MACNOTES

Veröffentlicht am  21.06.08, 15:16 Uhr von  Alexander Trust

Review: Metal Gear Solid 4 – Guns of the Patriots ist ein Action-Epos mit Pathos

Metal Gear Solid 4: Screenshot Metal Gear Solid 4: Screenshot

Solid Snake sagt Lebewohl: Mit Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots hat Konami exklusiv für die PlayStation 3 ein Action-Adventure ganz besonderer Art veröffentlicht. Mit dem vierten Teil beendet Autor und Produzent Hideo Kojima die Saga um den Protagonisten Solid Snake und schickt, wie es bei den Konsolen der nächsten Generation zum guten Ton gehört, alle Spieler auf der Welt bei Bedarf in diverse Multiplayer-Gefechte.

10 Jahre ist es her, da der erste Teil der Saga, aus der Feder von Hideo Kojima, veröffentlicht wurde. Nimmt man alle 4 Teile der MGS-Serie zusammen, ergibt sich ein erstaunlich umfangreicher Plot, der für ein Action-Spiel zwar untypisch ist, der aber die Fans auf der ganzen Welt begeistert. Doch „Guns of the Patriots“ darf getrost für sich selbst bereits episch genannt werden. Knapp 35 Spielstunden hat es gedauert, bis wir das Spiel zum ersten Mal durchgespielt hatten. Passend dazu ist Snake mit einem todbringenden Virus infiziert, der ihn viel zu schnell altern lässt. Doch einen allerletzten Auftrag muss er noch erledigen.

Für jeden etwas

Damit auch Anfänger es nicht zu schwer haben, gibt es bei Metal Gear Solid 4 (kurz MGS 4) diverse Schwierigkeitsgrade, 5 an der Zahl. Zuschaltbares automatisches Zielen hilft nicht so geübten Schützen über einige Hürden. Ohne Verständnisprobleme kommen MGS-Neulinge aus. Natürlich haben eingefleischte Fans es einfacher, und werden zwischendrin einige Fingerzeige viel besser interpretieren. Allerdings ist die Handlung im Spiel nicht vollkommen unverständlich für Debütanten.

Für Action-Fans bieten die Schusswechsel und Kämpfe gegen Endgegner durchaus Spannung und genug Variation. Prüdes Rumballern gibt es mit Solid Snake nicht (oft). Er ist ein Zeitgenosse, der eher unauffällig zu Werke geht, und auch aus der Entfernung töten kann Scharfschützengewehre u. a.) oder sogar gänzlich ohne Blutvergießen auskommen mag, wenn zu viel Aufmerksamkeit durch den Gegner das Auftragsziel aufs Spiel setzen würde (Beschatten von Widerstandskämpfern beispielsweise).

Waffen…

Snake kämpft mit vielen Mitteln, zur Not sogar mit den bloßen Fäusten. Sein Gefechtsmesser hat er aber trotzdem immer dabei. Außerdem sind leichte Handfeuerwaffen genauso vertreten wie besonders große Geschütze und Raketenwerfer. Die Vielfalt im Waffenarsenal wird aber in Aktion kaum ausgereizt. – Geht Snake ein Mal die Munition aus, kauft er sich für „weiche“ Drebin-Punkte einfach neue. Im Pausenmenü gelangt der Spieler in Drebins Shop. Ihn lernen wir irgendwann auf dem Schlachtfeld kennen. Drebin ist mehr als nur ein fahrender Waffenhändler und nebenbei ein wichtiger Informant. Snake sammelt unterwegs herumliegende Waffen (von getöteten Gegnern) ein, findet Munition und der blondierte Schwarzafrikaner bietet ihm für all das einen fairen Wechselkurs. Nicht genug der Vielfalt, lassen sich alle Schießeisen noch mit Extras ausstatten.

[is-gallery ids="3287,3286,3285"]

… und Equipment

Im Spiel selbst trägt Snake nur einige Waffen und ausgewähltes Equipment mit sich herum. Mit den hinteren R- und L-Tasten am Gamepad hat der Spieler jederzeit die Qual der Wahl. Das Equipment ist mindestens genauso vielfältig, wie das vorhandene Waffenarsenal. Oben links im Spielbildschirm werden zwei Energiestandsbalken angezeigt. Einer davon für die Lebensenergie, der andere für die Psyche Snakes. Wenn dieser zu viel Stress ausgesetzt ist, wird er für kurze Zeit ohnmächtig. Dann heißt es am linken Hebel wackeln. Diesen Zustand sollte man jedoch tunlichst vermeiden, und mit Hilfe von Nahrung und Tabletten ist dies sogar ohne weiteres möglich.

