Review: 13. Januar 2009,

Test: Valkyria Chronicles – Rundenbasiertes Manga-Action-Rollenspiel

Valkyria Chronicles: Protagonist Welkin Gunther
Valkyria Chronicles: Protagonist Welkin Gunther

SEGA hat noch im alten Jahr ein Spiel auf den westlichen Markt gebracht, dass es in Asien schon ein bisschen länger gab – Valkyria Chronicles. So viel vorweg, wer noch kein Englisch kann, sollte es unbedingt lernen, es lohnt sich.

Valkyria Chronicles hat viele Vorzüge, die auf den ersten Blick nicht zur Geltung kommen können. Das Spiel hat nämlich wegen des Mangahintergrunds mit Vorurteilen zu kämpfen. Außerdem hat SEGA sich das Leben selbst schwer gemacht. Doch der Reihe nach.

Mit Mandelaugen…

Manche Leute lieben Mangas, andere Leute hassen sie. Von letzteren wissen manche gar nicht so genau warum, aber sie tun es trotzdem. Die Gruppe derer, die mit den Mandelaugen harmonieren, sie hat SEGA eindeutig zur Zielgruppe gemacht. Die anderen wissen nicht, was ihnen entgeht, doch macht man es ihnen unnötig schwer.

… aber ohne deutsche Sprachausgabe

Denn diejenigen, die Sichelaugen gleichsetzen mit niederer Qualität, sie werden von SEGA mit einer fehlenden deutschen Sprachausgabe wahrscheinlich nur noch in ihren Vorurteilen bestätigt. Das ist schade, denn Valkyria Chronicles ist ein interessantes und ausgewogenes Spiel. Die englische Sprachausgabe ist überdies unheimlich gut gelungen. Wenn Spiele aus Asien dafür immer etwas länger benötigen, um hierzulande veröffentlicht zu werden, sei es ihnen gegönnt. Oft genug haben wir Spieler anderswo enttäuschende und gefühllos gesprochene Dialoge erlebt. Das ist bei Valkyria Chronicles ganz anders. Hier unterstreichen die virtuellen Sprechakte die tolle Atmosphäre des Spiels.

Krieg tobt

Dem Spieler kommt die Rolle von Welkin Gunther zu. Welkin ist Sohn eines ehemaligen Panzergenerals aus dem ersten großen Krieg. Das Szenario selbst ist in einem fiktiven Europa um 1930 angesiedelt, das von der Topographie durchaus Ähnlichkeiten mit Mitteleuropa aufweist. Nicht umsonst heißt ein zentraler Schauplatz Gallia.

Mittendrin und immer dabei

Welkin Gunther ist auf Besuch in die Heimat gekommen. Der Student der Biologie möchte Freunde und Verwandte wiedersehen. Doch sein Aufenthalt bleibt nur kurz vom Glücksstern überstrahlt. Rasch nahen die ersten Ausläufer des Krieges dem Dörfchen Bruhl. Zusammen mit seiner Halbschwester Isara und seiner Freundin Alicia aus Kindertagen melden sich die drei freiwillig für die Miliz, nachdem man als Spieler schon die Flucht aus Bruhl in einigen strategischen Momenten miterleben kann.

Seitenweise Action

Das eigentliche Interface von Valkyria Chronicles kommt in Form eines großen Buches daher. Immer wieder kann man sich Videoclips ansehen, die die Geschichte erzählen und in jedem Kapitel erwarten den Spieler Kampfsituationen. Anleihen von einem Rollenspiel nimmt Valkyria Chronicles, weil es Erfahrungspunkte und zusätzlich eine Art Währung für gewonnene Schlachten verteilt.

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Individuelle Fähigkeiten

Jeder Charakter verfügt über menschliche Eigenheiten genauso wie über spezielle Fähigkeiten. Im Hauptquartier stellen wir ein Team von 20 Mitgliedern zusammen. Es gibt welche, die sich untereinander nicht grün sind. Wenn wir diese später in Kampfhandlungen gemeinsam kämpfen lassen verringert das die Durchschlagskraft. Positiv wirkt es sich natürlich aus, wenn wir solche miteinander ins Feld schicken, die sich mögen. Manche sind gegen Pollen allergisch oder gegen Staub. Die ersteren sind bei Einsätzen im freien Feld nicht zu gebrauchen, die anderen bei Wüsteneinsätzen. Jedesmal schmälert das Defizit die Aktions- oder Gesundheitspunkte. Es gibt Klatschweiber, Stützpunkt-Beschützer und viele andere mehr. Jede einzelne Eigenschaft kann manchmal hilfreich sein. Weitere Fähigkeiten werden den Truppen übrigens antrainiert auf dem Trainingsgelände.

