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Veröffentlicht am  16.02.09, 15:52 Uhr von  

Apple vs. Jailbreaker: Reaktionen und Eskalationsmöglichkeiten

locked iPhone, EFFMehr Streit geht immer: die ersten Reaktionen auf Apples harten Kurs gegen Jailbreaker deuten auf Streit. Nachdem die EFF ihre Eingabe beim Copyright Office machte, nach der Jailbreaks mit einer DMCA-Ausnahmeregelung legalisiert werden sollen, zeigt sich Apple unnachgiebig: Jailbreaks sind illegal. An anderer Stelle wird ergänzt: und strafbar mit bis zu fünf Jahren Haft. Und an dritter Stelle: Will Apple wirklich Millionen User kriminalisieren? Exemplarisch werden dann zur Illustration auch schon mal die jailbreakenden Promis aus dem Hut gezogen.

Letzte Woche erschien die Replik Apples auf das Begehren der EFF, das Freischalten von Smartphones für beliebige Software zu legalisieren. Standpunkt der EFF: Der Besitzer eines Gerätes solle mit selbigem anstellen dürfen, was er will, Beschränkungen seien zum einen unzulässig und zum anderen kein Urheberrechtsverstoß, der DMCA werde in diesem Kontext missbraucht. Apple hingegen: mit der Plattform aus Apple-Hardware und von Apple genehmigter Software wird die “Chain of Trust” geschmiedet, mit der das reibungslose Funktionieren des iPhone sichergestellt wird, und die mit dem Jailbreak eben zerstört wird.

[singlepic id=2620 w=0 float=left] In der New York Times wurde kommentiert, dass es nicht Sache Apples sei, Leute daran zu hindern, verbuggte Software auf ihren Geräten einzusetzen, wenn sie das denn wollen. So weit, so zutreffend – wobei man durchaus ein wenig Verständnis für Apples restriktiven Standpunkt bekommen kann, wenn man hört, dass sie regelmäßig Supportanfragen wegen Softwareabstürzen erhalten – in siebenstelliger Zahl werden Abstürze auf gejailbreakten iPhones gemeldet, wie Appleinsider weiß. Dabei seien “mehr als 1,6 Millionen Abstürze von Usern von 10.000 gejailbreakten iPhones” gemeldet worden. Pro Handy demnach 160 Absturzmeldungen? Angesichts dessen, dass die Fehlermeldungen der iPhones “en bloc” nach iTunes-Synchronisationen bei Apple auflaufen, sollte ein automatisiertes Handling und entsprechende Gewichtung der Jailbreak-Crashes möglich sein. Dafür gibt es Computer.

Apples Befürchtung: diese Zahlen werden noch weiter steigen und damit Apples Kosten erhöhen, wenn die EFF-Legalisierungsforderung für den Jailbreak durchgeht. Ein Grund, aber kein Hindernis – denn in der Tat sollten sich Jailbreaker damit zurückhalten, den Apple-Support für jailbreakbedingte Probleme anzugehen. Es sollte auch durchaus im Rahmen des technisch Möglichen liegen, Jailbreak-Crashmeldungen vom Support auszuschließen – dass nach der Freischaltung des iPhone für von Apple ungenehmigte Software kein Support mehr für dieselbe geleistet werden kann, sollte der Kundschaft mehr als leicht vermittelbar sein.

Das größere Problem im NYT-Kommentar ist indessen die Frage nach der Durchsetzung der entsprechenden Sanktionen, behielte Apple den Standpunkt bei, dass Jailbreaken illegal wäre. Über das (US-)Vertragsrecht stehe es Apple durchaus frei, bestimmte Nutzungsformen seiner Produkte zu untersagen. Bei Zuwiderhandlungen sei Apple nur auch gezwungen, gegen die Verstoßenden rechtlich vorzugehen und entstehende Schädigungen nachzuweisen. Eine spannende These, die leider nicht weiter ausgeführt wurde, denn an dieser Stelle beginnt es, interessant zu werden – droht Apple, dass Vertragsbestimmungen möglicherweise nicht mehr als bindend gelten, wenn sie vorgeschrieben, aber bei Zuwiderhandlung niemals rechtlich durchgesetzt werden?

