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Veröffentlicht am  30.05.10, 22:26 Uhr von  

iPad, eBook-Reader: Eindrücke nach längerem Gebrauch

iPadDas iPad ist trotz “selbstleuchtendem Papier” neben seinen zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten auch eBook-Reader – und schlägt sich in dieser Rolle wacker. Einschränkungen in Sachen “Buchbefüllung” kennt man auch von der Konkurrenz, Kompromisse muss das iPad auch an anderer Stelle eingehen, aber nach ungefähr sechshundert Seiten kann man dem iPad ein gutes Reader-Zeugnis ausstellen. Nur: Mehr (und andere) Schriften bitte, Apple.

[singlepic id=7219 w=200 float=left] Umblätterporno – die Liebe zum Detail kennt man von Apple, und in Sachen eBooks auf dem iPad hat man diesbezüglich natürlich geklotzt. Auch nach der ersten Faszination “Papierfeeling” bleibt der Effekt bestehen – es fühlt sich einfach “buchig” an. Nicht nur bei der iPad-Lektüre spät abends kurz vor dem Augenzufallen passierte es mir, dass ich instinktiv die Seite richtig “blättern” wollte.

[singlepic id=8013 w=200 float=right] Die Flexibilitäten des elektronischen Format schöpft man an anderer Stelle hingegen nur vorsichtig aus. Eine überschaubare Anzahl von Schriftarten wird in der eBook-App angeboten, und meinen persönlichen Geschmack in Sachen Laufweite und Zeilenabstand trifft keine so richtig. Störend ist insbesondere bei den Serifenschriften, dass sie in allen Größen “pixelig” sind. Die einzige serifenlose Schrift schlägt sich auf der iPad-Auflösung diesbezüglich besser, Fließtexte lesen sich aber leichter in Serifenschriften.

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[singlepic id=8018 w=200 float=right] Zweiter Faktor beim “Lesevergnügen”: Helligkeit, Kontrast, Spiegelung. Hier kann ich dem iPad nichts negatives attestieren – die Bildschirmhelligkeit kann in der eBook-App nach Belieben eingestellt werden – Lesen im Tageslicht ist ermüdungsfrei möglich, und die Nachts-im-Bett-Leser werden auch ohne weitere Lichtquelle ihren idealen “Dämmerbildschirm” finden können. Auch mit Beleuchtung liest es sich auf dem iPad prima – wobei all diese Statements einerseits nach vielen Stunden iPad-Leserei unter unterschiedlichsten Umständen getroffen werden, andererseits aber von einem Bildschirmarbeiter gemacht werden, auf dessen “Schmerzfreiheit” in Sachen Bildschirmlesen gegebenenfalls geachtet werden sollte.

[singlepic id=8016 w=225 float=left] Sehr schön umgesetzt wiederum ist das Lexikon. Ein wenig “Bibliotheksgefühl” kommt mit dem leicht klassisch angehauchten Design der Definitionen auf. Auch hier stößt man auf zwei Einschränkungen, die ich mir von künftigen Versionen wünschen würde – einmal natürlich eine deutsche Version. Ungerührt werden in deutschen Texten die englischen Bedeutungen der Begriffe definiert – falls vorhanden. Weiter wäre eine “Weiterklickmöglichkeit” innerhalb der tendenziell knappen, komprimierten Lexikon-Erklärungen angemessen – weshalb man hier die der potentielle Hypertextualität ausgelassen hat, ist unklar. Insbesondere bei Fremdsprachentexten wäre diese ein Mehrwert.

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Ein wenig stiefmütterlich behandelt kommt der deutsche eBook-Store natürlich noch daher, es ist zu hoffen, dass sich an diesem Zustand noch etwas ändert. Auswahl wie auch Kategorisierung sind noch nicht wirklich übersichtlich und “Alles auf einen Klick” wirkt noch leicht hochgestapelt. Intuitiv geht anders, und auch wenn die aktuellen Stieg Larsson-Bestseller zu zivilen Preisen im Store stehen, machen die Listenpreise doch ein wenig Zukunftsangst – dass man tendenziell zum Taschenbuchpreis zum iPad-eBook kommt, ist nicht unbedingt die Regel. Was angesichts der Buchpreisbindung nicht Apple vorgeworfen werden kann.

