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Veröffentlicht am  8.05.10, 12:24 Uhr von  

Warum das iPad in Deutschland so teuer ist

iPadAls gestern von Apple Deutschland die iPad-Preise bekanntgegeben wurden, ging ein Aufschrei durch die Nutzergemeinde. “Viel zu teuer” war der Grundtenor. Wie aber kommt der Preis für das iPad sowie die Diskrepanz zu den Preisen in anderen Ländern überhaupt zustande? Wir haben nachgerechnet.

Viele betrachten bei ihren Vergleichen die Preisunterschiede zwischen dem amerikanischen Markt und den deutschen Preisen. Dies ist aber ein fataler Fehler: Die Preise im amerikanischen Store enthalten keine Steuer. Diese wird in jedem Bundesstaat anhand der dort gültigen Sales Tax auf den Kaufpreis draufgeschlagen. Im günstigsten Fall zahlt man entweder gar keine Steuer (Delaware, Oregon), durchschnittlich muss man aber zusätzlich 7% Steuern dazurechnen. Dies gilt auch für alle, die in den USA Geräte kaufen. Ein Rechenexempel: Kauft man in New York ein iPad WiFi 16GB, muss man neben den $499 Listenpreis knapp $44 Steuern zahlen.

Außerdem gibt es in Deutschland höhere Steuerabgaben. 19% Mehrwertsteuer sind in den Store-Preisen bei Apple bereits inklusive. So fallen vom Kaufpreis von 514€ fast 100€ für Steuern ab.

Laut Steve Jobs hat “die Regierung” noch eine weitere Mitschuld an den hohen Hardwarepreisen. In anderen europäischen Ländern wie Italien und Frankreich liegt der Einstiegspreis für das iPad bei 499€, dem Preis, den sich viele auch in Deutschland erhofft hatten. Zu den Preisen kommt allerdings noch eine Urheberrechtsabgabe von 15,19€ für einen Computer ohne Brenner hinzu (die übrigens nicht von der Regierung, wie von Jobs fälschlicherweise behauptet, sondern von den Verwertungsgesellschaften gefordert wird), die auch die ungewöhnlichen Preisangaben in Deutschland erklärt.

Die Urheberrechtsabgabe gilt allerdings nicht für die iPads, wenn man sich die Bestimmungen der GEMA genauer anschaut: Zum einen muss ein Speicher von mindestens 40GB im Computer enthalten sein, außerdem muss das auf dem Rechner installierte Betriebssystem frei installierbar sein. Und zum anderen sind Mobile Internet Devices (wie auch das iPad) keine PCs im eigentlichen Sinne. Selbst wenn das iPad nicht als Mobile Internet Device gelten würde, betrifft die Zusatzabgabe nur das 64GB-Modell, nicht aber die iPads mit 16 und 32GB.

Update 10. Mai: Die Frage mit der Urheberrechtsabgabe hat man bei Apple kurz vor dem Release offenbar selbst nochmal geprüft: Sowohl das 16GB- als auch das 32GB-Modell von iPad WiFi und iPad 3G werden jeweils um 15€ günstiger angeboten als vorher angekündigt.

Egal ob die 15 Euro Urheberrechtsabgabe nun tatsächlich greifen oder nicht: Rechnet man alle zusätzlichen Faktoren wie Steuern hinzu, ist das iPad in Deutschland nur ein wenig teurer als in den USA.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis zu den Produktionskosten des iPad: Rund $260 zahlt Apple für Zusammenbau und die Materialien des kleinsten iPad (Wifi, 16GB), darin sind aber Kosten für Entwicklung, Marketing und Vertrieb nicht eingerechnet. Es ist dennoch davon auszugehen, dass pro verkauftem iPad noch ausreichend Geld übrig bleiben wird…

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 28 Kommentar(e) bisher

  •  jmmappleworld sagte am 8. Mai 2010:

    Das hasse ich an Deutschland! Und da wundert man sich, das die Leute nicht so viel konsumieren.