Denn bei der Durchsetzung hört die akademische Debatte über das Pro und Contra Jailbreaking auf und stellt sich die Frage, was konkret an Sanktionsmitteln zur Verfügung steht. 2.500 Dollar Vertragsstrafe fürs Jailbreaken stünden im Raum, beim Handeln mit Gewinnerzielungsabsicht sind im DMCA-Rahmen gar Haftstrafen von bis zu 5 Jahren vorgesehen. Gewinninteresse könnte bei Händlern attestiert werden, die Jailbreaks anbieten, interessant wäre natürlich auch die Frage, welche Rolle Anbieter der Jailbreak-Tools, der Cydia-Repositories oder kommerzieller Cydia-Programme spielen.

Passend zur Kriminalisierungsdebatte stellt 9to5mac die Promifrage: was ist denn mit den bekennenden, bekannteren Jailbreakern? Angeführt wird Ashton Kutcher, der offenbar begeisterter CyCorder-Nutzer ist, wie zahlreiche Videos bei qik zeigen.

Wem Kutcher zu b-prominent ist, sei an Steve Wozniak erinnert, der mit Kutcher das Faible für Cycorder teilt und ebenfalls bekennender Jailbreaker ist. Spätestens bei der Vorstellung, Apple würde Steve Wozniak wegen der Verwendung von iPhone-Software ohne Apple-Zulassung rechtlich belangen, stellt sich ein Gefühl wie beim Dividieren durch Null ein: es funktioniert irgendwie nicht. Insofern fällt es schwer sich vorzustellen, dass Apple tatsächlich rechtliche Schritte gegen US-Jailbreaker ergreift. Wie sich das “Verbot” so wie von Apple betrachtet unter diesen Umständen erhalten lässt, wird sich zeigen.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 11 Kommentar(e) bisher

  •  Simón sagte am 16. Februar 2009:

    Toller Artikel! Sehr gut zusammengefasst.

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  •  Cedric sagte am 16. Februar 2009:

    In der Tat! Seit langer Zeit keinen so guten Artikel mehr bei Macnotes gelesen. Gerne mehr davon…

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  •  cliper53 sagte am 16. Februar 2009:

    Dann müssen sie Steve Wozniak Feuern was ein Skandal wäre weil Steve Wozniak ja Apple Mitgegründet hat!

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  •  milan sagte am 16. Februar 2009:

    wenn man auf macs windows aufspielen kann, wieso sollte man auf dem iphone andere software aufspielen dürfen?

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  •  milan sagte am 16. Februar 2009:

    …*andere software nicht aufspielen dürfen*

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  •  dreyfus sagte am 16. Februar 2009:

    Nun, was der Artikel leider nicht erwähnt – und auch die NYT geflissentlich übersieht – ist die eigentliche Problematik…

    Apple interessieren die Jailbreaker an sich kein Stück. Sie haben bis jetzt Nichts gegen diese unternommen und in den letzten Updates oft nichteinmal die Codes geändert.

    Das Umgehen von DRM wird gemeinhin nur bei kommerziellem Anlass verfolgt – der Zustand, dass hier etwas gem. DMCA illegal ist, aber nicht verfolgt wird, gilt für eigentlich alle CDs, DVDs, Software, Telefone… solange die Umgehung nur zu “fair use” oder Kompatibilitätszwecken erfolgt, interessiert sich kein Staatsanwalt die Bohne dafür und jeder kann damit leben.

    Was die EFF hier macht ist kontraproduktiv, da Sie Apple zum Angriff zwingen. Der Jailbreak ist die Voraussetzung für die Aktivierung und das Umgehen des Simlock. Sobald es ein Recht auf (bzw. eine Ausnahme für) Jailbreaks gäbe, könnte Apple sich von den üppigen Subventionen durch die Carrier verabschieden. Wenn das iPhone dann 600-700 Dollar kostet, haben alle gewonnen? Ja, genau.

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  •  rj sagte am 17. Februar 2009:

    Gute Punkte, aber imo auch nicht die ganze Geschichte. Der “kommerzielle Anlass” ist eine Sache, die recht leicht auch an den Haaren herbeigezogen wird, sobald etwas oeffentlich und im Netz ist, und das gilt eben fuer die ganzen Tools, Repositories, (kommerziellen) Cydia-Apps usw. – und wie weit es den Staatsanwalt interessieren *muss*, kann ich nun nicht wirklich beurteilen, weil ich mit der US-Rechtslage nicht ganz so vertraut bin, aber der Staatsanwalt muss gar nicht interessiert sein, wenn zivilrechtlich vorgegangen wird.