Viele Wege führen zur Befreiung von Gallia

Natürlich gibt es aufeinanderfolgende Missionen, die wir alle erfolgreich absolvieren müssen. Doch die Taktik, die der einzelne Spieler einsetzt kann variieren. In der Regel haben wir 20 Spielrunden zur Verfügung in denen wir den Auftrag erledigen müssen; es gibt eine Handvoll Episoden, in denen das ein bisschen anders ist. Nun soll es Spieler geben, die gerne möglichst rasch ans Ziel kommen. Diese werden insofern vom Spiel belohnt, als dass sie am Ende mehr Erfahrungspunkte gutgeschrieben bekommen. Doch ruhigere Zeitgenossen, die erst alle Gefahren aus dem Weg räumen wollen, ehe sie die feindliche Basis erobern, kommen so trotzdem durchs Spiel.

Allerhöchstens gegen Ende, wenn es bei den finalen Missionen ans Eingemachte geht, hilft Abwarten nur bedingt. Es schadet wohl eher. Es kann gut sein, dass der Gegner ständig Nachschub anfordert, selbst wenn wir alle seine Stützpunkte bereits eingenommen haben. Das war bis dahin oft ein probates Mittel gewesen, um ebenjene Nachschublieferungen zu unterbinden.

Wasserfarbene Augenweide

SEGA selbst nennt die Grafikengine, die für die wunderschöne Optik verantwortlich ist „Canvas“. Zeichnungen oder Bilder, die ausschauen wie in Wasserfarben gemalt bilden die Kulisse für butterweich animierte Figuren. Schon aus diesem Grund sollte Valkyria Chronicles eine Erfahrung wert sein.

Malerische Soundkulisse

Zu der superben Sprachausgabe gesellt sich ein wunderschöner Soundtrack, der anderen bekannten Rollenspielen aus dem asiatischen Raum in nichts nachsteht. Spieler von Final Fantasy werden wissen, wovon ich schreibe. Alle anderen können sich die Machart der musikalischen Untermalung als eine Mischung aus Forrest Gump und Herr der Ringe vorstellen. Die Musik passt sich immer den Gegebenheiten an, mal ist sie leicht und fröhlich, mal fordernd und druckvoll.

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Fazit

SEGA selbst preist Valkyria Chronicles als strategisches Rollenspiel an. Für mich ist es aber genauso gut ein rundenbasiertes Strategiespiel, das Anleihen im Rollenspiel nimmt und zudem noch eine Prise Ego beisteuert, wenn man im Aktionsmodus seine Einheiten steuert. Ein wesentliches Element fehlt jedoch, der Mehrspielermodus. Fernab von einer wunderbar erzählten Geschichte im Singleplayer hätte ich mir die Möglichkeit gewünscht Schlachten, die außerhalb des Plots liegen, gegen andere zu spielen. Ganz gleich ob an einer Konsole oder online.

Natürlich hat SEGA das Rad nicht neu erfunden, und doch: Valkyria Chronicles ist erfrischend anders. Es fesselt den Spieler viele Stunden an die Konsole, die er meiner Meinung nach nicht bereut. Hätte ich meine Stimme noch in 2008 zu virtuellem Papier gebracht, wäre Valkyria Chronicles auf jeden Fall in die Reihe meiner Favourites gestellt worden, zu denen solch potente und namhafte Titel wie GTA IV, Metal Gear Solid 4, Bioshock zu zählen sind. Ich kann für Valkyria Chronicles eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Geschmäcker sind aber bekanntlich verschieden.



Test: Valkyria Chronicles – Rundenbasiertes Manga-Action-Rollenspiel
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App(s) und Produkte zum Artikel

Valkyria ChroniclesName: Valkyria Chronicles
Hersteller: "Sega of America, Inc."
Preis: 10,99 EUR

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