MACNOTES

Veröffentlicht am  14.01.10, 15:56 Uhr von  

App Store-Piraterie: Kopierte Apps jucken Apple nicht

CrackulousAlle paar Monate wird das Thema App-Piraterie ausgegraben und in der Regel mit extrapolierten Zahlen hinterfüttert, die erschreckende Verdienstausfälle bei Apple und Entwicklern durch gecrackte .ipa-Files suggerieren. Diesmal ist 24/7 Wall Street dran und errechnet App-Kopien im Wert von flotten 4,5 Milliarden Dollar, die auf gejailbreakten Geräten Apples laufen. Tendenz selbstredend steigend – aber immerhin, es ist zu erkennen, dass die Diskussion ein wenig versachlicht wird.

Diesen Eindruck gewinnt man erst gegen später – der Einstieg mit der “heimtückischen Macht”, die seit Dekaden auch schon Film- und Musikbranche heimsucht, lässt Böses erahnen. Auch faktisch leistet sich 24/7 Wall Street einige Patzer: so sei der Jailbreak gleichbedeutend mit dem Unlock, weiter seien bis vor kurzem zum Jailbreaken “Programmierkenntnisse” benötigt worden. Es folgt ein (ordentlicher) Überblick über die Zahlen und Statistiken, die zum Thema verfügbar sind. Hier ergeben sich Widersprüche, die indessen ignoriert werden – stattdessen mischt man sie recht munter auf.

Von einem Anteil der Jailbreak-iPhones von 10% wird ausgegangen, das ist recht hoch veranschlagt, die Zahl stützt sich auf die vier Millionen Besucher, die Jay Freeman monatlich bei Cydia verzeichnet. Auch die These, der Jailbreaker-Anteil steige wegen der einfacheren Tools permanent weiter, ist mutig oder zumindest höchst einseitig – mit Videofunktionalität und Push sind beispielsweise auch zwei gewichtige Gründe fürs Jailbreaken weggefallen.

Die Angaben der Entwickler zu den Pirateriezahlen hat man auch auf Macnotes schon gelesen – zwischen 75% und 95% sollen sich die Kopierquoten bei heimtelefonierenden Apps bewegen.

Um die 40% der Jailbreaker laden gecrackte .ipa-Files, so eine weitere Untersuchung. Zu guter Letzt werden für jede gekaufte App “vorsichtig” 3 kopierte Versionen veranschlagt. Spätestens jetzt hätte man misstrauisch werden können, denn so kommt man auf ungefähr 3 Millionen kopierende Jailbreaker, die wiederum 1,5 Milliarden Paid-Apps kopiert haben sollen – also 500 Paid-Kopien pro User, kostenlose Programme oder Cydia-Apps noch nicht einmal inbegriffen. Über 31 iPhone-Screens voller Raubkopien entspräche der angenommene Durchschnittswert.

Damit ist man zwar in etwas unrealistischen Dimensionen angekommen, nun setzt aber auch langsam der Menschenverstand ein, der dann von immerhin 10% der Anwender ausging, die eine kopierte App gekauft hätten, wäre der (seit einiger Zeit mehr als umständliche) Weg über Installous und Konsorten versperrt. Die knapp 460 Millionen Dollar Gesamtschaden dürften dennoch deutlich übertrieben sein. Apples entgangener Anteil: 140 Millionen.

Die gewagte Kalkulation wird dennoch dazu verwendet, um als Fazit den mehr oder weniger deutlichen Vorwurf an Apple zu richten: das Unternehmen könne sich seine Ignoranz gegenüber dem “Problem” erlauben, da es sein Geld mit Hardware mache, während die Entwickler in die Röhre schauen.

Begrüßenswert bei der aufgewärmten Debatte ist die Einsicht, dass kopiert nicht gleichzusetzen ist mit gekauft. Auch die unterlassene Pauschalisierung in Richtung Jailbreaker muss man anerkennen. Bleiben die vollkommen unstimmigen Zahlen und die haltlosen Schätzungen, bei denen man schlussendlich komplett in der Spekulation landet. Zu guter Letzt: das Thema scheint für Apple in der Tat nicht sonderlich hoch gehängt zu sein. Vorwerfen kann man das Apple jedoch kaum, im Gegenteil ist der unaufgeregte Umgang mehr als angemessen. Insgesamt also: nichts neues an der “Pirateriefront”: die üblichen Denk- und Rechenfehler, auch wenn die Versuche gewürdigt sein sollen, die Diskussion etwas differenzierter zu führen.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 12 Kommentar(e) bisher

  •  allesinmac85 sagte am 14. Januar 2010:

    Wie kommen diese Leute eigentlich an diese Apps dran? Einer muss die Apps ja dennoch kaufen dann cracken und dann illegal verbreiten… ist das so richtig?

