Review: 14. Juni 2008,

Grand Theft Auto IV im Test: Things will be different

Grand Theft Auto IV
Grand Theft Auto IV

Wer die Fans hat, braucht für den Hype nicht zu sorgen: Rockstar Games hat seine Marketingabteilung nicht mehr beansprucht als schon in früheren Titeln der Spieleserie Grand Theft Auto. Trotzdem hat der Verkaufsstart alle bisher dagewesenen Verkaufsrekorde eines Videospiels geknackt; GTA IV war in aller Munde. Ob es den hoch gesteckten Erwartungen der Spieler gerecht werden kann, sagen wir euch in unserem Langzeittest.

Willkommen in Liberty City!

Als Niko Bellic steigt ihr vom Schiff, das uns zum amerikanischen Traum führt. Was hat der Cousin Roman geschwärmt von Amerika – unbegrenzte Möglichkeiten, hübsche Frauen soweit das Auge reicht und alles, was es sonst in der alten Heimat nicht gab. Endlich hat er es geschafft, Niko zu überreden, nach Amerika auszuwandern, und zwar nach Liberty City. In seiner alten Heimat, Serbien, war Niko bereits bekannt, wenn auch negativ. Dort hat er Menschen umgebracht, geschmuggelt und ähnliche krumme Sachen auf seinem Kerbholz gesammelt. In Liberty City angekommen, findet Niko eine Welt vor, die nicht wirklich dem entspricht, was Roman immer versprochen hat – doch das wird schon alles, versichert er. So lange muss es ein kleines Apartment tun und die ersten Aufgaben bestehen darin, ihm bei seinem Taxiunternehmen unter die Arme zu greifen und Einwohner aus Libery City von A nach B zu bringen. Doch schon bald beginnt das Desaster und Niko wird von seiner Vergangenheit eingeholt und tötet wieder, wenn auch indirekt auf Romans Wunsch hin. So steigt er dann doch wieder in den Untergrund der Stadt ab und spätestens dann wird es eindeutig klar: Den amerikanischen Traum gibt es hier nicht zu leben.

Äußerlichkeiten

An einem Spiel der heutigen Zeit fällt zuerst einmal die Grafik ins Auge des Betrachters. Hier haben sich die Entwickler alle Mühe gegeben – es wimmelt überall von Details und schicken Effekten. Hierzu zählen vor allem Wettereffekte. Wie bereits in früheren Teilen, gibt es auch diesmal wieder einen Tag-Nacht-Wechsel sowie verschiedene Wetteraussichten. Je nach Sonnenstand und Bewölkung verhält sich das Sonnenlicht anders und wird entsprechend reflektiert, und das an allen Objekten, von denen so etwas zu erwarten wäre, wie Autos, Wasser und auch Glasscheiben von Gebäuden. Ist der leidenschaftliche Rennfahrer mit einem Sportwagen „etwas“ schneller unterwegs, fügt die Grafik der Sicht einen Tunnelblick hinzu. Schatten werden nun auch von allen beleuchteten Objekten geworfen und zwar physikalisch korrekt und in Echtzeit berechnet. Die verwendete Grafikengine RAGE (Rockstar Advanced Game Engine) zeigt ihre Stärke auch bei Gesichtszügen von Personen. Hier sieht niemand wie der andere aus und je nach Stimmung der Person verzieht sich das Gesicht.

Nico hat bestimmt keine Angst vor der Polizei

Nico hat bestimmt keine Angst vor der Polizei

Der Sound, eine der großen Stärken der Serie, fällt gewohnt gut aus. Die Synchronsprecher der Charaktere wurden sorgfältig und absolut passend ausgewählt. Die Autos klingen glaubwürdig und jedes hat seinen eigenen, unverwechselbaren Klang. Und damit es im Auto nicht langweilig wird, sorgen die 18 Radiosender für Abwechslung. Abgesehen von einigen Sendern, die sich auf Talkshows spezialisiert haben, wird die musikalische Untermalung durch namhafte Musiker durchgeführt. Die Vertonung im Allgemeinen ist, wie immer, auf Englisch. Auf Wunsch bekommt der Spieler jedoch einen deutschen Untertitel. Wie in vorangegangen Teilen der Serie finden wir das keinesfalls abwertend, denn allzu oft haben wir schon erlebt, wie durch eine – schlechte – deutsche Synchronisation die Atmosphäre und der Humor zu weiten Teilen verloren gegangen ist.

