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Veröffentlicht am  28.05.09, 18:36 Uhr von  rj

Cracked iPhone Applications II: Die Cracks, der Tod und die Steuern

CrackulousEs scheinen drei Dinge von vollkommener Unvermeidlichkeit zu sein: mit dem Tod und den Steuern hat sich die Menschheit mehr oder weniger abgefunden, die Cracks scheinen hingegen immer noch ein irgendwie lös- oder änderbares Problem zu sein. Nach der gestrigen Einleitung soll heute dargestellt werden, warum mit einer “Lösung” nicht gerechnet, sie im Fall der Appstore-Kopien nicht einmal wünschenswert ist, – mit dem Vorbehalt, dass eine sehr subjektive Sicht der Dinge folgt. Dieser wiederum folgt demnächst eine – ebenfalls durchaus subjektive – Gegenstimme vom iPhone-App-Entwickler Andreas Heck.

Disclosure: ich nutze mit wachsender Begeisterung ein gehacktes (1st Gen.) iPhone und habe mir schon seit einiger Zeit vorgenommen, endlich mal eine gehackte App zu installieren, kam aber bis heute nicht dazu. Generell sehe ich mich auf der Skala “Urheberrechtskontrolle vs. Freiheitsrechte” weit im letzteren Feld verortet (womit ich auch die gewählte Terminologie der “Freiheitsrechte” begründet wissen will).

Um mit diesen anzufangen: Apple fährt bereits eine sehr restriktive Linie – was zugelassene Apps angeht wie auch die Nutzungsmöglichkeiten bei Apples Geräten. Das beginnt bei restriktiven (und in Deutschland teilweise ungültigen) AGB, die dem User vorschreiben, was er mit gekauften Produkten machen kann, das endet bei der Appstore-Politik, die oft mehr mit “öffentlicher Moral” und “gutem Geschmack” zu tun haben scheint als mit rechtlichen oder ökonomischen Aspekten. Die Haltung zum Jailbreak und Alternativen zum Appstore ist hinlänglich bekannt.

Dem gegenüber steht die Errungenschaft Apples, einen Micropayment-Markt etabliert zu haben, der zum ersten Mal in diesem Maßstab erlaubt, Apps zu Centpreisen anzubieten und damit auch ein Auskommen zu finden. Die diversen Appstore-Erfolgsgeschichten sprechen für sich. Ganz subjektiv: diesen ersten nennenswerten Markt im Netz, in dem es vollkommen normal ist, nebenbei 79 Cent auszugeben, halte ich für folgenreicher und wichtiger als die Smartphone/Appstore-Idee selber.

Zurück zum eigentlichen Thema: Die Gefahr in Sachen Appstore ist nun, dass eine noch restriktivere Haltung Apples in Sachen Apps und iPhone-Nutzung naturgemäß zu noch stärkeren Einschränkungen bei den iPhone/App-Nutzern wie auch bei den Entwicklern führt. Diese Einschränkungen sind jedoch zu vermeiden, da sie erfahrungsgemäß mitnichten höhere Umsätze bei Appstore-Entwicklern zur Folge haben. Für den Gedanken “Zumindest können sie die Apps nicht mehr umsonst nutzen” ist dieser Preis ziemlich hoch, auch wenn man diesen gerne denken mag. Bereits jetzt sind die Restriktionen Apples nicht mehr unbedingt nachvollziehbar oder befinden sich im offenen Widerspruch zu nationalem Recht in nicht unbedeutenden Märkten Apples. Die technischen “Risiken und Nebenwirkungen” solcher Maßnahmen nenne ich der Vollständigkeit halber, die kennt jeder, der sich schon mit CD-Kopierschützen herumgeärgert hat. Kurz gesagt: mir graut vor einem “Eingreifen Apples” auf technischer Basis.

