MACNOTES

Veröffentlicht am  22.04.10, 17:12 Uhr von  

iPhone HD/4G, Kneipenfund: PR-Stunt Apples oder echter Verlust?

iPhone 4G HDDass ein Prototyp des kommenden iPhone HD in einer Kneipe verlorenging, kann man sich vorstellen, wenn man bedenkt, dass auch bei Apple nur Menschen arbeiten und Fehler passieren. Selbst die besten Sicherheitskonzepte bringen in der Konfrontation mit dem “Human Factor” und der Realität auch die unwahrscheinlichsten Stories zustande. Quatsch, so die Gegenstimmen: alles schreit nach gezielter Apple-PR. Die nebenbei bestens funktioniert. Einer der Belege ihres Erfolgs: das folgende “Pro und Contra PR-Stunt iPhone HD”.

Soll Apple Gawker verklagen? Wird Gray Powell nun wegen zuviel deutschem Bier gefeuert? Hat Steve Jobs himself wirklich die Oberaufsicht für alle Prototypen, die den Campus in Cupertino verlassen? Arbeiten dort Menschen, die Fehler machen, oder gibts das bei Apple einfach nicht? Und die wirklich wichtigen Fragen: Wird das Teil wirklich so eckig? Hat es tatsächlich eine 960er-Auflösung? Welcher Speicher ist im iPhone 4G oder iPhone HD, und wie wird es nun heißen? Was können die beiden Kameras? Gibt es wieder Alulook dank Keramik? Ob nun PR-Stunt oder echter Verlust: ein iPhone-Prototyp aus der Kneipe macht aktuell eine gefühlt größere Welle als die letzte iPhone OS 4.0-Keynote.

Passiert das, weil es Apple so will? Oder kommt der Hype ums neue iPhone quasi aus Versehen, lenkt vom iPad ab und wirft darüber hinaus ein schlechtes Bild auf das Unternehmen, das Geheimhaltung und überraschende Präsentationen neuer Entwicklungen mehr als jedes andere kultiviert hat? Für beide Sichtweisen gibt es gute Argumente, und wir wollen beide Seiten zu Wort kommen lassen. Während Richie weniger an die neuesten Suffgeschichten aus Cupertino glauben mag, wird Carsten die These vertreten, dass zumindest der Verlust des Prototypen bei Apple nicht geplant wurde – Krisenmanagement hin oder her. Zuletzt vorneweg: Ein Dankeschön an Ulrich, Randolf, Marco und Lars für die gestrige ausgedehnte und inspirierende Diskussion zum Thema.
 

rj: Ein schöner Viral, bestens terminiert

Halten wir fest: die geheimniskrämerischte Firma der Branche überhaupt, die auch schon mal Geräte am Tisch festschraubt, damit sie nicht verlorengehen, die Neuentwicklungen in x-fach gesicherten Hochsicherheitstrakten baut und eine bereits paranoid zu nennende Mitarbeiterüberwachung und -kontrolle pflegt – diese Firma lässt zu, dass ein besoffener Entwickler einen geheimen Prototypen in einer Bar verliert, kann ihn nicht wiederbeschaffen und verhindert nicht das Leaken der Information? Vielmehr bestätigt sie öffentlich die Echtheit?

Wir können nun natürlich auch über Weltfrieden, Osterhasen und die musikalischen Qualitäten von PUR reden, aber warum nicht bei der Realität bleiben – Apple “verliert” Informationen über kommende Produkte gelegentlich bei den Zulieferern in Fernost, wo sich Leute dann auch durchaus mal umbringen deswegen, es sickert was bei Zubehör-Herstellern durch, aber in Cupertino hat man seine Prototypen im Griff.

Doch dort soll nun ein frei herumgetragenes, als iPhone 3GS getarntes iPhone 4G/HD von einem bislang unbekannten Entwickler “verloren” worden sein, im Suff, in der Kneipe, und zufällig landet das Teil schlußendlich bei Gizmodo, die nun nicht gerade für ihre konfliktreiche Beziehung zu Apple bekannt sind. Und natürlich bringen sie die Story – nach einer kleineren Bedenkzeit.

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Statt einer zügigen einstweiligen Verfügung, Stillschweigeverpflichtung und ähnlichen Daumenschrauben lässt die Firma (die ansonsten Entwickler, Vertriebspartner und Medien eisern bestens im Griff hat) ein Originaldokument publizieren, in dem die Echtheit des Geräts bestätigt wird. Jeder Apple-Partner, der seine Vorabinformationen im Geheimen, unter verschärftesten Auflagen und Androhung von Sanktionen im Verstoßfall bekommt, wenn überhaupt, muss dabei eigentlich mit den Zähnen knirschen.

