Review: 7. April 2009,

Test: Empire: Total War

Empire: Total War
Empire: Total War - Screenshot

Mit der Total War-Reihe haben die Entwickler von Creative Assembly bisher eine vierteilige Serie für Fans von Strategiespielen geliefert, in der es darum geht die Geschicke verschiedener Nationen zu leiten. Der bisher letzte Spross setzt da an und bietet neben Kämpfen an Land als neues Extra die Möglichkeit ausgiebige Seeschlachten zu steuern.

Creative Assembly bleibt seiner Linie treu und wir müssen uns in einer Kombination aus rundenbasierten Aktionen und Echtzeitkämpfen durch Missionen und Schlachtfelder schlagen. Insgesamt stehen dem Spieler ein Einzelspieler-Modus mit zwei unterschiedlich aufgebauten Kampagnen, sowie ein Gefechtsspiel zur Verfügung.

In einem Tutorial könnt ihr euch mit der Steuerung im Kampf vertraut machen. Dabei werden die grundlegenden Funktionen von Land- und Seegefechten erklärt. Leider gibt es keine umfassende Erläuterung von vorhandenen Tastenkombinationen oder dem Bilden von Formationen im Kampf. Diese werden häufig von Computerstimmen der Berater und in Informationsfenstern im Spiel direkt ergänzend erläutert. Obwohl hierbei trotzdem nicht auf alle Tastenkürzel eingegangen wird, ist es eine gute Art das Spiel learning by doing zu erforschen. Es empfiehlt sich, vor oder beim Spielen von Empire, einen Blick in die Anleitung zu werfen.

Mehrere Kampagnen

Interessant an dem Titel von SEGA sind die zwei, sich unterscheidenden Kampagnen: Beim „Weg zur Unabhängigkeit“ schlüpft ihr in die Fußstapfen George Washingtons und müsst zunächst eure Kolonien in Amerika sichern oder gegen Indianer und Franzosen kämpfen, bis ihr euch schließlich durch vier Episoden zur Unabhängigkeitserklärung spielen könnt.

Durch zu erledigende Aufträge könnt ihr euer Ansehen bei der englischen Krone steigern und bekommt als Belohnung Münzen für eure Kassen. Damit eure Kolonie auch wirtschaftlich bestehen kann, müsst ihr darauf achten, dass die Ausgaben für Truppen nicht ins Unermessliche steigen. Ausbauten und Optimierungen eurer Städte und Gebäude sei Dank, könnt ihr besser wirtschaften und mehr erwirtschaften. Solltet ihr dennoch kurz vor der Pleite stehen, ist die letzte Möglichkeit, die euch bleibt, das Volk durch höhere Steuern zur Kasse zu bitten.

Auswirkungen auf Provinz und Volk

Erfolgreiche Feldzüge steigern eure Gunst bei der Bevölkerung und heben den eigenen Nationalstolz. Schließlich wächst so aus dem kleinen Siedlungsdorf eine florierende Stadt heran, die durch Entwicklungen und Verbesserungen weiter fortschreitet: So habt ihr zum Beispiel die Möglichkeit Verwaltungsgebäude zu erweitern und zu vergrößern, oder durch den Ausbau von Wegen zu Straßen eine bessere Infrastruktur zu schaffen.

Genauso verhält es sich bei den übrigen Gebäuden in eurer Kolonie: der kleine Fischerhafen wächst mit der Zeit zum Warenumschlagplatz mit Werft für eure Flotte heran, Ländereien wirtschaften besser und können Waren im Überschuss produzieren, die schließlich im Handel mit anderen Völkern zu Weltmarktpreisen verkauft werden.

Mit Hilfe zur Weltmacht

Ähnlich wie im „Weg zur Unabhängigkeit“ funktioniert die zweite Kampagne, benannt als die „Große Kampagne“. Ihr wählt aus einer Vielzahl von Fraktionen eure Nation aus, mit der ihr die Welt erobern wollt. Das Spiel setzt euch dabei fast keine Grenzen und bietet große Nationen wie England, Frankreich, Schweden, Dänemark, Preußen oder Spanien zur Auswahl an.

