MACNOTES

Veröffentlicht am  4.08.09, 16:52 Uhr von  rj

PearC im Interview: Von PCs mit Mac OS X, Apple, Design und Zukunftsaussichten

PearC spaltet regelmäßig die Meinungen: für die einen ist der Anbieter günstiger PCs mit vorinstalliertem Mac OS X das überfällige Korrektiv zu den vergleichsweise teuren Original-Macs. Für die anderen sind die Wolfsburger günstigenfalls Trittbrettfahrer und schlimmstenfalls reine Nutznießer vom guten Ruf Apples, deren Geschäftsmodell fast schon blasphemische Eingenschaften zugeschrieben werden. Dirk Blößl antwortete auf Fragen zu Updatesicherheit und dem Design der OS X-PCs, der gemischten Reaktion der Mac-Fangemeinde, kommenden Plänen und Produkten von PearC und dem Verhältnis zu Apple.

[singlepic id=4095 w=200 float=right] Die Hackintoshs aus Wolfsburg versprechen Mac-Komfort auf günstigen Hardwareplattformen, möglich macht es die Installation von Mac OS X auf PC-Hardware. Was in den USA zu einem intensiven Rechtsstreit zwischen Apple und Psystar geführt hat, die mit einem ähnlichen Geschäftsmodell OS X-PCs verkaufen, ist in Deutschland wegen ungültiger AGB-Teile der OS X-Lizenz legal. Seit Januar bietet PearC seine Rechner an. Im Test schlug sich PearC’s Mac von der PC-Stange beachtlich – ein Gutteil des Apple-Erfolgs ist dem innovativen OS geschuldet. PearC legt Wert auf die Legalität ihres Vorgehens – auf den PearC-PCs laufe ein EFI, auf das sich eine unmodifizierte Standard-Leopard-Installation aufspielen lässt, die zum PearC mitgeliefert wird.

Macnotes: PearC verkauft nun seit einigen Monaten PCs mit installiertem Mac OS X. Konkrete Verkaufszahlen würden uns natürlich interessieren, alternativ auch eine Aussage, wie zufrieden PearC mit dem aktuellen Umsatz ist bzw. was für Potentiale man für die Zukunft sieht bzw. realistischerweise erhofft.

Dirk Blößl, PearC: Konkrete Verkaufszahlen behalten wir selbstverständlich für uns, allerdings können wir auf der anderen Seite sagen, dass wir mit den aktuellen Umsätzen mehr als zufrieden sind.
Natürlich ist noch eine Menge Potential nach oben, auf der anderen Seite muss man allerdings auch sehen, dass wir erst ein halbes Jahr am Markt sind. Wir sind aktuell auf dem Weg dahin, unsere Verkäufe nochmals deutlich zu steigern, insbesondere mit bald kommenden Optionen für unsere Produktpalette.

MN: Seit Erscheinen des ersten PearC gab es bereits eine Reihe von Updates auf Apples Seite. Gab es je Kompatibilitäts- oder Updateprobleme? Kontakt oder Auseinandersetzungen mit Apple?

DB: Nein, bisher gab es keine Kompatibilitätsprobleme. Einzig ein paar Fehler im Systemupdate auf Mac OS X 10.5.7 sorgten für Missmut bei unseren Kunden, insbesondere das Problem, dass einige Monitore mit HDMI-Anschluss nicht mit ihrer nativen Auflösung angesteuert werden konnten. Wir mussten unseren Kunden dann SwitchResX oder die Vermeidung des Systemupdates empfehlen. Das gleiche Problem (weil gleiches Update) betraf aber auch bspw. Mac Pro-Nutzer…

Bisher gab es keinerlei Kontakte durch Apple.

MN: Wieviel Supportanfragen laufen bei PearC auf und zu welchen Themen? Was wird oft beanstandet oder nachgefragt?

