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Veröffentlicht am  9.12.09, 17:44 Uhr von  rj

Anti-Malware-Initiative in Deutschland: Von Microsoft-Förderung und anderen Katastrophen

Microsoft WindowsFür einige Irritationen sorgt aktuell ein Plan vom Verband der deutschen Internetwirtschaft eco und dem BSI, der ein deutschlandweites Vorgehen gegen Malware beschreibt. Trojanerbefallene Rechner sollen vom Provider identifiziert, die User kontaktiert und gegebenenfalls gar abgeklemmt werden. Eine Hotline soll vom Bund betrieben werden. Neben den offensichtlichen Eingriffen in die private Kommunikation der Bürger wird nun de Frage aufgeworfen, ob eine Bundeshotline für Malware-Opfer einen öffentlich bezahlten Microsoft-Supportservice darstellt.

Deutschland rangiere auf Platz drei der Länder mit den meisten malwareverseuchten Rechnern, so die Presseerklärung von eco, auf der die Einrichtung eines Support-Callcenters mit Unterstützung des BSI angekündigt wird. Diese peinliche Platzierung will man mit dem Projekt verbessern. Weiter sind auch Sanktioen für infizierte Nutzer geplant, die indessen noch genauer geklärt werden müssen. eco zog bereits den Vergleich zwischen dem Autofahren mit kaputten Bremsen und dem Surfen ohne Virenscanner. Damit wird suggeriert, ein vireninfizierter Rechner bedrohe Leben und Gesundheit anderer Surfer – die großen Kaliber sind offenbar bereits ausgepackt.

Irritierend wirkt insbesondere, dass eco zufolge Malware-Erkennung via Trafficanalyse der User kein Problem darstelle. Dabei wird bereits beim Prüfen der verwendeten Protokolle eine übertragungstechnische Einsicht in die Userkommunikation vorgenommen, die zur Erbringung der Dienste nicht notwendig und damit rechtlich zumindest prüfungsbedürftig ist. Delikat ist weiter das Gerücht, dass eco ursprünglich an den nun vollmundig verkündeten Plänen an sich wenig Interesse hat und momentan nur versucht, eine Kommunikationspanne einzudämmen.

Aber nicht nur von datenschutzrechtlicher Seite scheint der Plan bedenklich. Angesichts des Vormachtstellung von Microsoft-Betriebssystemen als Malware-Wirte stellt sich die Frage, ob hier mit staatlicher Beteiligung ein Helpdesk für sehr microsoftspezifische Probleme geschaffen wird. Schließlich soll das geplante Callcenter vom BSI betrieben werden. Die “professionelle Unterstützung” beim Entfernen von Schadprogrammen, die hier von einem Bundesamt gewährt wird, fasst (nicht nur) das Quantenblog lakonisch als einen “Malware-Bailout” für Microsoft auf.

Natürlich ist man versucht zu fragen, ob ausgerechnet so die IT-Sicherheit in Deutschland gestärkt wird. Staatlich finanzierter Support gewährt man den Anwendern anfälliger bzw. bereits verseuchter Systeme. Betriebssysteme mit niedriger Durchseuchungsquote schauen diesbezüglich natürlich in die Röhre – da wird mit wenig bis keinem Support zu rechnen sein, den das BSI einfach mal übernimmt. Ironischerweise werden so ausgerechnet die Plattformen nicht unterstützt, die für die Malwareverteilung weitgehend uninteressant blieben. Zynisches Fazit: Für einen Apple-Helpdesk auf Staatskosten müssten noch eine ganze Menge mehr Macviren geschrieben und verbreitet werden.

Schnellschuss, Kommunikationspanne, Aktionismus oder etwas ganz anderes: sonderlich durchdacht wirken die Pläne von BSI und eco nicht. Indessen aber bestens geeignet zum Wecken von politischen Begehrlichkeiten, was deep packet inspection, Trafficanalyse und Usersanktionierung seitens der Provider angeht. Und selbst im Fall, dass ein erreichbarer und kompetenter Helpdesk in Securityfragen dabei abfallen sollte: von dem dürften in erster Linie Microsoft und deren Kunden profitieren.

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 9 Kommentar(e) bisher

  •  JMM sagte am 9. Dezember 2009:

    Mh…. Einfach eine Extrasteuer in höhe von 10.000€ jährlich für Win User erheben. Dann hat man seine Ruhe vor Viren und Linux, Solaris und Mac OS X machen den Markt unter sich aus…

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  •  Marco M. sagte am 9. Dezember 2009:

    So ein Quatsch. Drei Mal darfst du raten, warum gerade bei Windows so viel auftaucht. Würde man das so machen, wie bei deinem Vorschlag, würde der ganze Müll dann für die 3 von dir genannten Systeme geschrieben. Ich bin zufrieden so wie es ist. Bitte weiterhin so viele Windows Nutzer, dann bleibt Mac OS davon verschont, wie bisher.;)

