MACNOTES

Veröffentlicht am  11.05.10, 10:40 Uhr von  cs

Ein Touch für Kinder – das Experiment

iPod touchWas zeichnet ein gutes Benutzerinterface und Benutzerführung aus? Ganz klar, es muss kinderleicht zu bedienen sein. Das iPhone hat in diesem Bereichen einiges revolutioniert. Doch sind Apples Touch-Geräte wirklich kinderleicht zu bedienen? Ich habe dazu ein waghalsiges Experiment gestartet und die Ergebnisse waren verblüffend.


Versuchsaufbau

Zur Durchführung eines wirklich aussagekräftigen User Experience-Tests muss im Vorfeld die richtige Testperson gefunden werden. Geprüft werden soll die Bedienbarkeit eines iPod touch. Meine Wahl fiel eher zufällig auf meine dreijährige Tochter, im folgenden L. genannt. Sie hat mich immer wieder mit meinem iPod touch “arbeiten” sehen und ich habe sie leichtsinnigerweise immer öfter genauer zuschauen lassen. Irgendwann wollte Sie auch mal “tatschen”.


 

Versuchsdurchführung – der Einstieg

Womit fängt man an? Diese Frage beschäftigte mich eine Weile und ich bin in die Tiefen des App Store hinabgestiegen und habe mir potentielle Testkandidaten herausgesucht. Doch den Anfang sollte eine mitgelieferte App machen: Fotos.

Ein Album auswählen und durch die Fotos blättern. Einmal gezeigt. Danach durfte L. sich an dem iPod das erste Mal versuchen. Ergebnis: Sie blättert durch die Fotos, versteht sehr schnell, wie wieder zur Albenübersicht gewechselt wird, und schaut sich ein Album nach dem anderen an.

Leicht verblüfft plane ich den nächsten Test.


 

Versuchsdurchführung – wir malen

Im App Store werde ich schnell fündig und MyPaint Free, eine Mal-App, wird installiert. Wieder eine kurze Demonstration, was die App macht, anschließend wieder L. am “Tatschen”. Malen funktioniert erwartungsgemäß intuitiv. Kurz erkläre ich, dass ein Tippen auf den Hund zurück zum Menü führt, wie man eine neue Farbe auswählt und wie die Leinwand gelöscht wird. Kurz darauf werden diese Aktionen eigenständig und zielsicher durchgeführt.

Die Erwartungen wurden mal wieder erfüllt. Auf zum nächsten Test.

[singlepic id=7686 w=200 float=left] [singlepic id=7684 w=200 float=right]


 

Versuchsdurchführung – wir puzzeln

Es war an der Zeit eine App zu suchen, die echte Interaktion erfordert und zu einem Ergebnis führt. Hierfür habe ich Shape Builder aus dem App Store geladen. Bei dieser App muss ein vorgegebenes Puzzle durch Schieben der Teile in die jeweilige Position zusammengesetzt werden. Sind alle Teile am richtigen Platz, wird aufgelöst, was eigentlich zusammengepuzzlet wurde. Wie in den Versuchen zuvor habe ich es kurz gezeigt – nein, ich habe es versucht zu zeigen. Ein “Ich mach!” unterbricht mich und L. fängt an, die Puzzleteile an die vorgegeben Stellen zu schieben. Das eine oder andere Mal muss korrigierend eingegriffen werden, aber im Großen und Ganzen werden die Puzzles eigenständig gelöst.

[singlepic id=7683 w=200 float=left] [singlepic id=7682 w=200 float=right]


 

Versuchsdurchführung – wir spielen

Mein abschließender Versuch beinhaltet etwas komplexere Spiele. Die Wahl fällt auf Mr. AahH!!, oder wie L. es liebevoll nennt: Schaukelmännchen.

Das Spielprinzip: Ein Männchen schaukelt an einem Seil, durch gezielten Absprung muss es auf einer Plattform landen. Dazu muss im richtigen Augenblick ein Tap durchgeführt werden. Das erfordert die korrekte Einschätzung von Schwerkraft, Pendelgeschwindigkeit und Abstand der Landeplattform.

