MACNOTES

Veröffentlicht am  12.10.10, 16:56 Uhr von  

eBooks auf iPad, iPhone und Co. – wer kauft bei iBooks?

iBooksAls das iPad erschien, war insbesondere iBooks plus Store eines der appletypisch genial umgesetzten Features. Nur: Bücher gelten nach wie vor (zurecht) als haptisches Erlebnis. Ist angesichts der Buchpreispolitik in Deutschland die elektronische Alternative bereits eine? Auch auf dem iPad? Wenn nicht – wie könnte sie es werden? Einige subjektive Antworten, eine Frage an die Leserschaft und eine Konfrontation mit Sascha Lobo.

[singlepic id=10111 w=225 float=left] In den “Ausreden fürs iPad-Kaufen” liefen die “freien eBooks” auf erster Stelle. Ein paar Monate später: genau die sind auch mein “zeitintensivster” iPad-Nutzungsgrund. Die Betonung liegt dabei auf “freien” – ich muss gestehen, auf dem iPad noch kein einziges Buch gekauft zu haben. Dafür gab es zu viel ungelesene Klassiker im iBooks-Store (im Moment: Bram Stoker, Dracula. Nicht schlecht, aber ich hatte es mir spannender vorgestellt). Aber vor allem sind die aktuellen deutschen Bezahltitel meiner Ansicht nach unverschämt teuer.

Die Gründe sind bekannt – Buchpreisbindung und Verlage, die keine elektronischen “Billigformate” neben den gedruckten Titeln etablieren wollen. Was jetzt Autoren (und potentielle Käufer) ins Grübeln bringt, wie beim elektronischen Format der gefühlt höhere Preis angesichts wegfallender Druck- und Distributionskosten gerechtfertigt werden soll. Ich mag inzwischen die Portabilität – es ist großartig, immer den Lesestoff in der Tasche zu haben. Außerdem weiß ich den Lesezeichensync via iTunes sehr zu schätzen, seitdem ich bei einem unerwarteten Zwischenstopp in einem Wartezimmer auf dem iPhone die vorabendliche iPad-Lektüre fortsetzen wollte.
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Rechtfertigen diese kleinen Bequemlichkeiten Preise auf Hardcoverniveau? Meiner bescheidenen Ansicht nach nein, entsprechend bleibt meine Kaufquote im iBook-Store aktuell auf Null stehen.

Auf die Frage, wie ich am iPad Bücher lese (und vielleicht in Zukunft Bücher lesen will), brachte mich gestern Sascha Lobo. Angesichts der auch ihn schmerzenden 18,99 für die App-Version seines Titels “Strohfeuer” sonderte er einige Gedanken zum Thema ab, in denen auch die Frage nach der Zukunft des “Formats Buch” aufgeworfen wird. [singlepic id=10108 w=225 float=left] Lobo probiert eine “Feedback”-Variante in Sachen Mehrwert aus. Die Idee: er kommuniziert als Autor zeitnah mit seinen Lesern, falls diese zu Passagen seines Buchs Fragen stellen. Wer die Online-App kauft, kauft quasi den direkten Draht zum Autor mit, so Lobos Grundgedanke. Wohin das führt und ob so die Zukunft des eBooks aussieht, lässt Lobo offen. Vermutlich zutreffend konstatiert er, dass im Augenblick kein Mensch begründbar voraussehen könne, wie die technische Entwicklung und die damit einhergehenden Möglichkeiten das Buch als Medium und Format verändern werden.

Einen anderen Weg beschreitet momentan Neal Stephenson mit “The Mongoliad“. Sein kommender neuer Buchtitel scheint eine Art abonnierbares, kollaboratives Online-Abenteuer zu werden. Wer “Quicksilver” oder “Crypronomicon” gelesen hat, wird wissen, dass sich Stephenson selten mit einer Nummer kleiner zufriedengibt, egal, worum es geht. Eine gewisse Gigantomanie scheint auch dem Mongoliad-Projekt nicht absprechbar zu sein, ob es der Lesbarkeit bekommt, wird sich nächstes Jahr weisen. Dann soll zumindest eine vorläufige “Final” dessen erscheinen, was aktuell nach einer Mischung aus Serie, Adventure und virtueller Weltschöpfung aussieht.
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So gern ich mich als dem technischen und medialen Fortschritt gegenüber aufgeschlossen gebe, in Sachen Buch muss ich eine gewisse Konventionalität eingestehen. Nach wie vor bin ich mit simplen Buchstaben in linearer Abfolge vollkommen zufriedenzustellen. Ob diese totholz- oder LCD-basiert daherkommen, ist mir beim Lesen ehrlich gesagt egal, in Sachen Wohnatmosphäre werde ich ein Bücherregal aber eher vermissen als den CD-Ballast, der vor kurzem definitiv das letzte Mal mit mir umziehen durfte.

