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Veröffentlicht am  6.11.09, 18:36 Uhr von  Alexander Trust

Hitlers “Mein Kampf” zeigt Probleme im App Store

App StoreDie spanische Ausgabe von “Mein Kampf”, von Autor Ricardo Reyes, ist unter dem Titel “Mi Lucha (Hitler)” derzeit als eBook für 1,59 Euro im App Store zu haben. Das zugehörige App-Logo ziert außerdem ein Hakenkreuz. Beides ist mit den derzeitigen Gesetzen in Deutschland nicht unter einen Hut zu bringen. – Das wirft aber erneut Fragen bezüglich Apples Zulassungsverfahren für den App Store auf.*

An dem Fall von “Mi Lucha (Hitler)” (iTunes) wird zweierlei deutlich.
Einmal, dass Apples Zulassungsmodalitäten mit deutschen Gesetzen in der Vergangenheit oft aneinander geraten sind, besonders häufig in Fällen, da man mit der Veröffentlichung von Spielen und anderen Apps oft gegen geltende Jugendschutzbestimmungen verstieß. Wie im Fall von Duke Nukem wurden solche Apps dann nachträglich wieder entfernt. In anderen Fällen entspricht die von Apple vergebene Alterskennzeichnung nicht den Angaben, die bei Spielen und anderen Medien von der USK und FSK vergeben worden sind, oder aber harmlose Applikationen wie ein Lexikon über Lebensmittelzusätz wie iEno erhält nur eine Zulassung mit dem Vermerk 17+.

Gleichwie handelt es sich hier um ein Problemfeld, das viele digitale Downloadplattformen betrifft und betreffen wird, die nicht von Deutschland aus betrieben werden, und deren Betreiber bislang wenig über diese virtuellen, nationalstaatlichen Komponenten nachgedacht haben.

Andererseits wirken Apples Kriterien für die Zulassung nach wie vor undurchsichtig. Die Ablehnung im Fall von Chess Wars wegen zu glänzender Chatboxen wurde zurecht als hanebüchen empfunden. Und um wieder in andere Altersbereiche vorzudringen: Manche Apps werden als anstößig empfunden und zurückgewiesen wohingegen Apps mit nahezu gleichwertigem Inhalt ohne Weiteres den Sprung in den App Store geschafft haben. Ob dies im Falle von eBooks an Wortfiltern liegen mag, wurde schon diskutiert. Der App Action Babes beispielsweise wurde der Zugang zum App Store zunächst verwehrt, sie musste “entschärft” werden und das wegen Szenen, die ähnlich im Film American Pie vorkommen. Die Entwickler hatten ihrerseits Vergleichfotos auf der Webseite angeboten.

via @joschie

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 8 Kommentar(e) bisher

  •  David sagte am 6. November 2009:

    Man suche auch im AppStore mal nach dem Nachnamen von dem Herrn H. – das ist ja wohl ein Witz (z.B. das App “Famous Speeches”)! Ich hätte gerne Google Voice und Google Latitude – aber nicht diesen Schrott!

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  •  don quichote sagte am 6. November 2009:

    dieses gesetz ist sowieso völliger schwachsinn, mein kampf sollte pflichtlektüre in den schulen damit es nie wieder so solchem irsinn kommt, wenn man das totschweigt, dann wird es nur interessanter, wenn das liest und in frankreich gibt es das auch auf deutsch, dann muss man sich fragen warum der herr schickelgruber überhaupt zum gröfaz wurde, jeder normale mensch erkennt nach einigen passagen den irrsinn, selbst geistig minderbemittelte sollten mit anleitung verstehen um was es geht.

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  •  at sagte am 6. November 2009:

    Sicherlich kann man diese Debatte führen @don quichote. Aktuell ist es so, dass man damit gesetzeswidrig handelt. Nur interessant ist, dass der App Store quasi laufend mit solchen Grauzonen oder sogar Gesetzesverstößen auf nationalstaatlicher Ebene zu tun hat (ich denke Deutschland ist da kein Einzelfall).

    Ich glaube nicht, dass jeder bei Apple so gut über das dt. Gesetz Bescheid weiß – muss man ja auch nicht zwingend. Aber wenn man Wettbewerb und Handel treibt in dem Land, muss man sich zumindest informieren. Das ist aber gerade der Punkt, an dem das Internet den Nationalstaat quasi aushebelt. Das war bei Paypal als globalem Zahlungsmittel nicht anders. Auf Dränger der EU hin, hat man sich für Europa dann bequemt, irgendwo einen Bankenstatus zu beantragen. Es ist dann Luxemburg geworden und fortan wurden die Geldeingänge ohne gewerblichen Account auf 2 1/2T Euro Limit im Jahr gesetzt. Entweder wird es mittelfristig auch bei Apple eine europäische Lösung geben oder die Deutschen Behörden oder Institutionen machen derart viel Druck, dass es eine eigene Lösung gibt, vielleicht die Zusammenarbeit mit solchen Stellen. Eigentlich müsste ja jede App nochmal vor der Einsendung von der USK geprüft werden. Daran merkt man aber auch, wie wenig zeitgemäß diese Form der Bewertung eigentlich ist. Da stoßen die Prüfer an ihre Grenzen, es sei denn, man würde die Anzahl derer verhundertfachen.

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  •  Informant sagte am 6. November 2009:

    nur mal so zur allgemeinen Information, dieses schwachsinnige Buch ist in Deutschland weder verboten noch Indiziert.