    Das “Zwingen zum Angriff” ist eben auch eine Art, Rechtssicherheit zu schaffen, ob das klug ist, darueber laesst sich trefflich streiten. Persoenliche Ansicht meinerseits ist in dem Fall, dass ich das eher als nachgeordnetes Problem sehe, ich neige dazu, eher prinzipiell auf einem Recht auf das Modifizieren gekaufter Hardware zu bestehen.Mir waers lieber, das sei alles gar nicht notwendig, allein schon, dass man dafuer eine Ausnahmeregelung* von einem kriminalisierenden gesetz braucht, ist in meinen Augen ein Unding. Damit druecke ich mich natuerlich um diese Nachfolgedebatten ;), aber das ist nun mal meine Ansicht.

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  •  Cedric sagte am 17. Februar 2009:

    Ich glaube nicht, dass das Umgehen des Simlock Apples Beweggrund ist. Dies trägt ja eher zum Verkauf der Geräte und somit zur Umsatzsteigerung bei. Das Hauptproblem am Jailbreak ist auch nicht die dort angebotene, kostenlose, Software von Drittherstellern die nicht im iTunes Store vertreten sind.

    Wer sich ein wenig mit dem Jailbreak auskennt, der weiß das durch diesen erst illegale Kopien von Programmen aus dem iTunes Store möglich werden. Je mehr davon wissen und aktiv nutzen, desto weniger verdient Apple damit.

    Viel kann Apple dagegen auch nicht tun, außer den Ursprung der Kopien zu verhinden: Den Jailbreak. Denn bei jeder neuen Revision der iPhone-Firmware den DRM-Mechanismus zu ändern gleicht einem Katz und Maus-Spiel, den Apple bereits bei Songs und Videos (siehe iTunes Plus) verloren hat: Gegen QTFairUse, JHymn & Co.

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  •  dreyfus sagte am 17. Februar 2009:

    @rj

    Nun, das mit dem “kommerziellen Anlass” ist ganz einfach: Die Jailbreak Programme selbst liegen eigentlich nie auf US Servern, da Programme, die DRM umgehen, fast in allen Fällen illegal sind, nicht jedoch deren Verwendung zu “fair use” Zwecken – ob die Geld kosten oder nicht, ist dabei unerheblich. Selbstverständlich darf jeder kommerzielle Software für “gejailbreakte” Geräte anbieten (solange es die eigene ist oder eine Vertriebslizenz vorliegt). Auch das Rippen von DVDs, BDs und CDs für den eigenen Gebrauch wird nie verfolgt – erst wenn man diese Daten verteilt wird es heiss. Das zivilrechtliche Vorgehen würde den Nachweis eines Schadens erfordern, solange ich Apple nach einem misslungenen Jailbreak nicht die Support-Hotline zusülze, gibt es keinen Schaden. Wenn ich natürlich kommerzielle App Store Programme über P2P beziehe und installiere, ist das genauso Diebstahl, wie jeder andere Diebstahl auch. An all diesen Gegebenheiten ändert die EFF Forderung nichts. Selbst wenn die EFF Forderung Erfolg haben sollte (etwa 0% Wahrscheinlichkeit, da nahezu alle Hersteller ähnliche Schutzmechanismen verwenden), bringt das Verbrauchern in den USA nichts. Eine gesetzliche Gewährleistung gibt es in den meisten Teilen der USA nicht und jeder Hersteller kann Garantien beschränken, so viel er möchte. Was hätte man von einem Gerät, dass auf zwei Jahre mindestens 1.900,- USD kostet, wenn man es bei jedwedem Defekt wegschmeissen darf?

    Das Du auf ein “Recht auf das Modifizieren gekaufter Hardware” bestehst, ist ja schön… nur, dieses Recht hast Du immer. Die Hardware gehört dir ja. Die Software ist nur lizensiert und gehört dir explizit nicht. Was die EFF hier fordert, ist die Enteignung von geistigem Eigentum und führt nur zu weniger Innovation, da Firmen kaum immense R&D Kosten stemmen werden, wenn sie anschliessend nicht daran verdienen dürfen. So ein Gesetz kann auch nicht nur Privatanwendern eingeräumt werden… Wenn der Jailbreak grundsätzlich erlaubt ist, können sich 1.) auch MS, Adobe, u.v.a.m. auf dem geistigen Eigentum von Apple austoben und daran bereichern und 2.) die Plattform in kürzester Zeit ruinieren, da ein einheitliches Look and Feel (wie es das SDK und die Prüfung der Anwendungen erzwingen) nicht mehr gegeben wäre… wer wissen will, wie das aussieht, der kann sich ja ein Linux Mobile Phone anschauen (bzw. gleich ein solches kaufen, da kann man sich dann auch die Diskussion sparen).