Die Rahmenbedingungen des Vorfalls: Das iPhone ist etabliert. Ein PR-Stunt, der erste Blicke ermöglicht, schadet nichts und schafft mehr Hype als die vor dem Erscheinen von iPad und iPhone Classic gepflegte Supergeheimhaltung. Während die Classic-Präsentation eine Revolution im Smartphonebereich war, wird das iPhone HD eben eine logische Weiterentwicklung sein, eine Ablieferung von höchst ordentlich gemachten Hausaufgaben. Die für Freude sorgen wird, unbenommen – aber nicht in der Liga des Classic-Releases spielt. Und vor allem: es ist nach wie vor praktisch nichts bekannt. Die Bildschirmauflösung wird vermutet, die Leistungen der Kameras sind unbekannt, von Software-Geniestreichen in Sachen Augmented Reality und Konsorten ganz zu schweigen. Prozessorleistung, Speicher, neue Features? Fehlanzeige. Trotz Leak spannungsvoll erwartete Keynote? Aber hallo!

Best of Both Worlds: Apple hat so eine riesige Debatte um das neue iPhone losgetreten, passenderweise im Moment, in dem sich außerhalb der USA Ärger über verzögerte iPads breitmacht. Ein schöner Draufsetzer nach den runderneuerten Macbook Pro-Modellen. Ein kontinuierliches Antreiben einer Hypemaschine, deren Leistung nach dem iPad, MBP, den Rekordzahlen des jetzigen Quartals und vielleicht noch einem kommenden Macbook Air vor dem iPhone HD nun wohl nur noch eine Richtung kennt: weiter nach oben. Gut gemacht, Apple, alle Achtung.
Und bitte: feuert den Jungen nicht.
 

cd: Absicht? Niemals!

Einen Prototypen liegen lassen als Marketingmaßnahme? Sieht das Apple ähnlich? Natürlich gab es schon immer Gerüchte, dass bestimmte Informationshäppchen von Apple absichtlich vor einem Produktstart geleakt wurden. Aber gleich einen  Prototypen in einem Biergarten deponieren? Das ist dann doch eine ganz andere Nummer als ein paar unscharfe Fotos oder technische Details. Das sieht einfach nicht nach Apple aus, einen Prototypen unkontrolliert in die freie Wildbahn zu entlassen. Apple versucht immer, eine möglichst umfassende Kontrolle darüber zu haben, wann welche Informationen über neue Produkte an die Öffentlichkeit kommen (im Falle des iPhones geht der Kontrollzwang Apples sogar noch weiter, aber das ist eine andere Geschichte), dazu passt es nicht, einen Prototypen absichtlich “zu verlieren”.

Zwar ist die Sache doch noch positiv für Apple ausgegangen, schließlich war der iPhone-Prototyp in fast allen Nachrichtensendungen und sie haben den iBrick der nächsten Generation wieder zurück bekommen. Wenn nun aber ein anderer das Gerät gefunden und statt zu Online-Magazinen zur Konkurrenz getragen hätte? Oder einfach zur Elektroschrott-Entsorgung? Um Informationen, Fotos und selbst kurze Videos zu streuen, wäre es nicht notwendig gewesen, den Prototypen aus der Hand zu geben.

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Warum sollte so ein Kneipenmissgeschick unmöglich sein? Auch neue iPhones müssen irgendwann während der Entwicklung einmal komplett getestet werden. Und wer ist für solche Tests besser geeignet, als die Entwickler selbst? Denen muss man früher oder später die Geräte doch sowieso komplett in die Hand drücken, sie sind schon zur Geheimhaltung verpflichtet und niemand gibt Entwicklern bessere Fehler-Reports als andere Entwickler.

Aber auch die Entwickler bei Apple sind nur Menschen. Menschen, die auch gerne in Biergärten sitzen, auch mal ein wenig feiern und dabei vielleicht auch mal zwei oder drei Bier mehr trinken, als gut für den mitgeführten iPhone-Prototypen ist. Egal wie teuer oder selten ein Gadget auch sein mag: Es wird sich immer jemand finden, der es liegen lässt. Natürlich wird man so ein Testgerät hüten wie seinen Augapfel – aber bei Augäpfeln ist es auch leichter, sie nicht liegen zu lassen, sitzen diese doch im Gegensatz zu den Smartphones der aktuellen und nächsten Generation doch recht fest im Körper.
 

Und was meinen die Leser?