DB: Es sind insgesamt eher wenige Supportanfragen, die wir erhalten. Oft sind es dann immer wiederkehrende Fragen, wie z. B. “Wie installiere ich Windows XP auf eine zweite Festplatte?”, “Funktionieren TimeMachine-Backups?”, etc.
Häufig beanstandet wird von unseren Kunden, dass alte PCI-Soundkarten oder PlugIns (VST, etc.) nicht funktionieren würden, allerdings lag dies bisher immer am Nichtvorhandensein von Intel-kompatiblen Treibern oder Software. Beanstandungen, die mit unserem System zu tun haben, laufen so gut wie nie auf, was uns natürlich mehr als freut.

MN: Wie groß ist PearC inzwischen geworden?

DB: Unser Team ist aktuell noch sehr überschaubar und besteht aus derzeit 5 Mitarbeitern in Vollzeit, wobei wir aktuell auf der Suche nach weiteren, passenden Mitarbeitern sind. Leider gestaltet sich dies in einer kleinen Stadt wie Wolfsburg recht schwierig.
Der eigentliche Supportaufwand hält sich stark in Grenzen, dies sind wenige Stunden am Tag, wohingegen der Zeitaufwand für Vertrieb, telefonische Beratung und Einkauf deutlich höher ist.

MN: Wie sehen die Trends und die PearC-Pläne aus – Wachstum im Onlinegeschäft? Werdet ihr irgendwann auf Messen etc., gar solchen mit Apple/Mac-Schwerpunkt präsent sein? Wird es irgendwann PearC-Stores geben oder PearC-Angebote im PC-Shop vor Ort?

[singlepic id=3457 w=200 float=left] DB: Das Wachstum im Onlinegeschäft ist natürlich unser primäres Ziel, wobei wir uns inzwischen auf unsere Kernkompetenzen beschränken und viele Nebentätigkeiten wie Marketing ausgliedern.
Zusätzlich gehen wir im Moment den Weg, exklusive Vertriebspartner innerhalb der EU zu finden, welche den Markt in ihrem Gebiet deutlich besser kennen als wir und zugleich auch Support in Landessprache geben können.
Für Spanien, Portugal, Frankreich und die Niederlande sind bereits Verträge unterzeichnet, was uns eine deutliche Umsatzsteigerung bringt. Für weitere Länder stehen wir aktuell in Verhandlung.

Das Thema “Messe” steht im Moment zur internen Diskussion, allerdings ist dies für ein doch noch recht kleines Unternehmen wie unseres immer ein enormer Kostenfaktor; der Erfolgsfaktor dahingegen lässt sich leider nicht so gut planen. Wenn es denn Messebesuche gibt, dann schon auf diesen, die Applenutzer ansprechen.

Eigene PearC-Stores sind nicht geplant, dafür gibt es bereits einige PC- und Apple-Stores, die unsere Produkte im Ladengeschäft vertreiben. Wir planen, diesen Vertriebsweg auch weiter auszubauen.

MN: Gibt es einen Eindruck von der Käuferschaft der PearCs? Überwiegen bestimmte Nutzergruppen?

DB: Der Anteil der Switcher unter den Privatkunden ist sehr groß, bei den professionellen Anwendern sind nur wenige Switcher anzutreffen. Immerhin sind 55% der Besucher unseres Shops Windows-Nutzer.
Ansonsten überwiegen die Kunden aus dem Profi-Bereich deutlich, aber auch Bildungseinrichtungen (Universitäten, Berufsschulen) zählen immer mehr zu unseren Kunden. Eben diese Käuferschaft benötigt sehr gute Leistungen zu gutem Preis – und natürlich Mac OS X als Betriebssystem.

MN: Der Advanced Stylence ist aktuell ausverkauft, ich frage angesichts unbekannter Bestände bei PearC trotzdem: Welche Modelle gehen am besten?

DB: Der PearC Advanced Stylence ist zur Zeit nicht verfügbar, da LianLi das Gehäuse nicht weiter herstellt. Leider kam der Hinweis für uns mehr als überraschend, so dass wir keine Zeit hatten, für das Gehäuse einen adäquaten Ersatz zu finden. Dies wird aber zeitnah geschehen.

