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Veröffentlicht am  6.05.08, 20:00 Uhr von  Alexander Trust

Kommentar: Tod eines Vertriebsmodells

iPhone

Was bisher geschah: Gestern denkt T-Mobile Österreich laut über flexiblere Tarif-Modelle für das iPhone nach, heute kündigen Vodafone und Telecom Italia an, das iPhone noch in diesem Jahr in Italien anzubieten. Kein Zufall, sondern erste Anzeichen einer neuen Vertriebsstrategie für das iPhone, meinen wir.

Es ist ein offenes Geheimnis: Apple lässt sich die Exklusiv-Verträge mit AT&T (USA), T-Mobile (Deutschland, Österreich), o2 (Großbritannien, Irland) und Orange (Frankreich) fürstlich bezahlen. Branchenkenner sind sich einig, dass die Netzbetreiber als Gegenleistung bis zu 30% des Gesprächsumsatzes an Apple weiterreichen. Dieses Geschäftsmodell ist bisher einzigartig und macht aus Sicht der Netzbetreiber nur Sinn, solange Apple die versprochene Exklusivität auch garantieren kann.

Doch die Kunden haben mit den Füßen abgestimmt: Während T-Mobile seine iPhones hierzulande nur mit bemerkenswerten Rabatten los wird, floriert das Geschäft mit importierten und von der Provider-Bindung befreiten Geräten. Spätestens seit sich der SIM-Lock quasi idiotensicher per Mausklick entfernen lässt, sind die Tage des Provisions-Modells gezählt. Mittelfristig wird kein Netzbetreiber mehr bereit sein, unter diesen Umständen den eigenen Umsatz mit Apple zu teilen.

Für die Erschließung weiterer Märkte ist das Exklusiv-Prinzip ohnehin viel zu unflexibel: In Flächenländern wie Australien ist schon aus technischen Gründen eine Zusammenarbeit mit mehreren Netzbetreibern notwendig, da es hier keine Anbieter gibt, die landesweit vergleichbare Netzqualität bieten. In kleineren Länder lohnt es sich für Apple kaum, Exklusiv-Verträge auszuhandeln. Da passt es ins Bild, dass Apples Vertriebschef Tim Cook unlängst betonte, das iPhone sei “nicht mit einem Geschäftmodell verheiratet”.

Klar ist: Es ist Bewegung im Markt. Steve Jobs, zuweilen als “Control Freak” verschrien, wird sich daran gewöhnen müssen, beim iPhone bald nicht mehr die “letzte Meile” kontrollieren zu können. Im Gegenzug bekommt Apple Zugang zu den interessanten Märkten in Nah- und Fernost. Man darf mit Ankündigungen weiterer Netzbetreiber schon in den nächsten Tagen rechnen…

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 3 Kommentar(e) bisher

  •  mat sagte am 7. Mai 2008:

    Nicht zu vergessen die potentiellen Kunden, die sich den Provider nicht aufzwingen lassen wollen. Ich hätte schon sehr gerne ein iPhone, aber solange ich nicht in den nächsten Gravis schlappen, eines mitnehmen, meine SIM-Karte reinstecken und lostelefonieren kann, solange bleib ich bei meinem alten Handy und behalte die Kohle. So wird es sicherlich vielen gehen und diesen Umsatz (und auch viele neue Apple-Kunden) lässt sich Apple mit seinem sturen Geschäftsgebaren derzeit entgehen.

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass es in den Ländern, in denen das iPhone erst noch eingeführt wird, anders läuft, aber hierzulande der Zwang zu einem T-Mobile Knebelvertrag noch eine Weile erhalten bleibt. Naja, mein altes Handy hält sicher noch ein paar Jahre durch…

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  •  epoc1000 sagte am 7. Mai 2008:

    der handymarkt ist prinzipiell ein sehr egalitärer markt. man wählt das handy mit den “besten” features und was potentiell zu meinem gewünschten vertrag erhältlich ist. der hersteller spielt bei der handywahl nur eine untergeordnete rolle. es ist auch mehr als plattform für die dienste des providers zu verstehen, weswegen diese ja auch bezuschusst werden. apple und die provider haben nun versucht genau das umzukehren und die handywahl vor die providerwahl zu lagern. das geht aber schief, da mobiltelefonieren zu egalitär ist, als das sich die entscheidung für das iphone lohnen würde. ich denke auch das es ausstiegsklauseln gibt, die erst bei bestimmten umsatzvolumina greifen.

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  •  Der Maik sagte am 17. August 2009:

    Ich will mit der T-Mobile und deren sinnlos überteuerten Tarifen nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Deshalb habe ich kein iPhone. Erst, wenn ich so ein Ding normal im Laden erwerben und mit einer SIM-Karte meiner Wahl benutzen kann, werde ich mir so ein Ding gönnen.

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