MACNOTES

Veröffentlicht am  27.06.09, 10:26 Uhr von  rj

Kolumne: Alle müssen was tun

Sygic Mobile MapsDie einen haben das 3GS, die anderen immerhin OS3.0, noch andere ihren Jailbreak. Diese Segnungen der letzten Wochen soll man bald auch im Dreifachpack bekommen, wenn man die jüngsten Exploitmeldungen des Devteams liest. Dazu die neuen Notebooks und ein zurückgekehrter Steve Jobs: Zumindest im Apple-Lager scheint die Lage einmal mehr bestens.

Ein wenig erstaunlich ist das aber durchaus – neben dem großen Unsinn, den man im Netz der letzten Woche ertragen musste, gab es auch einige Kleinigkeiten, die im nachhinein ein wenig verblüffen.

[singlepic id=3841 w=200 float=left] Ein wenig zu denken gibt es schon, wenn die erste App mit erwähnenswert viel nackter Haut im Appstore direkt zum Abrauchen der Server des Entwicklers führt. Macht der iPhone-Bilderahmen um ein Nacktbild nun doch so viel aus, dass ansonsten langweilige und xmal gesehene Galerien auf einmal zum Renner werden, oder war es in gewisse Ecken des Mac-Lagers doch noch nicht durchgedrungen, dass es das alles auch für lau und besser aufgelöst gibt? Oder wurde das einfach vergessen – schließlich wissen wir nun auch, dass Pr0n Gedächtnisverlust verursacht? Jedenfalls kann ich guten Gewissens versichern, dass testwütige, wild die Galerien ladende Blogredakteure nicht die Ursache des überlasteten Bilderservers waren. Die Vermutung liegt nahe, dass irgendwo Nachholbedarf an einschlägigem Fotomaterial bestand. Die Bildrechte werdens ja hoffentlich nicht gewesen sein.

Immerhin ist Entwickler “Allen the Geek” in guter Gesellschaft: auch Apples Aktivierungsserver hatten nach 3GS-Verkaufsstart und dem OS3.0-Launch gut zu tun. Irgendwie beruhigt es ja fast gelegentlich, wenn das Netz an Grenzen stößt. Auch Michael Jacksons Tod führte zu erheblichem Schluckauf bei der Wikipedia und der (eher vertrauten) Twitter-Überlastung. Was hingegen kaum auffiel, war das 3.0-Update, das auch (kostenpflichtig) für den iPod Touch erschien. 1% der Touch-user hat es sich geladen: erstaunlich, angesichts der hochgelobten Features und insbesondere der Hoffnungen der Entwickler auf Ingame-Purchases. Angesichts letzterer sollte sich Apple möglicherweise überlegen, ob die Updategebühr auf dem Touch noch zeitgemäß ist.

Aber das ist eine nebensächliche Kleinigkeit angesichts der wirklich großen Themen. Die beherrscht natürlich Steve Jobs. Spannend ist beispielsweise der Trend, seine Keynotes zu imitieren:

Doch in der letzten Woche ging es um etwas anderes. In den USA wurde die moralische Entrüstung über Steve Jobs’ geheimgehaltene Lebertransplantation sorgsam aufgekocht, in Deutschland blieb es ruhiger – vielleicht gibt es hierzulande einfach weniger Apple-Großanleger, die profane Aktieninteressen in die moralisch besser akzeptierte Kritik an mutmaßlicher Zweiklassenmedizin verpacken.

[singlepic id=3842 w=0 float=right] Was im Rahmen der ganzen wilden Debatten meist nicht oder allenfalls als Fußnote vorkam: Ein grundlegendes Problem der Transplantationsmedizin ist der Mangel an Spenderorganen. Die Debatte wäre ein schöner Anlass, darauf mal aufmerksam zu machen. Passiert ist es leider eher selten. Also: Spenderausweise und Informationen finden sich bei der BzgA. Leben retten ohne vorher zu sterben kann man unter anderem bei der DKMS (Vorsicht, Flash). Gutes tun ist gar nicht schwer.

Engagement, Engagement! Die Politik werde sich noch wünschen, dass die Netzgemeinde politikverdrossen sei, so die Drohung, die seit einigen Tagen durch die einschlägigen Kanäle schwappt. Vordergründig die Einführung einer unkontrollierten Zensurinfrastruktur, die unter dem Deckmantel der Kinderporno-Bekämpfung in Gesetzesform gekippt wurde, insgesamt vermutlich eher die lang aufgestaute Frustration über ein medientechnisch lernresistentes Parlament sind die Anlässe. Auch hier sind Server zwischenrein abgeraucht – mit viel politischem Interesse der Öffentlichkeit kommt nicht nur der gewöhnliche Internetausdrucker-Parlamentarier nicht zurecht, auch der Petitionsserver des deutschen Bundestags geht bei zu viel Bürgerbeteiligung gelegentlich in die Knie. Die Warterei auf einen freien Slot, das Abgeben der persönlichen Daten zum freien Download für jedermann und das schließliche Zeichnen einer Petition gegen Scheinlösungen und Augenwischerei wurde in den Augen unserer Familienministerin zu “zwei, drei Sekunden” der politischen Partizipation, die man dann natürlich nicht mehr ernstzunehmen braucht.

