Review: 16. Oktober 2008,

Test: FIFA 09 tritt auf und die erste Runde geht an…

FIFA 09
FIFA 09

Electronic Arts veröffentlicht für PC und Konsolen das neue FIFA 2009. So wie der Butler für Miss Sophie alljährlich die gleiche Prozedur praktiziert und damit Jung und Alt an Silvester amüsiert, weiß die Fußballsimulation von EA ebenfalls, wie man die Spieler bei Laune hält. Dieses Mal sogar noch besser. Mehr dazu lest ihr in unserem Review für PlayStation 3.

Die erste Runde geht an… FIFA 2009. Allerdings nur deshalb, weil EA seine Fußballsimulation zuerst ins Rennen schickt. Fifa Soccer hat gegenüber dem erbittertsten Konkurrenten auf dem Markt, Pro Evolution Soccer, zumindest in der Wahrnehmung einiger Spieler noch immer Aufholbedarf. Wir durften uns die Variante für die PlayStation 3 ansehen, und können mit gutem Gewissen ein vielversprechendes Plädoyer für den Vertreter aus Kanada halten.

Mit Kuranyi

Jedes Jahr prangen Fußballrecken auf dem Cover der Spieleboxen. Dieses Mal ist das Los bei EA auf Ronaldinho und Kevin Kuranyi gefallen. Der Brasilianer wird im Dress von seinem neuen Arbeitgeber, dem AC Milan, gezeigt und Kuranyi trägt den Bundesadler im Nationalmannschaftstrikot zur Schau. Wer hätte gedacht, dass Kuranyis Karriere bei der DFB-Elf allerdings so kurz nach der Veröffentlichung von Fifa bereits ein jähes Ende gefunden haben würde; Fußballinteressierte kennen die Fakten. So entbehrt es nicht einer gewissen Tragikomik, dass uns Kuranyis Konterfei von der Plastikverpackung her anblickt.

Engine zum Beneiden

Genug der Oberflächlichkeiten. Blicken wir genauer auf den Fußballzögling aus dem Hause EA: Jahrelang ist Fifa der Vorzeigeschüler gewesen, auch deshalb, weil die Konkurrenz grauenvoll war. Bis man sich bei EA in den Neunzigern, vor allem bei den spezifischen EM- und WM-Umsetzungen einige Schnitzer erlaubte. Man verärgerte die Spieler, indem man unrealistische Alleingänge möglich machte oder eine Torgarantie einbaute, bei einstudierten Laufwegen. Konamis Pro Evo, wie es liebevoll von der Fangemeinde genannt wird, füllte die Lücke aus und wuchs rasch zum ernsthaften Konkurrenten heran, überholte den einstigen Throninhaber und liegt heute noch in der „gefühlten“ Gunst der Spieler vorne.

Doch gerade dieses subjektive Werturteil muss sich mit jedem neuen Wettstreit von zwei Versionen immer erst aufs Neue beweisen. Das fällt nicht immer leicht, vor allem wenn gerade der Produzent von Konamis Kick, Shingo Takatsuka, mit neidvollen Blicken nach der Fifa-Engine schielt, und das, wo diese doch schon beim Vorgänger 08 in Diensten stand.

Nase vorn

Bei der Inszenierung hatte Fifa immer schon die Nase vorn. Das liegt natürlich an den weitaus kompletteren Lizenzen, die dieses Jahr wieder mit von der Partie sind. Doch mit Sicherheit wirken die Fußballstadien, Zuschauer, Linienrichter, Ordner und andere in Fifa wesentlich subtiler, feiner, als bei der Konkurrenz. Grafisch muss Fifa sich nichts nachsagen lassen. Allerdings – so viel Mühe man sich bei manchen Details und vor allem manchem Spieler gemacht hat – Franck Ribéry ist so einer -, so fällt natürlich andererseits sofort ins Auge, dass manche Kicker durchaus (noch) nicht an die realen Pendants heranreichen.

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Supernasen?

Die Macher haben die Spielenginge, die sich im Vorgänger bewährt hat wieder verwendet und sich daran gemacht – in einem Jahr kann viel passieren -, der Community ihre Wünsche von den Augen abzulesen. Der Faktor Flexibilität spielt hierbei eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Auswahl verschiedenere Kameraperspektiven ist zum Teil nicht grad neu, wohl allerdings die stufenlose Verstell- respektive Zoombarkeit. Wer möchte, kann ganz nah am Geschehen sein – mittendrin quasi, statt nur dabei. Ebenfalls variabel gestalten sich die Steuerungsoptionen. Diverse Hilfestellungen für’s Schießen oder Passen lassen sich je nach Gusto zu- oder wegschalten.

