Review: 13. Oktober 2010,

Test: PES 2011 für iPhone

PES 2011
PES 2011 - Screenshot

Konami hat vor kurzem Pro Evo in einer neuen Version für iPhone und iPod touch veröffentlicht. Der Nachfolger kam insgesamt viel schneller in den App Store als der Vorgänger auf sich warten ließ. Wir haben in unserem Review viele Vergleiche angestellt, solche zur Konkurrenz und andere mit dem eigenen Vorgänger.

Auf der GamesCom 2010 saßen der Kollege Keller und ich im Business-Center mit dem Produktmanager von Konami für Mobile-Produkte, Axel de Rougé, zusammen. Dieser ist maßgeblich für die Umsetzung von Pro Evo für iPhone zuständig gewesen, und natürlich hatten wir mit ihm über den Nachfolger geplaudert, den wir nun in Händen halten. Vielleicht sollten wir im nächsten Jahr das Gespräch mit ihm meiden, um nicht zu sehr enttäuscht zu werden. Doch fangen wir vorne an.

Das Gameplay in PES 2011 auf dem iPhone (4) ist gut. Die Animation der Spielerfiguren ist es ebenfalls. Doch beides sind Dinge, die schon in PES 2010 funktioniert haben. Ein Feature, so sagte uns de Rougé, das Fans sich besonders gewünscht hatten, sei der visuell sichtbare Wettereffekt. Regentropfen oder Schnee, den man sehen kann. Es käme nicht in erster Linie darauf an, dass man die Ballphysik passend dazu gestalte, man muss es nur sehen können. Et voilà – in PES11 auf Apples Handhelds gibt es jetzt Wettereffekte visueller Natur. Entsprechende Ballphysik hatte man bereits im Vorgänger und hat man im Nachfolger ebenso wieder.

Verpfiffen

Neben der Animation für die Spieler hat man übrigens noch ein, zwei weitere für den Schiedsrichter eingebaut. Leider greift dieser in der aktuellen Fassung gerne öfter mal zur Pfeife, erscheint aber dagegen nur äußerst selten. Dann nämlich kriegen wir ihn nur zu Gesicht, wenn er den gelben oder roten Karton auspackt.

Versenkt

Wenn man das Thema Animationen anspricht, dann kann man ruhig erwähnen, dass im Vergleich zum Vorgänger einige neue Bewegungsabläufe integriert wurden. Zusätzlich dazu ist die Miniaturausgabe der neuen 360-Grad-Steuerung auf den iOS-Devices angekommen. Doch wenn ich ehrlich bin, dann war schon im letzten Jahr der Spielfluss relativ ordentlich und ging der Ball meist dorthin, wo ich ihn hinhaben wollte. Jedenfalls fliegen die Torhüter tolle Paraden, oder segeln auch mal daneben. Aber ebenso der Stürmer schießt aus allen Lagen, kann Fallrückzieher oder Kopfbälle machen und versuchen den Ball Volley zu nehmen. Es kommt sogar vor, dass die Pille an den Pfosten, die Latte oder das Kreuz donnert und nicht ins Tor geht. Doch ebenso als Billardtore beschriebene Treffer sind möglich.

Verschenkt

Von so viel Euphorie über ordentliches Gameplay und schicke Bewegungsabläufe könnte man sich glatt von anderen Dingen ablenken lassen. Das neue PES für iPhone und iPod touch ist nämlich im Vergleich zum Vorgänger nur sehr mit Bedacht verändert worden. Als de Rougé auf der GamesCom 2010 davon erzählte, dass man bei den Pro-Evo-Games jeweils ein Apple-Device als Ausgangsgerät aussuchte, auf dem man das Spiel möglichst gut umsetzen wollte, staunten wir nicht schlecht, dass man sich nicht am unteren, sondern am oberen Ende orientierte. Basis für PES 2010 sei das iPhone 3GS gewesen. Dass aber das iPhone 4 als Basis für Pro Evo 11 gedient haben soll möchte ich hiermit stark anzweifeln. Visuell hat Konami rein gar nichts für das Retina-Display getan. PES 2011 sieht aus wie der Vorgänger. Und die Spieler sind zwar nicht ganz so „Michelin“ wie bei der Konkurrenz von Gamelofts RF2011, doch optisch sind Konamis iPhone-Kicker keine Leckerbissen. Wenn man beim Torabstoß genau hinsieht, meint man sogar, dass Jörg Butt einen Pferdeschwanz trägt?!