Dass man bestimmte Nutzergruppen schlicht nicht zum Kauf prügeln kann, sollte nach Jahren und Jahren der “Pirateriediskussion” allmählich bekannt sein. Allzu gerne werden Kopien mit entgangenen Einnahmen gleichgesetzt, werden alle Probleme und Marktschwierigkeiten auf das Kopierproblem geschoben, die oft genug vollkommen trivial sind – am Markt herrscht auch Wettbewerb der Bezahlangebote untereinander, die Brieftaschen der Kunden sind nicht endlos gefüllt, und nicht jede EUR0,79-App macht den Weg frei zum fixen Einkommen. Der Hype um Appstore und iPhone suggeriert gelegentlich anderes, aber nicht jede App erreicht überhaupt die Bekanntheit und die Verkaufszahlen, um zum Big Thing zu werden. Dafür reicht, wie Stromcode schreibt, nicht einmal unbedingt eine Platzierung in den oberen zweistelligen Verkaufsrängen im Appstore.

Nicht jeder wird so ein interessantes Umdenken bei den “Piraten” beobachten können, wie es iCombat-Entwickler Miguel hier beschreibt – dass man einen “Piraten” höflich anschreibt, ihn auf die Problematik anspricht und nach Alternativen/Verbesserungsmöglichkeiten fragt, wird a) selten die Zeit da sein und b) selten die Reaktion so interessant werden: statt einem Freeloader hat man auf einmal einen Verbündeten in Sachen Werbung. Das wird selten passieren, aber immer mal wieder – vielleicht auch im Rahmen dieser Diskussion. Vielleicht braucht es nur ein paar Aktionen dieser Art, um einige Freeloader zu den Handykaufberatern der Eltern zu machen, die sich dann wiederum lieber an den Appstore halten. Und die Biografien zahlreicher “Kiddies” dürften so aussehen, dass die Sauger von früher die Heavy User von heute sind, mit Expertenstatus im Freundeskreis.

Mancher Schüler mit leerem Geldbeutel und zuviel Zeit wird never ever mit Restriktionen und Drohungen zum zahlenden Kunden “bekehrt” werden (das Gegenteil dürfte häufiger passieren), so mancher wird es aber mit den Sachzwängen der späteren beruflichen Existenz. Manche möglicherweise früher, manche werden möglicherweise auf andere Weise zum “Verbündeten”, wenn vermutlich auch selten mit dem von Miguel beschriebenen Engagement. Man kann aber sicher sein, dass keine Softwarerestriktion der Welt den dort beschriebenen Kopierer zur Zahlung auch nur eines Cents getrieben hätte.

Fazit: Ein Nutzen weiterer technischer Maßnahmen Apples ist nicht zu erwarten und dürfte dem ohnehin eher restriktiven Image der Apple-Plattform weitere Nahrung geben Die Erfahrungen aus den bisherigen “Kopierschlachten” der Musik- Film- und Softwarebranche sind eindeutig: Restriktionen waren bisher immer ein Hemmschuh insbesondere der legalen Märkte, siehe DRM/Kopierschutz, und wurden bzw. werden sukzessive abgeschafft (unter anderem von Apple). Für den Kollateralschäden bei legitiomen Nutzern, für höheren Ressourcenverbrauch auf Entwicklerseite, auf Seiten Apples und auch bei der Hardware erkauft man keinen bis negativen Nutzen. Selten genug ist Nichtstun nicht nur angenehm, sondern auch sinnvoll: aber Nichtstun ist hier definitiv die beste Lösung zumindest für Apple.

Dieser (durchaus subjektive) Kommentar ist Teil einer dreiteiligen Serie zur Appstore-Piraterie: den Stand der Dinge stellte der gestrige Text “Cracked iPhone Applications I: Entwickler hoffen auf Apple” vor, morgen folgt ein ebenfalls durchaus subjektiver Kommentar vom direkt betroffenen App-Entwickler Andreas Heck/der.heckser mit der “Entwicklersicht” der Dinge.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 6 Kommentar(e) bisher

  •  Thomas sagte am 28. Mai 2009:

    Sorry aber mal ehrlich: Jeder iPhone Besitzer gibt einen mehr oder weniger hohen Betrag für sein Telefon aus. Ob es jetzt einmalig ein freies Phone ist, oder ob man über 24 Monate das Telefon beim Mobilfunkprovider abbezahlt ist am Ende das Gleiche.

