MACNOTES

Veröffentlicht am  9.02.10, 18:19 Uhr von  

Apple Store Down: Peinliches Relikt oder cooles Marketing?

Apple Store offlineImmer mal wieder schließt der Apple Store seine Pforten, um einige Zeit später mit neuen Angeboten wieder erreichbar zu sein. Währenddessen wird im Netz wild spekuliert, was es geben wird – die Hypemaschine rennt, bis zu den Apple Store-Widgets, die Downtimes live anzeigen. Marketing at its best? Oder ein verbrauchtes Buzzinstrument, das auf die meisten allenfalls peinlich und unprofessionell wirkt? Auch in der Macnotes-Redaktion gehen die Meinungen auseinander.

Verdammt peinlich, Apple. (Richie)

Eben warf ich den Satz “Ich bin grade schwer fuer einen Rant in Richtung Wer eine Shopsoftware einsetzt, die zum Einpflegen eines verdammten Softwareprodukts weltweit offline genommen werden muss, ist ein erbaermlicher Pfuscher.” in den Macnotes-Chat und war nicht ganz unvorbereitet, was den folgenden Widerspruch angeht. Über seine Vehemenz war ich aber allerdings verblüfft. Man stelle sich vor: man fährt zum Supermarkt. Dort ausgestiegen, wird einem eröffnet, das Regal mit den Dosentomaten werde gerade neu eingeräumt, man solle doch bitte in einer Stunde wiederkommen. Ich neige nicht zur Cholerik, aber meine Reaktion wäre heftig. Nun ist Apple nicht Kaufland und ein MacBook Pro keine Dose Tomaten. Trotzdem ist es vollkommen irrsinnig, einen riesigen Onlineshop zu schließen, nur um ein neues Produkt einzustellen.

Aber die Spannung! Die Aufmerksamkeit! Auf Macnotes ists doch auch ne Topnews! heißt es dann. Geschenkt. Das mag was für die Die-Hard-Macfans sein, die (wie jedes andere Stammesvolk auch) Rituale und althergebrachte Bräuche eben toll und identitätsstiftend finden. Alle anderen tun das nicht. Ein Onlineshop im Internetzeitalter, der zum Einpflegen eines neuen Produkts vom Netz muss, ist

  • unprofessionell
  • Pfusch
  • Kundenärgernis und damit
  • verschenktes Geld.

Dass eine Shopdowntime “viral verbreitet” zum Ruhm von und zum Kult um Apple beitragen soll, ist eine Illusion. Rational und vernünftig denkende Menschen verbinden mit einem ohne Not geschlossenen Laden schlicht Unfähigkeit. in der Ausfallzeit verschenkt Apple bares Geld. Wer auf dem Apple-Hypezug mitfährt und die F5-Taste malträtiert, sobald er irgendwo ein gelbes Post-It sieht, der dürfte ohnehin bereits Stammkunde bei Apple sein. Kundenakquise: mangelhaft.

Wer noch kein Applefan ist, sieht einen geschossenen Store und assoziiert ein Unternehmen, das entweder keine ordentliche Shopsoftware zustandebekommt oder keinen Switch zwischen zwei Instanzen hinkriegt, wenn es denn tatsächlich technische Gründe für die Ausfälle geben sollte. Und logisch: so einem Unternehmen vertraut man dann doch in technischer Hinsicht selbstredend vollkommen, nicht?

Die Apple Store Downtime ist ein Relikt aus schlechten alten Zeiten, das sich komplett überlebt hat. Sie ist nicht witzig, sie ist im schlechtestmöglichen Sinn viral, sie nervt, kostet Geld und sie gehört zügig abgeschafft.

Effektiver als jede Pressemitteilung. (Carsten)

Einen gewissen Nervfaktor kann auch ich nicht leugnen: “Der Store ist down, der Store ist down!”. Liegt vielleicht auch daran, dass wir natürlich jedes Mal gleich mehrfach darauf aufmerksam gemacht werden, gerne auch versehen mit der Frage, ob wir denn schon wüssten, was Apple dieses Mal neu in den Store stellen würde. Aber das zeigt doch auch schon, dass es wirkt. Es glaubt doch niemand ernsthaft daran, dass Apple keine Produktupdates im Store durchführen könnte, ohne ihn offline zu nehmen? Die Abschaltung ist mit Sicherheit doch keine technische Notwendigkeit, sondern eine Marketingmaßnahme.

Und erfolgreich ist diese Maßnahme ganz offensichtlich. Kaum ist der Store down, beobachten weltweit Redakteure, Blogger und Apple-Fans die berühmte Post-It-Seite und warten. Nebenbei wird in Foren, Chats und bei Twitter darüber diskutiert, was wohl der Grund für die Downtime sein mag. So eine Aufmerksamkeit kann auch Apple nicht mit einer Pressemitteilung erzeugen, übertroffen nur vom Hype rund um die Produktankündigungen bei Special Events.