Die „Große Kampagne“ beschränkt sich nicht auf einen bestimmten Kontinent oder ein bestimmtes Land, sondern spielt auf dem gesamten Globus. Ihr könnt nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika oder Asien Provinzen erobern, diplomatische Beziehungen aufbauen oder Land für euch erschließen.

Spielziel bei der großen Kampagne ist es, bis zu einem bestimmten Jahr eine gewisse Anzahl an Provinzen zu erobern. Egoistisch Handeln wird nicht belohnt, vielmehr hilft es, Bündnisse und Abkommen mit anderen Ländern einzugehen, um starke Partner zu bekommen.

Am Anfang einer Kampagne stellt euch die Beraterstimme kurz das Spiel vor und gibt wichtige Hinweise, die ihr beachten und im Hinterkopf behalten solltet. Unter anderem spielt bei einigen Nationen die Konfession eine Rolle. Wundert euch also nicht, wenn manchmal der Glaube eurer Nation Schuld am Ausbruch eines Krieges trägt.

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Diplomatie als Hilfe

Besonders in der „Großen Kampagne“ werden die Möglichkeiten der diplomatischen Beziehungen in Total War deutlich: Bei eurer Wahl sollten die Interessen der anderen Völker eine Rolle spielen – es wird euch nämlich angezeigt, welchen Nationen der angestrebte Partner positiv oder negativ gesonnen ist.

Allerdings bedeutet eine Anfrage nicht gleich, dass man euch entgegen kommt. Schließlich spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Wie ist das Volk eurer Nation gegenüber eingestellt? Ist man nur an einem Handelsabkommen interessiert oder geht man darüber hinaus ein militärisches Bündnis ein? Wenn ihr Glück habt, gewährt man euch sogar militärisches Durchgangsrecht oder tauscht Technologien oder Provinzen aus. Mit Hilfe von Geschenken könnt ihr das eigene Ansehen beim Gegenüber steigern. Alternativ fordert ihr vom Partner die Zahlung von Tributen ein oder bieten ihm selbst welche an.

Eure Partner erwarten allerdings, dass ihr ihnen im Kriegsfall beisteht – genauso könnt ihr euch unter Umständen auf eure Bündnisse berufen.

Ähnlich verhält es sich im Bereich des technischen Fortschritts: Auf einem Forschungsbaum wählt ihr eine Weiterentwicklung aus, die ihr erforschen wollen. Je nach Ausbaustufe von Städten und Gebäuden, könnt ihr (weitere) neue Technologien entwickeln. Es gibt drei Forschungsgebiete: die Militär- und Industrietechnologie und die Philosophie.

Vergleicht man Empire: Total War mit anderen Strategiespielen wie Age of Empires oder Cossacks, fällt gleich auf, dass auch im fünften Teil der Total War-Reihe die rundenbasierte Strategie im Fokus steht. Einheiten lassen sich in Rundenschritten rekrutieren, genauso verhält es sich bei den Weiterentwicklungen. Das Vorrücken der Truppen wird dadurch begrenzt, dass die eigenen Soldaten nur eine gewisse Distanz pro Runde zurücklegen dürfen. Bevor ihr eure Aktionen für die nächste Runde einstellen könnt, werden erst die übrigen Nationen berechnet und simuliert.

Die gegnerischen Truppen werden von Generälen symbolisiert, die teilweise geschichtliche Personen, wie George Washington darstellen. Des Weiteren gibt es Spielcharaktere, die verschiedene Aufgaben wahrnehmen: Euer Spion kann es zum Beispiel schaffen Informationen über benachbarte Gegner zu beschaffen oder deren Gebäude und Städte zu sabotieren.

