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Veröffentlicht am  9.08.10, 11:57 Uhr von  rj

iPhone 4, festivaltauglich? Der Test auf dem M’era Luna 2010

M'era Luna mit iPhone 4Staubig oder nass, kein Strom, kein WLan, aber viel zu knipsen, filmen und mitzuteilen: ein Festival stellt nochmals andere Ansprüche an ein Smartphone, wenn man nicht nur vor Ort die Stimmung und die Musik geniessen will, sondern noch mit der Welt in Kontakt bleiben und ihr das eine oder andere mitteilen mag. Auf dem M’era Luna war das iPhone 4 ein guter Begleiter, der jedoch auch an seine Grenzen stieß. Ein Erfahrungsbericht für Festivalbesucher mit Apple-Gerät.

[singlepic id=9221 w=225 float=left] Zwei Tage ohne Strom, und das bei den iPhone-Akkulaufzeiten: nur eine der zahlreichen Einschränkungen, mit denen der Festivalbesucher zu kämpfen hat. Das M’era Luna 2010 in Hildesheim war einerseits eine großartige Veranstaltung, andererseits auch ein wilkommener Anlass, das iPhone 4 unter etwas verschärften Bedingungen zu prüfen. Akku, WLAN/Internet, Kamera/Video und die verschiedenen Wirrnisse eines Festivals mit Hightech in der Tasche sollen im folgenden näher betrachtet werden.
 

Ausrüstung und Rahmenbedingungen

[singlepic id=9228 w=200 float=left] Vor Ort war ein iPhone 4 mit einem Bumper – empfehlenswert ist für den rauhen Einsatzort natürlich auch eine Schutzfolie oder, wenn verfügbar, eine Otterbox. Für Rechner-Anbindung sorgte MyWi (Jailbreak vonnöten), alternativ tuts natürlich Tethering. Rechnertechnisch war ein Ideapad-Netbook mit Drei-Zellen-Akku und aktuellem Ubuntu dabei, für (bei Licht betrachtet symbolische) Sicherheit sorgte ein Kensington-Lock-Imitat. Das “unauffällige” Abgreifen eines Netbooks aus einem Zelt wird mit angehängtem Rucksack und Motorradhelm zumindest erschwert. Unter solchen Umständen ein Macbook einzupacken, kann an dieser Stelle natürlich nicht empfohlen werden.

Auf dem M’era Luna-Festivalgelände in Hildesheim ist mit O2 quasi überall 3G/UMTS verfügbar. Die Netze wirkten gelegentlich leicht überlastet, der Empfang selbst war jedoch kein Problem. Das Einbuchen beim Switch auf 3G dauerte gelegentlich länger, funktionierte aber immer spätestens innerhalb weniger Minuten.
 

Akkulaufzeit, Akkuladen und Energiesparen

[singlepic id=9212 w=200 float=right] Das größte Problem: begrenzte Akkuressourcen und keine Lademöglichkeit. SBSettings ermöglichte ein rabiates Energiesparprogramm, bei dem alle Stromfresser immer komplett deaktiviert blieben, außer, wenn sie benötigt werden. Zwei Zwischenladepausen am Netbook retteten das iPhone über zwei Tage Festival und stellten die Motorrad-Beschallung auf der Heimfahrt sicher.

Kommuniziert man mit Freunden per SMS die üblichen “Ich bin rechts vorn neben der Bühne, wo bist du?”-Infos oder nutzt Push via Twitter und Konsorten, sollte die Datenverbindung im Gegensatz zum hier eingestellten Extremszenario natürlich aktiv bleiben.

Fazit in Sachen Akku: Mit einer Notladequelle ist ein Festival gut zu überstehen, auch wenn man ein paar Videos aufnimmt, twittert, SMSt und telefoniert. Spätestens beim Websurfen via WLAN wird der Stromhunger etwas problematisch, Tetherer sind diesbezüglich besser bedient. Zu guter Letzt ist nicht jede Notladestation so klein wie ein Dreizellen-Netbook-Akku. Dieser stößt seinerseits überdies an zwei Grenzen: einmal, wenn man nachts noch ein paar Seiten eBook lesen muss, um runterzukommen und einschlafen zu können, verbraucht man selbstredend auch Strom. Weiter lädt das Ubuntu-Netbook ein angeschlossenes iPhone nur, wenn es eingeschaltet ist – der Stromverbrauch beim reinen Laden ist damit natürlich auch sehr hoch.
 