Eher zufällig hatte L. mir beim Spielen zugesehen. Irgendwann ist wieder ein “Ich mach!” zu hören. Nach einigen Fehlversuchen werden die Landungen zielsicherer. Wie aus heiterem Himmel spielt L. plötzlich bis in hohe Level. So ziemlich jeder Sprung wird auf der Plattform gelandet. Wieder mal ist zu erkennen, dass die Koordination zwischen Tap und dem Absprung des Männchens schnell erkannt wird. Verblüffend.

[singlepic id=7687 w=200 float=left] [singlepic id=7688 w=200 float=right]


 

Fazit

Durch die Touchsteuerung und die intuitiven Gesten gelingt es sogar Dreijährigen, nach kürzester Zeit die Bedienung zu verstehen. Alles wird sofort begriffen, da es prinzipiell die Bewegungen und Interaktionen aus der realen Welt umsetzt. Umblättern, verschieben und auswählen, aber auch mittels Homebutton zurück zu den Homescreens springen – alles wird intuitiv gemacht. Durch die Homescreens blättern und das gewünschte Spiel anhand des Icons aussuchen und starten – kein Problem. Man kann getrost behaupten, dass die Bedienung eines iPod touch oder iPhones kinderleicht ist.


 

Disclaimer

Die Versuche wurden nicht erzwungen und sind eher zufällig entstanden. Zu keiner Zeit wurde die Probandin zum Spielen gezwungen. Im Gegenteil. Meine Empfehlung an technikverliebte Eltern: Wer sein iPhone/iPod touch weiterhin selber benutzen möchte, zögert solche Experimente am besten lange heraus. Sonst wird es jeden Abend heißen: “Papa! Handy Gugge!!” und ein „Nein“ sorgt für viel Unmut und Tränen … – und gerade stolze Väter werden davon sehr schnell erweicht. ;)

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 16 Kommentar(e) bisher

  •  Marcello sagte am 11. Mai 2010:

    Sehr cool :) Damit wäre ja bewiesen, das Touch Prinzip ist kinderleicht zu verstehen ;) Komischerweise hapert es oft bei den etwas älteren Probanden :D Wenn ich da an meine Mutter denke, die würde damit niemals klar kommen.

    Antworten 
  •  @friedb sagte am 11. Mai 2010:

    Ein Touch für Kinder – das Experiment http://macnot.es/38610 (via @Macnotes)

    Antworten 
  •  kg sagte am 11. Mai 2010:

    @Marcello das überrascht mich jetzt – meine Mutter hat das iPad recht schnell “begriffen” ;-)

    Antworten 
  •  @iphonedevcon sagte am 11. Mai 2010:

    Ein Touch für Kinder – das Experiment: http://macnot.es/38610

    Antworten 
  •  Janusch sagte am 11. Mai 2010:

    Hallo zusammen.

    Meine Tochter wird im Sept. 2010 drei und spielt seit einige Monaten Toozler.

    Mehr noch. Sie sucht das Spiel selbst aus, öffnet es, sielt absolut selbstständig und “hüpft” zwischen einzelnen Leveln/ Bilder. Anschließend drückt sie den Home-Button und schließt das iPhone.

    Kinderleicht.

    Antworten 
  •  Karsten sagte am 11. Mai 2010:

    Ich war vor einiger Zeit sehr erstaunt, als mein noch nicht 3-jähriger Sohn mit meinem entsperrten iPod touch ankam – vielleicht sollte ich meinen alten iPod touch doch nicht auf eBay verhökern …

    Antworten 
  •  Urs sagte am 11. Mai 2010:

    Super Artikel! Meine Tochter begann mit etwa 2 jahren mit dem iPod zu spielen. Ich habe ihr eine Seite mit «ihren» Apps eingerichtet. Sie entsperrt den iPod, navigiert zu «ihrer» Seite und spielt von Tangram über Findme und Memory bis zum KoiPond alles selbständig. Wenn sie fertig ist verriegelt sie ihn und stellt ihn zurück ins Dock. Selbstverständlich mussten wir den Gebrauch stark regulieren.

    Antworten 
  •  mactom sagte am 11. Mai 2010:

    Bevor man nun meint, ein passendes Weihnachtsgeschenk schon gefunden zu haben: Der Versuch sollte m.E. nicht zeigen, dass Kinder das iPad toll finden, sondern dass wir Erwachsenen oft zu kompliziert denken und handeln, selbst wenn wir es gar nicht wollen. Das iPad nimmt darauf Rücksicht.

