MACNOTES

Veröffentlicht am  17.07.09, 22:09 Uhr von  rj

Blast from the Past: Lambrettinis für iPhone und LCD-Spiele überhaupt

The Flying LambrettinisZeitfresser, damals wie heute. Eigentlich wollte ich nur einen Kommentar auf Macnotes lesen. Dann musste ich die “Flying Lambrettinis” laden, es folgte ein Gespräch über frühe Spielkonsolen und LCD-Games, und zu guter Letzt musste ich das halbe Handheldmuseum durchsurfen, nachdem mich die Lambrettinis an eigene Kinder- und Telespielzeiten erinnert hatten. Die Mini-”Handhelds” der 80er, meist LCD- oder Telespiele genannt, suchten bereits vor dem C64 gelegentlich (auch unsere) Kinderzimmer heim, glänzten mit primitivster Technik, einfachsten Spielprinzipien und weitgehend monotoner Piepserei, und wir spielten sie mit Begeisterung. Ich fordere mehr iPhone-Portierungen!

[singlepic id=3983 w=0 float=right] Kurz das Prinzip der 80er-Gadgets. Mit recht simpler Elektronik und einem LCD-Bildschirm, in dem die “Spielfiguren” in einzelnen Animationsstufen unter einem aufgedruckten “Spielfeld” gezeigt werden konnten, wurden in den 80ern “Telespiele” oder eben LCD-Spiele in die Kinderzimmer gebracht. Mehr oder weniger liebevoll gemaltes “Spielfeld” kontrastierte mit den Stop-and-go-Animationen, die mit den LCD-Spielfiguren in simplem Schwarzweiss umgesetzt wurden. Dazu Sound, der mit etwas Glück Piepsen in mehreren Tonhöhen umfasste.

Dass das ganze irgendwie auch einen ganz eigenen Charme hatte, zeigt auch heute die erste mir bekannte iPhone-Portierung des “LCD-Feelings”, denn als “echtes” LCD kamen “Die fliegenden Lambrettinis” nicht auf den Markt. Die Entwicklung der “S/M Studios” schließt aber – trotz Touchscreen-Bedienung – nahtlos an die Vergangenheit an. Einfaches Spielprinzip, bei dem man aber zügigst in die alte “Nur noch eine Runde”-Sucht gerät.
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Das – rein subjektiv – schönste an der Geschichte ist aber eben der Retrofaktor, den man möglicherweise erst ab den 30 Jahren aufwärts aus erster Hand nachvollziehen kann. Seltsamerweise hatte ich die LCD-Phase regelmäßig vergessen, wenn es um Retrogeschichten ging – man bleibt dann doch immer bei den “richtigen” Rechnern hängen. Dabei werden zu den kleinen Suchterzeugern auch einige Geschichten zu erzählen sein – angefangen mit dem Untergang des Abendlandes, der auch damals befürchtet wurde, kämen die Kinder zu viel in Kontakt mit dem damals gar nicht so billigen Ramsch aus Fernost.

Mein einziges besessenes LCD-Spiel war “Oil Gang”, ein im Nachhinein geradezu visionäres Spiel, in dem ein leicht mangaesk wirkender Junge eine Pipeline vor bösen Arabern schützen muss, die Öl abzapfen wollen. Geschenkt hatte mir das Spiel mein Bruder – wir wünschten uns beide ein “Telespiel” zu Weihnachten, die Eltern erteilten diesem Wunsch aus erzieherischen Gründen eine Absage, woraufhin wir uns gegenseitig je ein Spiel schenkten. [singlepic id=3984 w=0 float=left] Mein Bruder kriegte von mir “Mr. Woodman”. Kostenfaktor, wenn ich mich richtig erinnere, zwischen 20 und 40 Mark, und Woodman war billiger. Als jüngerer Bruder konnte man sich auch damals nicht so viel leisten. Woodman wiederum war eine erstaunliche Mischung zwischen Bäumefällen, Bärenausweichen und dem Auffangen abstürzender Kinder – an sich wertvolle pädagogische Inhalte, die sowohl die Notwendigkeit der Erwerbs- wie auch der Reproduktionsarbeit im Kampf ums Überleben in kaum zu erreichender Dichte vermittelten.

