Review: 16. Mai 2008,

Test: World of Warcraft Comic #1: Fremder in einem fremden Land

World of WarCraft Comic #1: Fremder in einem fremden Land
World of WarCraft Comic #1: Fremder in einem fremden Land

Wir alle kennen Hollywood – an der Traumfabrik führt im Medienzeitalter, wenn man denn daran teilhaben kann, kein Weg vorbei. Die US-Filmindustrie hat ganze Welten geschaffen, die uns mit Franchise-Artikeln zu verköstigen wissen. Es war bis dato normal, dass es von erfolgreichen Filmen auch Computerspiele, Bücher, Anziehsachen oder Fanartikel sondergleichen gibt. Uns liegt nun ein Rezensionsexemplar des ersten WoW-Comics, Fremder in einem fernen Land, vor.

Mittlerweile macht die Computer- und Videospielindustrie Hollywood den Platz an der Franchise-Quelle streitig. Immer mehr Spiele sind über die Jahre zum Ausgangspunkt von Filmen, Büchern und anderem mehr geworden. Eines der derzeit erfolgreichsten Online-Rollenspiele, World of Warcraft (kurz WoW), bildet hier keine Ausnahme. Vor Jahren als Echtzeit-Strategiespiel gestartet, gibt die Welt von Warcraft Menschen auf der ganzen Welt die Möglichkeit in eine phantastische Identität zu schlüpfen. Spieler verbringen Stunde um Stunde damit, Azeroth zu bevölkern, dort mit ihrem virtuellen Konterfei, zu leben, zu kämpfen und Abenteuer zu bestehen.

Solides Material I und ein alter Bekannter

Von solchen Abenteuern, von Leid, Freude, Intrigen und Habgier, Gemeinschaftssinn und dem Glauben an das Gute (wie Böse) handeln auch die neuen World of Warcraft-Comics aus dem Panini Verlag. In gewohnter Comic-Qualität gibt es ab sofort alle zwei Monate für knapp vier Euro (in Deutschland: 3,95 EUR) 52 Seiten nicht nur für WoW-Liebhaber. Steffen Volkmer, PR- und Presse-Manager sowie Senior Editor bei Panini, gibt im Gespräch mit IchSpiele zu verstehen, dass Panini nicht ausschließlich WoW-Spieler als Zielgruppe ausgemacht hat, sondern außerdem Comic-Liebhaber im Allgemeinen ansprechen möchte. Ob Panini den Spagat schafft – das herauszufinden hab ich mir als Aufgabe gesetzt, zu überprüfen, ob auch Außenstehende Gefallen finden können an den gezeichneten Fabeln aus der WoW-Umgebung.

Die deutschsprachige Ausgabe hat mit Mick Schnelle einen alten Bekannten zum Übersetzer, der sich, als ehemaliger Redakteur und Herausgeber von Spielezeitschriften, in der Computerspielbranche auskennt. Das Comicheft geht schon zum Einstand direkt in die Offensive: Wie von manchen anderen Comics bekannt, erscheint der WoW-Comic ist zwei Varianten, mit je unterschiedlichem Titelblatt, eine für den Zeitschriftenkiosk und eine für den Comic-Shop. Zudem finden sich in der ersten Ausgabe gleich zwei Poster und ein Gewinnspiel. Lediglich der Veröffentlichungs-Rhythmus (alle zwei Monate) drückt ein wenig auf das Gemüt des geneigten Comic-Lesers.

