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Veröffentlicht am  17.04.09, 23:28 Uhr von  Alexander Trust

Killerspiele, Wrestling und Columbine – Gedanken über Ursache und Wirkung

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Allein in den letzten zwei Tagen habe ich einigen Input bekommen, der ausreichen würde, viele Gedankenstränge abzulaufen. Geistigen Trampelpfaden zu folgen ist aber nicht immer sinnvoll. Ich schreibe mir nur kurz von der Seele, was ich erwähnenswert fand, und fühle mich danach freier. So zumindest die Theorie.

Amoklauf von Columbine

In einer US-amerikanischen Zeitung stolperte ich über einen Beitrag, der das Bild von den Amokläufern aus dem Jahr 1999 gerade zu rück suchte. Offenbar waren die beiden Täter nicht die Opfer, für die manche sie hielten. Ich weiß der Satz klingt verquer. Harris und der andere galten zu keiner Zeit als Randgruppe. Sie wurden nicht gehänselt, haben stattdessen zum Teil auf Minderheiten rumgetrampelt. Das wollte ich damit sagen. Die Einflussnahme von Videospielen auf ihre Tat ist heute ebenfalls fragwürdig. Es besteht vielmehr noch kaum ein Zweifel daran, dass nur eine Sau durch’s Dorf getrieben wurde. Schade allerdings, dass die Ergebnisse mancher Interviews und Protokolle mit Betroffenen, Eltern, Freunden usf. erst spät in den 2020ern veröffentlicht werden dürfen. Man könnte meinen, es gäbe etwas zu verheimlichen. Wohl nur die letzten Fetzen, die alle Zweifel zerstreuen könnten. Denn schon das FBI, CIA und wie sie alle heißen, ja wohl auch die lokale Polizeibehörde haben Fehler eingestanden. Die Täter, wie man sie damals stilisierte in den Medien, es gab sie nicht. Es gibt sie auch heute nicht, weil sie schon eine Weile nicht mehr zu den Lebenden zu rechnen sind.

Wrestlingimitation

Offenbar ein Vorbild an einem Videospiel genommen hat sich ein kleiner, neunjähriger Junge aus den Staaten. Seine Nachahmung der Spielsituationen von WWE Smackdown vs. Raw auf der PlayStation 2 macht nicht nur aus der Konsole von Sony eine consola non grata. Nein, eigentlich wirft dieser Fall natürlich fragen auf. Warum wird sofort messerscharf aus dem Kaffeesatz geschlossen, dass vor allem und ohne Unterlass das entsprechende Videospiel es sein musste, dass den jungen zu seiner Aktion führte, die letztlich mit seinem Tod endeten. Er war auf ein Haus geklettert, wollte in Wrestlermanier herunter springen und hatte vergessen, dass ihm keine Flügel gewachsen sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Journalisten, die seine Freunde interviewten, sich nicht die Mühe gemacht haben, danach zu fragen, ob denn sein Konsum von Wrestling am Fernseher nicht vielleicht zu den tragischen Geschehnissen zu führen.

Killerspiele in den Medien

Es gibt eine stillschweigende Vereinbarung zwischen Medienschaffenden und dem Zeitgeist. Wir hauen auf alles drauf, das sich vermarkten lässt muss eines der Dogmen lauten, damit es Sinn macht. Damit alles was in den letzten Wochen passiert ist überhaupt nur irgendwie plausibel wird. Winnenden +Stop+ Amoklauf +Stop+ Mehr als ein Dutzend Tote +Stop+ – So wichtig war mir das alles, dass ich schon nicht mehr weiß, wieviele Menschen eigentlich genau gestorben sind. So wichtig war es aber wahrscheinlich ziemlich vielen. Nur, dass eben Bundespräsident Horst Köhler in einer Rede, die seinerzeit stattfand, ja den Volksversteher mimen musste. Er gab zu Protokoll, dass die Stimme aus dem Volk es sich nicht nehmen lasse, die Kondolenz für alle Angehörigen auszusprechen. “Ganz Deutschland trauert mit Ihnen” oder so ähnlich hatte er es formuliert.

Böse Zungen könnten behaupten, und wahrscheinlich sogar plausible Argumente dafür finden, dass die Infokusnahme von Computer- und Videospielen nur deshalb geschieht, weil andere Branchen um ihren Erfolg fürchten müssen. Videospiele sind auf der Überholspur. Es hat sich langsam entwickelt. Heute sind Hollywood und die Rolling Stones keine Institutionen mehr, wohl aber Super Mario und Nico Bellic, Nintendo und Rockstar Games. Musikspiele machen aus einem einstigen Hörgenuss ein völlig neues Erlebnis. So etwas gab es noch nie. Doch bis die Konkurrenz aus der Musikbranche kapiert, dass sie ein Teil der florierenden Wirtschaft sein könnten, ohne sich lächerlich zu machen, könnte noch einige Zeit vergehen. Es gibt so viele Spiele, und es gibt genug Geld für Spiele. Sie herzustellen ist mit Arbeit verbunden, doch wer eine Spielidee hat, kann damit reich werden. Nicht nur im App Store. Bis es aber soweit sein wird, dass die Mediengläubiger nebeneinander koexistieren können – vielleicht nur werden wir es erleben.

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