Gameplay getankt

Der Spielbarkeit und dem Realitätssinn zugute kommend, hat man bei Electronic Arts den Ball völlig losgelöst – wohl nicht von der Erde, wie einst Major Tom, sondern nur von der Animation des Spielers. Das Spielgerät, die Pille, das Runde eben, das in das Eckige muss, fungiert als eigenständiges Objekt und lässt so selbst Ballartisten manchmal verzweifeln. In der Redaktion konnten wir mit ballaffinen Kickern wie Ronaldinho, Messi, Ribéry und anderen schon manchmal die Pille nur ins Seitenaus manövrieren, weil der Ball schlampig vom eigenen Spieler gepasst wurde. Das Spielgeschehen wirkt dadurch noch realistischer, der Spieler wird’s den Machern danken.

Fingerspitzengefühl gefordert

Was beim Konkurrenten in Teilen bereits vorhanden war, führt EA nun für quasi alle Ballaktionen ein. In Anlehnung an Golf oder Billard, sieht der Spieler einen Balken, der sich beim Tastendruck füllt, und sodann stoppt, wenn man die Taste loslässt. Schießen, Flanken, ja sogar tödlich passen wird auf diese Weise noch variabler gestaltet. Zockern wird das wesentlich zugute kommen, Gelegenheitsspielern indes wird es weniger auffallen.

Kick it like Beckham

Man muss nicht die drei Löwen auf dem Trikot tragen, um Kick and Rush spielen zu können. Doch wenn etwas auffällt, dann…, dass das virtuelle Gegen-den-Ball-Treten noch authentischer wirkt – z. B. deswegen: Der Gegner drückt, spielt Pressing, wenn es die Teamtaktik hergibt; er oder die eigenen Mitspieler machen wahlweise die Räume eng oder suchen diese. Mit Handzeichen geben die Compagnongs zu verstehen, dass man sie anspielen möge. Das ist auch den zusätzlichen Animationsphasen geschuldet, die die Entwickler den Spielfiguren verpasst haben.

Sei ein Profi und mehr

Ein Fokus im Spiel liegt auf dem „Be a Pro“-Modus, den man nun auch in mehreren Saisons hintereinander spielen kann. Der Spieler steuert lediglich einen einzigen Spieler und darf die Karriere dieser Person durch das eigene Gamepad-Geschick befördern helfen. Wer möchte, darf sich einen ganz eigenen Spieler kreieren, oder aber sucht sich einen bereits vorhandenen Profispieler seiner Wahl aus. Dieser erhält dann für die einzelnen Spiele variierende Aufgaben. Dieser Einzelspielermodus ist allerdings nach bereits 4 Spielzeiten komplett durchgespielt.

Alle gegen Alle

Der Onlinemodus von Fifa Soccer hält interessante Neuigkeiten bereit. In Fifa 09 kann der Spieler wahlweise Clubs gründen, oder diesen beitreten. Ein Club besteht aus maximal 50 potenziellen Mitspielern, von denen zur gleichen Zeit maximal 10 antreten können. Es heißt dann im Spiele „Club“ gegen „Club“: 10 gegen 10. Vom Libero bis zur Sturmspitze dürfen wir jede Funktion einnehmen, nur den Kasten hält brav die KI sauber. Vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis das Spiel 11 gegen 11 auch virtuell populär werden kann, selbst wenn das Tor sauber zu halten oft eine undankbare Aufgabe darstellt. Den Onlinemodus haben wir in der Redaktion allerdings noch nicht angespielt und widmen ihm zu gegebener Zeit einen extra Report.

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Fazit

FIFAs Entwickler haben ein Jahr lang gute Arbeit geleistet und dem Kontrahenten von Konami, Pro Evolution Soccer, in der ersten Runde einige schwere Hiebe verpasst. In Sachen Inszenierung lag FIFA bislang immer vorn. Spielerisch indes hat man nicht nur nachgebessert, sondern entsprechend große Schritte auf dem virtuellen Grün gemacht. Der Preis für die beste Fußballsimulation geht daher noch nicht automatisch an Konami. Im Gegenteil warten wir gespannt darauf, wie man die Zeit bei der Konkurrenz genutzt haben mag. Unsere Redaktion wird den Konkurrenztitel ebenfalls beleuchten können und diesem haben wir jetzt erstmal die Messlatte ordentlich weit nach oben gelegt.



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