisten Artikel fangen ganz nett an, bleiben jedoch an der Oberfläche und es fehlt an Tiefe. Jedoch wird viel über irgendwelche Spekulationen, was als nächstes kommen wird, oder über die neuen iMac´s geschrieben. Hallo, die sind nicht mehr neu, die wurden vor einigen Monaten erneuert. Und gravierende Änderungen, außer ein paar anderen Prozessoren, gab es auch nicht. Aber geschrieben wird darüber, wie ein komplett neuer Rechner der auf den Markt gebracht wurde.

    Ich hoffe jedoch, dass sich das irgendwann mal ändern wird. Oder man gründet selber mit ein paar Gleichgesinnten eine neue Zeitschrift für Macuser. Ist das eigentlich sehr kompliziert??? Grüße an alle Mac-User.

  •  Alexander Trust (31. Dezember 2010)

    Wenn man es online praktizieren wollte nicht. Wenn man in den Print möchte, braucht man ein wenig Kohle und Verbindungen. Immerhin benötigt man Geld um Kosten für den Druck der Zeitschrift samt Redaktion zu sichern. Außerdem muss man eine ISSN Nummer beantragen, das wäre aber nur eine Formalität gegen eine kleine Gebühr. Nur dann braucht es auch fähige Leute, die technischen Sachverstand haben und schreiben können, Layouter, etc. Es bedarf also gewisser Planung, wenn man in den Print möchte und eben einem Businessplan. Zuletzt hat aber Heise eine Mac-Zeitschrift angekündigt/herausgebracht?!


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