Negativ ist uns beim Test lediglich aufgefallen, dass Microsofts Xbox 360 gelegentlich etwas überlastet scheint: Sind viele Autos auf der Straße, beispielsweise durch ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei unterwegs, neigt die Konsole etwas zu Rucklern. Erfahrungsberichten von anderen Spielern zufolge soll Sonys Playstation 3 jedoch an derselben „Krankheit“ leiden.

Angekommen in der digitalen Welt

Vielleicht erinnert ihr euch noch an GTA III. Auf der zweiten der drei Inseln, Staunton Island, ist euch bestimmt das Internet-Café TW@ aufgefallen. Dieses existiert nun in GTA IV wieder, diesmal sogar begehbar. Grund hierfür ist, dass Niko diverse Informationen und Aufträge über seine E-Mail-Adresse bezieht. Und wenn dem Spieler einmal langweilig ist, kann er durch das (fiktive) Internet surfen und sich beispielsweise die unglaublichen Vorteile des freien Betriebssystem Eunux durchlesen, das eine Anspielung auf Linux darstellt. Insgesamt umfasst dieses „Internet“ ein Sammelsurium von ca. 100 Webseiten, sodass es Vieles zu lesen gibt.

Wer geht heutzutage schon ohne sein Handy vor die Tür? Niko Bellic jedenfalls nicht. Anders als in Vorgängerteilen der Serie ist das Handy jetzt ein relativ zentrales Mittel zum Zweck in GTA IV. Hier werden Aufträge angenommen, Lageberichte abgegeben, Freunde zu einer Aktivität eingeladen und selbst der Mehrspielermodus verwaltet. Im Verlauf des Spiels bekommt Niko sogar ein modernes Handy, das mit Klingeltönen gefüttert werden kann, welche aus dem Internet geordert werden und schlappe 100 Dollar kosten. Über die Rufnummer 911 kann der Spieler sogar Feuerwehr, Polizei oder Ambulanz rufen. Letzteres ist beispielsweise nützlich, wenn die Lebensenergie weniger wird, und in der Nähe kein Limo-Automat oder Vergleichbares zu finden ist.

Die Polizei, dein Freund und Helfer

Zu Hause ist's am Schönsten

Zu Hause ist’s am Schönsten

Die Polizei ist in einer Stadt wie Liberty City natürlich nicht wegzudenken. Doch ihre Arbeitsweise hat sich grundlegend geändert. Insgesamt geht sie systematischer an die Arbeit, was einerseits ein Nachteil für Niko ist. Doch dem gegenüber steht die Tatsache, dass die Polizei nur noch in der Region fahndet, d. h. in einem bestimmten Umkreis. Wird dieser für einige Zeit verlassen, gehen die Herrschaften in Blau anderen kriminellen Machenschaften auf den Grund und lassen Niko in Ruhe – bis zum nächsten Mal. Je mehr Aufmerksamkeit Niko auf sich zieht, desto besser sind die eingesetzten Beamten ausgebildet. Beispielsweise kommt dann auch der Polizei-Helikopter ins Spiel, dem das schnelle Abbiegen in eine Seitenstraße relativ kalt lässt.

Das Polizeiauto, das man natürlich ebenfalls klauen kann, wurde um eine Verbrecherkartei erweitert. Wenn der Wagen steht, kann sich Niko in den Polizeicomputer einwählen und Fahndungsbefehle für bestimmte Verbrecher ausrufen. Der Aufenthaltsort dieser Personen wird dann ermittelt und auf der Mini-Map eingetragen und Hilfssheriff Niko kann sich um die Herrschaften kümmern.

Aus dem Weg!

Brucie, einer unserer Auftraggeber, der nur seinen Körper, seine Autos und seine Frauen im Kopf hat, bringt uns schon recht früh zum Motorsport in GTA IV. Regelmäßig finden Rennen statt und Brucie kennt sie alle. Doch so einfach sind sie nicht – die Polizei wacht mit dem Auge des Gesetzes. Und das gelungene Schadensmodell erschwert die Situation. Nahezu keine Feindberührung bleibt ungestraft; sei es ein Lackschaden, eine Beule oder gar ein Totalschaden. Letzterer äußert sich jedoch nicht zwingend wie in früheren Teilen der Serie: Es kann nämlich passieren, dass der Motor aus geht und einfach nicht mehr starten will. Hier ist dann das schnellstmögliche Beschaffen eines neuen Wagens angesagt – dies ist nicht mehr so einfach wie früher. Nur in den seltensten Fällen ist ein Auto unverschlossen geparkt. In der Regel muss sich Niko aber Zugang verschaffen, wobei zumeist die Scheibe dran glauben muss. Anschließend muss noch die Zündung kurzgeschlossen werden und erst dann kann es losgehen. Insgesamt dauert diese Prozedur deutlich länger als früher und die Polizei ist, was Autodiebstähle angeht, deutlich wachsamer.