War der iPhone HD-Verlust eine gezielte PR-Aktion Apples oder ein “echter” Verlust? In unserer Abstimmung kann darüber ebenso befunden werden wie auch in den Kommentaren. Einzig tragisch an der ganzen Sache: was nun tatsächlich der Fall war, werden wir wohl nie erfahren.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 17 Kommentar(e) bisher

  •  DRAGONFLY sagte am 22. April 2010:

    Statt einer zügigen einstweiligen Verfügung, Stillschweigeverpflichtung und ähnlichen Daumenschrauben…

    Exemplarisch: Alberner Artikel, frei von Sach- und Rechtskenntnis. Mythospflege um Apple.
    *tongue in cheek*

    Antworten 
  •  @ViviLewi sagte am 22. April 2010:

    iPhone HD/4G, Kneipenfund: PR-Stunt Apples oder echter Verlust? http://macnot.es/37255 (via @Macnotes)

    Antworten 
  •  @ViviLewi sagte am 22. April 2010:

    iPhone HD/4G, Kneipenfund: PR-Stunt Apples oder echter Verlust? http://macnot.es/37255 (via @Macnotes)

    Antworten 
  •  rj sagte am 22. April 2010:

    Einspruch, euer Ehren – die deutschen begrifflichkeiten sind natürlich nicht auf die USA 1:1 übertragbar, nur kann mit denen eben hierzulade eben eher jemand was anfangen. Was die Rechtsprechung in den USA, konkreter in Kalifornien betrifft, läuft es durchaus drauf hinaus, dass das Behalten eines eindeutig als fremden Eigentum erkannten gefundenen Gegenstandes eben durchaus rechtlich belangt werden kann. Und bei aller “Mythospflege”: Apple *kann* da an ein paar Daumenschrauben drehen, wenn sie denn wollen. Sowohl der Finder als auch Gawker/Gizmodo sind belangbar.

    Antworten 
  •  Daniel sagte am 22. April 2010:

    Ich denke es war ein Verlust – unbeabsichtigt !

    Antworten 
  •  @karo2204 sagte am 22. April 2010:

    iPhone HD/4G, Kneipenfund: PR-Stunt Apples oder echter Verlust? http://macnot.es/37255 /via @Macnotes glaube eher das war gute pr

    Antworten 
  •  harald sagte am 22. April 2010:

    wer behauptet denn, das teil wäre verloren gegangen? woher wiss gizmodo, dass das iphone tatsächlich gefunden wurde und die ganze geschichte nicht nur erfunden ist?

    anyway — who cares?

    Antworten 
  •  Volker Schmitt sagte am 22. April 2010:

    Gähnende Langweile – nur der Artikel ist gut geschrieben.
    Trotzdem eine Frage: gibt es eigentlich noch sowas ähmliches wie eigene Recherche. Also ich meine – ja so richtig – selber Fakten sammeln und dann schreiben ?

    Antworten 
  •  @joshuasdream sagte am 22. April 2010:

    iPhone HD/4G, Kneipenfund: PR-Stunt Apples oder echter Verlust? http://macnot.es/37255 (via @Macnotes) #fb

    Antworten 
  •  DRAGONFLY sagte am 22. April 2010:

    @rj: Es geht hier nicht um Begrifflichkeit, sondern um die Verlängerung einer faktenarmen Story um einige Meter Rechtsspekulation. Ein Blogbetreiber wie Gizmodo steht hinsichtlich dieses Geräts in keinem Vertragsverhältnis zu Apple und ist weder zu Schweigsamkeit o.ä. verpflichtet. Daher sind Annahmen um gerichtliche Anordnungen und Stillschweigeverpflichtungen per se naiv. Als Besitzer muss man einem nachweislichen Eigentümer (NB: dazu haben die Partien kein Wort verloren) eine Sache herausgeben und schuldet im Übrigen nichts.

    Die von dir zitierte “Referenz” ist ebenso Beispiel für PR (in eigener Sache): Verschulden ohne Kenntnis gibt es auch in den USA nicht, Beweislast für den Petenten gilt auch dort. Aber die beste Frage ist: Welche Behörde in New York kümmert sich zuständigkeitshalber um die Umsetzung von kalifornischem Strafrecht und löst damit Ansprüche nach Sachenrecht?

