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Veröffentlicht am  13.03.10, 9:16 Uhr von  

Kolumne: The iPad at the Gates of Dawn

AktieEs wird Frühling, die CEOs schlagen aus. Und während sich Analysten die Hände reiben ob der nach oben zu korrigierenden Quartalszahlen Apples, muss sich unsereiner die Oberschenkel noch an Macbooks wärmen, denn Apples neue Sofaheizung wird es erst irgendwann Ende nächsten Monats in Deutschland geben. Ohne Flash, auch wenn sensationelle Photoshops Aufnahmen auf das Gegenteil hinweisen. Außerdem: warum Apple ein immer besseres schlechtes Beispiel wird, und Pink Floyd.

The memories of a man in his old age: Wenn Jonathan Schwartz aus seinen CEO-Zeiten bei SUN erzählt, kommen direkt Godfather-Gefühle auf: Von der mächtigen Familie Don Stevanos bedroht, konnte sich der tapfere CEO retten durch ein kluges Angebot, das der Gegner nicht ablehnen konnte. Heute bloggender Consiliere, kündigt Schwartz noch einige Geschichten aus der alten Zeit an, über die sich die heutigen Dons vermutlich ärgern sollen. Hoffen wir, dass er keine Fische in Zeitungspapier zugeschickt bekommt und noch einige Blogeinträge verfasst. Wie die Paten-, korrigiere, Patent-Schlachten geführt werden, kennt man an sich ja bereits, aber schöner als trockene Headlines sind Geschichten wie diese allemal:

“Ihr spaziert auf unseren Lizenzrechten herum. Ich werde dich einfach verklagen.”
“Steve, als ich zum letzten Mal nachschaute, war Mac OS X auf Unix gebaut. Ich glaube, SUN hat auch ein paar OS-Patente.”
Steve wurde still.

Auch Bill Gates kriegte sein Fett ab, und es ist schön zu sehen, wie die IT-Prominenz damals direkt und unter Männern ihre Streitigkeiten klärte. Ausgerechnet im Anwaltsland USA, man mag fast denken, dass Schwarz ein wenig romatisiert, aber bestimmt nur ein wenig.

Change returns success: Ansonsten kann sich Apple und sein Don diese Woche kaum retten vor Vorschuss- und Nachtragslorbeeren. Steve ist auf der Forbes-Rangliste der Reichsten wieder ein wenig nach oben geklettert und auch insgesamt geht es trotz aller Krisen wieder aufwärts: nach einem kurzen Absacker gab es 2010 endlich wieder über 1000 Dollar-Milliardäre, Gesamtvermögen geschätzte dreieinhalb Billionen.

Wenn wir bei den Reichen und Wichtigen sind: Rob Glaser von Real Networks hat sich letzte Woche auch zu Wort gemeldet, sprach von der Zukunft der “Superphones”, und sicher nur rein zufällig entspricht das, was er an technischen Spezifikationen und Features zum Thema heranzieht, ungefähr exakt einem Apple iPhone.
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Das hat demnach weitere Siegeszüge vor sich, auch wenn der Erfinder des Handys selbst inzwischen von einem iPhone zu einem Modell der Android-Konkurrenz gewechselt ist.

All aboard the american tour: das iPad kommt nur in den USA, vorerst. Das gestrige “The App Store is down” war mal wieder ein Höhepunkt der Apple-Marketingmaschine, denn wenn man sich schon beim Einpflegen neuer Produkte über das Für und Wider von Site-Abschaltungen streiten kann, gilt das wohl doppelt für das Einpflegen einer Vorbestellungsmöglichkeit. Apple kanns bringen. Das iPad bringt Apple nun auch endlich, wenngleich noch immer ohne Termin in Deutschland. Ob nach den HTML5/Flash-Schlachten der letzten Tage aber vielleicht doch noch das Steve Jobs Special Edition iPad mit Flash auf den Markt kommt? Gesichtet wurde es auf der Oscar-Verleihung, böse Zungen behaupten indessen, es handele sich um eine geschickt gemachte Bildmanipulation.
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Vielleicht sollten wir uns stattdessen einfach alle freuen, dass immerhin der neue Safari noch Flash kann.

