News & Rumors: 30. September 2010,

Test: Gangstar: Miami Vindication für iPhone

Gangstar: Miami Vindication
Gangstar: Miami Vindication - Screenshot

Letztes Jahr um die Zeit war Gameloft mit Gangstar: West Coast Hustle noch der einzige Anbieter eines vernünftigen GTA-ähnlichen Spiels im App Store. Inzwischen muss man sich mit einem offiziellen Vorbild das Revier teilen, kann auf der Habenseite aber noch immer die Third-Person-Ansicht für sich verbuchen. Jetzt ist der Nachfolger Gangstar: Miami Vindication für iPhone und iPod touch erschienen, und wir werfen in unserem Review einen Blick drauf.

Auf zu anderen Ufern meinte wohl auch Gameloft. Spielte der Vorgänger, Gangstar: West Coast Hustle, noch an der Westküste Amerikas, genauer gesagt in Los Angeles, zieht es den Hobby-Gangster Johnny nun im zweiten Teil nach Miami. Dort versucht er seinen kleinen Bruder zu befreien, der von der Armada-Gang verschleppt wurde.

Hausaufgaben gemacht?

Grund zur Kritik gab es im ersten Teil noch reichlich. Viele kleine Ungereimtheiten hatten sich im Spiel versteckt. Im zweiten Teil versucht Gameloft erfreulicherweise diese Probleme aus der Welt zu schaffen. Positiv anzumerken ist, dass die Clipping-Fehler behoben sind – in Gangstar: West Coast Hustle konnte man durch Bäume, Ampeln, Bänke und sonstige Deko-Artikel durchgehen oder -fahren. Ganz GTA-like sind Verkehrsschilder und Ampeln sogar abknickbar, sodass sich der kleine Hobby-Gangster in uns als richtiger Rowdy fühlen kann.

Die Grafik hat sich etwas verbessert – jedoch wurde fatalerweise versucht, eine größere Weitsicht zu simulieren. Wohl zugunsten der Framerate kämpft die Spiel-Engine dafür mit unschönen Popups, die noch dazu nicht einmal einigermaßen sinnvoll sind. So wird ein größeres Gebäude erst „spaltenweise“ sichtbar, bis es schließlich komplett zu sehen ist. Danach erst wird es mit scharfen Texturen versehen, und genauso stückchenweise vonstatten geht. Eine wahre Katastrophe ist teilweise die Kameraführung. Unter einer Brücke müssen wir ein Boot zerstören und stehen vor der Wahl, entweder durch die bei der Explosion entstehende Druckwelle zu schaden zu kommen, oder einen Meter nach hinten zu gehen und etnweder die Straße auf der Brücke oder die Wand hinter uns zu sehen. Natürlich kann man die Kamera manuell drehen, doch in einem solchen Moment meint das Spiel, eine bessere Einstellung gefunden zu haben und schaltet relativ schnell wieder um.

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Das Spiel mit der interessanten Physik

Bereits im ersten Teil fanden wir Gamelofts Interpretation von Physik ziemlich spannend. Wir können an dieser Stelle beruhigt zu Protokoll geben, dass sich daran so gut wie überhaupt nichts geändert hat: Ein Frontalaufprall zweier Wagen lässt den unsrigen abheben und sorgt nach wie vor für fast keinen sichtbaren Schaden. Letzteres positiv ausgedrückt bedeutet andererseits jedoch, dass die Vehikel etwas länger fahrtauglich sind als beim großen Vorbild GTA.

Neu hinzugekommen ist bei der Physik die Schwimmfähigkeit – und zwar für Mensch und Maschine. Während ein Mensch „normal“ durch’s Wasser schwimmt, scheint ein Auto nicht anders reagieren zu wollen. Interessanterweise „fährt“ es immer im Wasser, denn die Tiefe reicht zu keiner Zeit aus, um im Auto zu ertrinken – vorher erscheint immer eine künstliche Wand aus unsichtbaren Pixeln. Da ein Auto aber kein Fortbewegungsmittel für das Wasser ist, fährt es dort nur sehr langsam.

Neue Transportmittel

Nicht nur, dass das neue Gangstar in Miami spielt (dass Vice City bei GTA rein zufällig auch so etwas Ähnliches darstellt, ist „natürlich“ nicht beabsichtigt), auch bei der Vehikelauswahl fühlen wir uns nach Vice City versetzt: Bei Gamelofts zweitem Teil gibt es neben einer Reihe von Autos nun Boote, Wasserjets, Hubschrauber und Motorräder. Vor allem die letzten beiden Fahrzeugklassen haben jedoch eine etwas eigenwillige Steuerung. Die Neigung des iOS-Geräts spielt eine erhebliche Rolle dabei, wie man vorwärts kommt. Auf dem Motorrad bestimmt die Neigung die Gewichtsverlagerung. So werden natürlich Tricks wie Wheelie oder Stoppie möglich, doch andererseits kann man fast gar nicht sinnvoll im Liegen spielen, weil man sich dann auf dem Zweirad immer nach hinten beugen würde.