Man darf Frau von der Leyen aber nicht böse sein, denn es ist zugegeben ein hartes Brot, gegen kundige Menschen eine fachliche Diskussion vorzutäuschen. Es muss eine Sisyphosarbeit sein, einer kritischen Öffentlichkeit permanent technischen Unsinn zu erzählen und zu vermitteln, dass das alles zu unserem Besten ist. Nun muss man sich zwar Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen, aber als Erklärungsansatz dafür, dass wir aktuell möglicherweise das glücklichste Parlament überhaupt haben, taugt statt Camus wohl eher Benn: “Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück.”

Das Schöne am Internet ist ja: Alle können mitmachen. Das Schlimme am Internet kriegen wir später.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 12 Kommentar(e) bisher

  •  republica sagte am 27. Juni 2009:

    Kompliment. Die Zensurdebatte sehr schön auf den Punkt gebracht. *Löschen statt sperren*. Schönes WE.

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  •  @PimpYourMac sagte am 27. Juni 2009:

    AMEN! RT @Macnotes Kolumne: Alle müssen was tun http://macnot.es/11235

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  •  Andreas sagte am 27. Juni 2009:

    Schön, dass ich auch hier eine Kolumne finde, die die populistische Meinungsmache der Frau von der Leyen in Teilen nett zusammenfasst. Danke dafür.
    Und schön, dass ein deutlicher Hinweis in Richtung Organspende gemacht wird, weil Jobs es leider versäumt.
    Eine sehr schöne Kolumne.

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  •  Alexander sagte am 27. Juni 2009:

    Super, dass das Zensurthema mal wieder aufgegriffen wurde. Eigendlich sehr passend, da Müntefering alle Nichtwähler als “Verantwortungslose” deklariert hat. Im keinen Wort werden die Tausenden erwähnt, die die Onlinepetition unterzeichnet haben und einfach ignoriert wurden. Bei diesen Verhältnissen muss man sich über geringe Wahlbeteiligung nicht wundern.

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  •  JMM sagte am 27. Juni 2009:

    Gute Kolumne. Die Server der Regierung rauchen aber immer ab, weil die auf Windows Server setzen. Ich bleibe da lieber bei OS X Server… Das ist auch sicherer und stabiler…

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  •  Julian sagte am 27. Juni 2009:

    Zur Zensursula:
    Was denkt die sich eigentlich… wer von uns Bundesbürgern ist schon so krank und lädt sich solch abartiges Zeugs im Internet runter! Hier wird einfach jedem so einem Schwachsinn unterstellt. Ich stelle mir die Frage…hat sie eigentlich schon einmal das Internet benutzt?!

    1. Kinder gehören geschützt, mit ihrem Mittel hilft sie nur der Welt “wegzuschauen” was da im Hinterzimmer passiert. Die Kinder werden es dir danken!!!
    2. Hat sie dadurch keine Möglichkeit die Konsumenten weiter zurückzuverfolgen, da es keine Webserverlog Dateien mehr gibt. Vorher hätte man die Seiten einfach durch den BND Hacken lassen können und die Webserverlogs speichern können. Toll, jetzt suchen die sich einfach einen anderen Weg…und den finden Sie!
    3. Sind die Dienste sehr warscheinlich noch aus dem restlichen Internet zu erreichen. Ein kleiner Würfel der auf einer Autobahn liegt, hindert keinen daran weiterzufahren! Notfalls wechselt er einfach die Spur.
    4. Frage: China = Deutschland??? Antwort: JAAAA!!!!
    Muss ich jetzt untertauchen, wenn ich diesen Kommentar hier verfasse?! Nicht dass in ein paar Minuten die “Staatssicherheit” vor der Tür steht und mich verhaftet. Kontrolliert die Verbrecher mit anderen Mitteln und macht nicht jeden zum Verbrecher!
    5. Wer zahlt die ganze Überwachung?! Wir natürlich …na danke.

    Zusammengefasst trifft es genau das: *löschen_statt_sperren*

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  •  ha sagte am 27. Juni 2009:

    Tolle Kolumne, bitte mehr von dieser Qualität!

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  •  .ae sagte am 27. Juni 2009:

    Hab den Artikel zum Anlass genommen mich mal zu registrieren :) Sehr klasse geschrieben.

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  •  Tekl sagte am 27. Juni 2009:

    Schön geschrieben, gefällt mir. Solche Qualität wünsche ich mir auch für weitere Kolumnen.

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  •  Razon sagte am 27. Juni 2009:

    Ein Karpfenteich darf kein hechtfreier Raum sein.

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  •  Floehle sagte am 28. Juni 2009:

    was ist mit antoni?

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  •  JMM sagte am 28. Juni 2009:

    Gute Frage…

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