Auf in den Kampf

Haben wir uns wirtschaftlich etwas abgesichert, unsere Truppen verstärkt und durch Forschung verbessert, geht es darum den eigenen Macht- und Einflussbereich auszubauen. Das bedeutet, Krieg zu führen und andere Dörfer und Städte anzugreifen, die je nach Truppenstärke der Gegner entsprechend befestigt sind.

Die Truppenstärke der eigenen Mannen ist natürlich nicht unwichtig, doch Quantität ist nicht alles. Im Kampf kann es passieren, dass die eigenen Soldaten sich einschüchtern lassen und so eher den Rückzug antreten; der Gegner lässt sich mürbe machen, wenn man sich entscheidet, seine Stadt zunächst zu belagern; Angriffe steuert ihr entweder selbst oder lassen sie vom Computer simulieren.

Live auf dem Schlachtfeld

Interessant wird Empire: Total War im Kampf-Modus, bei dem das Spiel glänzen kann und eine tolle 3D-Grafik liefert. Ihr könnt durch das stufenlose Scrollen selbst Teil auf dem Schlachtfeld werden. Je nach Truppe und Einheit, nehmt ihr verschiedene Einstellungen vor, mit welchen Mitteln ihr kämpfen möchtet: Es ist möglich einen Nahkampf-Modus einzustellen oder Truppen gemeinsam in Formation antreten zu lassen. Sinnvoll ist es, die Angriffe von Kavallerie, Infanterie und Kanonen zu kombinieren.

Mit einem Kanonenangriff zerstört ihr wichtige Schutzwälle und könnt die Moral der Gegner schwächen. Schließlich setzt ihr mit der Infanterie euren Angriff fort und schließt ihn mit einem Sturm der Kavallerie ab. Durch verschiedene Formationen, auch in Kombination einzelner Einheiten, könnt ihr euch taktische Vorteile verschaffen.

Eine Formation zieht ihr mit der Maus auf dem Bildschirm auf. Verkürzen oder erweitern lassen sich vorhandene Formationen ebenfalls mittels Tastendruck. Eigene Buttons, wie man sie aus anderen Spielen kennt, gibt es nicht; als Neueinsteiger empfiehlt es sich, das Tutorial zu spielen und dazu die Spielanleitung zu lesen, um während einer Schlacht möglichst fest im Sattel zu sitzen.

Auch zu Wasser

Genauso verhält es sich bei Seekämpfen; im Tutorial bekommt ihr eine Einführung in die Steuerung und Möglichkeiten der Seeschlachten. Ihr könnt Schiffe ebenso in Formation angreifen lassen und außerdem verschiedene Munitionsarten auswählen. Diese schwächen die gegnerischen Schiffe entsprechend am Rumpf oder bei den Segeln und machen sie zunehmend manövrierunfähig. Für einen Nahkampf gibt es ebenfalls die passende Munition. Ist der Gegner entsprechend eingeschüchtert, lässt sich das Schiff entern.

Wer keine Kampagne spielen möchte, dem steht noch die Option zur Verfügung einfach nur ein Gefecht zu spielen. Hier bietet Empire verschiedene Szenarien an: Dazu gehören neben der klassischen Landschlacht auch Belagerungen von Städten oder Seegefechte.

Mehrspieler an Bord

Empire bietet einen Mehrspieler-Modus an, dieser muss zuvor allerdings durch einen kostenlosen Patch aktiviert werden. Das funktionierte problemlos über Steam. Ihr könnt das Strategiespiel dann gegen andere Mitspieler im Internet oder in einem lokalen Netzwerk spielen.

Passende Atmosphäre

Neben den vielen Möglichkeiten im Spiel, die zugleich die positive Eigenschaft haben, dass ein langer Spielspaß vorprogrammiert ist, bietet Empire eine tolle Atmosphäre. So untermalen Zwischensequenzen verschiedene, erfolgreich abgeschlossene Aufgaben, Ladebilder zeigen virtuelle Szenen aus den Schlachtfeldern des 18. Jahrhunderts und sind zudem mit einem Zitat von bekannten Persönlichkeiten wie Präsidenten, Philosophen oder Ökonomen gespickt.