No need for the jury to retire: Neben den individuellen Patent- und Marketingschlachten hat sich auch im Größeren einiges im Netz getan. Gestern war der zweite internationale Tag gegen Internetzensur, der 2009 zum ersten Mal von den Reportern ohne Grenzen ausgerufen wurde. Einigermaßen passend sträubte sich das EU-Parlament tags zuvor gegen die Heimlichtuerei um das Antipiraterieabkommen ACTA und forderte die Veröffentlichungen der Verträge und Einsichtnahme in die Vertragsentwürfe. Einschränkungen des hinter verschlossenen Türen ausgehandelten Abkommens wurden ebenfalls angemeldet.[singlepic id=6890 w=200 float=left] Und wenn wir schon bei Piraterie sind: die wird ja gerne als Begründung für alles mögliche herangezogen, auch von einem gewissen Unternehmen aus Cupertino. Einst mit “Mix. Burn. Rip” als Slogan gegen verkalkte Medienkonzerne angetreten, hat sich Apple inzwischen wieder an die Spitze der rechtebeschränkenden Front gesetzt. Darüber wurde an dieser Stelle schon des öfteren geklagt, insofern kann man es heute beim Verweis auf die vor kurzem überarbeitete Sammlung von Missbrauchsfällen des Digital Milennium Copyright Act der EFF belassen, die Apple mehrfach als neues Beispiel einpflegen musste. Neben den bekannten BluWiki-Knebelversuchen, die von der EFF als Gefährdung der Redefreiheit durch den DMCA listet, ist Apple zweimal mehr unter der Kategorie “Hemmung von Innovation und Wettbewerb” vertreten – mit der App Store-Bindung des iPhone und dem Zwangsbündeln von Mac OS X an Apple-Hardware. Allgemeiner drückt sich die EFF zum Thema “Netlocks” aus, dass insbesondere Apple gemeint ist, kann man sich denken.

[singlepic id=6889 w=200 float=right] Wo bleibt das Positive? Wir kaufen trotzdem. Drückt Daumen, dass wir hier bald iPads rezensieren können, denn das Bestellen haute immerhin vorerst hin.

Grab that cash with both hands – wo wir eben bei den Rechtsstreitereien waren: Soll man sich nun eigentich freuen oder ärgern, dass sich Pink Floyd gegen die EMI durchsetzen konnte mit ihrer Klage, dass sie nur den digitalen Albenverkauf und nicht den von einzelnen Tracks online gestattet haben? Bislang sind bei iTunes sowohl Alben als auch Einzelsongs zu kaufen, und an Einzelsongs könnte das Interesse möglicherweise wieder steigen, wenn einer der neueren YouTube-Trends – Musikvideos ohne Ton – sich weiter durchsetzt. Tipp am Rande: aus MTViva wäre mit so einem Vorgehen nichts geworden.

In Sachen Pink Floyd wird gern von den Alben als nicht zerlegbare Gesamtkunstwerke gesprochen. Anstatt aber nun irgendwie zum Schluss das iPad nochmal mit Fantasien über interaktiv-multimediale Floyd-Gesamtkunstwerke auf Apple-Tablets an den Haaren herbeizuziehen, als Rausschmeißer für heute der Gegenbeweis: Floyd-Tracks funktionieren hervorragend für sich alleine. Insbesondere die frühen Barrett-Stücke. Schönes Wochenende!

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 2 Kommentar(e) bisher

  •  yiiit sagte am 13. März 2010:

    :-) ganz hervorragend!

    Antworten 
  •  bono01 sagte am 13. März 2010:

    Sehr schön geschrieben. Das Steve Jobs allerdings Flash auf seinem Gerät installiert hat halte ich für ein Fake. =)

    Zu Pink Floyd kann ich nur sagen, das dies bei gewissen Alben durchaus Sinn macht. Z.B. bei Alben wie “The Wall” oder “Dark Side of the Moon”. Bei Alben wie z.B. “The Division Bell” kann ich es nicht ganz nachvollziehen.

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