MACNOTES

Veröffentlicht am  10.11.08, 17:37 Uhr von  

Kommentar: Der Bundestag, der Mac und die politische Partizipation

[singlepic id=1832 w=0 float=right] Keine öffentliche Ausschreibung, in der nicht von Barrierefreiheit die Rede ist, und noch immer steht man bereits als Mac-User vor der Tür, will man sich näher mit parlamentarischen Vorgängen in Deutschland befassen. Ohne Realplayer schaut man im Bundestag statt aufs Video in die Röhre. Gibt es Alternativen zu RealVideo, und wenn ja, muss sich der User drum kümmern?

Es ist ja nicht so, dass aktuell politische Sauregurkenzeit angebrochen ist. Stichwort “Finanzkrise”, in der sich die Politik aktuell gerne als Handlungsträger und Retter der Weltwirtschaft geriert. Der Informationsbedarf der Öffentlichkeit ist naturgemäß gestiegen, Comscore misst in England 10% und in Frankreich 9% mehr Traffic auf Finanzportalen, in Deutschland deren drei. Allein das Manager Magazin legte um knapp 40 Prozent zu.

Will man sich nun über die parlamentarischen Prozesse informieren, die dem vielgerühmten Engagement der Politik vorausgingen, verweist der deutsche Bundestag auf die Software aus dem Hause Real Networks.

Man ist dabei immerhin so bürgernah, um einen Videostream für Modem-User bereitzustellen. Um die proprietäre Software kommt man nicht rum, und auf dem Mac kommt man mit Bordmitteln nicht weit.
[singlepic id=1831 w=0]
VLC und MPlayer sollen mit den Real-Formaten zurechtkommen. Einen Direktlink zum Stream kriegt man indessen nicht immer bzw., eher selten, und wenn, meldet der VLC allerliebstes: VLC probably does not support this sound or video format. Nicht wirklich besser: die Liveübertragungen gibt es immerhin per Flash-Plugin.

Partizipation sieht anders aus – insbesondere in einer Zeit, da man doch eigentlich die zentrale Rolle der Politik einmal mehr einer zunehmend verdrossenen Bürgerschaft erläutern könnte. Dazu passt auch, dass ausgerechnet bei einer weiteren zentralen Form der Bürgerbeteiligung – der Petition – die Netzgemeinde mit einer unsicheren und altertümlichen Plattform abgespeist wird, die, eben neu gestartet, so ziemlich alles falsch macht, was in dem Bereich falsch gemacht werden kann. Schlechte Benutzerführung, altbackene Gestaltung, gesetzeswidrige Datenabfrage und fehlende Barrierefreiheit, konstatiert Alvar Freude vor seiner detaillierten Zerlegung der Online-Petitions-Bauchlandung.

Klar: Beteiligung am politischen Leben sollte nicht davon abhängen, welche Software man auf welchem Rechner installiert hat und installieren will. Das gilt jedoch für beide Seiten. Und richtig eingeladen fühlt man sich nicht bei der politischen Partizipation, weder auf dem Mac noch auf anderen Systemen. Und auch wenn man nichts mit bösem Willen erklären soll, was mit Inkompetenz ebenso gut erklärt werden kann: manchmal hat man schon das Gefühl, dass Formate so gewählt sind, damit eine netzöffentliche Verbreitung und anschließende Debatte möglichst schwerfällt. (via)

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 11 Kommentar(e) bisher

  •  jamiro sagte am 10. November 2008:

    Und warum installiert man nicht einfach den Real-Player für Mac? Funktioniert doch wie bei Windows, auch bei den Bundestagsvideos. Oder verstehe ich hier das Problem nicht?
    http://germany.real.com/player/mac/

    Antworten 
  •  macneo sagte am 10. November 2008:

    ich nutze seit Jahren keinen RealPlayer mehr und würde es auch nicht einsehen, diesen zu installieren. Es gibt Codecs, die für jeden zur Verfügung stehen, die jedem Internet-Benutzer einen barrierefreien Zugang ermöglichen und auf jeder modernen Plattform abgespielt werden können. Dazu zählt z.b: h.264 AVC. Dieser ist mittlerweile sogar in Flash integriert.

    Antworten 
  •  Karin sagte am 10. November 2008:

    Was für ein Schwachsinn. Den Real Player gibt es immerhin kostenlos für alle Plattformen (incl. Unix, Linux). Jetzt ist man sich auch noch zu fein, eine extra Software zu installieren. Welches alternative Formate gibt es den vorinstalliert auf allen Plattformen?