Geht Apple während der Downtime Geld verloren? Sehr unwahrscheinlich. Man kann Apple sicher eine Menge vorwerfen, aber ganz bestimmt nicht, dass man in Cupertino dazu neigen würde Geld zu verschenken. Und die regelmäßigen Umsatzrekorde in den Quartalsberichten sprechen eine deutliche Sprache.

Und Richie hat natürlich recht, diese regelmäßigen Events – und nichts anderes ist das “Shopdown-Ritual” – sind wichtig für Apple-Fans. Kein anderes Unternehmen nimmt den Online-Shop offline, um eine Preisänderung einzubauen oder ein neues Produkt in den Katalog aufzunehmen, aber Apple ist einfach anders als andere. Und als Apple-Fan ist man natürlich auch anders (manche möchten hier vielleicht “besser” schreiben) als der gemeine PC-User.

Und ganz ehrlich Richie: Wer F5 drückt, der macht in dem Fall doch sowieso schon grundsätzlich etwas falsch… ;)

Und wie seht Ihr das? Nur noch genervt von Storedown-Meldungen oder fiebert Ihr immer noch jedes Mal mit?

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 21 Kommentar(e) bisher

  •  @Korrupt sagte am 9. Februar 2010:

    Apple Store Down: Peinliches Relikt oder cooles Marketing?: http://macnot.es/31772 …und ich hab trotzdem recht. Widerspruch, anyone?

    Antworten 
  •  @alexf10 sagte am 9. Februar 2010:

    RT @Macnotes: Apple Store Down: Peinliches Relikt oder cooles Marketing? http://macnot.es/31772

    Antworten 
  •  JMM sagte am 9. Februar 2010:

    Ich persoenlich bekomme so immer schneller mit, wenn es etwas Neues gibt.
    Ausserdem: stellt euch mal vor Ihr kauft ein MacBook, bezahlt per oneclick und dann klickt ihr Refresh…. Und es gibt ein neues! Das nennt sich Pech!

    Antworten 
  •  Lasse sagte am 9. Februar 2010:

    Wer einen Mac kaufen will, kennt das – schon allein, weil der Freund, der einem den Apple empfohlen hat, das erwähnt hat. Es ist ähnlich wie die Keynotes oder die Tatsache, dass Apple keine Prototypen, sondern nur fertige Produkte vorstellt, Teil der Applefolklore. Der Buzz ist selbstverständlich unglaublich, und allein für die Nachricht, dass potentiell etwas Neues verfügbar ist, müssten andere Unternehmen horrende Summen zahlen.
    Sicher wird sich der ein oder andere iPodkäufer ärgern und vielleicht woanders kaufen (wenn er nicht die kostenlose Bestellhotline anruft), aber: Wer auf der Webseite nur technische Daten einsehen will, um eine Kaufentscheidung zu treffen, hat diese Möglichkeit. Wer wirklich kaufen will, weiß warum er warten muss (oder warten sollte) oder kauft woanders – Retail oder Reseller. Abspringen werden sicherlich die Allerwenigsten, denn der Kauf eines Computers – genauer eines Macs – ist doch zumeist ein informierte, bewusste Entscheidung.

    Aus meiner Sicht überwiegen daher die Vorteile ganz eindeutig die Nachteile – also werden wir auch weiterhin gelbe Post-Its sehen.

    Antworten 
  •  rj sagte am 9. Februar 2010:

    cd: Shift-Reload?

    JMM, ich denk, der Effekt ist derselbe, wenn mans kauft und 5 Minuten später ist ein gelbes Post-It da. Schenkt sich imo wenig :o)

    Antworten 
  •  Robert sagte am 9. Februar 2010:

    Ich denke hier wird bewußt offline geschaltet um Weltweit (!) sicherzustellen das neue Produkt ordentlich eingepflegt wurde und es nicht so lustigen Pannen kommt wie fehlende Produktbeschreibung in Sprache xy oder das Bild ist nur ein Platzhalter. Mal abgesehen von dem netten Werbeffekt nebenher ;-)

    Vielleicht wird ja noch mehr im Hintergrund gemacht als nur ein neues Produkt online gestellt. Könnte mir gut vorstellen das Apple die Situation nutzt und das System gleich mit patches usw. versorgt.

    Antworten 
  •  @DisfunctionsDE sagte am 9. Februar 2010:

    Interessante Gegenüberstellung zu den #Apple #Store Down Geschichten bei @macnotes http://macnot.es/31772 #Mac

    Antworten 
  •  DRAGONFLY sagte am 9. Februar 2010:

    Also mich stört fürchterlich, dass der gelbe Zettel nicht in Lucida Grande verfasst wurde!!

    NB: Der Verbrauch an Meldungen ist bei macnotes konstant – gleich, ob es Nachrichten gibt oder nicht.

    Antworten 
  •  Vincenzo sagte am 9. Februar 2010:

    Apple hat Marketing einfach im griff.
    Als ich heute sah dass der Shop down ist war, freute ich mich bereits über ein neues Apple TV.
    Leider war nix.