[singlepic id=8019 w=200 float=right] Die kostenlosen Angebote zu durchstöbern, vereinfacht Apple bislang auch nicht unbedingt. Ein Weiteres zur Verwirrnis trägt die Kategorisierung bei – so werden Kurzgeschichten schon mal zum “Buch”, bei dem sich nach dem Download herausstellt, dass nach drei Seiten Text dreißig Seiten Gutenberg-Lizenzbestimmungen folgen.

Fazit: eine solide Plattform mit Luft nach oben, insbesondere in Sachen iBookstore, Features und Schriften, die aber auch im jetzigen Zustand Lesevergnügen und Buchgefühl gewährleistet. Die Bauchschmerzen um die Geschlossenheit der Plattform sind natürlich beim iPad wie auch der Kindle-Konkurrenz kräftig, und trotz bestehender Workarounds bei der ePub-Konvertierung fürs iPad oder dem simplen Mailen von PDFs werden sie auch nicht besser werden. Man kann es positiv oder negativ sehen, dass sich Apple angesichts des Erfolgs der iPad-Plattform so etwas eben auch erlauben kann.

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 8 Kommentar(e) bisher

  •  klaus sagte am 30. Mai 2010:

    Könnte Dir “The Good Man Jesus and the Scoundrel Christ” von Pullman empfehlen zu lesen, gibts aber wohl doch noch nicht für das iPad (nur als app für iPhone/iPod touch?) und wenn totes Holz und app gleich teuer ist, empfehle ich lieber http://www.amazon.de/Good-Man-Jesus-Scoundrel-Christ/dp/1847678262. Bei deutschen Titeln supporte ich meinen Local Dealer, aber englische Titel haben keine Buchpreisbindung und die Amazone ist da gut und billig!
    Pullman über sein Buch: http://www.youtube.com/watch?v=HQ3VcbAfd4w
    Ist es eigentlich ein Dienst-iPad?

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  •  Christoph Kaufmann sagte am 30. Mai 2010:

    Man muss die eBooks für das iPad übrigens nicht nur im iBookstore kaufen. Alle ePubs ohne DRM können auf dem iPad gelesen werden.
    Viele interessante ePUb eBooks (alle ohne DRM) gibt es z.b. bei http://www.beam-ebooks.de

    Antworten 
  •  @albrechtboucher sagte am 30. Mai 2010:

    RT @Macnotes: iPad, eBook-Reader: Eindrücke nach längerem Gebrauch http://macnot.es/40185

    Antworten 
  •  @alexf10 sagte am 31. Mai 2010:

    RT @Macnotes: iPad, eBook-Reader: Eindrücke nach längerem Gebrauch http://macnot.es/40185

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  •  Tekl sagte am 31. Mai 2010:

    Wo die Serifenschriften jetzt pixelig sind, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Hättest du lieber mehr Anti-Aliasing und dafür unschärfere Schriften.

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  •  rj sagte am 31. Mai 2010:

    Tekl, sie sinds eben, und beim lang Lesen fällts auf. Mir zumindest. Obs das “kleinere Übel” ist verglichen mit Antialiasing, vermag ich nicht zu beurteilen. Vermutlich auch so ein individuelles Ding.

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  •  egoist sagte am 31. Mai 2010:

    Da hab ich mir auch schon gedanken gemacht… Der APP-Store und seine “Ordnung”. Übersichtlich geht da mittlerweile garnix mehr. Wenn man nicht gerade das gehypte sucht, tut man sich schwer etwas zu finden. Besonders bei den APP’s. Auch die Suchfunktion im iPhone selbst (da wird das iPad sicher keine Ausnahme machen). Wieso findet mein iPhone bei der Suche keine, Telefonnummern aus meinen Kontakten?? Szenario: Ich finde einen Zettel mit einer Telefonnummer ohne Namen, und möchte gerne wissen ob ich diese Nummer in meinen Kontakten habe…Suche… FEHLANZEIGE. NADA. Nasowas.

    Und diese fontgeilen Apple-California-Freaks könnten wirklich mal Ihren Horizont erweitern… ich denke da nur an den “Notizen-Font” der unabänderbar seinen Dienst verrichtet. (Ich weiß es geht, ist doch aber nicht so angedacht…)

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  •  Peter sagte am 22. Juli 2010:

    Kann da nur zustimmen, insbesondere am iPhone sind die Schriften von iBooks nicht schön zu lesen. Die Auswahl von deutschen Büchern ist sehr bescheiden, insofern ist die miese Kategorisierung nicht mal ein großes Problem. Wo es wenig gibt, muss man nicht groß sortieren.

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