    Antworten 
  •  Richie sagte am 10. November 2008:

    Es geht weniger ums vorinstalliert denn ums offene. Real erfasst alles, was ueber ihren Player angeschaut wird, verwendet die gewonnenen Informationen fuer Werbezwecke usw. Personenbezogene Daten werden in den USA gespeichert und unterliegen der US-Gesetzgebung. Alternative Player funktionieren nicht oder eingeschraenkt. Und wenn ich als politisch interessierter Buerger die Plenardebatten meiner Regierung hoeren will und dazu meine Daten an ein US-Unternehmen abliefern muss, dann ist in meinen Augen ein wenig was schiefgegangen. Ich weiss nicht, ob das was mit “sich zu fein sein” zu tun hat, meiner Ansicht nach nicht, ich wuerd es eher fuer ne Selbstverstaendlichkeit halten, dass ich die Moeglichkeit habe, die Taetigkeit meiner Regierung zu verfolgen, ohne zur Nutzung einer US-Adware gezwungen zu werden.

    Antworten 
  •  muedo sagte am 10. November 2008:

    das was die sache nicht besonders spannend macht ist, dass es unter windows genau die gleiche problematik gibt. hat also nichts mit der plattform zu tun, dass real ein proprietäres system anbietet. insgesamt könnte der bund damit mal aufhören – das hat aber nix mit dem mac zu tun. also eigentlich kein so spannnendes thema…

    Antworten 
  •  Tekl sagte am 11. November 2008:

    h.264 AVC geht unter Windows XP SP3 aber nicht, zumindest nicht im MP4-Container. Also muss man da auch was runterladen. Aber dennoch würde auch ich das Format bevorzugen, weil es sich langfristig durchzusetzen scheint.

    Antworten 
  •  rj sagte am 11. November 2008:

    Mac-Bezug bedingt, das allgemeine Problem ist imo auch eins, das gelegentlich diskutiert gehoert, aber es war schon mit Anlass, dass ich auf dem Mac draufstiess und mich auf dem mac drueber aergerte. Unter Windows gibts mit Real Alternative eine Loesung komplett mit Browserplugins, auf dem Mac hab ich selbiges nicht gefunden, die erwaehnten MPlayer und VLC sind da etwas schmerzhaft bzw. hatte ich im konkreten Fall nicht zum Laufen gebracht. Es passiert mir hoechst selten (bzw. konkret das erste Mal), dass mir unter dem Mac ne Loesung fehlt, die auf Win da war, bisher ist immer der Effekt “Weniger Auswahl, aber was es gibt, macht den Job gut bzw, besser” eingetreten. Ich hatte die vage Hoffnung, dass tatsaechlich jemand schreibt, “Hm, Richie, netter Rant, aber nimm $programm und der Fall ist erledigt.”

    Antworten 
  •  Karin sagte am 11. November 2008:

    Ja, aber der Autor regt sich ja darüber auf, dass man eine extra Software installieren muss und nicht mit Boardmitteln auskommt. Ogg Vobis wäre möglicherweise eine offene Alternative, aber die läuft auch nicht mit Boardmitteln.

    Ich weiß nicht, inwieweit alternative Formate (beispielsweise das erwähnte Ogg Vobis) auch für Modembesitzer geeignet sind.

    Wie sieht es mit Patenten bei h.264 AVC? Darf es unter GNU/Linux genutzt werden?

    Diese Diskussion ist wieder mal typisch für Mac-User. :-/

    Antworten 
  •  rj sagte am 11. November 2008:

    Aeh, nein. Aber gerne nochmal :Es stoert mich, *welche* Software man installieren muss. Und ich wuesste fuer den Mac *keine* Alternative, wie es auf Win z.B. eine gibt und haett mich gefreut, wenn wer mehr weiss.

    Um am Rande mal nen ganz einfachen Workaround auf Bundestags-Seite zu erwaehnen: statt nem Modem(!)-Videostream in Real haetts ein Low Quality-MP3 auch getan, Infowert gleich, Quicktime spielts ab. Fall an sich erledigt.

    Antworten 
  •  Karin sagte am 11. November 2008:

    Ah, alles klar, Modem-Besitzer könnte man schon mal ausschließen, damit ein paar Leute mehr Komfort bekommen. Nehmen wir also Quicktime und schließen noch die Linux/Unix-User aus.

    Das MP3-Format ist noch immer patentbelastet und wird unter Linux nicht immer von Hause aus unterstützt (z.B. muss bei Debian und Ubuntu nachinstalliert werden).

    Der Real-Player ist dagegen schon seit Jahren kostenlos und für alle Plattformen (und fast alle Browser???) verfügbar.

    Also echt, die Kritik wäre für andere Software viel angebrachter (z.B. Elster).

    Antworten 
  •  bernd sagte am 11. November 2008:

    vor jahren tat ich mit den kostenlosen realplayer auf meinem mac an. als das teil nach dem ersten start munter und ohne rückfrage software lud und installierte, wurde er postwendend kompostiert.
    ein teil meiner familie besteht auf die audiodemos bei amazon. deshalb ist auf dem familienmac ein realplayer drauf. auf meinem arbeitsmac will ich sowas nicht sehen. audiodemos gibts auch bei iTunes :-)

    Antworten 

Kommentar verfassen

 0  Tweets und Re-Tweets
       0  Likes auf Facebook
         0  Trackbacks/Pingbacks
          Werbung
          © 2006-2013 MACNOTES.DE. Made with insanely great for all things Mac. Apple.de