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Veröffentlicht am  12.08.10, 11:53 Uhr von  

App-Piraterie: 4% Kopierer schockierende Quote oder Jammern auf hohem Niveau?

CrackulousMit einem “Insider” sprach AppAdvice zum Thema App-Piraterie und vermeldet “schockierende” Zahlen – die bei näherer Betrachtung auch vollkommen harmlos scheinen können. 4% aller iOS-Nutzer sollen den Serverstats AppTrackrs zufolge kostenlos Apps kopieren. Die “Insiderausrede” ist altbekannt: die User wollen eben testen vor dem Kauf.

“Dissident” gründete Apptrackr.org, von der – bei vorhandemen jailbreak und installierter Apptrackr-App – kopierte iPhone-Apps nicht lizenziert und kostenlos geladen und installiert werden könnnen. Den Serverlogs zufolge rufen monatlich 10 Millionen User die Seite auf. Mit diesen Zahlen sowie der 10% Jailbreak-Quote, welche von Saurik auf Basis der Cydia-Logs in den Raum gestellt wurde, kommt AppAdvice auf einen Anteil von 4% aller iOS-Nutzer, die gecrackte Apps laden.

Die “Rechtfertigung” von Dissident ist altbekannt: es gebe sonst keine Möglichkeit, eine App vor dem Kauf ausgiebig zu testen. Für wieviele der Kopierer das tatsächlich zutrifft, mag streitbar sein – Kaufquoten von exakt 0% konnten bei Experimenten mit kostenlosen Lite-Versionen bereits beobachtet werden, und mit der Annahme, dass ein nicht unbedeutender Teil der Kopierer eben unter absolut gar keinen Umständen bereit ist, für eine App auch nur einen Cent auszugeben, wird man auch nicht vollkommen falsch liegen.

Ob man trotzdem von “schockierenden Zahlen” reden muss, wie es AppAdvice tut? Zwei Sichtweisen kann man gegenüberstellen:

– 4% von 100 Millionen iOS-Usern entsprechen vier Millionen, die grob gepeilt im Schnitt 10-20 Apps kostenlos kopierten. Veranschlagt man einen App-Durchschnittswert von drei Euro, ist man im Bereich von über hundert Millionen Euro entgangene Umsätze. Das entspricht mehr als nur einer Handvoll Arbeitsplätze.

– vier von hundert iOS-Anwendern kopieren sich gelegentlich Apps, die sie ohne diese Kopiermöglichkeit mit größter Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht kaufen würden. Die “Ausfallquote” dürfte sich somit im Bereich von einem Prozent oder niedriger bewegen. Deutlich besser als beispielsweise im Einzelhandel, wo zudem realer materieller Schaden entsteht. Wodurch die Piraterieklagen zum Jammern auf allerhöchstem Niveau mutieren.

Vermutlich überflüssig zu erwähnen, dass dem Autor die zweite Sichtweise näher an der Realität zu liegen scheint.

Disclosure: Auch das aktuell von mir verwendete iPhone 4 ist selbstredend gejailbreakt, seit meiner letzten Piraterie-Sympathiebekundung kam ich nach wie vor nicht dazu, endlich einmal eine gecrackte App zu installieren. Wenns irgendwann mal hinhaut, werde ich berichten.

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 7 Kommentar(e) bisher

  •  @tobiasroemer sagte am 12. August 2010:

    RT @Macnotes: App-Piraterie: 4% Kopierer schockierende Quote oder jammern auf hohem Niveau? http://macnot.es/46520

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  •  klaus sagte am 12. August 2010:

    Ich glaube auch das ein großteil der Leute die gecrackte Apps installieren diese normalerweise nicht gekauft hätten und diese wahrscheinlich auch nie benutzen.
    Trotzdem muß ich sagen das es mir unverständlich ist warum man bei Preisen von ein paar Euro Apps cracken muß. In den 80er Jahren Homecomputer Zeiten war das ja noch verständlich, da hat ein läppisches Tape mit einem Programm drauf bis zu 149,- DM gekostet. Wenn man aber heute schaut was für fantastische Software es für das iPhone/iPodTouch gibt wäre es schon schön wenn die Programmierer dieser Software auch für Ihre Arbeit belohnt würden!