Was mich zum Schluss bringt: Ich wünsche mir fürs iPad eigentlich weder fragenbeantwortende Autoren noch aufs detailierteste ausgearbeitete Online-Welten zum Buch. Auch die “enhanced eBooks” scheinen mir mit Features punkten zu wollen, die ein wenig an Hannover erinnern: Stört niemand, aber würde auch nicht weiter auffallen, wenn es fehlt. Bei Büchern reicht mir simpler Text vollkommen. Umblätterporno a la iPad mag ich gerne mitnehmen, ein offenes und portables Format sollte das File haben und ansonsten eben einen Kaufpreis, bei dem ich mich beim Bezahlen nicht schlecht fühle. Eine Steilvorlage, zu der Tucholsky zitiert werden muss: “Macht unsere Bücher billiger!”

Aber wie gesagt: mehr fehlt mir auf dem iPad eigentlich nicht. Geht es anderen anders?

 Und wie ist deine Meinung?  Schreib uns einfach!

 15 Kommentar(e) bisher

  •  Simon sagte am 12. Oktober 2010:

    Wo kaufst du deine Bücher, wenn nicht im iBook-Store?

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  •  Robert sagte am 12. Oktober 2010:

    Ich würde auch gerne viel dort kaufen, lesen am iPad find ich an sich klasse, da ich mal schnell zu meinen Emails wechseln kann oder die News via Reeder durchstöbern kann. Leider ist das Angebot im iBook Store noch sehr begrenzt, und ich möchte ja nicht lesen was dort im Angebot ist, sondern das im Angebot finden was ich lesen möchte

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  •  rj sagte am 12. Oktober 2010:

    Simon, im iBooks-Store gibts recht viele Gratisbooks. Ansonsten kauf ich die in der Buchhandlung.

    (Oder meintest du grade diese dubiosen PDFs, an deren Herkunft ich mich nicht erinnern kann?)

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  •  @OpenDevDe sagte am 12. Oktober 2010:

    RT @Macnotes: eBooks auf iPad, iPhone und Co. – wer kauft bei iBooks? http://macnot.es/50302

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  •  @OpenDevDe sagte am 12. Oktober 2010:

    RT @Macnotes: eBooks auf iPad, iPhone und Co. – wer kauft bei iBooks? http://macnot.es/50302

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  •  Raemsi sagte am 12. Oktober 2010:

    Auch ich würde nur ungern auf ein Bücherregal verzichten und Abends im Bett wäre meine erste Wahl wohl auch eher das Buch und nicht das IPad.
    Wenn die Bücherverleger bei ihrem derzeitigen Preisen für ebooks bleiben ist es eh keine Alternative zum Buch. Trotzdem würde ich es schätzen, die verschiedenen Bücher nicht immer mit zu schleppen sondern sie in meinem IPad zu speichern und bei Fahrten in Bus und Bahn die Lektüre dort fortzusetzen.
    Eine Möglichkeit wäre vllt die ebook-Version eines Buches praktisch gratis oder für einen kleinen Aufpreis zur gedruckten Ausgabe des Buches dazuzugeben. Dafür wäre ich bereit und auch für die Verleger wäre es eine sinvolle Überlegung…
    Oder??

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  •  Razon sagte am 12. Oktober 2010:

    Mal wirklich: iBooks würde sich in den Bereich der Geisteswissenschaften perfekt integrieren lassen, wenn die Titel verfügbar wären und eine angemessene Referenz zum zitieren gegeben wäre. Endlich kein Papierwust mehr in Unibibliotheken und unendliche Kopien über Kopien… Ganz zu schweigen von der Kommentarfunktion und der Volltextsuche… Aber bis das kommt, wird’s wohl noch ein Weilchen dauern, wenn überhaupt.

