News & Rumors: 15. Januar 2009,

Im Test: Professionell Bloggen mit WordPress

Professionell Bloggen mit WordPress
Professionell Bloggen mit Wordpress - Cover

„Professionell Bloggen mit WordPress“ lautet der Titel eines Buches von Tom Alby. Dieser neigt, so viel sei bereits verraten, wie viele seiner Mitstreiter unter den IT-Buch-Autoren zum Schwafeln. Aus langjähriger Erfahrung heraus überblättere ich Wörter und Seiten, wenn ich merke, dass sie mich in meinem Drang nach Information und Erkenntnis-Interesse nur bremsen.

Es gibt ziemlich viel, was man an dem Buch von Tom Alby hätte verbessern können. Der oberflächliche Schreibstil ist allerdings gut. Da ich mich aber mit der Geschichte des Internets schon auskannte, musste ich das Thema nicht auch noch zum 120ten Mal im Anfangskapitel aufgewärmt bekommen.

Titel nicht optimal gewählt

Der Titel des Buches ist meiner Meinung nach falsch gewählt. Die Lektüre des Buches führt am Ende nicht dazu, dass der Leser oder die Leserin „professionell“ mit WordPress bloggen könnte. Mit Albys Buch wird vielmehr ein Einstieg in das Thema geleistet. Die ersten Kapitel helfen Einsteigern, um WordPress zu installieren und geben Hinweise darauf, wo man weiter tätig werden könnte. Die letzten Kapitel vermitteln Wissen über die Interna von WordPress, vor allem Kapitel 8.

Man fühlt sich an Bausteine erinnert. Für Leute, denen der Überblick jedoch fehlt, werden diese Bausteine kaum Anwendungsbeispiele sein, sondern nur interessante Fetzen, die man nicht einzusetzen weiß. Weniger wäre vielleicht mehr gewesen und Alby hätte anhand einer Beispielseite verschiedene der „Template_Tags“ integrieren können. Alby erläutert ihre Funktion, doch nicht jeder Leser wird sofort wissen, an welcher Stelle er nun etwas damit anfangen wird können.

Zu viel vorausgesetzt?

Alby erläutert etliche PHP-Zeilen in dem Buch. Allerdings paraphrasiert er sie nur und beschreibt deren Funktion. Für den Nutzer bedeutet dies, er schreibt blind den Code ab, ohne zu verstehen, was er eigentlich tut. Wenn er von PHP keine Ahnung hat, dann tappt er nach der Lektüre trotzdem weiterhin im Dunkeln bei allen Dingen, die er nicht implizit „gelernt“ hat. Also bei solchen, bei denen sein Abstraktionsvermögen ausgereicht hat, um die Struktur oder Logik dahinter nachzuvollziehen. Jemand, der bereits PHP oder andere Programmiersprachen kennen gelernt hat, erkennt hingegen Fehler, wenn sie ihm begegnen…

Quellcode fatal

Alle anderen können das nicht und stehen vor Problemen. Was, wenn eine Klammer nicht geschlossen wurde? Was, wenn ein Semikolon fehlt? Der ganze Code funktioniert dann nicht. Solche Fehler gibt es im Buch von Alby leider viel zu oft.

Alles, was ich bislang kritisiert habe, muss natürlich kein Problem darstellen, wenn Alby eindeutig eine Zielgruppe adressiert hätte, die mehr Ahnung hat als der Laie. In seinem Vorwort fühlt sich niemand so wirklich angesprochen.
Angesichts der Struktur des Buches kann man aber davon ausgehen, dass Alby Anfänger ansprechen wollte.

Fußnotenwirrwarr

Ebenfalls unverständlich bleibt die Sache mit den Fußnoten. Ganz Silvester Stallone aus der Sci-Fi-Action-Komödie Demolition Man, frage ich wie denn das mit den Muscheln (Fußnoten) funktioniert. Spaß beiseite: Die Fußnoten werden nicht jedes Kapitel neu vergeben. Sie werden aber auch nicht jedes Unterkapitel neu vergeben. Zunächst könnte man den Eindruck gewinnen, doch an einer Stelle wird die Konsistenz in der Kennzeichnung aufgehoben. Denn Kapitel 3.3 beginnt auf einer Seite – es gibt 2 Fußnoten darunter, beide mit 1 und 2 gekennzeichnet. Man blättert um, stellt fest, es gibt erneut die Fußnoten 1 und 2, und das obwohl noch kein neues Unterkapitel begonnen hat. Das geschieht erst auf der nächsten Seite.

Kapitel 6.3 hat dann mitsamt all seiner Unterkapitel übrigens 100 Fußnoten abbekommen. Amüsant, wenn man überlegt, dass die „immer wieder neu“-Nummerierung eigentlich aus dem Grund Verwendung fand, um gerade mehrstelligen Fußnoten aus dem Weg zu gehen.

Quellcode wohin?

Was mich ebenfalls gestört hat: Es gibt Stellen, an denen ist nicht eindeutig klar, wo ein bestimmter Quellcode hingehört. Für Nutzer, die sich nicht so gut auskennen, wäre das ein Problem. Einfaches Beispiel: Nachdem zunächst umfassend ein Exempel notiert wurde, macht man sich daran, die Datei im Einzelnen zu beschreiben. Es wird von Alby z. B. eine index.php zum Thema gemacht. Es wird dann ein gewisses Grundgerüst gezeigt und im nächsten Absatz der Ausdruck erläutert, der den Inhalt im „Loop“ ausgibt (vgl. Kapitel 7). Einen Hinweis darauf, dass der Teil, der den Inhalt generiert, aber zwischen zwei Ausdrücke geschrieben werden muss, die zuvor erwähnt wurden (damit er sinnvoll Inhalt produziert), und eben nicht ans Ende, findet man nicht. Schreibt man den Teil unter den Loop, produziert WordPress keine Ausgabe. Schreibt man ihn an die falsche Stelle, gibt WordPress nur einen und nicht alle Artikel aus. Das sind Fallstricke, über die ein Anfänger gerne stolpert und über die Alby jenem eben nicht hinweg hilft. Das ist in meinen Augen die größte Schwachstelle des Buches.