    Antworten 
  •  egoist sagte am 11. Mai 2010:

    Als Vater von zwei Kindern (8 und 12) kann ich jedem nur empfehlen diesen Entwicklungsschritt so weit wie möglich nach hinten zu verlegen (verzögern)…
    immer an den Satz denken:
    UND DIE GEISTER DIE ICH RIEF, WERD ICH NUN NICHT LOS!!!

    Ohne Spaß!

    Antworten 
  •  cs sagte am 11. Mai 2010:

    @mactom: Ja, genau das sollte der Artikel zeigen. Ich möchte keine Werbung für “kauft jedem Kind ein iPod” machen.

    @egoist: Diese Geister sind hartnäckig, auch bei dreijährigen. :)

    Antworten 
  •  klaus sagte am 11. Mai 2010:

    Auch mein Sohn spielt mit meinem iPod Touch seit er 2 Jahre alt ist, entriegelt ihn (hatte ich im nicht gezeigt, und macht ja sogar einigen Erwachsenen Probleme), sucht seine Apps, stellt sofort fest wenn eine neue App drauf ist oder eine gelöscht wurde. Wenn es sich nicht gerade um Apps wie Mail oder Safari handelt funktioniert auch die Navigation in den Apps! Schön wäre allerdings wenn man die Einstellungen gegen Änderungen sichern könnte! Lieblings Apps: Memory, Bubbles, Fotos, Sky Burger, PapiJump, Colors!, Colorama, Labyrinth und fayjuball (die letzten Beiden gehen allerdings noch nicht alleine, da muß ich mithelfen). Als er noch jünger war, war Bus als interaktives Bilderbuch ganz schön!

    Antworten 
  •  Tiron sagte am 11. Mai 2010:

    echt netter Artikel, endlich mal was originelles :)

    Auch super geschrieben! Aber vielleicht hast du ja ein Genie als Tochter und alle anderen peilen es nicht??

    Antworten 
  •  Urs sagte am 11. Mai 2010:

    @egoist: Damit hast du sicher Recht – nur leider ist das in der Parxis nicht durchführbar. Papi’s iPad, iPhone und iPodTouch sind zu verlockend um nicht Stühle und Kisten zu stapeln um sie zu erreichen und ein Verbot macht es nur noch spannender. Und dann ist man ja auch noch stolz auf die Kleine :)

    Antworten 
  •  egoist sagte am 11. Mai 2010:

    … und genau da kommt der Erziehungsberechtigte ins Spiel.
    Klare Zeiten, klare Regeln. iPod als Belohnung. iPod Entzug als Strafe. Kein herranwachsender hat ein “Recht” auf iPod/iPad/iPhone. Und nie “Weich” werden.
    Und immer selbst hinterfragen: Will ich wirklich das mein Kind mit sich (und iPod) alleine ist, oder ob ich mit meinem Kind eigentlich zusammensein wollte. Vielleicht sogar “mit” iPod.
    Ich denke da an meine Kinder und Lala Lulu Lele und …. herrliche 20 Minuten Ruhe – aber die Junkies schonmal mit Drogen versorgt…
    Herrlich. Erziehen macht Spaß – Medienkompetenz ist ein Wunschtraum!!! ;)
    (Teil-Ironie-AUS)

    Antworten 
  •  kg sagte am 11. Mai 2010:

    @egoist deshalb hilft es, während des Spiels dabeizusein und das Kind nicht alleine zu lassen ;-)

    Antworten 
  •  Hgill sagte am 12. Mai 2010:

    Mein Sohn (2 Jahre und 4 Monate) spielt am liebsten “Bimme” (Dizzy Bee, Dizzy Pad ist aber auch gut, hmmmm, ein Muster?)
    Er hat selbst heraus gefunden wie es funktioniert, und löst inzwischen ganz alleine die ersten beiden Levels.
    Die “Monster” die einem platzten lassen heissen “Bah!”

    Kinder Leicht!

    Antworten 

Kommentar verfassen

Werbung
© 2006-2013 MACNOTES.DE. Made with insanely great for all things Mac. Apple.de