Neben den Fortbewegungsmitteln wurde an der Lebendigkeit der Stadt gedreht. Gleich am Anfang machen wir Bekanntschaft mit Krokodilen, es existiert nun also, wenn auch nur in engen Grenzen, eine Fauna.

Angemessener Klang

Für die Abwechslung im Wagen sorgen fünf Radiosender. Diese klingen etwas komprimiert, worauf es bei der Downloadgröße von ohnehin schon rund 380 MB nicht mehr angekommen wäre, ansonsten lässt der Titel nichts anbrennen. Die Cut-Scenes sind nun sogar synchronisiert, zumindest lesen Sprecher, die gut in ihre Rolle passen, die Dialoge vor. Von Synchronisation kann man nicht wirklich reden, denn die Lippen bewegen sich nicht und die Regie muss auch geschlafen haben, denn die Spielfiguren sind noch lange nach Beendigung ihres Textes im Bild.

Die Freiheit, eine Waffe besitzen zu dürfen

In Miami scheint der Freiheitsbegriff etwas weiter gedehnt werden zu können als in Los Angeles. Haben uns die dortigen Passanten „nur“ verprügelt, wenn wir ihren Wagen mit einer Beule verziert haben, wird nun auf uns geschossen. Wir finden, dass Gameloft an dieser Stelle über das Ziel hinausschießt, denn aufgrund der nach wie vor nicht perfekt-präzisen Steuerung ist ein Zusammenstoß keine Seltenheit.

Wenige Nebenaktivitäten

Für ein Open-World-Game leidet Gangstar: Miami Vindication an einem Mangel an Nebenjobs. Hört bei GTA die Liste freiwilliger Aktivitäten gar nicht wieder auf, müssen wir uns in Miami mit dem Ausliefern von Essen auf Rädern und dem Krankentransport begnügen. Das mag besser als nichts sein, führt jedoch nicht zwangsläufig dazu, länger in Miami zu sein, als es nötig ist.

Dafür gibt es nun einige Collectables, also Items, die eingesammelt werden können, und einige Auszeichnungen. Diese können über Gamelofts proprietären Online-Service Gameloft Live hochgeladen und mit Freunden geteilt werden.

Ladezeiten: Wie weggeputzt

Das beste kommt zum Schluss: Gameloft hat es hinbekommen, die lästigen Ladezeiten drastisch zu reduzieren. Eine Ladepause genehmigt sich Gangstar: Miami Vindication nur bei Spielstart, das Laden aus einem Savegame dauert keine zwei Sekunden. Dank Multitasking ab iOS 4 geht es sogar nach einem Anruf unvermittelt weiter, als wäre nichts gewesen.

Fazit

Ja, Gameloft machte vieles richtig. Ja, Gangstar: Miami Vindication ist ein ordentlicher GTA-Clone. Aber: Ja, das bessere GTA ist nach wie vor das Original. Das einzige, womit sich Gameloft brüsten kann, ist die gut gelungene Third-Person-Ansicht, wohingegen sich Rockstar mit der Vogelperspektive begnügt.

Die meisten Kritikpunkte sind nun aber ausgeräumt und das macht Gangstar: Miami Vindication zu einem guten Gangster-Action-Adventure. Lediglich ein paar mehr Nebenmissionen hätten dem Titel gut getan. Die Story hat aber eine Vielzahl von Missionen aufzuweisen, die nicht zu lang und wie beim Original zum Teil ziemlich absurd-cool sind. Deshalb zum Abschluss: Ja, man kann Gangstar: Miami Vindication empfehlen. Wenn man kein GTA erwartet.



Test: Gangstar: Miami Vindication für iPhone
3,5 (70%) 6 Bewertungen

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Wertung

7/10
Clipping-Fehler gegenüber Vorgänger behoben
Ladezeiten enorm verbessert
sinnfreie Physik-Effekte
kein Schadensmodell
kaum Nebenmissionen

Zuletzt kommentiert








App(s) und Produkte zum Artikel

Name: Gangstar: Miami Vindication
Publisher: Gameloft
Bewertung im App Store: 3.0/5.0
Preis: 7,99 EUR

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