Das Spiel und besonders die Menüs werden mit passender Musik untermalt. Ein animierter Hintergrund in der Menüoberfläche zeigt wiederum animierte Schlachtszenen. Dass das Spiel außerdem geschichtliche und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt, wie zum Beispiel die unterschiedlichen Konfessionen, erhöht das Gefühl von Authentizität.

Grafisch ansprechend

An der Grafik haben die Entwickler genauso wenig gespart und liefern eine prächtige Landschaft, die durch Spiegelungen, Nebel oder Sonnenreflektionen glänzt und authentisch wirkt.

Auf den Schiffen kann man das Treiben betrachten und sieht, wie Matrosen die Masten empor klettern, Segel setzen oder Kanonen nachladen. Wind- und Kurseinflüsse sind realistisch nachgebildet und man bemerkt ein Einfallen von Segeln und Tauen, sollte das Schiff eine Wende drehen oder der Wind wechseln.

Die Landschaften sind mit Bäumen, Zäunen und Mauern bestückt und bilden nicht immer eine flache Ebene; je nach Jahreszeit sind sie sogar mit Schnee bedeckt. Hindernisse stellen sich den Truppen beim Angriff in den Weg – Kavallerie nimmt die Hürden im Sprung.

Viel Festplattenplatz

Manchmal hat Spieltiefe ihren Preis. Creative Assemblys und SEGAs neuester Streich der Total War-Reihe geht in die Vollen, wenn es nach Plattenplatz verlangt. Satte 15 GByte benötigt die Installation und der eigene Rechner sollte schon über 2 GByte Arbeitsspeicher unter Vista oder 1 GByte unter Windows XP verfügen.

Als Kopierschutz verwendet Empire: Total War Steam, das in unserem Test für einige Probleme bei der Installation und den ersten Startversuchen sorgte. So ließ sich das Spiel anfangs gar nicht installieren, da keine Verbindung zum Server aufgebaut werden konnte und die ersten Spielstarts waren nicht möglich. Seit dem der Start aber problemlos funktionierte, gab es keine Störungen mehr.

Fazit

Mit Empire: Total War ist es den Entwicklern vom englischen Studio Creative Assembly gelungen an die Erfolge der Total-War-Reihe anzuknüpfen. Die Kombination aus Rundenstrategie und Echtzeitkämpfen ist sehr gut gelungen und sorgt bei mir für lang anhaltenden Spielspaß.

Die Optionen in den Land- und Seeschlachten sind sehr umfassend und bescheren Ihnen jede Menge Handlungsspielraum. Für Anfänger sollten im Tutorial diese Möglichkeiten noch genauer ausgeleuchtet werden, damit jeder die gleichen Chancen hat, ein guter Stratege zu sein.

Der Titel kann optisch glänzen und wirkt zudem in feinen Details authentisch. Eines davon ist die Konfession der eigenen Truppen oder die der Gegner. Sie nimmt Einfluss auf das Spielgeschehen und bildet damit natürlich den gesellschaftlichen Hintergrund des 18. Jahrhunderts in einer Weise ab. Solche Feinheiten machen das Spiel abwechslungsreich.

Lediglich Strategiefans, die rundenbasierte Spiele nicht gewöhnt sind, benötigen etwas Einarbeitungszeit, sollten dennoch Freude an SEGAs neuem Empire: Total War finden können.



Test: Empire: Total War
3,81 (76,25%) 16 Bewertungen

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Wertung

8/10
Langer Spielspaß
Umfangreiche Schlachten
Tutorial für Einsteiger verbesserungswürdig

Zuletzt kommentiert








App(s) und Produkte zum Artikel

Empire: Total WarName: Empire: Total War
Hersteller: SEGA
Preis: 12,88 EUR

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