Solides Material II

Die Zeichnungen und die Story an und für sich sind solide, sogar mehr als das: Ohne zu wissen, wer er ist, gerät ein Mensch, in einen Kampf mit einem Krokilisk (zu Deutsch auch Monster-Krokodil). Er wird dabei von einer vorbeiziehenden Karavane Orcs entdeckt und gerät in Gefangenschaft. Der Anführer der Horde, Rehgar, ist gewillt, den Menschen als Gladiatoren auszubilden und so für seine Zwecke zu missbrauchen. In Gefangenschaft kommt der Mensch mit einer Blutelfe und einem gehörnten Nachtelfendruiden und Gestaltwandler, Broll Bärenpfelz, zusammen. Letzterer ist bereits Gladiator im Dienst von Rehgar. Während eines Trainings geraten die drei mit einer Gruppe aneinander, die im Turnier von Düsterbruch ihre Gegner sein sollten. Wie’s ausgeht, und was dann in Düsterbruch geschieht – wir möchten es ungern verraten.

Wer hat’s erfunden?!

Leute, die Fantasy mögen, können bestimmt mit dem Plot leben. Gladiator Russell Crowe lässt grüßen, aber auch an andere Fantasy- und Sandalen-Situationen wird man unwillkürlich erinnert. Nichts Neues also?! Nicht ganz, und obwohl hier das Geschichten-Rad nicht neu erfunden wurde, ist die Variante durchaus annehmbar. Anders schaut es wohl mit WoW-Spielern aus. Ein Szenario, wie es hier auftaucht, ist meines Wissens nach in der Welt von WoW aus Spielerperspektive undenkbar. Auf Seite der Nicht-WoW-Spieler werden dafür manchmal die Ortsbezeichnungen für ungewolltes Grinsen sorgen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Städtenamen wie „Düsterbruch“ werden bei ihnen amüsiertes Achselzucken hervorrufen, und sie werden sich fragen, ob sie im falschen Film gelandet seien. Ernst bleiben konnte ich dabei jedenfalls nicht. Weniger irritierend wirken diese Bezeichnungen natürlich auf Spieler, die die deutsche Programmversion von WoW spielen oder gespielt haben. Sie dürften spontan ein ganzes Arsenal an Eingebungen haben, welche Aufträge und Abenteuer sie in jenem Ort oder an dieser Stelle erlebt haben. Ein echtes Plus also, für WoW-Spieler. Wenn die erzählte Geschichte in der Welt von Warcraft, durch die Wow-Spieler realisierbar gewesen wäre, hätten diese dem Geschichtenschreiber quasi aus der Hand gefressen.

Die erzählte Zeit in der Geschichte von Band 1 umfasst etwas mehr als einen Monat. Auf 52 Seiten bleiben daher ein paar Sprünge nicht aus. Für unseren Geschmack allerdings ein paar zu viele.

Fazit: gespaltene Zielgruppe erkennbar

Kann ich also nach der Lektüre der ersten Ausgabe des neuen WoW-Comics ein Fazit ziehen? – Wenn man WoW-Spieler fesseln möchte, wird man mehr Wert auf eine authentischere Abbildung der Spielwelt legen müssen. Nicht so sehr zeichnerisch als vielmehr inhaltlich. Unbescholtene Comic- und/oder Fantasy-Liebhaber könnten allerhöchstens – obwohl von den Autoren gar nicht beabsichtigt – manchmal zu Grinsen anfangen. Einfach ist es nicht, zwischen diesen beiden Lagern einen gangbaren Weg zu beschreiten, aber Panini und der WoW-Comic haben meiner Meinung nach auf jeden Fall eine zweite Chance verdient. Ein Comic allein reicht nicht aus, um zu entscheiden, ob dieser mich Monat für Monat als lockere Lektüre durch meinen Alltag begleiten soll. Aber da liegt ein entscheidender Hase im Pfeffer begraben, der für mich keinen Pluspunkt bedeutet. Möchte man Comic-Fans begeistern, darf man die Durststrecke bis zur nächsten Ausgabe nicht auf zwei Monate ausweiten. Für die nächste Ausgabe von mir auf alle Fälle trotzdem alles Gute.



Test: World of Warcraft Comic #1: Fremder in einem fremden Land
3,64 (72,73%) 11 Bewertungen

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Wertung

6.5/10
Veröffentlichungsintervall zu lang
manchmal wenig authentisch

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