Nützliche Spielereien, mit Vorsicht zu genießen

Unbedingt erwähnenswert ist Octocamo – Snakes Anzug aus einem Spezialmaterial, der es ermöglicht, sich der Umgebung anzupassen. Außerdem hat Snake (jedoch nicht von Beginn an) einen vielseitig einsetzbaren Miniroboter an seiner Seite und verfügt zudem über eine hochtechnisierte Augenklappe “Solid Eye”, die wahlweise wie ein Nachtsichtgerät funktioniert oder im Normalmodus einen kleinen Radarbildschirm im rechten oberen Bildschirmeck anzeigt, mit dem Gegner sich leichter lokalisieren lassen. Zu guter letzt lässt sich mit dieser technischen Errungenschaft auch an entfernte Ziele heranzoomen. Der Einsatz von diesen Hilfsmitteln ist allerdings nicht immer ratsam. Das Nachtsichtgerät erzeugt ein leises Surren, das schon so manche gegnerische Einheit hat hellhörig werden lassen.

Augen machen tun gegnerische Einheiten, wenn Snake einen „Playboy“ vor ihnen auf dem Boden liegen lässt, oder er selbst, wenn er unterwegs darüber stolpert. Das Magazin zieht die Blicke männlicher Soldaten magisch an und lenkt sie ab, entweder, damit wir ungesehen an ihnen vorüberschleichen können, oder aber, damit Snake sie aus dem Hinterhalt überwältigt. Der Playboy ist beileibe nicht das einzige Gimmick im Spiel: Apple hat sich eingekauft. Auf der Seite der „Guten“ kommen gerenderte iMacs und MacBooks in der Pro-Variante zum Einsatz, und der Protagonist nennt einen iPod sein Eigen und findet hier und dort mal ein Musikstück zur persönlichen Unterhaltung. Erotik ist neben Heros und Pathos ein nicht zu unterschätzendes Element in MGS 4. Die weiblichen Charaktere, respektive deren Rundungen werden auch in den Zwischensequenzen immer wieder entsprechend in Szene gesetzt.

Vertrauen in die eigenen Sinne zahlt sich aus

Nicht abgelenkt, sondern aufmerksam sollte Snake sein. Es empfiehlt sich daher nicht nur, den Musikgenuss auf die Pausenzeiten zu verschieben, sondern selbst bei manchen Gelegenheiten hellwach auf die eigenen Sinne zu vertrauen. In Osteuropa hilft uns das Gehör sehr viel weiter, wenn Snake einen Widerstandskämpfer durch die Gassen der Stadt beschatten soll, damit er ihn zum Versteck der „Resistance“ führt. Widerstandskämpfer sind fröhliche Genossen, und deshalb pfeifen sie auf ihrem Weg, solange sie sich unbeobachtet fühlen. Hat Snake den Resistanceler aus den Augen verloren, hört er ihn vielleicht noch. Oder es verraten umherlaufende Nagetiere manchmal, dass Gegner im Anmarsch sind, zumindest wenn Snake, und in dem Fall der Spieler, mit offenen Augen und Ohren durch die Gegend streift.

Bewegungsfreiheit…

Wenn unser Held ein Mal keine Lust hat zu kämpfen, versteckt er sich hinter umherstehenden Gegenständen, kriecht am Boden entlang oder durch Öffnungen am selben. Wir können über halbhohe Hindernisse springen, an schmalen Vorsprüngen an die Wand gedrückt entlang laufen, hangeln uns an Abhängen entlang – selbstredend können wir geduckt oder aufrecht gehen oder laufen. Am Boden liegend, ist Snake mit einem Tastendruck in der Lage sich vom Bauch auf den Rücken zu drehen, und er kann selbst in dieser Position noch vorwärts (oder rückwärts) robben. Hilfreich wird das zum Beispiel, wenn man zu Boden geworfen wird und den Gegner kontern möchte. Snake ist für einen rapide alternden Helden immer noch äußerst beweglich.

… nicht grenzenlos

Die Spielwelt selbst ist ordentlich groß, die Level sehr gut animiert. Überhaupt werden die eigenen Sinne gut gefüttert. Sound und Grafik im Spiel sind in der Tat sehr gut. Der Interaktionsreichtum beschränkt sich jedoch auf einige wenige, sich wiederholende Aktionen. Snake kann Türen aufstoßen, er kann Gegenstände umwerfen und erzeugt damit natürlich eine für Gegnerohren verdächtige Geräuschkulisse. – Ausgewählte Objekte, und dazu gehören auch Gebäude, nehmen durchaus Schaden, wenn man darauf schießt oder Raketeneinschläge von mechanischen Gegnereinheiten Glas splittern oder Beton bröseln lassen. Andere Elemente der Spielwelt bleiben jedoch von allem Geschehen um sie herum unberührt.