    Rechtlich macht ihr die Story noch fantastischer ;-)

    Antworten 
  •  mz sagte am 22. April 2010:

    Ich für meinen Teil hab über die rechtliche Dimension überhaupt nicht nachgedacht. Und auch nicht darüber, ob mehr eigene Fakten gesammelt werden sollen. Der Artikel ist ja durchaus als Spielwiese für eigene Spekulationen gemeint, zumindest kommt es so bei mir an. Wen die nicht interessieren, der muss ja keine eigene beitragen. Ich finde die Überlegung aber durchaus interessant, und obwohl Richies Argumente mich fast überzeugt hätten, schließe ich mich Gruber an und bin nicht der Meinung, dass die das da absichtlich liegen gelassen haben.

    1) Apple hat eigentlich keinen Grund dazu (mal ganz abgesehen davon, dass es nicht dem üblichen Habitus entspricht): Wenn man an die Keynote denkt und sich vorstellt, dass genau dieses Design dort vorgestellt wird: Wird das Raunen und der Applaus im Publikum wohl größer oder kleiner sein, jetzt, wo alle schon wissen, wie es aussieht?

    2) Als ich die Bilder zuerst gesehen hab, dachte ich: HAHA wie schlecht. Die Spalten im Gehäuse sind für mich kein Apple-Design, die ganze Konstruktion zu sehr schon mal dagewesen (besonders bei Sony Ericsson). Wenn es wirklich so aussieht, werden wir es dann wohl doch wieder total toll finden, oder an unserer Meinung festhalten. Im Moment bin ich nicht überzeugt.
    Aus dem Gizmodo-Artikel:
    Why the seams?
    The seams are perhaps the most surprising aspect of the new design. They don’t seem to respond to any aesthetic criteria and, in terms of function, we can’t adventure any explanation. But they don’t look bad. In fact, the whole effect seems good, like something you will find in a Braun product from the 70s. <- dazu fällt mir nichts mehr ein. Spalten, um wie Braun auszusehen? Alles klar.

    Und es gibt noch andere Probleme: Da sind ja schon Hardware-Eckdaten angegeben, aber wie kommts, dass keine Aussagen zu CPU-Leistung, RAM und Speichergröße getroffen werden? "Wir konnten das Gerät nicht einschalten" ist wohl kaum eine Entschuldigung für ein etabliertes Team von Hardware- und Softwaretester-Geeks. Ich glaub, mein Schwein pfeift. Vielleicht hat Apple gesagt "Ja, um Himmels Willen, es ist von uns, aber hier XXX Dollar, wenn ihr wenigstens nichts über die CPUs sagt, die sind nämlich von ARM, welches wir grad kaufen". Oder zumindest "We'll sue your asses and close your f*%§( blog!". Kann ja auch sein.

    Vielleicht hat aber auch einfach nur der arme Tester sich gedacht: "Ich, als armer Tester, wisst ihr, was ich mache? Ich lass jetzt hier einfach mal nen iPhone HD-Prototypen hier liegen. Einfach so. Mach ich das. Tihihi."

    Und dann kann ich nur wiederholen: Feuert die arme Person nicht :-)

    Antworten 
  •  JMM sagte am 22. April 2010:

    Ich glaube an “Das Ding hast Du liegen lassen? Egal! Machen wir noch was fuer die PR draus.”

    Antworten 
  •  rj sagte am 22. April 2010:

    Dragonfly, nur ganz auf die Schnelle: es geht aus den Berichten von Gizmodo wie auch aus den Aussagen des “Verkäufers” klar hervor, dass Kenntnis vorausgesetzt werden kann. Also den Beweis, dass allen Beteiligten klar war, mit was sie es zu tun haben und wem es gehört… den stell ich mir vergleichsweise einfach vor. Diese Beweise haben die selber veröffentlicht :)

    Antworten 
  •  Crockett sagte am 23. April 2010:

    DVT = Design Verification Test
    Teil der Gerätebezichnung des HD/4G… Sagt finde ich schon alles -> Absichtlich verloren!

    Liebe Grüße
    Crockett

    Antworten 
  •  Jens K sagte am 23. April 2010:

    Ich glaube, dass wir hier noch nicht den 3GS Nachfolger sehen. Alles nur perfekte PR.

    Antworten 
  •  sirdir sagte am 23. April 2010:

    Wer sagt denn, dass das Telefon überhaupt verloren wurde? Vielleicht hat sich Gizmodo für ne Exklusivstory dazu hinreissen lassen etwas zu schauspielern?
    Aber dass das das endgültige Design ist hoffe ich auch nicht. Viel zu eckig, die Spalten gefallen mir nicht, die Lautstärkeknöpfe… bäh

    Antworten 
  •  Obstliebhaber sagte am 23. April 2010:

    ärgere mich nur, dass ich das  nicht beim trinken gefunden hab
    ich hätte mehr als lausige 5.000 dafür rausgeschlagen!!!

    Antworten 

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