News & Rumors: 30. November 2009,

Im Test: Resident Evil: The Darkside Chronicles

Resident Evil: The Darkside Chronicles
Resident Evil: The Darkside Chronicles - Screenshot

Capcom hat einen Railshooter auf Nintendos Wii losgelassen, der eigentlich Fragen aus der Geschichte der Resident-Evil-Reihe beantworten sollte, letzten Endes aber vielmehr Fragezeichen in Sachen Spieltechnik hinterlässt.

Was hab ich mich gefreut, als ich The Darkside Chronicles (TDC) endlich in Händen hielt. Ein bisschen ehrfurchtsvoll wollte ich damit umgehen, gab dem Titel noch ein, zwei Tage Schonfrist auf meinem Schreibtisch, ehe ich die Disc in das Laufwerk der Wii schob und erste Erfahrungen mit dem Resident-Evil-Franchise auf Nintendos angeblicher Frauenkonsole sammelte. Doch schon vor 2 Jahren hatte Capcom gezeigt, dass Resident Evil (RE) sich auf der Wii wohlfühlen kann. Seinerzeit veröffentlichte man RE4 und das Horror-Action-Adventure musste sich vor niemandem verstecken. Doch schon der erste Teil aus der RE-„Archives“-Reihe, The Umbrella Connection, der ja ebenfalls ein Railshooter ist, hätte mich – in der Lektüre über ihn – stutzig machen müssen.

Erster Eindruck

Die Grafik ist durchaus in Ordnung. Natürlich ist es unfair überhaupt nur in RE5-NextGen-Kategorien denken zu wollen. Entsprechend war mein Aufeinandertreffen nicht geprägt von einer zu hohen Erwartungshaltung in Sachen Bildschönheit. Mir kam es mehr auf die inneren Werte an. Denn Resident Evil 5 wollte das Laufwerk meine Xbox 360 gar nicht mehr verlassen, als ich es einmal eingelegt hatte und bescherte mir einige beinahe schlaflose Nächte und dem häuslichen Miteinander eine willkürliche Fastenzeit. Doch schon beim Abspielen der Zwischensequenzen von The Darkside Chronicles fiel mir auf, dass irgendwas nicht mit rechten Dingen zuging. Entweder fordern die mauen Rendersequenzen mit Landschaftsflug die Ressourcen der Wii wirklich so sehr, dass man kleinste Verzögerungen sichtbar wahrnehmen kann, oder aber irgendjemand hat schlampig programmiert.

Am seidenen Faden

Railshooter, das sind die Dinger, die am Faden aufgezogen werden und durch schnelle Schnitte leben. Letztere gibt es in TDC ebenfalls, aber das Gefühl von Geschwindigkeit kommt irgendwie nicht auf. Alles wirkt ein bisschen behäbig und nachdem ich zwei komplette Spielabschnitte absolviert hatte, musste ich das Spielgerät erstmal beiseite legen. Kann das Resident Evil sein? Frug ich mich. Ich hab vielleicht nicht alle Teile der Serie gespielt, aber doch genug, noch dazu auf unterschiedlichen Plattformen, um zu wissen, wie sich Resident Evil eigentlich anfühlen muss. Mit der Lightgun hab ich damals auf dem Dreamcast Untote erledigt und mit den Schultertasten schon auf der PlayStation 1 groben Unfug angestellt. Alles vergeben und vergessen. Denn wenn „The Darkside Chronicles“ trotz hochtrabenden Namens eines nicht schafft, dann, mich zu begeistern, geschweige denn, mich in seinen Bann zu ziehen.

Da werden uns Dinge häppchenweise präsentiert und wenn man gerade dabei war, sich einzufinden, wird man rüde wieder aus dem Zusammenhang gerissen. Versatzstücke sollen ein großes Ganzes abgeben. Ich mochte auch die beiden Folgen von ALF nicht, in der er die Rolle von Wayne Schlegel, dem Vertreter der Michigan Lebens- und Unfallversicherung übernahm weil eine Amnesie ihn dazu verurteilte, und man mit viel zu vielen oberflächlichen Rückblenden versuchte, seine Erinnerung aufzuhellen. Das ist leider nicht mein Ding. – Und bei der Fußballübertragung merken die Zuschauer schnell, wenn der Reporter Zeit findet über das Privatleben der Beteiligten zu fabulieren, dass das Spielgeschehen nicht übermäßig interessant sein kann. Selbst der Railshooter Doom: Resurrection vermittelt auf dem iPhone mehr Atmosphäre als TDC auf dem großen 32-Zoll-Flachbildfernseher, an dem meine schwarze Wii angeschlossen ist. Der Arme kann sein Farbspekturm nicht ausreizen, da TDC ziemlich blass bleibt.

