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Veröffentlicht am  9.10.09, 16:49 Uhr von  rj

W3C-Standard vs. Apple-Patent: Widget-Autoupdate mit patentfreiem Workaround

AppleEs wundert nicht, dass Apple als Innovator ausgiebigst Patente anmeldet. Unumstritten ist das nicht – insbesondere, wenn offene Standards durch Patente bedroht werden, steht Apple in der Kritik. Jüngstes Beispiel: der W3C-Standard für Widget-Updates. Da Apple ein Patent auf ein Verfahren für sich selbst updatende Software hält, wird das Standardisierungs-Konsortium nun das Verfahren umschreiben.

Kurz die Vorgeschichte: Apple hält ein Patent auf das Verfahren, wie ein Programm sich im Updateprozess selber durch eine aktualisierte Version ersetzt. Das WWW-Standardisierungsgremium W3C hatte wiederum eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die den Updateprozess bei Widgets standardisieren soll. In dieser war auch Apple anfangs vertreten, stieg aber kurz nach Arbeitsbeginn wieder aus. Das Problem beim Standardisierungsprozess: wie soll ein Verfahren entwickelt werden, mittels dem Widgets automatisch aktualisiert werden, ohne gegen Apples Patent zu verstoßen?

Nach einer längeren Suche nach “Prior Art”, mit der man belegen wollte, dass es entsprechende Verfahren bereits vor Apples Patentanmeldung gab, fand die Arbeitsgruppe nun einen Workaround – man ändert einfach die Verfahrensweise, oder genauer: die Beschreibung der Verfahrensweise. Apples Patent deckt recht spezifisch das “sich selbst updatende” Programm ab, während beim Autoupdate eines Widgets nach dem offnen Standard des W3C immer auch ein externer Server eine Rolle spielt.

So scheint es nun möglich zu sein, durch einen entsprechenden Perspektivwechsel beim Beschreiben des Verfahrens die Rolle des externen Servers beim Update in den Vordergrund zu stellen – ein Merkmal, das Apples Verfahren nicht aufweist. Aus eben diesem Grund dürfte nun in Bälde ein offener Standard zum Widget-Update verfügbar sein. Nach vielen Unklarheiten und erheblicher Mehrarbeit, die jetzt in einem bemerkenswert bürokratischen Workaround einer an sich höchst technischen Angelegenheit mündet.

Ein Nischenproblem? Eher nicht, Widgets sind allgegenwärtig. Berechtigter Schutz von Apples Innovation? Man darf sich getrost streiten. Das große Schweigen Appples in der Sache machte keinen sonderlich guten Eindruck, insbesondere, da es um ein Themenfeld ging, in dem sich Apple an anderer Stelle gerne schmückt – denn auf das beispielhafte Umsetzen offener W3C-Standardisierungen ist man in Sachen Safari bei Apple durchaus stolz.

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