Spiel(e) im Spiel

Ein harter Knochen wie Snake hat allerdings trotzdem mit Erinnerungen zu kämpfen, manche davon sind derart stark, dass sie sogar zu Bewusstseinsveränderungen führen. Als Snake auf die „Snow Moses“ Inseln zurückkehren muss, verfällt er auf dem Weg dorthin in einen Tagtraum. Dem Spieler wird das bewusst, als er sich auf ein Mal mit PlayStation-Grafik anno 1998 auseinandersetzen muss. Wenn wir wollen, können wir die Mission von damals am selben Schauplatz noch mal erleben. Je weiter wir in dem Retro-Level kommen, desto mehr wissen wir bereits über das Gelände, auf dem wir uns nach der Landung umtun werden.

An einer anderen Stelle im Spiel, gegen Ende, wird Snake in einen Kampf gegen seinen Klon-Bruder „Liquid Ocelot“ in der Art verwickelt, dass beide sich in Beat-’em-up-Pose (mit entsprechenden Energiebalken) gegenüber stehen. Konamis Action-Adventure betont überhaupt den Action-Anteil und bietet keine richtigen Puzzles an. Eine einzige Gedächtnisleistung wird uns abverlangt, als wir von unserem Vertrauten Otacon die Kombination für einen Account mitgeteilt bekommen. Einige Minuten der Kampfhandlung später, dürfen wir zeigen, dass wir uns diese Kombination gemerkt haben.

Mehrspielermodus

MGO, Metal Gear Online, ist gewissermaßen selbst ein Spiel im Spiel, bietet es doch genügend Raum, sich online mit Gleichgesinnten auszutoben und wird außerdem als eigenständiges Spiel für andere Plattformen veröffentlicht werden. Eine Spielfigur lässt sich kostenlos über das Netzwerk registrieren, für weitere Spielfiguren wird man von Konami zur Kasse gebeten. Wir finden die üblichen Mehrspieler-Optionen im Shooter-Bereich (u. a. Deathmatch, Team Deathmach oder Capture Mission) vor, und sind froh, wenn es endlich losgehen kann. Der Anmelde-Prozess wird ohne Tastatur zum Geduldsspiel. Zum Glück kann man sich bei Konami auch extern mit dem heimischen Browser am Computer registrieren.

Schönheitsfehler

Wenn man bei Guns of the Patriots überhaupt etwas kritisieren mag, dann ist es zweierlei: Zum einen ist das Verhältnis von Action-Anteilen zu Zwischensequenzen manchmal relativ unausgewogen. Die Einspielfilme nehmen hin und wieder derart viel Raum ein, dass der Spielfluss darunter leidet. Die Story ist allerdings so fesselnd, dass man dies kaum als echten Kritikpunkt wahrnehmen möchte.

Zum anderen ist der Humor in MGS 4 manchmal sehr flach. Beispielsweise freut sich im letzten Drittel des Spiels Psycho-Mantis darüber, Snake nach langer Zeit wiederzusehen. Erst als der Endgegner versucht, sich Snakes Geist zu bemächtigen, stellt er fest, dass er dazu gar nicht mehr in der Lage ist. Warum? Nun, weil Snakes Daten gar nicht mehr auf einer „Memorycard“ gespeichert seien. Ebenfalls nicht die Krone des Amüsements kriegt Kojima dafür, dass er zur Mitte des Spiels, mitten im Gefecht, einen kleinen Einspielfilm zeigt, in dem der Spieler zunächst aufgefordert wird, die CD zu wechseln. Bis Otacon, alias Dr. Emmerich, sich erinnert, dass man auf der PS3 spielen würde, und diese ja Blu-ray-Medien einsetzen würde.

Fazit

8
von
10

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots ist mit Sicherheit ein unheimlich interessanter Titel für die PlayStation 3. Er konkurriert mit zum Teil großen Gegnern (z. B. GTA IV, Drakes Fortune) und muss sich doch keinesfalls verstecken. Spieler, die weniger gerne zur Waffe greifen, können sich von MGS 4 dennoch anstecken lassen. Die Handlung ist fesselnd und bietet durchaus Überraschungen. Die Grafik ist gut, die Animation ebenfalls, zudem läuft alles sehr flüssig. Die Figuren bewegen sogar synchron zur Vertonung ihre Lippen, lediglich die Kussszenen dürfen für die Zukunft realistischer gestaltet werden. Metal Gear Solid 4 ist ein Kauftipp für Fans von Action-Titeln, der durch MGO noch aufgewertet wird. Wenn man den Titel durchgespielt hat, hofft man unwillkürlich, dass ein Nachfolger nicht zu lange auf sich warten lassen wird und trotz des Ausscheidens von Solid Snake weiterhin eine so dichte Handlung folgen wird.

App(s) und Produkte zum Artikel

Ups. Da funktioniert etwas nicht.Name: Ups. Da funktioniert etwas nicht.
Name: Ups. Da funktioniert etwas nicht.
Preis: 0,00 ???

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

Kommentar verfassen

Werbung
© 2006-2013 MACNOTES.DE. Made with insanely great for all things Mac. Apple.de