    Und wer jetzt die Centbeträge für den Kauf einer App, die ihm augenscheinlich gefällt und deren Benutzung Spass macht bzw. nützlich ist, nicht aufbringen kann (oder will), der sollte sich fragen, ob er die richtige Plattform gewählt hat.

    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das es ein großer Aufwand (Zeit, als auch Geld) ist, eine iPhone App zu entwickeln.

    Angefangen von den “Developergebühren” die Apple nimmt bis hin zur Zeit die man aufbringt die App zu designen und zu schreiben.

    Jeder Nutzer einer App sollte so fair gegenüber dem Entwickler sein, den aufgerufenen Preis zu bezahlen. Wenn ich als Nutzer der Meinung bin, das der Preis ungerechtfertigt ist, dann kann ich halt die App nicht nutzen.

    Aber derzeit scheint sich leider auf dem iPhone die allgemeine InternetAll4free Kultur zu entwickelt, was ich aus Entwicklersicht nicht unbedingt begrüßen kann. Es scheint teilweise eine Art Sport zu sein, sein iPhone mit möglichst vielen Apps zu bestücken.

    Ich werde auch weiterhin alles daran setzen, herrauszufinden, ob meine App regulär gekauft ist, oder illegal kopiert wurde.

    Grüße Thomas

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  •  Aquila sagte am 28. Mai 2009:

    Ich habe auch schon gecrackte Appy installiert. Dies allerdings nur bei Spielen die ich vorher nicht antesten kann. Wenns mir gefällt wird’s danach legal gekauft, und wenn nicht dann lösch ichs einfach wieder und freue mich das ich kein Geld in den Sand gesetzt habe.

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  •  Melvin sagte am 28. Mai 2009:

    Ich kaufe wie bekloppt im App Store.
    Micro Payments sind einfach genial! Selten gebe ich allerdings über 79 Cent aus.
    Diesen Monat musste ich sogar mein Click&Buy Limit erhöhen, da ich sonst nichts mehr bekommen hätte! Damn Peggle und Konsorten. ^^

    Leider ist der AppStore zu unübersichtlich.
    Ich würde mit Sicherheit mehr kaufen wenn ich auch Apps finden würde.

    Im Playstation Network kaufe ich auch sehr viel. Die kleinen innovation Dinge sind einfach günstiger. ^^

    jo, mein Posting hat nix mit dem Text zu tun aber kam mir mal so in den Sinn ^^

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  •  @iphoneiversum sagte am 28. Mai 2009:

    Cracked iPhone Applications II: Die Cracks, der Tod und die Steuern: Es scheinen drei Dinge von vollkommener Unv.. http://tinyurl.com/n4cqf4

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  •  Silvio sagte am 29. Mai 2009:

    Auch wenn ich nicht begreifen kann, warum jemand 79ct Apps klaut, muss ich dem Autor des Beitrags zustimmen. Ich begrüße diesen Micropayment Markt sehr, fürchte aber um dessen Fortbestand. Ich kenne selber Leute, die nicht einsehen, warum sie für Bits und Bytes ( Musik, Apps, etc.) bezahlen sollen. Mir als Softwareentwickler, der seine Familie damit ernährt, wird speiübel, aber das ist eben die Realität, die sich nicht abstellen läßt, vor allem nicht dadurch, dass man die ehrlichen Kunden drangsaliert.

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  •  Bernberts sagte am 26. Juni 2009:

    Jan sugg wieso dich werten wenn appenhol getrol kanöstenfrie. Waddag?

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