Tagesschau vs. Springer: Grundversorgung, GEZ und iPhone-Apps
Die Tagesschau will ihr Informationsangebot auch aufs iPhone bringen. Dass sich der Springer-Verlag angesichts seiner jüngster Bezahlangebote im Onlinesektor “befremdet” zeigt, wundert wenig. Die ARD-Begründung, dass eben auch iPhone-Nutzer erwarten, unterwegs mit “seriösen Nachrichten” versorgt zu werden, ist währenddessen ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Schließlich ist aktuell eine Erhöhung der GEZ-Gebühr für “neuartige Rundfunkempfangsgeräte” in der Diskussion.
Noch im ersten Quartal des kommenden Jahres soll eine Tagesschau-App fürs iPhone erscheinen, und die private Konkurrenz zeigt sich verärgert: von einer “nicht tolerierbaren Marktverzerrung” spricht Springer laut dwdl. Erst vor kurzem hat der Verlag seine BILD-iPhone-App kostenpflichtig in den Appstore gebracht, mit weiteren Online-Angeboten anderer Zeitungen hofft Springer, per Abo-Modell in Zukunft mehr Geld zu verdienen.
Dass die Tagesschau nicht mit den “schönsten Newsladys” und ähnlichem Boulevardtrash in den Gefilden der Yellowpress wildern will, mag man durchaus glauben, die Berufung auf das mobile Informationsbedürfnis von “hunderttausenden” iPhone-Nutzern ist indessen mit Vorsicht zu genießen. Die Klagen, dass der GEZ-finanzierte Rundfunk bislang nicht ausreichend auf diversen Smartphones zu konsumieren war, hielten sich bislang in engen Grenzen.
Pikant werden die Pläne durch zwei andere Faktoren. Einerseits die aktuell diskutierte Gebührenerhöhung für Nutzer, die nur die “neuartigen Empfangsgeräte” verwenden oder bei der GEZ angeben – statt der reduzierten 5,76 Euro sollen in diesen Fällen ebenfalls die vollen 17,97 Euro fällig werden. Dem gegenüber steht wiederum ein jüngst ergangenes Urteil des Verwaltungsgerichts Braunschweig. Laut Richterspruch stellt der beklagte NDR im Netz “keinen gebührenrechtlich relevanten Rundfunk zur Verfügung“, womit die Erhebung auch der reduzierten Gebühr für die neuartigen Empfangsgeräte unzulässig sei.
Das bringt die Öffentlich-Rechtlichen in Zugzwang – fefe prognostizierte bereits einen Ausbau der Multicast-Kapazitäten der GEZ-finanzierten Netzangebote. Eine iPhone-App wäre ebenso ganz im Sinne der Argumentation “Schaut her, man kann unsere Informationen auch auf den neuen Geräten abrufen”.
Das Attribut “kostenlos” im Kontext einer iPhone-App der Tagesschau bleibt somit besser in Anführungsstrichen.










wazi meint:
Springer-Verlag?
Könntet ihr bitte den Hinweis hinzufügen, dass es sich in dem Artikel um Axel Springer handelt und nicht um den Wissenschaftsverlag?
Mich wunderts nicht, dass man uns immer wieder verwechselt und wir manchmal gefragt werden, ob wir die “Bild” machen…
Marco M. meint:
Ihr hinkt hinterher. Das mit der GEZ wurde mittlerweile abgewiesen.
rj meint:
wazi, ist nachgetragen.
wazi meint:
Vielen Dank! :-)
miha meint:
Kostenlos ist nicht gut.
Keiner will für kostenlos arbeiten.
Der ALL-FOR-FREE Gedanke zerstört die Wirtschaftsstruktur.
o.lol meint:
dinge die die welt nicht braucht. noch mehr unnützer datenmüll der das netz verstopft, egal ob springerschund oder tagesschau, beides keinen cent wert
Trierer Medienblog » Blog Archiv » Wettbewerbsverzerrung durch “Tagesschau” App? meint:
[...] Apps weiter vorantreiben. Zumal eine weitere Erhöhung der Gebühr ansteht und zwar für “neuartige Rundfunkempfangsgeräte”. Die “Tagesschau”- Macher hingegen, sehen die Notwendigkeit zur Erfüllung der [...]
dreyfus meint:
Was ich, von der Gebührensituation einmal abgesehen, nicht begreife, ist das da jeder GEZ Sender separat vor sich hinwerkelt und das Geld beidhändig aus dem Fenster geworfen wird. Kann man nicht EINE Mediathek für ARD/ZDF und alle Regionalsender machen und diese für jede Plattform verfügbar machen? Ein paar Sachen gibt es in der Mediathek, andere als Podcast, andere nur eingebettet, mal als Flash, mal als Real Media, mal als wmv, mal als Quicktime… jetzt auch noch Apps. Ohne Blindenhund kommt man da nicht mehr sehr weit. Wie wäre es mit einer HTML 5 konformen Webseite (mit h.264 und OGG Theora in Video-Tags eingebettet) und ein paar verschiedenen Stylesheets für die diversen Ausgabegeräte. Das könnte man vielleicht auch ohne Gebührenerhöhungen noch hinbekommen.
Natürlich ist eine App praktischer – aber dann sollen die Nutzer das auch bezahlen. So klärt sich dann auch von selbst, ob das gebraucht wird oder nicht. Da die meisten Zuschauer der “öffentlich-rechtlichen” wegen Rheuma oder Arthritis eh kein Multitouchgerät wollen, würde es mich wundern, wenn das der Brüller würde. :-)
Notizen vom 29. Dezember 2009 meint:
[...] der Steuerzahler & Tagesschau-iPhone-App Nachdem sich der Axel Springer Verlag lautstark gegen ein kostenloses Angebot einer iPhone-App der Tagesschau aufgemacht hatte, legt [...]
Tagesschau für iPhone, Google Voice als Browseranwendung meint:
[...] streiten sich NDR und Verleger bereits Seit Ende letzten Jahres. So war es unter anderem der Springer-Verlag, der sich über eine “nicht tolerierbare Marktverzerrung” beschwerte. Genau die andere [...]
BBC ohne iPhone-App: Private Medien protestieren auch im UK meint:
[...] gegen kostenlose Angebote der öffentlich-rechtlichen Anbieter. Insbesondere das geplante Angebot einer Tagesschau-App stieß auf [...]
TV-Tipp: Steve Jobs, der digitale Diktator? ZDF, 22.45 meint:
[...] der Frage der öffentlich-rechtlichen Angebote im Netz bzw. auf Apples Mobilgeräten hat sich auch Macnotes gelegentlich beschäftigt. Das Auslandsjournal nimmt in der Sendungsankündigung kein Blatt vor den Mund und spricht von [...]
Tagesschau-App ab morgen für iOS, Android und BlackBerry verfügbar meint:
[...] Arbeit an der App läuft bereits eine ganze Weile: Vor exakt einem Jahr beschwerte sich der Springer-Verlag über die Pläne der Tagesschau, ihre Angebote auch für das iPhone anbieten zu wollen, es war gar von einer “nicht [...]