    Man kann es in einigen Bibliotheken sogar ausleihen. Auf Amazon.de ist es ebenfalls erhältlich.

    http://www.damaschke.de/notizen/index.php/zur-rechtslage-von-mein-kampf/

    Die Information stammt sogar direkt vom Rechteinhaber, der Bayerischen Staatskanzlei.

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  •  twitter.com/ganzesaetze sagte am 7. November 2009:

    Obwohl das Thema ganz schöne Wellen schlägt, ist das Ding (zumindest bei mir) nach wie vor im iTunes AppStore zu kaufen – übrigens schon seit drei Tagen!

    Nicht falsch verstehen: Ich wäre sehr dafür, dass in Deutschland mal endlich eine historisch-kritische Ausgabe von Mein Kampf erscheinen kann, in der ein wissenschaftlicher Apparat den Text sowohl in Bezug auf die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte analysiert. Aber als Geek-Application auf dem Handy, an der sich deutsche und spanische Nazis erfreuen können, hat das nix zu suchen.

    Dass Nazis sowas verbreiten, wird man nicht vermeiden können. Aber: Besonders ekelig finde ich, dass Apple ja am Verkauf auch noch mitverdient. Wenn das Ding nicht bald verschwindet, ist wirklich eine Anzeige fällig – geht im Netz ja einfach z.B. unter https://service.polizei.nrw.de/egovernment/service/internet.php .

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  •  twitter.com/ganzesaetze sagte am 7. November 2009:

    Sorry für die zwei Postings hintereinander – nur eine kurze Ergänzung @Informant:

    Selbst der von dir verlinkte Artikel macht klar: Die Verbreitung von “Mein Kampf” kann ein Verstoß gegen die Straftatbestände der §§ 86 (Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen), 86a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) und 130 (Volksverhetzung) StGB darstellen. §86a ist bei der rigiden Auslegung deutscher Gerichte, die damit absurderweise zum Teil sogar Anti-Nazi-Plakate mit durchgestrichenem Hakenkreuz kriminalisieren wollen, garantiert erfüllt. Die beiden anderen Straftatbestände sind auch nicht unplausibel. Hier also davon zu reden, dass das nicht illegal wäre, wirft also Nebelkerzen.

    Trotzdem finde ich natürlich, dass sich die Debatte nicht in erster Linie auf juristischer, sondern politisch-sozialer Ebene bewegen sollte. Und da ist meine Position: Inhaltliche Auseinandersetzung mit Nazi-Propaganda ist wichtig, wissenschaftlich aufbereitete Publikationen auch mit dem vollständigen Text wären sinnvoll. Aber Firmen, die mit (digitalen oder realen) Nazi-Devotionalien Geld verdienen, müssen dafür kritisiert werden.

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  •  Dennis sagte am 9. November 2009:

    Diese Diskussion führen nie zum Ende .. http://tiny.cc/Heimkino

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  •  Funny sagte am 9. November 2009:

    hier etwas Lektüre, wie Apple mit meiner Anfrage zu dem Thema umgegangen ist:

    Guten Tag!

    Mit größtem Erstauen, ja Entsetzen habe ich festgestellt, dass im deutschen AppStore die spanische Ausgabe von Adolf Hitlers ‘Mein Kampf” käuflich erhältlich ist. Über den Sinn (oder Unsinn) der Verbreitung dieser fragwürdigen Lektüre durch Apple möchte ich mich nicht weiter auslassen, hier kann man bestimmt lange Diskussionen führen.

    Was ich jedoch absolut unerträglich finde ist, dass als AppIcon das goldene Parteiabzeichen der NSDAP zugelassen wurde, welches nur verdientesten Nationalsozialisten verliehen wurde!

    Ich rege dringend an, dass Apple diese Verbreitung verfassungsfeindlicher Symbole – zumindest im deutschen Appstore- unverzüglich unterbindet!

    Ich bin schwer enttäuscht über diesen meiner Ansicht nach ‘schweren Fehler”, den Apple sich hier geleistet hat! Hoffentlich halten sich die zu erwartenden, markenschädigenden Diskussionen gegen Apple halbwegs in Grenzen.

    Danke für das Lesen meiner Mail!

    Hier die Antwort von Apple:

    Sehr geehrter Herr ***,

    vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich will Ihnen gerne weiterhelfen.

    Mein Name ist ***, und ich begrüsse Sie im Namen von iTunes Store Customer Care. Ich freue mich, Ihnen als Assistent zur Seite zu stehen.

    Wie ich Sie verstanden habe, möchten Sie Ihre Verwunderung über die Verfügbarkeit von “Mein Kampf” in spanischer Sprache im deutschen iTunes Store zum Ausdruck bringen. Ist das richtig so?

    Es tut mir sehr leid, dass Sie hierüber entsetzt sind.

    Vielen Dank, dass Sie sich Zeit genommen haben, Apple bezüglich Verbesserungen zum iTunes Store zu kontaktieren. Apple weiß, dass niemand besser qualifiziert ist, Feedback zu geben als die Nutzer von iTunes.

    Besuchen Sie bitte die Feedback-Seite um Ihre Kommentare einzureichen:

    ***

    Vielen Dank für Ihre Bemühungen, Ihr Feedback mit uns zu teilen, wir wissen dies sehr zu schätzen.

    Ich hoffe, dass ich Ihnen damit helfen konnte, bitte die späte Rückantwort zu entschuldigen und wünsche Ihnen noch einen schönen Wochenbeginn.

    Mit freundlichen Grüßen
    ***

    Schön ,dass es Apple wenigstens leid tut, das ich entsetzt bin;
    schade, dass Apple inhaltlich nicht Stellung genommen hat oder auf die zwischenzeitliche Löschung hinwies…

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