MACNOTES

Veröffentlicht am  21.08.10, 21:43 Uhr von  nd

Apple erwirkt einstweilige Verfügung gegen koziol: Ein eiPott ist kein iPod – oder doch?

Es ist gar nicht so lang her, dass wir über den kuriosen Fall “Apple gegen Apfelsupport” berichteten, bei dem sich Apple gegen den “Apfelsupport” und dessen Wortmarkeneintragung vor Gericht durchsetzte. Nun darf man erneut über einen deutschen Gerichtsbeschluss ungläubig den Kopf schütteln. Das Hanseatische Oberlandesgericht entschied in dieser Woche, das die Firma koziol aus Erbach den Eierbecher “eiPOTT” unter diesem Namen nicht weiter verkaufen darf und bestätigte damit Apples Antrag vollständig.

Das deutsche Unternehmen koziol dürfte vielen als Hersteller von witzig-designten Haushalts- und Bürohelfern aus buntem Kunstoff bekannt sein. koziol vertreibt seit Anfang 2009 so auch einen Eierbecher unter dem Namen “eiPOTT”. Der Eierbecher erinnert nicht nur vom Namen her an Apples iPod, der eiPott sieht auch noch ein wenig so aus wie ein klassischer iPod mit ClickWheel.

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Über den Wortwitz und über das Design mag man sich streiten, doch man darf auch einem Käufer eines “eiPOTT” zutrauen, dass er weiß, das er mit dem Erwerb eines eiPOTT keinen mp3-Player ersteht.

Das Hanseatische Oberlandesgericht hat Apples Antrag in dieser Woche dennoch stattgegeben, was noch nicht das letzte Wort sein muss: Apple hat ersteinmal eine einstweilige Verfügung gegen koziol erwirkt. koziol darf seinen Eierbecher nicht weiter unter dem Namen “eiPOTT” anbieten, ansonsten droht ein Strafgeld. “Die Begründung stützt sich in erster Linie auf die klangliche Zeichenähnlichkeit. Und der schwer wiegenden Tatsache, dass sich koziol den Umstand zu Nutze mache, dass in der deutschen Sprache zwei Substantive – hier ‘ei‘ und ‘Pott‘ – praktisch beliebig miteinander verbunden werden können.”

 

Apple scheiterte mehrfach

Der eigentliche Witz an der ganzen Geschichte erschließt sich erst, wenn man die offizielle Pressemitteilung von koziol liest und sich die Begründung des Gerichts auf der Zunge zergehen lässt. Der jetzige Gerichtstermin war nicht der erste zwischen Apple und koziol – es war bereits der dritte Versuch von Apple, koziol zu stoppen. Zweimal ist Apple also schon an der deutschen Gerichtsbarkeit gescheitert. Und irgendwie klingt das jetzige Urteil doch nach 1. April. Die Frage muss gestattet sein: Kann das Apples Ernst sein – ein Eierbecher als Ziel des Markenschutzes? Für koziol bringt es zumindest sehr viel Aufmerksamkeit, auch in den klassischen Medien.

“Begründet wird der Vorgang mit einer möglichen Verwechslungsgefahr des Eierbechers mit einem Musikabspielgerät der Firma Apple (Hanseatisches Oberlandesgericht, Aktenzeichen: 5 W 84/10)”. koziol schreibt in der Pressemitteilung weiter: “Verwunderlich daher auch die Ausführung, dass koziol zwar jedes andere Produkt seines Sortiments eiPOTT nennen dürfe, nur eben keinen Eierbecher.”

kozial darf seinen Eierbecher weiter so produzieren, wie er derzeit aussieht, darf ihn nur nicht mehr mit einem iPod-ähnlichen Namen verkaufen – den Namen könnte man theoretisch so für einen Eierkocher verwenden. Das macht die ganze Verwechslungsgefahr-Geschichte doch erst völlig absurd.