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Internet

Aus bereits erwähnten Gründen kam MyWi zum Einsatz. Hat man Strom, aber kein Netz, ist MyWi eine Killerapplikation für Jailbreaker, da sie sowohl Tethering via USB wie auch die Nutzung des iPhone als mobilen WiFi-Hotspot ermöglicht. 20 Dollar sind happig, verglichen mit den Preisen dedizierter UMTS/WiFi-Hotspots aber kaum zu schlagen. Überdies kann man Kumpels ohne Netz schnell mit WLAN aushelfen. Das Problem auch hier wieder: Akkulaufzeit. Tethern braucht weniger Strom, funktionierte aber mit dem verwendeten Netbook nicht. Für ein entspanntes Bloggen und Bildbearbeiten zwischenrein reichten im vorgestellten Szenario die Akku-Kapazitäten definitiv nicht aus.
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Ansonsten war die Netzabdeckung gut, schnell und zuverlässig, nur das Einbuchen auf UMTS sorgte gelegentlich für kleinere Verzögerungen. Spontan zwischendurch Bilder knipsen und twittern ist bekanntermaßen kein Problem, auch und gerade auf einem Festival nicht.
 

Fotografie, Kamera, Video und Audio

Unter guten (Licht-)Umständen ist die Kamera des iPhone 4 vollkommen in Ordnung. Schnell ausgepackt, angeworfen und geknipst: Schnelle Verfügbarkeit ist ein gern unterschätztes Kriterium.
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Tiefenschärfe ist prima, bis zu einem gewissen Maß steckt die Kamera auch höhere Kontraste weg, spätestens beim Reinleuchten eines Scheinwerfers steigt sie aber aus. Im Dunkeln braucht man eine ruhige Hand und ein Gefühl für den richtigen Moment, dazu kommt die unvermeidliche Auslöseverzögerung. Bei den Bildern des Sisters of Mercy-Gigs gab es um die 70% Ausschuss, wobei diese auch unter erschwerten Bedingungen (Gedränge etc.) entstanden.
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(Angemerkt: klar, das sind keine guten Bilder – bei solchen Motiven/Lichtverhältnissen ist man mit dem iPhone 4 an der Grenze dessen, was geht und gut aussieht.)

Fundamentale These: der Digitalzoom des iPhone 4 ist vollkommen überflüssig. Man ist praktisch immer besser bedient, wenn man auf Normalstufe knipst und später den Ausschnitt vergrößert. Dass bei dgitalem Zoom keine höhere Auflösung des Ausschnitts zustandekommt, ist klar – aber auch in Sachen Belichtung oder Schärfeneinstellung konnten wir absolut keine Verbesserung feststellen, nur mehr Umstände angesichts der Zoom-Einstellerei.
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(schwer zu erkennen: ein Mac beim Krachmachen. Links Digitalzoom, rechts ohne Zoom und anschließender Ausschnittvergrößerung)

Videos nimmt das iPhone 4 auch klaglos auf, hier wiederum wäre der Zoom wegen ohnehin niedrigerer Videoauflösung gelegentlich praktisch gewesen, steht jedoch nicht zur Verfügung.
 

 
Über den Ton braucht man wenig Worte zu verlieren: man hört, was passiert. Die Bässe sind komplett weg. Keine Kernkompetenz einer Smartphone-Kamera, aber zum Vermitteln eines Eindrucks des sehr guten Sounds auf dem Mera schlicht ungeeignet.

[singlepic id=9218 w=200 float=left] (Rührende Szene am Rande: Sichtbar hier ist definitiv ein iPhone, welches zum Anrufen genutzt wird: welche Tonqualität des Sisters-Gigs der Gesprächspartner am anderen Ende erleben konnte, war leider nicht zu eruieren.)
 

Allgemeine Tauglichkeit

Formattechnisch ist das iPhone natürlich prima und immer dabei. Der Touchscreen scheint mir auf einem Festival Hardwaretastaturen überlegen, vor allem, wenns staubt. Statt versiffter Tastaturen hat man bei gutem Wetter Sonnencremeschmierer auf dem Bildschirm – was bei niedriger Bildschirmhelligkeit und Tageslicht durchaus nervig werden kann. Hier gilt, dass man einen Tod wohl sterben muss.
 

Und das Fazit?