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  •  klaus sagte am 12. August 2010:

    Ach so, ich vergaß zu erwähnen: Ich verwende selbstverständlich kein gejailbreaktes iPhone, ich wüsste auch nicht wozu, aber es soll ja auch Leute geben die Linux auf einem iPhone zum laufen bringen oder ein MacOS auf einem PC installieren. Naja wenn es Spaß macht! Ich möchte meine Geräte halt einfach benutzten und nicht immer bangen wenn ein neues Update kommt das dann nichts mehr geht.

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  •  foobar sagte am 12. August 2010:

    Wir haben das früher mit unserer ersten App live erlebt und dank Online-Highscoreliste eine Quote von 90% kopierten Apps zu 10% verkäufen ermittelt. Das war schon sehr heftig und macht einen natürlich erstmal fertig, ich meine hier geht es nicht um Vollpreisspiele ohne Demo-Version sondern um Beträge von meist 1 bis 3 Euro.

    Allerdings gibt es mittlerweile Mittel und Wege zu erkennen ob eine App gecrackt wurde oder nicht (zumindest für den Großteil der Cracks). Wir verfahren mittlerweile so, dass sich die App automatisch zu einer zeitlich limitierten Demo-Version degradiert wenn sie gecrackt wurde. Auf dem Weg kann man die Piraterie etwas eindämmen und vergrault gleichzeitig nicht die die wirklich nur mal ausprobieren wollen. Scheint mir im Moment der beste Mittelweg zu sein.

    Natürlich wären nicht alle Kopien auch Verkäufe wenn es die Cracks nicht gäbe (das zu glauben ist illusorisch) aber immerhin leistet man auch Support, stellt Server-Kapazitäten bereit etc. und bei 90% gecrackten Apps ist das schon etwas frustrierend.

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  •  Joresch sagte am 12. August 2010:

    Also das Mittel ne gecrackte App in eine zeitlich limitierte Demo-Version umzuwandeln find ich persönlich echt gut! Wer die App dann immer noch haben möchte wird die paar Euros wohl ausgeben, und sonst konnte man sie wenigstens ausgiebig testen…

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  •  Rendark sagte am 12. August 2010:

    Ich gehöre wohl zu den wenigen, die denken, dass manche Apps auch sogar mehr wert sind, vielleicht, weil ich mit dem C64 aufwuchs und weiß, was für ein “Schrott” für deutlich mehr Geld früher verkauft wurde. Die AppStore-Preise jedenfalls sind imho so albern niedrig, dass ich trotz Jailbreak bislang nicht mal dran dachte, Cracks zu laden. Man muss sich schon anstrengen, um 100 EUR in einem Monat für Apps zu verblasen (okay, das geht vielleicht ganz zu Anfang, wenn man alles mal ausprobieren will) – ich denke, es sind vor allem Kids mit knappen Geldbeutel, die für ihre iPods Cracks ziehen. Die haben auch am stärksten das Gefühl, immer das neuste haben zu müssen und alles und jedes, wobei sie dann letztlich vieles nur kurz anspielen.

    Die 90%, die hier genannt werden, will ich nicht pauschal anzweifeln, mir ist der Post aber zu allgemein gehalten. Welche App war es und wann war es? Und wie verhält sich das heute, wieviel Prozent sind gekauft und wieviel gecrackt? Und kann man das zweifelsfrei feststellen, also nicht bloß, ob der User ein gejailbreaktes iDevice nutzt, sondern ob die App selbst wirklich illegal beschafft wurde.

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  •  foobar sagte am 19. August 2010:

    Es handelte sich um ein Spiel mit Online-Highscoreliste. Übermittelung der Highscore war optional, also dem Spieler überlassen.

    Eine aktuelle Statistik kann ich leider nicht führen, da seit Einbau des “Demo-Modes” keine Online-Funktion mehr mit der gecrackten Version möglich ist.

    Erkannt wurden aber nur tatsächlich gecrackte Versionen, also mit veränderter Binary. Nur Jailbreak allein gilt natürlich nicht als gecrackt – warum auch… gibt genug Gründe für den Jailbreak sprechen, die nichts mit Piraterie zu tun haben.

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