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  •  @sirmacdiddson sagte am 8. Mai 2010:

    Warum das iPad in Deutschland so teuer ist: http://macnot.es/38548

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  •  fsg sagte am 8. Mai 2010:

    Vielleicht möchte Apple ja, dass das iPad als PC angesehen wird …

    Re-Invention und so …

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  •  Witti sagte am 8. Mai 2010:

    @fsg: vielleicht will das Apple gar nicht, dass es als PC angesehen wird sondern wird einfach in diese “Sparte” gezwungen damit die “Verwertungs-Raubritter” noch mehr Geld in die Kassen bekommen.

    @Kathrin: Danke für diesen ausführlichen Beitrag, ich hoffe er trägt dazu bei, dass viele unwissende Menschen nun endlich damit aufhören Twitter und Co mit allen möglichen Empörungsmeldungen zuzutexten.

    Ich selber muss ja noch bis Juli warten bis ich das iPad in Österreich bestellen kann und bin auch schon sehr gespannt auf die Preise welche Apple hier verlangen wird. Ich vermute aber, dass diese nicht allzu hoch ausfallen werden, vorausgesetzt es geht dem Euro im Juli noch gut ;-)

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  •  kg sagte am 8. Mai 2010:

    @Witti ich bin der Überzeugung, dass der Preis sicherlich viele potentielle Käufer abschrecken wird – auch ich würde es mir gerade zweimal überlegen, bevor ich mir ein iPad kaufe. Dennoch muss man einmal klarstellen: Zum einen ist der aktuelle Preis ohnehin niedriger als von vielen erwartet (ich kann mich an Schätzung im Vorfeld der Präsentation von rund 800-1000€ erinnern), zum anderen ist die Marge für Apple weit niedriger als bei anderen Geräten – selbst am iPhone dürfte Apple mehr verdienen als jetzt beim iPad…

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  •  Mapple sagte am 8. Mai 2010:

    Danke für den Text, endlich mal jemand, der einen Schritt weiter denkt. Das mit den Steuern in den USA war mir ebenfalls nicht bewusst.

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  •  XPert sagte am 8. Mai 2010:

    Naja, es wurde oft auch erwartet, dass es etwas mehr bietet als nur das iPhone OS.. Wenn es OS X bieten würde, hätte ich mir auch vorstellen können eines zu kaufen und mehr dafür zu zahlen. Aber für das iPhone OS? No way.

    Ob das Ding jetzt 499€ oder 550€ kostet finde ich jetzt weniger entscheidend. Außerdem würde mich bei diesen plakativen “Produktionskosten” interessieren ob die Entwicklungskosten des Geräts einbezogen sind.

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  •  kg sagte am 8. Mai 2010:

    @XPert: Ich zitiere hierzu mal aus dem oben auch verlinkten Bloomberg-Artikel:

    The estimate doesn’t include costs for intangible items such as software development, advertising, patent licensing or shipping.

    Es geht also lediglich um die “harten” Kosten wie die einzelnen Komponenten (Display, Speicher, Funkmodule etc) sowie die Kosten für den Zusammenbau. Alles andere wird bei iSuppli nicht berücksichtigt.

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  •  XPert sagte am 8. Mai 2010:

    Also ist diese Zahl auch völlig ohne jede Aussage was die Gewinnmarge angeht.

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  •  kg sagte am 8. Mai 2010:

    @XPert eine grobe Hausnummer gibt es, was Apple allein für die Chipentwicklung hingelegt hat: Die New York Times hat mal hochgerechnet, dass rund 1 Millarde Dollar dafür draufging. Wie viel Marge Apple tatsächlich hat, kann natürlich nur Apple selbst sagen, dennoch denke ich, dass die Marge beim iPad weit niedriger ist als bei anderer Hardware aus dem Haus.

