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Süddeutsche Zeitung: Kampagne zur iPhone-App wurde falsch umgesetzt

Süddeutsche ZeitungÜber die Methoden der Süddeutschen und die Trigami-Vermarktung ihrer iPhone-App zerreißt sich die deutsche Bloglandschaft gerade vortrefflich die Münder. Der Vorwurf: Die Süddeutsche habe via Trigami Blogger dafür bezahlt, ihre App über ihre Blogs und entsprechende Kommentare im App Store über den grünen Klee zu loben.

Laut Jan Tißler soll diese groß angelegte Kampagne in Form eines sogenannten “Advertorials” abgelaufen sein. Das Konzept: Über das jeweilige Produkt, in diesem Fall die iPhone-App der Süddeutschen, sollen lediglich positive (wohl aber entsprechend markierte) Beiträge erscheinen, der jeweilige Kunde kann dabei selbst entscheiden, welche Inhalte tatsächlich erscheinen und welche nicht. Das Ziel eines Advertorials: Durchweg positive Meinung ohne Kritik.

Konkret ging es in der Kampagne um die Bewertung und Kommentierung der kostenpflichtigen, sogenannten Gold-Version der Süddeutsche-App, die im Vergleich zur Gratis-Version lediglich einen Offline-Modus und eine Push-Benachrichtigungsfunktion als zusätzliche Funktionen mitbringt – ob dies die zusätzlichen Kosten von 1,59€ für 30 Tage rechtfertigt, sei jetzt mal dahingestellt.

In den dazugehörigen Bedingungen zur Rezension der App fand sich unter anderem ein Hinweis bezüglich der App Store-Kommentare: “Nach dem Runterladen der Gold Applikation müsst Ihr bitte einen möglichst positiven Kommentar im App Store hinterlassen.” Und auch in Sachen Argumentation für die Süddeutsche-App ließ sich in der Trigami-Ausschreibung einiges lesen: Unter anderem wurde dort auf Süddeutsche-Qualitäten wie dem journalistischen Anspruch und die Autorenqualität hingewiesen – wer als ernsthafter und in der Kampagne involvierter Blogger diese vorgefertigten Textbausteine in seinen Reviews verbaut, egal ob nun im gezielten Advertorial oder “nur” im frei formulierten Blogeintrag ohne Meinungsvorgabe, dem muss man ohnehin die Frage stellen, ob er es mit dem Schreiben so ernst nimmt. Der Vorwurf vieler unbeteiligter Blogger allerdings lastet derweil schwer auf der Süddeutschen: Wie kann man es als Qualitäts-Tageszeitung verantworten, auf solche Weise positive Kommentare zur hauseigenen App zu generieren?

Der zuständige Marketing-Verantwortliche bei sueddeutsche.de, Peter Bilz-Wohlgemuth, sowie Trigami-Geschäftsführer Remo Uherek waren in diesen Belangen aber offen und vor allem überraschend ehrlich. Der Grundtenor: So wie es allenorts dargestellt wird, war die Kampagne nie gedacht, auf Grund von Kommunikationsfehlern wurde sie fälschlicherweise als Advertorial angelegt, und damit den teilnehmenden Bloggern eine bestimmte Meinung vorgekaut – und somit ein komplett falsches Marketingprinzip zu Grunde gelegt.

Gleiches gab man auch seitens der Süddeutschen zu erkennen. Ziel der Kampagne war durchaus die Viralität, mehr aber nicht: “Wir haben jedoch immer betont, dass wir mitnichten “lobende Blogposts” haben wollen, sondern uns gerade für Trigami entschieden haben, weil […] hier der Blogger die Freiheit hat, zu entscheiden, was er schreibt und was nicht.” Schuld an der aggressiven Trigami-Vermarktung war offenbar Trigami selbst: Wegen diverser interner Kommunikationsdefizite wurde die Kampagne von Grund auf falsch angelegt. Es sei durchaus erwünscht gewesen, dass positive Kommentare dabei herauskommen, vorschreiben wollte man dies den involvierten Bloggern aber definitiv nicht – dies entspreche auch gar nicht dem, was man als Leser in Sachen Glaubwürdigkeit von der Süddeutschen verlangen darf.

Das Problem: Trigami hatte der Süddeutschen gezielt empfohlen, die Kampagne als Advertorial anzulegen – wobei eine sogenannte Text-Review-Kampagne dem Ziel der Süddeutschen sicher eher entsprochen hätte, da dort frei und offen die Meinung geäußert werden kann und auch soll.

Im Einvernehmen haben die Süddeutsche und Trigami die Zusammenarbeit nun beendet, Bilz-Wohlgemuth von der Süddeutschen zieht außerdem die entsprechenden Konsequenzen: “Dennoch zeigt ihr Feedback und das der Blogosphäre, dass diese Form des Marketings nicht den Erwartungen an uns entspricht. Wir werden daher in Zukunft von diesen Formen des Marketings Abstand nehmen.”

Apple wollte zum Thema der gekauften positiven Bewertungen zur App der Süddeutschen keine Stellung nehmen, im Dezember gab es mit MoLinker bereits einen Fall von gekauften App-Store-Bewertungen, in dem Apple durch einen Verweis des Entwicklers die möglichen Konsequenzen klargemacht hat.

Kathrin Grannemann
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Kathrin Grannemann, Chefredakteur
18.01.2010, 15:56 Uhr
News & Rumors
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6 Kommentare , 2 Trackbacks und 4 Tweetbacks

  1. Profilbild

    [...] Uhr: Bei rivva (hier und hier) kann man sich einen guten Überblick verschaffen. Auch Macnotes hat nun einen Artikel [...]