Verwechslungsgefahr? Gar nicht so unabwegig! Der willige Käufer eines MP3-Players von Apple hat es nicht so leicht. Er wird extremst in die Irre geführt. Aber es trifft keineswegs nur unbedarfte Internetnutzer, sondern auch Digital Natives. Bereits im Kamelopedia-Beitrag über den eiPott/iPod/EiPod hat sich der Fehler eingeschlichen, dort hat man nicht erkannt, dass iPod und eiPott nicht dasselbe sind:
 

Hohn, Spott und jetzt noch kaufen!


[singlepic id=9418 w=195 float=left] “Das neuste der Technik ist gerade der Ei–Pod (deutsch-amerikanisch), der auch als EggPod (rein-amerikanisch) oder Eipott (rein-deutsch) im Handel ist.” … “Die typisch amerikanische Schreibweise Apple iPod (wie iMer, deutsch Eimer) ist übrigens inkorrekt, bösonders wegen der Verwechslungsgefahr mit dem zweirüßligen Insekt (Siehe: iPod).”… “Der Eipott ist laut Aussage von Apfel in der Lage, mehrere Musikformate abzuspielen. Leider erfüllt er immer noch nicht den Wunsch vieler Kunden, das Geschirr abzuspülen. Dieses Problem hält viele potenzielle Kunden vom Kauf ab.”

Sony

Hohn und Spott hat Apple also schon erlangt, jetzt fehlt nur noch die Umbenennung des Eierbechers.

Noch ist der eiPOTT in koziols Webshop so im Angebot, wie er “erfunden” wurde, aber der Name eiPOTT dürfte schnell verschwinden beziehungsweise ersetzt werden. 250.000€ wurden vom Gericht als Ordnungsstrafe angesetzt, falls koziol nicht den Name ändert.

Wer noch schnell am Wochenende zuschlagen möchte, bevor die einstweilige Verfügung in Erbach vorliegt: Amazon hat noch eiPOTTs* in den diversen Farben vorrätig für je 7,50€. Der eiPOTT dürfte sich zu einem noch begehrteren Objekt entwickeln.

* Affiliate

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 18 Kommentar(e) bisher

  •  @PimpYourMac sagte am 21. August 2010:

    Aus der Reihe "extrem absurd und doch irgendwie lustig" http://macnot.es/47174 – ein Schuss, der nach hinten losgegangen ist ;)

    Antworten 
  •  @alekscee sagte am 21. August 2010:

    RT @PimpYourMac: Aus der Reihe "extrem absurd und doch irgendwie lustig" http://macnot.es/47174 – ein Schuss, der nach hinten losgegangen ist ;)

    Antworten 
  •  @webschnecke sagte am 21. August 2010:

    RT @Macnotes: Apple erwirkt einstweilige Verfügung gegen koziol: Ein eiPott ist kein iPod – oder doch? http://macnot.es/47174

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  •  @momeer sagte am 21. August 2010:

    RT @PimpYourMac: Aus der Reihe "extrem absurd und doch irgendwie lustig" http://macnot.es/47174 – ein Schuss, der nach hinten losgegangen ist ;)

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  •  @orphelins sagte am 21. August 2010:

    Apple erwirkt einstweilige Verfügung gegen koziol: Ein eiPott ist kein iPod – oder doch?: http://macnot.es/47174

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  •  Miro sagte am 21. August 2010:

    War gestern nachmittag (!) schon hier:
    http://service.bz-berlin.de/bzblogs/iphoneblog/2010/08/20/apple-gewinnt-rechtsstreit-eierbecher-eipott-verboten/
    Nennt ruhig mal eure Quellen…

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  •  nd sagte am 22. August 2010:

    @ Miro

    Du bist süß :) Das gaaaanze Internet ist schon voll mit koziol vs. Apple. Das war selbst schon am Donnerstag Thema, lang bevor die BZ es aufgegriffen hat… – ist doch aber so oder so kein Hindernis, das ich da heut ein Kommentar zu nachschieße, oder?

    PS: Mein Quelle steht drin. Ist sogar verlinkt. Koziol macht nämlich gute Pressearbeit.