Nunchuk – wozu?

Auf der GamesCom 2009 in Köln konnte ich bei Konami im Businessbereich den Silent-Hill-Ableger „Shattered Memories“ für Wii in Augenschein nehmen, und habe gesehen, wie die Kombination von Wii-Remote und Nunchuck durchaus sinnvoll in Kombination eingesetzt werden kann. Bei TDC halte ich den Nunchuk eigentlich nur, um damit durch die vorhandenen Waffen zu schalten und den Autofokus zu setzen. Der ist für Anfänger halbwegs nützlich, aber nicht perfekt umgesetzt. Denn der Fixpunkt wird bei normalen Gegnern nie am Kopf gesetzt, sondern immer auf der oberen Brusthälfte. Dabei wären Kopfschüsse gegen Untote weitaus effektiver. Ist das Jammern auf hohem Niveau? – Mitnichten. Den Nunchuk jedenfalls, hätte man wegen mir gar nicht erst einbinden müssen.

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Wii Zapper? – Nein, danke!

Noch gruseliger wird es, wenn man den Wii Zapper sein eigen nennt und versucht Resident Evil damit zu steuern. Dieses Stück Peripherie ist in Tests gründlich durchgefallen und vermittelt überhaupt keine Atmosphäre. Noch dazu erlaubt es nicht den Einsatz von Motion. Doch für dies Stück Peripherie kann natürlich Capcom nichts. Allerdings hätte man es nicht extra im Bundle mit einer Variante von TDC anbieten müssen, um ein Stück Plastikschrott auch noch zu promoten.

Du und ich

Man kann Resident Evil The Darkside Chronicles zu zweit an einem Gerät spielen oder mit Spielern über das Internet die Untoten zur Strecke bringen. Einige der Mehrspielermodi, wie den von uns in einer Meldung präsentierten ToFu-Modus, erlauben durchaus so etwas wie kurzweilige Unterhaltung. Beim ersten Mal findet man den wabernden, sich bedrohlich nähernden Fleischersatz lustig, doch auch dieser Aha-Effekt nutzt sich schnell ab.

Und dann ist da natürlich die Sache mit der Herausforderung. Irgendwie sind Wii-Anfänger im einfachen Schwierigkeitsgrad unterfordert und Profis in den höheren ebenfalls. Zur Atmosphäre hatte ich bereits formuliert, dass sie beinahe nicht stattfindet. Mitschuld trägt die Animation der Figuren, die insgesamt sehr steif wirkt und die Sprachausgabe nicht mal ansatzweise irgendwie ins Spiel transportiert wurde. Nicht die Anzahl der Polygone macht den Unterschied, denn selbst die billigsten Strichmännchen hätten für Furore gesorgt, wenn sie passend zum Ton ihrer Stimme den Mund bewegt hätten. Dass die Wii kein HD anbietet, muss nicht bedeuten, dass man sich verbietet, Spiele liebevoll zu inszenieren.

Fazit

Resident Evil: The Darkside Chronicles ist ein Titel, der für ernsthafte Fans den Griff in den Geldbeutel eventuell noch verschmerzen lässt. Als Fan von Rocky Balboa habe ich in etwa so beim 5ten Teil reagiert und gedacht, okay, gut, dass er vorbei ist, aber wirklich gebraucht habe ich ihn nicht. Ob Wii-Spieler und Resident-Evil-Fans überhaupt froh sind, ein lauwarmes Geschenk für den Weihnachtsbaum präsentiert zu bekommen, das wird Capcom spätestens dann wissen, wenn Heiligabend und die Geschenkkäufe vorbei sein werden. Grundsätzlich kann ich TDC allerdings nicht empfehlen und bin, da ich nun etliche Stunden damit zugebracht habe, eher enttäuscht. Es hilft übrigens wenig, dass der Titel in Deutschland keine Jugendfreigabe erhalten hat, im Gegenteil, für das Geschäft von Capcom würde ich vermuten, hat das eher die Konsequenz, dass der Kuchen noch kleiner ausfallen wird, den man mit derlei Zutat angemischt hat und im neuen Jahr aus dem Ofen holen kann.



Im Test: Resident Evil: The Darkside Chronicles
3,6 (72%) 5 Bewertungen

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Wertung

3/10
Lahmes Gameplay
Kaum Atmosphäre

Zuletzt kommentiert








App(s) und Produkte zum Artikel

Name: DOOM Resurrection
Publisher: id Software
Bewertung im App Store: 4.0/5.0
Preis: 1,09 EUR

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