Nico ruft ein Taxi herbei

Nico ruft ein Taxi herbei

Das Fahren zu einem bestimmten Ziel ist diesmal wieder ein zentrales Element. Wer jedoch keine Lust hat, eine so große Tour zu unternehmen, kann bei Cousin Roman anrufen und ein Taxi bestellen. Hier hat man dann die Passagier-Ansicht inne und darf sich aussuchen, ob man die Fahrt wirklich von der Rückbank aus genießen möchte, oder die Fahrt an sich überspringen will.

Der Mehrspielermodus

Als das erste GTA nach GTA2 verfügt GTA IV wieder über einen Mehrspielermodus. Dieser läuft über die Server von Microsoft (über Xbox Live!) bzw. von Sony (über das Playstation Network) und bietet verschiedene, an den Inhalt des Spiels angelehnte, Spielmodi. Nicht weniger als 15 gibt es hiervon, in denen bis zu 16 Spieler gegeneinander antreten können. Die Modi selber sind abwechslungsreich gestaltet – es gibt hier beispielsweise Deathmatch, Team-Deathmath, Autorennen, „Mafiya Work“ und „Cops ‘n Crooks“. Die Autorennen unterteilen sich in zwei Klassen: Zum einen die normalen Autorennen und die GTA-Autorennen. Letztere erlauben den Einsatz von Waffen. Die Arbeit für die „Mafiya“ ist ein Spielmodus, in dem eine Mission von einer Gruppe von Spielern erledigt werden muss. Dabei müssen z. B. Autos geklaut und Ziele getötet werden. „Cops ‘n Crooks“ ist für all diejenigen interessant, die schon immer mal „auf der anderen Seite“ stehen wollten. Hier bilden sich zwei Gruppen, Verbrecher und Polizei. Aufgabe der Gangster ist es zu entkommen, während es die Aufgabe der Polizei ist, die Gangster zu stellen. Das Spiel bietet darüber hinaus noch weitere Möglichkeiten, wie das Autoklauen unter Zeitdruck, bei dem derjenige gewonnen hat, der am schnellsten alle Autos „gesammelt“ hat.

Kleinigkeiten

Sehr gut haben uns die zahlreichen Kleinigkeiten gefallen. Hier lässt sich beispielsweise aufzählen, was die Leute in Rot-Phasen an der Ampel machen – einige schmeißen ihren Kaffeebecher aus dem Fenster, andere meckern über alles, was ihnen einfällt, oder bewegen sich rhythmisch zur Musik aus ihrem Autoradio. Die Stadt wirkt dadurch absolut lebendig und glaubwürdig. Neu in GTA IV sind auch Freizeitaktivitäten, die vorzugsweise mit Freunden im Spiel genossen werden können. Highlights sind hier, neben Bowling und Dart, vor allem die Kabarett- und Comedian-Shows, die sehr unterhaltsam sind und nicht immer so verlaufen, wie sich die Akteure die Show gewünscht haben.

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Fazit

Wir haben GTA IV wirklich lange gespielt. Die Statistik sagt etwas von 40 Stunden – zuzüglich der Zeit, die nicht erfasst wurde, weil wir gestorben sind und danach neu geladen haben. Die Statistik sagt auch etwas von einem Spielfortschritt von 55%. Nach einer so langen Spielzeit so Vieles noch nicht gesehen und getan zu haben, das finden wir in wirklich nicht vielen Spielen – GTA IV ist aber so eines. Und hier stimmt einfach alles. Der Humor im Spiel trifft den aktuellen Zeitgeist und viele Dinge „aus dem wahren Leben“ werden satirisch auf die Schippe genommen. Selten war Geld besser in ein Spiel angelegt – absolute Kaufempfehlung.



Grand Theft Auto IV im Test: Things will be different
4,29 (85,83%) 24 Bewertungen

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App(s) und Produkte zum Artikel

Grand Theft Auto IVName: Grand Theft Auto IV
Hersteller: Rockstar Games
Preis: 25,48 EUR

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