Unser aktueller Top-Seller ist der PearC Professional mit Intel Nehalem Prozessor, da dieser besonders viel Leistung für wenig Geld bietet – zum Beispiel 6GB DDR3 Triple Channel Ram, eine GeForce 9600 GT und ein hervorragendes LianLi-Gehäuse mit Hot-Swap-Festplattenkäfig in der Basisausstattung. Bevor wir den PearC Professional ins Programm aufgenommen haben, kauften unsere Kunden vermehrt das Modell PearC Advanced mit einem Intel Core 2 Quad Q9650 – also in Bestausstattung.

[singlepic id=3476 w=200 float=right] MN: Auch wenn es unhöflich gefragt ist und der PearC natürlich in erster Linie über den Preis und das trotzdem verfügbare Mac OS X attraktiv ist: warum sind die Geräte so hässlich?

DB: Sind die Geräte denn wirklich hässlich? Oder gilt aktuell nur noch das Design von Apple als “schön”? Gerade der PearC Professional ist unserer Meinung optisch als auch von der Leistung her ein großartiges Produkt – und wir setzen im Gehäusebereich auf LianLi, welche wahrscheinlich als die beste Gehäuseschmiede im PC-Bereich gelten.

Natürlich könnten wir Gehäuse individuell für uns designen und herstellen lassen, allerdings würde das den Preis unserer Computer deutlich in die Höhe schnellen lassen. Und unsere Firmenphilosophie ist es nun mal ein hochwertiges Produkt mit sehr gutem Preis- / und Leistungsverhältnis anzubieten.

MN: Wie wird die PearC-Strategie aussehen, wenn das Snow Leopard-Update herauskommt? Welche Lizenzen und Installationsmedien werden die Neukäufer zum PearC erhalten?

DB: Sobald Snow Leopard erscheint, werden wir dies natürlich auch in Verbindung mit unseren PearCs vertreiben. Über die Lizenzen und Installationsmedien können wir bisher noch keine definitiven Aussagen machen, wahrscheinlich werden wir die Geräte standardmäßig mit dem Mac Box Set anbieten.

MN: Die Reaktionen auf PearC sind (auch auf Macnotes) regelmäßig sehr gemischt und polarisierend – gab es bei PearC erwähnenswertes Feedback der positiven oder negativen Art? Kriegt ihr Hassmails oder Fanpost?

DB: Auch bei uns ist das Feedback sehr gemischt, die Hassmails, die wir in den ersten Monaten bekamen, bleiben inzwischen aus, wobei wir oft viel zu lachen hatten.
Einige Beispiele: “Ihr seid nun wirklich die widerlichsten Schweine die es gibt. Und wenn Ihr glaubt, mit diesen Dreck auch noch Erfolg zu haben zu können, seid Ihr auch unfassbar dumm.” – “Wenn Apple nicht will, daß Computerhardware mit Mac OS X kompatibel ist solte man das akzeptieren. Ein Mac ist nunmal kein PC!!!!” – “ihr penner, Apple will das nicht das ihr betriebssistem auf fremden computern instaliert wird. warum akzeptirt ihr das nich?! ihr seide typische kapitalistenschwine!” usw.
Positives Feedback bekommen wir primär von unseren Kunden, die ihren PearC dann doch besser als erwartet fanden, so etwas freut einen natürlich. Aber auch Kunden (insbesondere Professionelle), die sonst auf kostengünstigere Windows-PCs umgestiegen wären freuen sich, endlich eine Alternative zu teuren Mac Pros gefunden zu haben.

Natürlich freuen wir uns auch über negative Kritik, vorausgesetzt, sie bleibt sachlich.

MN: Was habe ich nun nicht gefragt, sollte ich aber unbedingt noch erfahren?