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  •  Miro sagte am 22. August 2010:

    Internet voll? Naja. Urteil war erst Donnerstag, las es dann gleich donnerstag bei BZiPhone zuerst. Andre Blogs kamen viel später. Tuaw.com hat es auch via BZiPhone verlinkt-;) klar, koennt ihr es kommentieren. Logo

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  •  @fblome sagte am 22. August 2010:

    Was soll das? RT @Macnotes Apple erwirkt einstweilige Verfügung gegen koziol: Ein eiPott ist kein iPod – oder doch? http://macnot.es/47174

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  •  @Angel3DWin sagte am 22. August 2010:

    RT @Macnotes: Apple erwirkt einstweilige Verfügung gegen koziol: Ein eiPott ist kein iPod – oder doch? http://macnot.es/47174

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  •  Michel sagte am 22. August 2010:

    Ja, manchmal muss man sich schon an den Kopf fassen was sich die Anwälte so alles einfallen lassen. Ein Freund von mir ist Mitbegründer einer Firma die Air-pod (air-pod.ch) heisst, eine Drohne die Luftaufnahmen macht. Der Name leitet sich ab von Tripod, also nichts anderes als ein Luft-Stativ statt eines auf drei Beinen. Apple ist natürlich auch gegen sie vorgegangen, hat ihnen dann aber trotzdem erlaubt den Namen weiterhin zu benutzen, wenn sie versprechen nicht ins Musikgeschäft einzusteigen. Mmmh komisch, waren sie selber nicht auch mal in der Situation mit dem Unternehmen Apple Corps Ltd. das von den Beatles gegründet wurde. Und wer hat sich nicht dran gehalten? :-)

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  •  D.G. sagte am 22. August 2010:

    Ob das alles lächerlich ist oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle. Denn wer mal — was ja in Zeiten des Internets in einer Minute erledigt ist — bei der Europäischen Union Markenrecherche [1] betreibt, der wird feststellen, dass die Wortmarke “IPOD” auch für Kategorie 21 eingetragen ist, die unter anderem “Geräte und Behälter für Haushalt und Küche” umfasst. Und trotzdem: Hätte koziol mit dem Eierbecher nicht auch noch einen iPod nachgeahmt, wäre Apple wohl kaum aus dem Loch gekommen.

    [1] http://oami.europa.eu/CTMOnline/RequestManager/de_SearchBasic

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  •  @Sblome sagte am 22. August 2010:

    Bald gibt es keine eiPOTTs mehr zu kaufen – noch schnell kaufen! Apple erwirkt einstweilige Verfügung gegen koziol: http://macnot.es/47174

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  •  Tice sagte am 23. August 2010:

    Die Richter des Hamburger Landgericht sind für ‘seltsame’ Fälle doch schon lange bekannt. Vermutlich war das Urteil das beste für das Staatssäckel – Sinn und Verstand (und schon garnicht Gerechtigkeit) spielen in Hamburg schon lange keine Rolle mehr.

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  •  Tice sagte am 23. August 2010:

    @ D.G.: Wieso iPod? das Ding heißt eiPott und ist dort nirgends zu finden. Und wer tatsächlich behauptet irgendwer würde den Pott für ein Ei mit einem iPod verwechseln lebt wohl schon lange nicht mehr auf der Erde. ; )

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  •  @perripappas sagte am 23. August 2010:

    @fblome eiPott http://macnot.es/47174 is so cool, I simply had to buy 2;-) Thanks for mentioning

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  •  jirjen?! sagte am 23. August 2010:

    bis zu 250.000 €” (§ 890 Abs. 1 ZPO)

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  •  Max sagte am 30. Oktober 2010:

    Die Begründung mag keinen Sinn machen, trotzdem macht sich die Eierbecherfirma ganz klar die Bekanntheit des iPods zunutze, was Apple vorbehalten sein sollte. Ich sehe daher keinen Grund, sich über Apple lustig zu machen, wenn schon, dann doch eher über die Begründung des Gerichts.

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