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  •  Jürgen sagte am 12. Oktober 2010:

    Ich lese sowohl die kostenlosen Bücher vom Gutenberg Project, kaufe aber gelegentlich auch mal welche. Beim Kaufen grundsätzlich nur im ePUB Format und DRM-frei, da gibt es gar nicht mal so wenige wie man denken mag, auch von bekannteren Verlagen. Standardformat und DRM-frei bedeutet auch gleichzeitig dass ich es auf vielen Geräten lesen kann, heute in iBooks auf dem iPad/iPhone und wenn ich mir in ein paar Jahren doch mal ein Android basiertes Gerät hole, geht es dort immer noch.

    Das nervt mich auch gleich am iBook Store. Bücher bei denen der Verlag gar nicht auf DRM besteht, gibt es dort trotzdem nur mit. Deshalb lieber bei Libreka, Beam eBooks etc. kaufen …

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  •  Klaus sagte am 12. Oktober 2010:

    Ich habe bis jetzt 2 Bücher im iBook Store für meinen uPodTouch gekauft und finde die lesen sich auf diesem Gerät hervorragend! Ich lese oft morgens im Zug und da ich nicht so lange unterwegs bin entfällt auch immer das ein- und auspacken eines konventionellen Buches! Ich komme so mehr zum lesen!
    Was much stört ist das fehlende Angebot im deutschen Store und der Preis (ist übrigens für E-Books mit 19% MwSt). Ich habe auch mal bei Suhrkamp nachgefragt wann Lem oder Lovecraft als E-Book erscheint, ich schätze aber die wollen das nicht hören, habe bis heute keine Antwort erhalten!
    Die Geräte sind da, die Bücher fehlen noch! War bei einer anderen Medien Industrie auch mal so und die haben das am Anfang auch deutlich verbockt, ja da gab es noch Musik-CDs

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  •  Marius sagte am 13. Oktober 2010:

    Ich bin Schüler und nicht-iPad-User, spiele aber mit dem Gedanken der Anschaffung. Für mich als Schüler sollte es 2 bedeutende Anreize geben: vernünftige Apps (App zum handrichtlichen Mitschreiben und Mappenorganisation), sowie ein gut gefüllter Buchshop, indem ich auch einfachere Schulliteratur (Pflichtlektüren der deutschen Literatur) erwerben kann.

    Ich habe kürzlich irgendwo (keine Ahnung ob in nem Blog, einer Zeitschrift oder Zeitung) gelesen, dass ein Buchmanager bzw. verantwortliche Person gesagt hat, dass durch den Vertrieb via mobiles Lesegerät keine Kosten eingespart werden bzw. nur ganz minimal. Diese These kann ich durchaus nachvollziehen, da der Buchpreis ja nicht hauptsächlich dem Druck geschuldet ist, sondern dem Autor, Lektorat, Design, Illustration, Marketing, etc. Soweit für mich klar.

    Was für mich unverständlich ist: Wenn die Verlage keine eBooks anbieten bzw. nicht günstig genug für die Leser, dann töten sie damit eine zukünftige Einnahmequelle. Die Verlage sollten lieber eBooks zu (z.B.) 50% des Preises der gedruckten Version anbieten, sodass der mobile Markt und der Vertriebsweg vernünftig entstehen kann. Wenn der Markt dann da ist, kann man die 50%-Version als ligt-Version etablieren und dann eine normale Version (z.B. Kontakt zum Autor, Interviews, Videos, Animationen) zu (z.B.) 80% des Druckbuchpreises.

    Natürlich würde dies bedeuten, dass anfangs die gedruckten Bücher quasi die eBooks mitbezahlen (weil sie hauptsächlich die entstandenen Kosten tragen). Aber was ist denn die Alternative? Keine eBooks und sinkende Buchauflagen und sinkende Einnahmen? Dann doch lieber von den unaufhaltsamen Mobiltrend profitieren.

    Ich denke auch, dass die Umsetzung bzw. Erstellung eines eBooks nicht zu schwer und zu teuer ist. .epub ist ein einfaches Format, wo die sowieso auf dem PC vorhandenen Texte (ohne Illustration, etc.) sehr leicht und günstig eingebaut werden können.