    @Cedric

    Vorsicht, mit so einem Hang zur Tatsachenverdrehung bekommt man schnell eine eigene Geschichtssendung im ZDF… Apple hat nicht “den” Spiel um DRM bei Songs verloren – im Gegenteil. Apple war der erste große Anbieter, der DRM beseitigen wollte – nur hat außer EMI und Unabhängigen keiner mitgemacht. Die Plattenindustrie hat das Spiel verloren und musste schliesslich DRM aufgeben… Apple hat dies seit Jahren gefordet, sogar SJ persönlich in einem offenen Brief: .

    Selbstverständlich ist das Umgehen des Simlock das Hauptproblem. Nur der Simlock bewegt Carrier wie AT&T, bis zu 400 USD Subvention für ein Gerät zu zahlen. Im Gegensatz zu Deutschland kann man nämlich in den USA Laufzeitverträge gegen eine geringe Gebühr kündigen. Gäbe es keinen Simlock, würde sich jeder ein iPhone für 199,- USD holen, einen Tag später den Vertrag kündigen und das Gerät beim Anbieter seiner Wahl nutzen. Würden die Carrier die Subvention nicht mehr zahlen, wäre das iPhone tot. Praktisch niemand in den USA würde 600-700 USD für ein Telefon zahlen.

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  •  rj sagte am 18. Februar 2009:

    @dreyfus,

    weitgehendes Ack zu deinem ersten Absatz bis zur Gewaehrleistung, da wuerd ich auch sagen,m das ist eben das Risiko, dass man tragen muss, wenn man an seinen Sachen rumspielt – und darum gehts ja auch. Wers macht, muss halt mit den Folgen leben, wenn er sein Handy brickt, aber er solls machen *duerfen*. Vielleicht schaffen wir ja Einigkeit dahingehend, dass das an sich schon abschreckend genug fuer den normaluser sein sollte und es nicht noch rechtliche Bestimmungen braucht :)

    In der Sache mit der Innovation, R&D etc., gehe ich ueberhaupt nicht mit dir konform, das ist ein Argument, das vielleicht auch schon ein wenig zu oft unter schlechteren Umstaenden verheizt wurde. Aber grade das freie Verfuegenkoennen uebers Geraet hat eben schon sehr *viel* Innovation gebracht, und ich bin sicher, dass das auch beim iPhone der Fall ist. Dafuer ist einfach zu vieles schon boeseboeseboese gewesen und wurde hinterher zur Grundlage feiner und “akzeptierter” Technologien, und ich bin sicher, auch dei Apple-Entwickler werden sich Sachen wie Backgrounder, Cycorder, iPhone-Serverapplikationen und SBSettings nicht nur unter dem Aspekt “Was machen die mit unserem schoenen Geraet” angucken, sondern auch die eine oder andere nette Anregung und Inspiration davon haben.

    Was ich auch nicht mag, ist diese Slippery-Slope-Argumentation – Jailbreak fuehrt zu Simlock, Simlock zur Einstellung der subventionierte Angebote, oder dasselbe in Richtung nichtlizenzierte Kopien. Das ist mir alles zu schwarzweiss und an der Realitaet vorbei, in der eben diese scheinbar zwingenden Abfolgen eben alles andere als zwingend aufeinanderfolgen.

    Voelliges Ack zu deinen Statements in Bezug auf Musik – aber genau da argumentierst du imo genau entgegengesetzt, weil hier Apple (und du) ja die Auffassung vertreten, dass die Kopiererei kein Problem darstellt, wenn das Angebot stimmt und die Bezugsquellen attraktiv und erreichbar sind. In Sachen iPhone-Apps gilt das IMO ebenso, und es geht meiner Ansicht nach schwer zueinander, vom Partner im Musikvertrieb den DRM-Verzicht einzufordern und durchzusetzen und eine Baustelle weiter die Einsperrerei der User selbst zu praktizieren.

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  •  Nickel sagte am 18. Februar 2009:

    Also bin ich ein fair user wenn ich Jailbreake aber nur um das aussehen zu ändern uns keine Spiele cracke oä.???

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        1. Steve Jobs, updatefaul beim iPhone am 1. März 2010
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