Eher am Rand fragt man sich, ob im Lektorat von IT-Buch-Verlagen gerne mal weggeschaut wird. Ich möchte hier vor allem an meine Erfahrungen mit Galileo Computing erinnern.



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Preis: 29,99 EUR

 2 Kommentar(e) bisher

  •  Heike (5. Januar 2012)

    Hallo,
    ich beziehe mich auf den Blogeintrag vom 15.01.2009 ‚Professionell Bloggen mit WordPress“. Eine sehr aufschlussreiche Rezension. Vielen Dank. Aktuell suche ich gerade ein ‚einfach gestricktes‘ Fachbuch, was mir WordPress näher bringt. Ich habe schon drei Blogs verschlissen, ebenfalls eine Homepage, die ich mit Hilfe online gebracht habe. Alles nicht mehr vorhanden und nun möchte ich wieder anfangen zu bloggen. Und suche online Hilfe oder ein Buch, welches mir verständlich erklärt, was es mit WordPress auf sich hat. Sollte, kann ich mir ‚Professionell Bloggen mit WordPress‘ kaufen, wenn ich mit WordPress ein Blog online bringen möchte? Oder sollte ich mich lieber mit den unzähligen Youtube Videos intensiver beschäftigen, die eigentlich sehr anschaulich erklären, wie man das Blog einrichtet und betreut. Oder gibt es andere, bessere Lektüre, als Buch, wo ich mich informieren kann? Das Buch selbst ist ja schon ziemlich ‚alt‘. Leider ist ein VHS Kurs, der im Dezember staffinden und mir WordPress näher bringen sollte, aufgrund der geringen Nachfrage abgesagt worden. Aber ich gebe nicht auf und suche weiterhin nach einfachen und verständlichen Erklärungen, die selbst ich verstehe. :-)
    Bei einem heißen Tipp, einfach mal bitte per Mail melden, wenn es mittlerweile aktuellere Lektüre gibt, die mir besser liegt. Danke. Viel kaputt machen kann ich ja bestimmt nicht, wenn ich es Schritt für Schritt mal selbst versuche. Nur das es eben nicht online geht.
    Viele Grüße
    Heike

  •  Alexander Trust (6. Januar 2012)

    Ich würde an Ihrer Stelle erst einmal im Web versuchen Antworten zu finden, es gibt zum Teil sogar Buchautoren, die Blogs führen und darin auch mehr oder minder den Umgang mit der Technik schildern. Das Alby-Buch – evtl. gibt es ja einen Nachfolger – richtet sich durchaus an Einsteiger. Ich habe zu WordPress auch ein weiteres Buch gelesen, PHP für WordPress aus dem Franzis-Verlag. Das hat mir etwas „mehr“ von der Materie veranschaulicht aber auch nicht vielmehr, nur dafür richtet es sich eher noch an Leute, die eben, wie der Buchtitel es vermuten lässt, PHP schon mal gehört haben. Das Problem bei PHP für WordPress ist, dass dort ebenfalls Fehler eingebaut sind, und seien es eben nur einige Zeichen, die an gewissen Stellen fehlen und eben die Tatsache, dass die Softwaregrundlage nicht mehr aktuell ist. Einige Dinge funktionieren in WordPress nicht mehr so wie früher, wenn auch Vieles klappt. Und an anderen Stellen hieß es dann in PHP für WordPress, dass, wenn der User nicht schlauer als das Buch ist, er den Fehler nicht selbst finden kann, den das Buch ihm dummerweise vorsetzt. Es ist schade, dass gerade bei solchen Themen, die technisches Know-how vermitteln sollen und wollen, manchmal nur schlampig redigiert wird. Es müsste sich eben auch jemand inhaltlich damit beschäftigen, oder jemand einen Testlauf vornehmen, so wie man Software in der Beta testet. Da das nicht immer passiert, sitzt man als Leser dann dort, und hat das Problem, dass man „eigentlich“ alls so gemacht hat, wie es geschrieben stand, es aber dann doch nicht funktioniert.

    Sie selbst wissen vielleicht am ehesten, welcher Lerntyp sie sind. Wenn sie die Haptik des Papiers benötigen, und ihr eigenes Level an Wissen einschätzen können, sollten sie die Rückentexte der Bücher genau studieren. Den Rest von meinem Wissen über WordPress habe ich aus dem Internet, und eigentlich hätte ich diese beiden Bücher nicht benötigt, um an das darin enthaltene Wissen zu kommen. Das Arbeiten mit den Büchern folgt aber einem Pfad und ist strukturierter. Das hilft vielleicht dem einen oder anderen. Im Web müssen sie manchmal einiges suchen, und da heißt es auch, dass man wissen muss wie und wonach man sucht. Oft bleiben die Informationen verborgen, weil man nicht die richtigen Suchworte verwendet hat und nicht etwa, weil es sie gar nicht gibt.

    Falls Sie nur bloggen wollen, und gar nicht so sehr einen Profit erzielen oder sich selbst technisch fortbilden, dann könnten Sie eventuell auch mit dem Angebot von wordpress.com zurecht kommen. Dort kann jeder sich kostenlos ein eigenes Blog auf Basis von WordPress einrichten und zudem noch viele Veränderungen daran vornehmen.


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