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  •  Nick777 sagte am 9. Dezember 2009:

    @ JMM,

    wie allgemein bekannt ist, ist es für die Hacker bisher einfach nur lukrativer die Viren für Windows zu schreiben, da dieses System einfach von mehr Leuten genutzt wird. Zwar haben sogar Hacker selbst bestätigt, dass Mac OS X zu knacken ein wenig schwerer ist – aber nicht viel. Wenn ich da an den Fall denke, wo ein Macbook Air innerhalb von 2 Minuten gehackt wurde.
    Zwar ist es schwieriger Schadcode für Mac zu programmieren, aber wenn nun Mac OS 90% Marktanteil hätte, würde das die Hacker wohl kaum interessieren ob sie nun 10 Minuten oder 11 Minuten an einem Hack sitzen.
    Auch ist es nun unter Snow Leopard schwerer, die Dateien im 65-Bit-System zu finden, allerdings unterstützt dieses Windows 7 auch. Also schlage ich dir einfach mal vor, dein Windows-Bashing einzustellen und zu akzeptieren, dass Konkurrenz den Markt belebt. Klar mag ich Macs auch lieber, sie sind nun mal auch schöner und besser (was mir erst Sonntag von einem IT-Studenten bestätigt wurde). Aber solche Aussagen wie deine haben einfach keinen halt und sind vollkommen unbegründet.

    :-P

    Das musste jetzt mal sein.

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  •  dreyfus sagte am 9. Dezember 2009:

    Naja, infizierte Rechner sind ein Problem für alle Internet-User. Die Kosten und die Auswirkung auf Bandbreiten, die dadurch entstehen landen bei uns Allen. Auch Windows Nutzer haben bspw. meine Kontaktdaten oder vertrauliche Dokumente von mir gespeichert – Egoismus von Besserverdienenden ist da fehl am Platze.

    Da nun einmal weit über 90% der Menschen Windows nutzen, ist das Problem relevant und eine Gegenmaßnahme deshalb noch lange kein “MS Helpdesk”… Sollen die Betroffenen, die OEM oder SB Versionen einsetzen (also die absolute Mehrheit), jetzt pro Support Anruf 50-100 EUR zahlen? Macht doch sowieso keiner und pfuscht dann lieber herum.

    Den Menschen sicheren Umgang mit neuen Medien beibringen wäre ein richtiger Schritt. Leider geben wir lieber mehr Geld für die Bekämpfung der Folgen als für die Bekämpfung der Ursachen aus. Wer wirklich glaubt, dass es irgendetwas umsonst gibt, lädt sich auch jeden Bockmist herunter. Und wer sieht, wie es in DE bei Ausverkäufen, Blödmarkt Eröffnungen oder Aldi Aktionsangeboten zugeht, der kann sich über den dritten Platz kaum wundern.

    Solange dt. Behörden, Schulen und Universitäten die MS Monokultur pflegen (man bekommt deren Schrott ja förmlich nachgeschmissen), kann man den einfachen, weniger gebildeten, Anwendern kaum Vorwürfe machen. Hier ist Solidarität gefragt und kein elitäres Gehabe.

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  •  JMM sagte am 9. Dezember 2009:

    Falls es keiner verstanden hat: Mein Beitrag war nicht ganz ernst gemeint… *Ironie!!!* Noch nie gehört? Natürlich sind mir die Folgen klar…

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  •  JMM sagte am 9. Dezember 2009:

    Ach ja: @Nick777: du meinst wohl 64-Bit? oder??

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  •  Nick777 sagte am 9. Dezember 2009:

    Ja meinte ich, leider kann man seine Kommentare hier nicht ändern. Und das du das so nicht ernst gemeint hast, ist mir klar. Aber das wäre auch nicht das erste mal, dass du sinnlose Beiträge schreibst, oder? Und das du immer was gegen Mircrosoft sagen musst, ist ja schon mehr oder weniger allgemein bekannt.

    und @ dreyfus – Good posting :)

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  •  peer9393 sagte am 10. Dezember 2009:

    @Nick777 wo steht denn so was das ein MacBook Air in 2 Minuten gehackt worden wäre? Du meinst wohl es wurde innerhalb von 2 Minuten demonstriert was über ein Jahr Vorlauf hatte. Die Windows Rechner werden deshalb angegriffen weil es bei ihnen am leichtesten ist. Ein Einbrecher nimmt auch eher die Wohnung die keine versperrende Eingangstür hat und wo die Bewohner gerade im Urlaub sind und die Nachbarn ebenso.

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  •  O2doubleU sagte am 10. Dezember 2009:

    Nur um dass mal klarzustellen.
    Wer weiß wie man sich mit einem Windows Rechner im Internet zu verhalten hat, hat auch bei Microsoft keine Malware zu befürchten. Somit seh ich das wie dreyfus; Den richtigen Umgang zu lernen ist eindeutig wirkungsvoller als nur die Folgen zu mindern.

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