    Gruss

    Antworten 
  •  Till sagte am 9. Februar 2010:

    Guter Artikel, hat Spaß gemacht, den zu lesen – auch wenn das “Problem” natürlich völlig nebensächlich ist. Mehr davon!

    Antworten 
  •  andi sagte am 9. Februar 2010:

    Finde das ist eher genau so eine Macke wie die knappen Lagerbestände zu den iPhone-Releases.

    Antworten 
  •  Tekl sagte am 9. Februar 2010:

    Tja, nicht ohne Grund lässt Apple WebObjects langsam sterben. ;-)

    Antworten 
  •  Macerer sagte am 9. Februar 2010:

    Nicht der “Apple Store Down” ist peinlich, sondern dieser Beitrag. So viel Text, so wenig Inhalt.

    Antworten 
  •  Michael sagte am 9. Februar 2010:

    @rj cmd + R

    Antworten 
  •  DonSqueak sagte am 10. Februar 2010:

    Einziges Manko: Marker Felt.

    Antworten 
  •  It's me sagte am 10. Februar 2010:

    Nicht das der Store down ist, ist das Problem, sondern das plötzlich alle Welt mit “der” Innovation von Apple rechnet und jeder direkt mit seinen Vermutungen und Informationen aus tot sicheren Quellen sämtliche foren dieser Welt zu spamt.

    Antworten 
  •  Dakota sagte am 10. Februar 2010:

    > Wer auf dem Apple-Hypezug mitfährt und
    > die F5-Taste malträtiert, sobald er irgendwo
    > ein gelbes Post-It sieht, der dürfte ohnehin
    > bereits Stammkunde bei Apple sein.

    Tsss. … solange offensichtliche Windows-User (F5-Taste) solche Artikel schreiben (ein Stammkunde bei Apple würde ja cmd+R benutzen), solange braucht man sich um Downzeiten als virales Marketing nicht ernsthaft Sorgen zu machen

    Antworten 
  •  Kay sagte am 11. Februar 2010:

    Ich würd’s genauso wie Apple machen!
    Mit so wenig Aufwand einen derartigen Hype zu generieren, auf den z.B. Macnotes auch jedesmal aufspringt, ist einfach genial!

    Der Rant-Ersteller soll sich nen PC kaufen und damit glücklich werden.

    Antworten 
  •  rj sagte am 11. Februar 2010:

    Disclosure: Ich hab einen PC. Genauer gesagt, zwei :)
    Nochmal verdeutlicht: mir ist vollkommen klar, dass Apple in der Lage ist, Produkte ohne Downtime einzupflegen, dito, dass es eine (auch hier) gut funktionierende Hypemaschine ist. mein zweifel bezieht sich nur darauf dass dieser Hype immer noch so ankommt, wie er es mal tat, oder ob nicht der Punkt eintrat/eintreten wird, dass viele weniger apple-”begeisterte” potentielle und tatsächliche Kunden den Ärgerfaktor inzwischen höher einstufen, weil eben unabhängig vom rauschen im Blog- und Blätterwald eben schlicht was nicht funktioniert, was man nutzen will. und man nimmt dieses “nichtfunktionieren” angesichts ordentlicher Shopplattformen anderswo einfach nicht mehr so hin, mit dem ueblichen “Ist halt Apple.” Der Hype ist ne Fangeschichte.

    Antworten 
  •  dreyfus sagte am 11. Februar 2010:

    Welcher “Ärgerfaktor”? Ist ja eine echte Katastrophe, wenn man mit so etwas lebenswichtigem wie einer Bestellung ‘mal ‘ne Stunde warten muss. Die Hälfte der Apple Reseller hat abends zu, wenn ich endlich aus dem Büro komme. Das ist ein Ärgernis. Bei anderen Online Stores werden mir Sachen als lieferbar gezeigt, die dann monatelang nicht kommen. Das ist ein Ärgernis. Der Apple Store hat eine Verfügbarkeit von über 99% und die Angaben sind verlässlich. Solange das so bleibt, können die v.m.a. soviel Hype erzeugen, wie sie nur möchten.

    Der Hype funktioniert. Sogar besser als jemals zuvor. Früher war “Store down” nur Thema auf Fanseiten, heute kommt das sogar schon im Börsenticker. Was würdet ihr Apple denn raten? Millionen in Werbung investieren, nur um das was man kostenlos haben kann zu bekommen? Toller Tip.

    Außerdem hat Apple in den USA außer Aperture auch noch Angebote und geänderte Versandkonditionen für den Valentinstag eingepflegt. Warum alle Besteller, die in diesen 2 Stunden etwas gekauft haben, dann manuell nachbearbeiten? Viel Geld und Arbeit investieren, für Nichts? Manchmal bin ich echt froh, dass Apple nicht auf Andere hört…

    Antworten 
  •  @sweinpictures sagte am 14. Februar 2010:

    Apple Store Down: Peinliches Relikt oder cooles Marketing?: http://macnot.es/31772

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