    Wie funktioniert das dann mit den In-App Käufen? Gibt es da auch schon Cracks? Könnten die sich dann zb einfach ein Bild-Abo illegal besorgen ohne zu bezahlen? Geht das etwas auch schon? Wenns das auch ginge wäre es wirklich sehr erschreckend…

    Antworten 
  •  rj sagte am 14. Januar 2010:

    Einer muss kaufen, ja, aber das wird das Problem nicht sein :) In-App… muss ich zugeben, bin ich aus dem Stand raus ueberfragt, ich kann mir aber vorstellen, dass eben eine entsprechend “aufgeruestete” App ebenfalls wieder gecrackt wird.

    Das Beispiel Bild-Abo finde ich auch erschreckend, aber vermutlich aus voellig anderen gruenden ;)

    Antworten 
  •  JMM sagte am 14. Januar 2010:

    “der dann von immerhin 10& der Anwender ausging” &?? wohl eher %…

    Antworten 
  •  rj sagte am 14. Januar 2010:

    Oups. Thx, stimmt nu.

    Antworten 
  •  Krugmann sagte am 14. Januar 2010:

    Hmm, das ist komisch. Einige Seiten berichten von 450 Millionen Dollar und hier ist die Rede von 4,5 Milliarden Dollar? Nagut, so groß ist der Unterschied ja dann doch nicht. ;)

    Antworten 
  •  Krugmann sagte am 14. Januar 2010:

    Ach Mist, ich korrigiere!. Mein Fehler. *duck* Sorry

    Antworten 
  •  @Steven19922 sagte am 14. Januar 2010:

    App Store-Piraterie: Kopierte Apps jucken Apple nicht: http://macnot.es/29639

    Antworten 
  •  @iphone_de sagte am 14. Januar 2010:

    RT @Macnotes: App Store-Piraterie: Kopierte Apps jucken Apple nicht http://macnot.es/29639

    Antworten 
  •  Claas sagte am 14. Januar 2010:

    In-App Käufe wurden noch nicht geknackt, und werden wohl auch nicht geknackt werden können. Abos oder ähnliches dürften sich auch nicht weitergeben lassen.
    Ich vertreibe selber 2 Applikationen im App Store, kann aber keine Zahlen nennen, da ich meine Applikationen nicht nach Hause telefonieren lasse. Allerdings sind die 10 % der Leute, die sich die App kaufen würden, meinem Empfinden nach immer noch recht hoch gegriffen.

    Antworten 
  •  Paul sagte am 15. Januar 2010:

    Vielen Dank für den Artikel!

    @Claas
    In-App Käufe werden auch gecrackt und sind in diversen Quellen verfügbar, die Installation ist allerdings deutlich komplizierter als die herkömmlicher gecrackter Apps.

    Antworten 
  •  Claas sagte am 18. Januar 2010:

    @Paul

    Ja? Mir ist noch kein Bericht bekannt, der enthält, dass In-App Purchases geknackt wurden. Und der StoreKit Dokumentation nach (StoreKit ist das Framework, dass Entwickler für In-App Käufe nutzen müssen), werden den Entwicklern alle Informationen zur Verfügung gestellt, um Piraterie zu verhindern. Zum Beispiel erhalte ich als Entwickler die UDID des iPhones, das den Kauf getätigt hat und kann so die Nutzung auf anderen iPhones verhindern.

    Antworten 
  •  rj sagte am 18. Januar 2010:

    Schliess ich mich Pauls Frage an: wuerde mich auch schwer interessieren.

    Antworten 

Kommentar verfassen

 0  Tweets und Re-Tweets
       0  Likes auf Facebook
         0  Trackbacks/Pingbacks
          Werbung
          © 2006-2013 MACNOTES.DE. Made with insanely great for all things Mac. Apple.de