DB: Oft wird uns unterstellt, Apple nur Böses zu wollen. Aber das war nie unser Plan, schließlich benutzen wir selbst noch eine Vielzahl von Apples tollen Produkten. Unser Ziel ist es, eine kostengünstige, leistungsstarke und erweiterbare Alternative zum Mac Pro anzubieten.
Zusätzlich bleibt zu sagen, dass Apple auch an jedem verkauften PearC mitverdient – wir müssen die Mac OS X-Lizenzen ja auch irgendwo kaufen. Und es gibt ja auch noch die Switcher, die durch uns vielleicht nie zu Mac OS X gewechselt wären und Umsätze z. B. im iTunes Music Store generieren.

MN: Eine Stellungnahme, mit der vielleicht ein wenig Entspannung in die gelegentlich etwas überhitzte Debatte zum Thema PearC/Hackintosh einkehren könnte. Herr Blößl, vielen Dank für das Interview!

Nachgetragen in eigener Sache: das Gehäuse war einer der Punkte, die im Macnotes-Test nicht den überzeugendsten Eindruck hinterließen. Shop-Adressen, bei denen vor Ort der PearC begutachtet werden kann, hätten wir gerne genannt, diese werden jedoch vom spanischen Distributionspartner von PearC beliefert, PearC selber liegen die Adressen nicht vor.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 8 Kommentar(e) bisher

  •  @superglide sagte am 4. August 2009:

    RT @Macnotes PearC im Interview: Von PCs mit Mac OS X, Apple, Design und Zukunftsaussichten http://macnot.es/13825

    Antworten 
  •  @Sajonara sagte am 4. August 2009:

    Richards Interview mit PearC auf Macnotes: http://macnot.es/13825

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  •  nastorseriessix sagte am 4. August 2009:

    Blasphemie, dass ist das definitiv!

    Antworten 
  •  ha sagte am 5. August 2009:

    Ich glaube nicht, dass die “Total Cost of Ownership” bei den PearC-Geräten großartig unter dem Original liegt. Den günstigeren Einstiegspreis bezahlt man mit ungewisser Update-Kompatibilität, Treiber-Problemen und geringem Wiederverkaufspreis.

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  •  Randolf sagte am 5. August 2009:

    Ich finde es krass wie eingeschweißte Macuser abgehen, wenn sie über PearC sprechen. Etwas, was in der Windows-Welt seit Jahren unumstritten ist (dass Microsoft die Soft- andere Hersteller die Hardware liefern) wird in der heilen silbernen Macwelt als unglaublicher Frevel angesehen, obwohl es doch spätestens mit dem Switch auf die Intel-Plattform klar war, dass es alternative Anbieter geben würde.

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  •  rj sagte am 5. August 2009:

    Hendrik, kann ich mir aber auch icht vorstellen. Da muesste man Macs schon zu sehr guten Preisen wiederverkaufen (und vor allem *muesste* man sie wiederverkaufen, was beim PearC imo eh nicht unbedingt die Option ist – den kann man ja als sonstwas fuer einen Fileserver noch irgendwann mit irgendnem Os drauf irgendwohinstellen) und dann noch einiges an schieflaufenden Ereignissen zwischenrein haben. Wir reden hier ja auch grade nicht von 120 Euro gespart…. Zu guter Letzt ists ja nicht so, dass am “Original-Mac” auch immer alles rund laeuft. Insofern… glaub ich nicht, dass es ein verallgemeinerbares Statement ist, was die TCO angeht.

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  •  ts sagte am 5. August 2009:

    Einen Mac Pro kannst Du doch sehr gut wiederverkaufen. Sogar für alte Macbooks kriegt man noch paar hundert Euro. Also der Wiederverkaufswert ist im Vergleich zum PC-Lager schon enorm hoch. Beim Mac Pro je nachdem auch der Betrag, den man mit einen PearPC sparen würde.

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  •  @davadda sagte am 5. August 2009:

    PearC-Interview auf macnotes.de http://macnot.es/13825

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