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Veröffentlicht am  24.08.08, 16:53 Uhr von  ac

Kolumne: Twitter & Co.

Das iPhone ist ab dieser Woche in weiteren Ländern erhältlich. Was PR und Marketing angeht, sind oft viele Unternehmen genauso grazil wie ein Elefant im Porzellangeschäft. Das ist so geschehen in unserem Nachbarland Polen, wo das iPhone gleich von zwei Providern vertrieben wird: Orange und Era. Orange ist auf die glorreiche Idee gekommen und hat hierzu Schauspieler angeheuert um die Aufmerksamkeit auf die iPhone-Einführung mit gespielten Warteschlangen zu erhöhen. Ich glaube die Polen haben das Interesse seit dem Ende des kalten Krieges an Warteschlangen vor Geschäften verloren…

Das Thema dieses Kolumne soll aber ein neuer Trend zu einem Tagebuch im Internet werden. Nach dem Bloggen kommt nun das Microblogging auch in Deutschland. Fast jeder hat sich bei Twitter angemeldet oder kennt jemanden, der darin seinen Freunden mitteilt, was er gerade denkt oder tut. Was sich aber nach neuer Idee anhört, ist bereits ein alter Hut, denn Tagebücher sind so alt wie die Menschheit. Die Höhlenmalereien beweisen es. Damals wurden auch ganz profane Alltagssituationen wie die Jagd nach Mammuts mit Farbe an der Wand abgebildet. Das was unsere Vorfahren gemacht haben, tun einige von uns in Form von digitalen Tagebüchern. Es scheinen sogar schon so viele Menschen zu sein, dass der Twitter-Server ab und zu in die Knie geht.

Diese Woche ist mir eine traurig-schöne und vor allem wahre Geschichte zum Thema “Tagebuch mal anders” über den Weg gelaufen. Es geht um den Amerikaner Jamie Livingston. Bereits 1979 fasste Jamie im Alter von 23 Jahren den Entschluss, die zu der damaligen Zeit sehr moderne Polaroid-Fotografie zu seinem Tagebuch zu machen. Er machte bis zu seinem frühen Tod 1997 jeden Tag ein Polaroid-Foto. Die dadurch entstandenen 6.697 Fotos, wurden von seinen Freunden aus seinem Nachlass veröffentlicht. Diese sind – und hier schließt sich der Kreis wieder – digitalisiert und im Internet auf der folgenden Webseite zu sehen. Ein wunderbares Kunstwerk welches leider zu früh durch die Krebserkrankung von Livingston abgebrochen wurde. Das Internet entwickelt sich somit zu einem Hort von persönlichen Gedanken und Bildern und irgendwann können auch unsere Nachfahren sehen, wie man gelebt und was man gedacht hat.

Das erste Polaroid wurde am 31. März 1979 erstellt und zeigt zwei Frauen, wahrscheinlich Livingstons Freundinnen. Das letzte wurde am 25. Oktober 1997 am Geburtstag und gleichzeitig auch Todestag von Livingston gemacht. Er starb im Krankenhaus Infolge eines unheilbaren Hirntumors. Wer mehr über Jamie und sein Leben erfahren möchte, kann dies bei Wikipedia mit weiterführenden Links nachlesen.

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 5 Kommentar(e) bisher

  •  Arne sagte am 24. August 2008:

    Also den Tippfehler “Höllenmalereien” finde ich so genial, den darfst du nicht ändern.
    Die Nummer mit den Polaroids erinnerte mich spontan an den Film Smoke bzw. die Story von Paul Auster. Da kam nur noch hinzu, dass jeden Tag das Foto auch an der gleichen Stelle zur gleichen Uhrzeit aufgenommen wurde.
    Und wo ist jetzt der “neue Trend” ( Thema der Kolumne ) ?

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  •  jens sagte am 24. August 2008:

    >Arne
    Der neue Trend ist sich im Internet über Blogs, Twirtter etc. unsterblich zu machen. Was die Höllenmalereien angeht, eventuell hat der Auto das mit Absicht geschrieben?? ;)

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  •  jens sagte am 24. August 2008:

    Uups! Ich meinte Autor..

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  •  ml sagte am 25. August 2008:

    … und irgendwann können auch unsere Nachfahren sehen, wie man gelebt und was man gedacht hat.

    Ob das so sein wird, muss erstmal abgewartet werden. Unsere Zeit produziert zwar eine riesige Menge an Informationen – mehr als je zuvor – aber diese Informationen sind nicht dauerhaft, da nach wie vor das Problem einer dauerhaften Speicherung und Archivierung nicht geklärt ist. Im Gegensatz zu Höhlenmalereien oder gedruckten Büchern, hat sich die Speicherung digitaler Informationen bislang nur als sehr kurzlebig gezeigt.

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  •  M. sagte am 25. August 2008:

    “Fast jeder hat sich bei Twitter angemeldet…” ist wohl stark übertrieben. Ich kenne niemanden direkt, der sich angemeldet hat. Im Übrigen ist es immer noch schade, dass auf Rechtschreib- und Grammatikprüfung anscheinend verzichtet wird.

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