Interview: 11. Juni 2008,

Interview: Multari-Macher Marshall H. über sein Atari-2600-Handeld

Multari: Atari 2600 in Handheld umgebaut, Foto: Marshall H.
Multari: Atari 2600 in Handheld umgebaut, Foto: Marshall H.

Marshall H. ist ein Teenager aus Kansas, USA, ein richtig cleverer Bursche. Er interessiert sich für Retrogaming und bastelt gerne (mit Elektronik). Marhalls letztes Projekt hatte deshalb zum Ziel, eine alte Atari-2600-Videospielkonsole so umzubauen, dass hernach ein tragbarer Handheld heraus kommt. Zwar nutzte er das Werkzeug aus der Werkstatt des Geschäfts seines Vaters, doch gewerkelt hat er vollkommen alleine. Genannt hat er sein umgebautes Atari 2600 „Multari“. Was Atari davon hält, und wie seine Pläne für die Zukunft ausschauen? – Marshall stand IchSpiele Rede und Antwort.

Alexander Trust: Wo und wann kam dir die Idee, ein altes Atari 2600 in einen portablen Handheld umzubauen und zu modifizieren?

Marshall H.: Ich habe seit einiger Zeit Atari-Spiele auf einem PC-Emulator gespielt. Das Spielen hat mir Spaß gemacht, und ich wollte die Möglichkeit haben, einige davon im Handheld-Format zu spielen, aber ohne die Spielekassetten (Cartridges) mitnehmen zu müssen. Glücklicherweise fand ich das Atari Flashback 2, das im Wesentlichen die original Atari-Schaltungstechnik auf einer sehr kleinen, effizienten elektronischen Leiterplatte (PCB) bündelt. Weil ich einen Flash ROM-Chip mit den Daten von ungefähr 32 Spielen programmiert habe, bin ich in der Lage zwischen ihnen umzuschalten.

Und wie schaut’s mit dem Copyright aus? Ist Atari schon eingeschritten?

Ich habe keinerlei Beschwerden oder Abmahnungen/Unterlassungserklärungen erhalten. Ich glaube auch nicht, dass ich welche erhalten werden, denn Atari ist nicht in der (wirtschaftlichen) Verfassung, Enthusiasten wie mir nachzusteigen.
Allerdings: Sollte ich jetzt einige Tausend Einheiten produzieren und Ataris Namen und Marke verwenden, würde die ein Problem werden.

Hast du Ambitionen, dein Multari professionell zu vertreiben?

Nein, der Bau ist viel zu arbeitsintensiv und kostet sehr viel Zeit. Es war hauptsächlich ein Spaßprojekt.

Hast du bei der Arbeit Hilfe gehabt, oder warst du wirklich als One-Man-Show unterwegs?

Ich baue nun schon drei Jahre lang portable Videokonsolen. Meine ersten beiden Projekte waren portable Nintendo-64-Konsolen. Glücklicherweise konnte ich die Werkzeuge im Holzarbeiten-Geschäft meines Vaters benutzen, um die hölzerne Form für den Gehäuseabdruck herzustellen, aber ich hab das Ding komplett selbst gemacht.

Kannst Du Dir vorstellen, weitere Spiele für ein System wie das Atari 2600 (Multari) zu entwickeln?

Ich habe mich mit der Spiele-Programmierung für das Atari beschäftigt – es ist durchaus anspruchsvoll. Obwohl ich kein Spiel selbst programmiert habe, gibt es einige fantastische Homebrew-Spiele, die für das Atari entwickelt wurden. Es gibt unheimlich viele und gute Informationen bei AtariAge.

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Glaubst Du, dass kreatives Potential wie Deines von der Wirtschaft unterschätzt wird?

Ich hatte keine Probleme, Ressourcen für das Projekt aufzutreiben. Die meisten Teile, die ich benötigte, hatte ich bereits in früheren Projekte erworben. Wenn ich das Ganze hätte kommerzialisieren wollen, vielleicht eine Atari-Multicart (eine Spielekassete mit mehr als einem Spiel) mit Bankswitching -Unterstützung, wäre das kein Problem für die derzeitige Wirtschaft gewesen. Es ist nicht so schlecht hier – Nachrichtenmedien lassen es schlechter aussehen als es eigentlich ist. Das gilt auch für viele andere Dinge. Doch ich schweife ab.

Wie schauen deine Pläne für die Zukunft aus? Welche Videospielkonsole können wir von dir als nächstes umgebaut erwarten?

Mein nächster Plan sieht entweder ein portables Dreamcast vor, oder, lieber noch, ein weiteres portables Nintendo 64 mit einer individuell gefertigten ROM-Kassette, die ich entwickle. Allerdings interessiere ich mich derzeit fürs Schrauben an Autos.



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