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Veröffentlicht am  16.05.10, 13:42 Uhr von  rj

Steve Jobs lobt “Freiheit von Porn” auf dem iPad

Action Babes“Freiheit” im heutigen Wortsinn existiert in George Orwells “1984”-Neusprech nicht mehr, nur noch in Kontexten wie “Dieser Hund ist frei von Flöhen”. Eine recht analoge Verheißung macht Steve Jobs in Sachen iPad und behauptet, dass die “Freiheit von Porn” durchaus eine Errungenschaft und keine Gängelung sei. Indessen ist sie insbesondere eins: unzutreffend.

in einer Maildiskussion mit Ryan Tate machte Jobs die Anmerkung, dass man mit dem iPad eben “Freiheit” von Porn genieße, neben weiteren Freiheiten wie der vor Akku-Leersaugern oder Spyware. Eine Bemerkung, die Jobs “verfolgen werde”, so Tate, und er dürfte Recht behalten.
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Den Freiheitsbegriff ausgerechnet in einem solchen Kontext zu verwenden, ist gelinde gesagt unglücklich von Jobs. Der Hinweis, man werde anders über die so schöngeredete Einschränkung denken, wenn man “Kinder hat”, wie Jobs in einer weiteren Mail ergänzt, ist zumindest ergänzungsbedürftig. Auf dem iPad per se “Freiheit von Porn” zu erwarten, ist eine etwas voraussetzungsvolle Geschichte. Die steht und fällt nämlich mit dem Browser.
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Trotz fehlendem Flash ist es bekanntermaßen einfach, sich einschlägige Inhalte auf dem iPad zu betrachten – abgesehen von der vergleichsweise trivialen Problematik, dass man mit dem Apple-Tablet weniger Hände frei hat wie an einem Desktop. Will man selbiges unterbinden, kann man immerhin den Browser deaktivieren.

So drastische und gleichzeitig unflexible Beschränkungen – die man zudem permanent wieder rückgängig machen muss, will man selber am Gerät surfen – sind “jugendschutztechnisch” weitgehend sinnlos. Vergleichsweise einfach umsetzbar wäre beispielsweise die kurz präsente und gleich wieder verschwundeneExplicit”-Kategorie im App Store, die immerhin ein selektives App-Freischalten ermöglicht hätte. Will man den Nachwuchs unbeaufsichtigt an ein “pornofreies” iPad lassen, bleibt letzten Endes nur die Browser-Deaktivierung – und damit eine mehr als drastische Einschränkung des Nutzwerts.

[singlepic id=7771 w=225 float=left] Hinzu kommt, dass Apple bzw. die iPad-Appentwickler vor einem kleineren Problem stehen: auf dem iPad ist der Browser durchaus eine Alternative zu zahlreichen Apps. Während am iPhone eine Standard-Webseite auf dem mobilen Safari meist letzte Notlösung vor Mobile-Page oder optimierter App ist, wird auf dem iPad die Standard-Webseite oft wieder zum Medium der Wahl. “Freiheit von Porn” auf dem iPad als Feature darzustellen, obgleich es letztendlich mit der Browser-Deaktivierung erkauft werden muss, ist ein mehr als fragwürdiges Statement. Und ja: es wird Jobs nachgetragen werden.

Nachtrag: Dass Brustwarzen in Modemagazin-Apps retuschiert werden müssen, dürfte angesichts der Grundeinstellung in Cupertino allenfalls noch ein Tüpfelchen auf dem I von “Inkonsequenz” sein. (thx, fefe)

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 28 Kommentar(e) bisher

  •  kabile sagte am 17. Mai 2010:

    “Seufz” – das war genau anders herum gemeint. “Drüben” war die DDR und die Analogie bezog sich nicht auf die dortigen Verhältnisse, sondern darauf, dass man Kritik nicht aushält (begreift) und den Kritikern daher nahelegt, sich zu trollen. Ich will nicht weg von Apple – ich will das Apple keine Zensur ausübt. Selbst Alice Schwarzer wäre es nicht eingefallen Modeheften den pornographischen Stempel auf zu drücken. Das ist nicht moralisch, sondern schwachsinnig! Bei Macs ist es mir übrigens nie aufgefallen, dass Apple mir vorschreibt, was ich darauf zu installieren habe.

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  •  Claus sagte am 17. Mai 2010:

    sorry in diesem Kontext wurde das in meinem Bekanntenkreis nie verwendet, keiner wäre darauf gekommen “Geh doch nach drüben” zu sagen, denn uns war schon lange vor der Wende klar, dass alles besser war als drüben zu leben. Nach heutigen Maßstäben müsste man 50% der Bundesbürger ausweisen, denn mindestes in dieser Höhe liegt der Anteil derer die an jedem und allem was zu nörgeln, aber nichts konstruktiv beizutragen haben.

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  •  Chilloutman sagte am 18. Mai 2010:

    Es wird niemand ausgesperrt, denn jeder ist freiwillig auf der iPhone-Platform oder eben nicht. Es gibt ja Konkurrenz. Mr. Jobs hats meiner Meinung nach mit diesen Mails auf den Punkt gebracht.

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