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  •  XPert sagte am 8. Mai 2010:

    Ah Danke. Wäre jetzt noch interessant zu wissen wie viele iPads Apple abzusetzen plant.. Aber bei einer Mrd $ wird wohl mit Generation 1 sowieso noch kein Gewinn zu machen sein..

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  •  Ryk sagte am 8. Mai 2010:

    @Witti Die Aussage bzgl. Twitter und Co. und dem Jammern unwissender Menschen ist IMHO kompletter Quatsch.

    GeDie Rechnung ist schlicht falsch:
    499,-$ + 44,-$ Tax =543,- $ = 425,82 €
    + 19% MWSt. (80,91 €) = 506,73 €

    Dazu kommen dann noch die 15,14€ Urheberrechtsabgabe.

    Damit lässt sich der Preis spielend erklären. Jedoch fallen keine Inlandssteuern auf Exportwaren an, ganz abgesehen, davon, dass die iPads, die wir hier in Deutschland in den Händen halten werden, NIE an amerikanischer Luft gewesen sind, sondern vermutlich direkt von den chinesischen Produktionswerken hierher transportiert werden. Womit sich auch erklären lässt, dass Transportkosten relativ unerheblich sind, weil die ohnehin mit einkalkuliert werden mussten.

    Also rechnen wir mal schnell neu:
    499,- $ = 391,31 €
    + 19% MWSt. (70,35 €) = 465,66 €
    + Auschlag 15,14 € = 480,80 €

    Und wie bereits berichtet ist die Umsatzspanne an den iPads immer noch groß genug um den Preis ein wenig individueller anzupassen als es idR gemacht wird.

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  •  kg sagte am 8. Mai 2010:

    @XPert ich würde die Schätzung von 1 Mrd. jetzt nicht als gesichert sehen, bin aber ziemllich sicher, dass einiges an Geld in die Entwicklung geflossen ist.

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  •  XPert sagte am 8. Mai 2010:

    Mir kommt diese Zahl ziemlich hoch vor, aber es wird schon einiges verschlungen haben. Wie dem auch sei, ich finde es jetzt jedenfalls nicht wirklich entscheidend ob es jetzt wie in den USA 530$ kostet oder hier 550€.. Schließlich ist der Preis der Apple Produkte ja auch Teil der Features..

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  •  Mapple sagte am 8. Mai 2010:

    Nun, der Geldfluss hört ja nicht mit dem Kauf des iPad auf, nicht zuletzt setzt Apple auf den App Store!

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  •  XPert sagte am 8. Mai 2010:

    Klingt auch nicht unschlüssig, andererseits hört man auch verschiedenes was den tatsächlichen Gewinn angeht, den der AppStore generiert. Er könnte ja auch bloßes Mittel der Kundenbindung sein..

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  •  strange sagte am 8. Mai 2010:

    Nun ist das ja nun mal ein altes Gesetz der Ökonomie:
    Für wenig Geld bekommt man nicht viel.
    Wenn euch der Preis stört – es gibt ja Alternativen: klar, nicht so attraktive, aber wie gesagt: für wenig Geld …

    Und: Neid, dass andere Geld verdienen (wollen) finde ich irgendwie absurd !

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  •  Andreas sagte am 8. Mai 2010:

    Schöner Artikel. Danke!

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  •  bigint sagte am 8. Mai 2010:

    Meine Güte. Es gibt auch Leute die werden von dem Preis eines Porsches’ abgeschreckt. Wer das olle iPad haben will, dem sollte das ganze auch die rund 500 Piepen Wert sein!

    Immer dieses gejammer, dass die Dollar-Preise “besser” sind.

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  •  Steven sagte am 8. Mai 2010:

    Solang es Europäsiche Idioten Gibt, welche einem Trend hinterherlaufen, welcher von einem alten symphatischem Mann ins leben gerufen werden sehe ich da kein Problem. Wenn ich nen Dummen finde, welcher mir meine Produkte Abkauft ist das Marktwirtschaft.