  2. Profilbild

    18.01.10, 16:56 Uhr, #2

    max2008 meint:

    Iss klar, waren die bösen “Trigami”…die Mehrfüßlerrasse aus den Tiefen des Alls….yep…genau…

    Naja, Timo Hetzel u. seine Crew v.Bitsundso…haben die App aber auch über den grünen Klee gelobt…weiss nicht was ich jetzt davon halten soll….schätze ich zieh mir die KOSTENLOSE…ätsch…;-))

  3. kg

    18.01.10, 17:20 Uhr, #3

    kg meint:

    @max2008 die Süddeutsche-App ist durchaus brauchbar, wenn auch an manchen Stellen wenig intuitiv. Entsprechend wären die Bewertungen auch ohne eine solche gezielte Aktion wohl ganz gut ausgefallen und ich frage mich, obs die Marketing-Aktion überhaupt gebraucht hätte. Die Sache ist halt dezent nach hinten losgegangen, wer da jetzt konkret die Schuld dran hat, sei jetzt mal dahingestellt.

  4. Profilbild

    18.01.10, 17:31 Uhr, #4

    max2008 meint:

    @kg Kathrin magst Recht haben?! Hab sie mir persönlich noch nicht angeschaut. Nur in der letzten Zeit passiert es häufiger, daß beim Launch neuer Produkte u.Dienstleistungen, beim Vermarkten “seltsame Dinge” passieren. Dinge die dafür sorgen, daß beworbenes Produkt/Dienstleistung auf einmal verstärkt in den Medien auftaucht!
    Mittlerweile bin ich etwas mißtrauisch geworden, manchmal kommt mir der Gedanke, als hätten Werber ein neues Instrument gefunden…;-))

  5. Profilbild

    19.01.10, 0:56 Uhr, #5

    obil meint:

    Ich mag nicht so recht glauben, dass alles nur ein Missverständnis zwischen SZ und Trigami gewesen sein soll.
    Was mich an dieser Darstellung stört sind die explizit genannten Vorteile, die der Blogger in sein “Advertorial” mit aufnehmen soll (siehe Upload Magazin). Ich kann einfach nicht glauben, dass Trigami soviel Handlungsfreiheit hat/hatte, diese Punkte selbst und ohne Rücksprache vorzugeben, denn sonst wäre das Missverständnis ja rechtzeitig aufgefallen.

  6. rj

    19.01.10, 10:25 Uhr, #6

    rj meint:

    Obil, ums mal platt zu sagen: Scheisse passiert. Ich denk eher, dass beide Beteiligten die geschichte nun etwas hoch gehaengt haben, ich denke, da spielt die Angst vor der in solchen Sachen gelegentlich etwas aggressiven und unberechenbaren Blogosphaere eine Rolle. Disclaimer: ich bin nicht bei Trigami angemeldet oder hab sonstwie Zugang zu den entsprechenden Seiten fuer Blogger/Advertiser, aber ich haette einfach getippt, dass eben die Formate verwechselt wurden. Das Aufhebens um die ach so positiven Textbausteine kommt mir auch ein wenig haaregezerrt vor – was sich ein Unternehmen von einer Kampagne erhofft und was das Wunsch-Image ist, das transportiert wird, wird tatsaechlich gelegentlich aufgeschrieben und manchmal auch mit der beauftragten Agentur kommuniziert. Die beauftragt man in der Regel genau deswegen, um sich das Selbermachen zu sparen.
    Das ist jetzt grade etwas trocken und flapsig runtergetippert, aber es hat fuer mich wirklich in Allem den Anschein einer dummen Panne, fuer die a) die Komplettkuendigung seitens der SZ und b) manche Reaktion in den Blogs imo ein wenig drastisch ausfaellt. IMO, mag ich nochmal anhaengen, aber ich bin in so Sachen auch ein wenig schmerzfrei, zugegeben.

    Die App hab ich mir auch angesehen, ack an Katti, ich verstehs auch nicht wirklich.

  7. Profilbild

    19.01.10, 16:16 Uhr, #7

    meint:

    Süddeutsche Zeitung und das Ende von gekauften Blog Posts?…

    Eigentlich sollte wohl alles ganz anders ausgehen. Scheinbar beabsichtigte die Süddeutsche Zeitung mit einer Kampagne über Trigami ganz gezielt Blog Betreiber für ein kleines Entgelt zu ausnahmslos positiven Beiträgen für ihre …

  8. Profilbild

    19.09.11, 23:26 Uhr, #8

    Shivani Allgaier meint:

    Immer diese Streitereien… http://shivanireutlingen.wordpress.com/2011/09/19/jeder-vorwurf-ist-ein-schlecht-formulierter-wunsch/ und dabei weiß doch heute jedes Kind, dass in Zeiten der Sozialen Medien andere Gesetze gelten, oder?


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Tweetbacks


  1. 19.01.10, 18:48 Uhr, #4

    @superglide meint:

    Süddeutsche Zeitung: Kampagne zur iPhone-App wurde falsch umgesetzt (via @Macnotes)


  2. 18.01.10, 17:17 Uhr, #3

    @shabanac meint:

    Süddeutsche Zeitung: Kampagne zur iPhone-App wurde falsch umgesetzt:


  3. 18.01.10, 16:12 Uhr, #2

    @alexf10 meint:

    RT @Macnotes: Süddeutsche Zeitung: Kampagne zur iPhone-App wurde falsch umgesetzt

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