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  •  @lesen_net sagte am 13. Oktober 2010:

    eBooks auf iPad, iPhone und Co. – wer kauft bei iBooks?: http://macnot.es/50302 /v @korrupt @macnotes

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  •  @steffenmeier sagte am 13. Oktober 2010:

    RT @lesen_net: eBooks auf iPad, iPhone und Co. – wer kauft bei iBooks?: http://macnot.es/50302 /v @korrupt @macnotes

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  •  Martin sagte am 15. Oktober 2010:

    Ich benutze das iPad (und manchmal das iPhone), um Fachbücher zu lesen. Zudem hat das Ausdrucken von ausgewählten PDFs (zum Beispiel aus der ADC) ein Ende. Das spart etliche Regalmeter und jede Menge Holz, da diese Bücher gern dazu tendieren, nach spätestens einem Jahr obsolet zu sein.
    Was den Preis angeht: O’Reilly hat mir “iPhone App Development ” für 15 US$ verkauft. Finde ich mehr als okay.
    Belletristik lese ich nach wie “analog”. Da ist mir das haptische Erlebnis zu wichtig und die elektronische Alternative zu teuer.
    Lediglich die Möglichkeit, ein Buch “instantly” (Impulskauf, siehe iTunes/AppStore) zu erwerben, könnte das hin und wieder ändern.

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  •  Phillip sagte am 15. Oktober 2010:

    Der Buchpreis kommt weniger durch den Druck und Transport zustande (das sind marginale Kosten), sondern durch den ganzen Teil davor (angefangen vom Autor über Lektorat usw.) – von daher sind riesige Einsparungen eher Wunschdenken – bzw. im Ausland wird oft draufgezahlt und die Preise sind sich auch gerade dabei etwas nach oben zu korrigieren und sich den realen Kosten anzupassen.

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  •  Lady Morgaine sagte am 17. Oktober 2010:

    Ich lese bereits seit Jahren Ebooks. Mir kommt es alleine auf den Inhalt an, nicht auf die Haptik. Im Bookstore habe ich mir bis dato etwa 20 Bücher gekauft, Sachbücher und Romane. Diese lese ich zu Hause mit dem Ipad und unterwegs mit dem Iphone (wobei, sehr angenehm, der Lesefortschritt auch ohne Lesezeichen bei beiden Geräten synchron gehalten wird. Anscheinend wird immer wieder mal im Store zwischengespeichert, ohne dass der Leser dies bemerkt). Klar, das Angebot im Store ist noch überschaubar. Ich habe trotzdem viele interessante Bücher gefunden und neben den gekauften Büchern noch etliche Leseproben vielversprechender Romane runtergeladen (ein weiterer Vorteil von ebooks). Die Preise stören mich nicht. Ob ich jetzt einen Roman nach dem Lesen ins Regal stelle oder mir auf ein Backupmedium ziehe, macht für mich keinen Unterschied. Ich bezahle für das Lesevergnügen – und das ist in beiden Fällen gleich. Ausnahmen gibt es für mich nur bei besonderen Werken in besonders gestalteter Form. Das sind auch die einzigen Bücher, die ich mir noch ins Regal stellen mag. Ob ansonsten Besucher ein großes Bücherregal bewundern können oder nicht, weil ich alles in digitaler Form besitze, ist mir wurscht.
    Mich beunruhigt nur eine einzige Sache: Hardware ändert sich und Software sowieso. Wenn die hübsch aufbereiteten Apple-Ebooks irgendwann nicht mehr lesbar sein sollten, weil neue Software das Format nicht unterstützt und die alte Software auf neuer Hardware nicht mehr läuft, schau’ ich in die Röhre….
    Andererseits bestehen 95% meiner Ebook-Käufe aus Unterhaltungsliteratur, Romane, die früher bei mir im Regal landeten und nur in den seltensten Fällen ein zweites Mal gelesen wurden. Dort verstaubten sie dann und wurden irgendwann verschenkt oder im Rahmen eines Umzugs weggeworfen. Im Hinblick auf diese Buchschicksale bin ich bereit, das Risiko zukünftiger Inkompatibilitäten einzugehen….

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