    Wems zu teuer ist, der braucht doch wenigst nicht im iTunes teuere Apps und etwaige spielerein zu erwerben…

    Antworten 
  •  Timmy sagte am 8. Mai 2010:

    Es Stück Alu für 1€ die Stunde in China zusammengeklöppelt, als Massenware, dazu ein uralt Prozi der seit 2 Jahren in der Schublade lag… Echt ARM! bisschen Glas davor… die Hartware dürfte zwischen nem Zwanni und nen Fuffi liegen (wegen des Speichers) Da bin ich fast sicher.

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  •  @s6523 sagte am 9. Mai 2010:

    RT @Macnotes: Warum das iPad in Deutschland so teuer ist http://macnot.es/38548

    Antworten 
  •  Rene sagte am 9. Mai 2010:

    “In anderen europäischen Ländern wie Italien und Frankreich liegt der Einstiegspreis für das iPad bei 499€, dem Preis, den sich viele auch in Deutschland erhofft hatten.”

    Das sind doch nur 15 Euro Unterschied? hä?

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  •  kg sagte am 9. Mai 2010:

    @Rene es ist eine ganz klare psychologische Grenze. Wenn eine 4 davorsteht, wirkt es weniger als wenn eine 5 dabeisteht. Genau das ist auch der Grund, warum es in Deutschland so viele Preise gibt, die auf 9 enden anstatt auf 0.

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  •  Johannes Kleske sagte am 10. Mai 2010:

    Scheint, als habe Apple eingesehen oder irgendjemand überzeugen können (keine Ahnung, wie da die Vorgänge sind), dass das iPad ein GEMA-freies Gerät ist. Die Gebühr scheint vom Preis im Apple Store verschwunden zu sein.

    Antworten 
  •  Obstliebhaber sagte am 10. Mai 2010:

    Preisvergleich Euro-Dollar und MwSt hin oder her, das ist ja alles hinlänglich bekannt!

    MIR ist der Preis verglichen mit dem “Nutzwert” für das Ding einfach zu hoch und ich halte ihn nicht für gerechtfertigt, zumal man dann auch noch nen iPad-Tarif abschliessen “muss”, denn wenn käme sowieso nur das iPad mit 3G in Frage.

    Außerdem kommt bald das neue iPhone und da stellt sich mir eh die Frage, was das iPad ohne Kamera und ohne Telefonfunktion besser können soll ausser dem großen Display. klar sollen die versch. Geräte andere Nieschen abdecken, aber ich seh das nur rein aus dem Gesichtspunkt: Alltagsnutzwert und da brauche ich kein iPhone und ein ipad, da reicht mir mein iPhone!

    Also Apple: ICH kauf mir KEIN iPad!!!

    ps: werde mir für das Geld lieber nen Zweitnotebook kaufen, das mehr kann, grösseren Speicher, Cam, DVD-Laufwerk etc. hat und welches ich mit (dank iPhone-complete Tarif der 1. Gen. via tethering) auch unterwegs online benutzen kann.

    Nicht falsch verstehen, bin ein Apple-Fan und oftmals bereit mehr für sehr gute Produkte mit dem Apfel zu bezahlen, aber ganz ehrlich jeden “Scheiss”, den die einem versuchen als DAS Superprodukt schlechthin zu verkaufen muss ICH / man nun wirklich nicht haben!!!

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  •  Rene sagte am 10. Mai 2010:

    @kg

    Das ist mir schon klar, allerdings verstehe ich keine Leute, die deswegen jetzt einen großen Aufstand machen. Wird wohl ein Händler geben, der das Teil für 499 anbieten ;)

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  •  kg sagte am 10. Mai 2010:

    @Rene: die gibt es sicher: Apple hat die Preise für 16GB- und 32-GB-Modelle gesenkt ;-)

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