Wer mit einem Classic oder 3G unterwegs war, wird am iPhone 4 unter den beschriebenen Umständen große Freude haben. An seine Grenzen stößt das iPhone 4 natürlich auch – wer bessere Bilder und längere Netzanbindung auch via Rechner haben will, ist mit einer Digicam sowie UMTS-Stick am Rechner natürlich besser gerüstet. Nachteil: Mehr (klaubares) Gerät vor Ort, und einige der potentiellen praktischen Anwendungszwecke des Smartphones auf Festivals (Ortung/Geolocation beispielsweise) hatten wir gar nicht ausprobiert, scheinen aber durchaus nützlich. Wer diese Smartphone-Features nicht braucht, wird natürlich auch mit Laptop/UMTS glücklich und kann den alten Nokia-Knochen für Telefon/SMS einpacken.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 11 Kommentar(e) bisher

  •  @diespike sagte am 9. August 2010:

    Ich war mit auf Rock im Park ging sehr gutRT @Macnotes iPhone 4, festivaltauglich? Der Test auf dem M’era Luna 2010 http://macnot.es/46207

    Antworten 
  •  mark sagte am 9. August 2010:

    Hatte mein iPhone 3GS mit nach Wacken. War fünf Tage auf dem Festival, das iPhone war ein super Begleiter, auch wenn nachmittags das T-Mobile-Netz gerne mal überlastet war.

    Einziges Problem ist natürlich (abgesehen davon, dass man sich trauen muss, das Gerät mitzunehmen) die Stromversorgung. Bist du nicht mit Auto angereist? Wir konnten unsere zwei iPhones problemlos und regelmäßig über 12V am Zigarettenanzünder aufladen :-)

    Mit ausreichend geladenem iPhone lässt sich das Aufnehmen, Fotografieren, Kumpels anrufen etc. doch viel angenehmer nutzen. Dann kann man sogar auch mal im Netz surfen und – wer denn will – auch bloggen ;-)

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  •  Alter sagte am 9. August 2010:

    Gibt doch diese wunderbaren USB Batterien. Akkupacks mit USB Anschluss. Gut laden das iPhone 2,5 mal auf. Damit komme ich gut durchs festivalwochenende.

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  •  offroadbiker sagte am 9. August 2010:

    Mich würde interessieren – wie hast du dein iphone auf dem Rückweg am Helm angeschlossen?
    Bluetooth geht ja leider immer noch nicht. :(

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  •  rj sagte am 9. August 2010:

    Mir gehts ja nur um die Mucke und nicht um Navi oder gar telefonieren: ich bin mit den Audeo-Kopfhörern derbst glücklich.

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  •  rj sagte am 10. August 2010:

    @mark, @alter: nee, ich war mit dem Mopped da. insofern… Kippenanzünder nehmen war nicht. Mir ists dann auch immer gleich wegen der Rumlauferei. Klar, abends vor dem pennen das Teil ins Auto ist ne Option.
    Trauen, sich mituznehmen? Das gerät bleibt am Mann :) ich sag mal so: wegen dem netbook hatte ich mehr Bedenken, siehe oben :) Aber die Bondageratte passte gut drauf auf ;)

    Akkupack mitnehmen hätte als genereller Tipp eigentlich in den Text gehört, ja. ich stand diesbezüglich ein wenig auf dem Schlauch, weil ich bisher noch kein Akkupack fürs iphone 4 in der hand hatte, nur die, die an die 3GS-Form angepasst sind. Da aber auch auf der CeBIT schon sehr froh drum gewesen.

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  •  Matthias sagte am 10. August 2010:

    Apropos “die Bässe sind komplett weg”: Auf dem iPad kling das SoM-Video deutlich besser, als ich das nach dieser Bemerkung erwartet hätte. Ich find’s nicht schlecht!

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  •  dp sagte am 16. August 2010:

    Wie geil! Surf ich mal ne runde wegen dem Iphone 4 durchs netz und finde live bilder von mir aufm Mera Luna^^

    lg dp (Eyes Shut Tight)

    ps: schöner Artikel.

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  •  rj sagte am 16. August 2010:

    Hältst du das iphone da hoch bei den Sisters? ;)

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  •  Sniffeldog sagte am 17. August 2010:

    @offroadbiker:
    wieso geht denn bluetooth bei dir nicht?
    Bei mir geht das prima!
    gruss

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  •  Joe sagte am 30. Januar 2011:

    Habe mywi verbunden mit Notebook

    zeigt meine Adresse an Sendeleistung

    Hervorragend aber trotzdem immer

    Ladefehler auf dem Bildschirm was Mach ich falsch

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