Die Telespiele in den frühen 80ern machte uns wider Erwarten nicht zu frühkindlichen Soziopathen, wie es auch später Blue Max und Who Dares Wins am 64er nicht taten. Der C64 ist regelmäßiges Emulat auf zahlreichen Plattformen (hoffentlich auch bald dem iPhone), die Telespiele fristen hingegen ein Dasein am Rand der Wahrnehmungsschwelle.

An diesem verwerflichen Zustand ändert hoffentlich “Die Fliegenden Lambrettinis” etwas, denn das Spiel funktioniert hervorragend. Zwar meint man recht schnell, in ein System zu kommen, mit dem die Zirkusathleten sicher und mit repetetiver Tippfolge vom Sprungturm über Wippen und Menschenpyramiden zu ihrem Ziel befördert werden, anders macht es aber schlicht mehr Spaß. Man hört eigentlich nur deswegen damit auf, weil man einen Artikel über LCDSpiel-Kindheitserinnerungen schreiben will.

Zu guter Letzt sind die “Lambrettinis” mit 79 Cent fast schon schmerzhaft günstig, wenn man bedenkt, wie mühsam man sich vor über 20 Jahren das Geld für ein Telespiel zusammensparen musste. Bitte mehr davon.

Bilder von Rik Morgan, der die sehr empfehlenswerte Seite www.handheldmuseum.com betreibt.

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 6 Kommentar(e) bisher

  •  Brabbel sagte am 17. Juli 2009:

    Mr. Woodman hatte ich auch! Is immer schneller geworden, das Teil. :)

    Habs sehr oft gezockt.

    Gruß- Einer über 30 ;)

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  •  Melvin sagte am 18. Juli 2009:

    Und wieder wird BLUE MAX in einem Artikel genannt! ^^

    Sollte nicht die macnotes Redaktion ein paar € zusammenkratzen und einen Antrag stellen, damit Blue Max von der Liste der indizierten Spiele gestrichen wird? ^^

    http://de.wikipedia.org/wiki/Blue_Max

    Antworten 
  •  @maximator70 sagte am 18. Juli 2009:

    RT @Macnotes Blast from the Past: Lambrettinis für iPhone und LCD-Spiele überhaupt http://macnot.es/12618 #Retro #Gaming

    Antworten 
  •  Richie sagte am 18. Juli 2009:

    Ich muss zugeben, keine Ahnung zu haben, wie da das Prozedere aussehen muesste. Aber dagegen haette ich auch nichts :)

    Antworten 
  •  Melvin sagte am 18. Juli 2009:

    Ich glaube es ist recht kompliziert! ^^
    Der Lizenzinhaber muss, soweit ich weiss, eine Neuprüfung beantragen!
    Da die Rechte von Blue Max sind mit Sicherheit verschollen. :)

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  •  maura sagte am 20. Juli 2009:

    wooh, danke für den tollen artikel.

    hat sich dann auch gleich in den downloadzahlen niedergeschlagen: platz 14 in den familien-charts in österreich.
    leider braucht man dafür nur 3 downloads.

    aber das wichtige ist, das es überhaubt leute gibt, die diese art von spielen noch kennen und spielen.

    lustigerweise bin ich wohl noch etwas älter als richie, da ich bei den lcd spielen hauptsächlich an die game&watch spiele von nintendo gedacht habe, die anfang der 80er rauskammen und, soweit ich das noch weiss, ungefähr 100,– DM gekostet haben und noch simpler waren als die im artikel angesprochenen.

    aber lcd bleibt lcd und gefiepe gefiepe.

    was aber das muster beim spielen von den “fliegenden lambrettinis” (great leaping lambrettinis) angeht, so ist uns das nie aufgefallen. spätestens nach einiger zeit kommt man mit musterspielen eigentlich nicht weiter. wir werden aber mal schauen und eventuell etwas an der punktevergebung ändern (man bekommt nur punkte, wenn man eine dreier pyramide hat) oder aber das erscheinen der springer variieren.

    momentan kommen sie in regelmässigen abständen.

    wahrscheinlich machen wir dann einfach eine spiel A / spiel B variante.
    mal sehen.

    mal sehen.

    ich verbleibe grüssend,
    maura
    (ach, ich bin übrigens der grafiker des spieles, falls sich jemand wundern sollte)

    Antworten 

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