MACNOTES

Veröffentlicht am  24.01.09, 12:42 Uhr von  kg

25 Jahre Macintosh – Ein User der ersten Stunde erzählt

MacintoshIm Zuge unseres Specials zum 25. Geburtstag des Macintosh haben wir ein paar Nutzer des ersten Mac nach ihrer persönlichen Geschichte gefragt.

Herausgekommen ist dabei unter anderem die nun folgende von Steven Riggins, Programmierer aus Portland, Oregon, der sehr bildlich erzählt, wie er damals zu seinem Macintosh gekommen ist.


Ich werde es nie vergessen: Im Januar 1983 sah ich eine Lisa bei der West Coast Computermesse in San Francisco. Die Grafik war unglaublich, besser als alles, was ich zuvor gesehen hatte. Die Lisa stammte von der versnobten Firma Apple Computer (während ich ein Atari-Anhänger war), aber diese Maschine schien echt eine eigene Persönlichkeit zu haben.

Anfang 1984 erfuhr ich vom Macintosh. Den berüchtigten Werbespot während des Super Bowl hatte ich verpasst, aber in einer Ausgabe des Byte-Magazins gab es eine Cover-Story zum Thema Macintosh. Darin enhalten war ein 1-Bit-Foto des Macintosh-Teams, darunter auch Andy Hertzfeld und Bill Atkinson. Ich erfuhr von der Hardware, der Software, dem Speicher und der Tatsache, dass sich innerhalb des Gehäuses die Unterschriften des Teams befanden. Wie super ist das denn?

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Als ich für die Frühjahrsferien 1984 im März aus dem Internat nach Hause kam (ich war im letzten Schuljahr auf der High School), fragte mich mein Großvater, was ich mir zum Schulabschluss wünsche. Er wusste davon, dass ich in Sachen Softwareprogrammierung recht erfolgreich war und war daran interessiert, mir mit meiner Zukunft zu helfen. Und so sagte ich “Naja, dieser Macintosh ist die Zukunft der EDV. Er wird die Art und Weise verändern, wie wir mit Computern umgehen und dürfte wahrscheinlich eine Legende werden. Aber obwohl er nur ein Viertel von dem kostet, was die Lisa kostete, ist er mit $2500 immer noch viel zu teuer.” Meinem Großvater war das egal: Eine Woche später hatte ich meinen neuen Macintosh.

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Ich war total aus dem Häuschen und konnte gar nicht abwarten, ihn auszupacken. Apples Design war dann daran Schuld, dass ich mir etwas mehr Zeit damit ließ. Auf der Seite der Kiste war dieses Picasso-eske Maclogo, das Handbuch war ein Ringbuch und sah großartig aus.

Und dann war da diese beige Maus und eine Kassette. Eine Kassette? Was soll da drauf sein, etwa Software? Nein, die Anleitung.

Ich steckte die im Paket enthaltene Diskette ins Laufwerk und hörte mein erstes “Boing”. Die Diskette machte ein paar Geräusche und irgendwann poppte auf dem Bildschirm ein “Welcome To Macintosh” auf. Das hat Charakter! Ich war nicht verliebt in die Maschine, aber faszinierend war sie.

Die Audio-Anleitung funktionierte wie folgt: Man spielte die Kassette ab und man konnte sich alles über seinen neuen Macintosh erzählen lassen. Da war diese herrliche Gitarrenmusik, und alles fühlte sich gut an, nicht so wie mit meinem Trash-80 oder meinem Atari 800.

Die Kasette war dazu da, zu erklären, wie man mit dem Computer umgeht. Diese Anweisungen konnte man dann am lebenden Objekt ausprobieren, beispielsweise wie man die Maus bewegt. Hatte man eine Aufgabe erledigt, konnte man die Kassette weiter anhören und noch mehr lernen.

Das war die beruhigendste Art und Weise, auf die ich jemals einen Computer kennengelernt habe. Und es war kinderleicht. Und ich glaube bis heute, dass diese ersten Stunden mit dem Macintosh meine Affinität zu Apple-Rechner langfristig geprägt hat. Es waren doch keine Snobs, sondern Leute, die Dinge richtig machen wollten.

Innerhalb der darauffolgenden Wochen lernte ich, mit MacPaint und MacWrite umzugehen, außerdem habe ich viel zu viel Zeit damit verbracht, Dateien in Ordner zu verschieben. Ic habe eine Menge Geld für Disketten ausgegeben, $15 haben die damals gekostet. Und hinterher habe ich mir den Inhalt der Disketten ausdrucken lassen.

Wieder in der Schule wurde unser “Rechenzentrum” berühmt. Es handelte sich um einen winzigen Raum, vollgestellt mit Commodore 64, Apple II und meinem Macintosh, und natürlich war meiner der kleinste von allen.

Ich konnte allerdings nur Dokumente schreiben, einen Drucker konnte ich mir nicht leisten, und so nutzte ich den Macintosh dafür, zu lernen, warum dieser Rechner so anders war, gerade hinsichtlich der Schnittstellen und dem Design. Zum Anschluss schrieb ein guter Freund von mir eine Geschichte in MacWrite und speicherte sie auf meiner ersten Diskette.

Ich habe mir dann Microsoft Basic gekauft, weil es das einzige war, was ich mir für die Softwareentwicklung leisten konnte. Ich schrieb ein Musikprogramm und eine einfache Tabellenkalkulation, um damit meinen Benzinverbrauch zu berechnen. Während einer zweimonatigen Reise mit meiner Familie haben wir den Rechner mitgenommen, um währenddessen immer im Blick zu haben, wie viel Benzin wir so verbraucht haben.

Auf der Hälfte der Reise kamen wir bei meiner Großmutter an, und dort ließ ich den Mac auf dem Beifahrersitz des Wohnmobils zurück. Drei Tage später kam ein Tornado, der nicht nur das Haus, sondern auch den Wohnwagen zum wackeln brachte. Als der Sturm vorüber war, war das Wohnmobil noch da, ebenso der Computer, nur leider etwas nass, er tropfte, als ich ihn hochhob. Offenbar war das Fenster am Bett über dem Fahrersitz offen gewesen.

Ich verfiel in Panik, mein sechs Monate alter, $2500 teurer Computer war komplett unter Wasser gesetzt! Da es aber nur reines Regenwasser war, das aus der Kiste tropfte, wurde ich schnell wieder ruhiger. Wegen dieser seltsamen neuen Torx-Schrauben konnte ich das Gehäuse nicht öffnen, also habe ich mir einen Fön genommen und habe drei Stunden lang warme Luft ins Gehäuse geblasen. Danach fuhr er wieder wie gewohnt hoch und hat mich danach auch nicht mehr enttäuscht- bis er mir ein Jahr später gestohlen wurde, aber das ist eine andere Geschichte…

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