Dazu kommt, dass trotz aller Schwüre und Versprechen, Konami in Sachen Präsentation seit Jahren immer den eigenen Ankündigungen auf Verbesserung und vor allem aber der Konkurrenz von EA hinterher hinkt. Während bei RF2011 der Kommentator immerhin vorhanden war aber wie ein Automat klang, fehlt bei PES 2011 ein Audiokommentar ganz; anders bei FIFA11. Die Audiokulisse ist indes wenig dazu geeignet Begeisterungsstürme in mir auszulösen. Die Stadionatmosphäre klingt nach einer halben Minute wie ein Grundrauschen oder ein Platte mit Sprung. Das ist einem Pro Evo nicht würdig. Dies ist besonders bitter, da der Produktmanager Axel de Rougé uns erklärte, dass die Firmen-Oberen aus dem fernen Osten eigentlich glauben, dass man eine Marke wie diejenige von PES nicht verramschen dürfe. Doch sollte man an dieser Stelle nicht nur den Preis im Sinn haben, sondern auch gewisse Qualitätsansprüche formulieren.

Champions League

Der Sing-Sang zur Champions- oder Europa League ist nett, bringt ein wenig Authentizität, und wenn ich mag, kann ich mit Werder oder den Bayern als deutscher Fußball-Fan aktiv sein. Aber Hand auf’s Herz, wenn der Rest nicht voll überzeugt, dann sind vor allem fehlende Lizenzen ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen kann.

Wenig erbaulich ist in meinen Augen außerdem die neue Menüsteuerung geworden. Sie orientiert sich irgendwie an dem, was man von der PlayStation kennt. Hier hat man aber die Usability nicht vollständig abgeklopft. Als Besitzer von Touchscreen-Devices ist man es gewohnt, mit einem Tippen etwas auszulösen. Im Hauptmenü von Pro Evo muss man erst auf den richtigen Platz wischen, ehe man dann noch mal tippt, um eine Aktion auszulösen. Kein allzu großer Umstandskasten, aber eben ungewohnt und der Plattform wahrscheinlich nicht auf den Leib geschneidert.

Multiplayer

Auf Performance-Gründe schob de Rougé Konamis Entscheidung, nur lokalen Multiplayer in PES für iPhone anzubieten. Man kann entweder über ein vorhandenes WLan-Netzwerk oder über eine Ad-hoc-Bluetooth-Verbindung mit einem Kumpel spielen. Das ist „okay“, aber gerade das Onlinespiel macht ja beim großen Bruder einen immensen Teil des Stellenwerts aus, den Pro Evo unter seinen Fans genießt. Gameloft bot bereits in RF10 Online-Multiplayer an und tut es in RF11 ebenfalls. Der Konkurrent FIFA 11 hat aktuell den Multiplayer noch deaktiviert, wird aber demnächst wohl ebenfalls mit Online-Partien an den Start gehen. Hier hat PES 2011 also definitiv das Nachsehen. Schade.

Fazit

Das Gameplay von PES 2011 für iPhone und iPod touch ist gut. Doch das war es schon in der Vorgänger-Version. Warum also sollte man wechseln? Wegen der neuen Champions League? Ich bin ehrlich stark enttäuscht, dass Konami sich mit vielen Kleinigkeiten abgegeben hat. Aber man kann eher von Stagnation denn von Evolution sprechen. Diejenigen, die gehofft hatten, dass das neue PES auf ihrem iPhone 4 eine gute Figur machen würde, können sich direkt von dieser Idee verabschieden. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass sich hier etwas ändern wird und vielleicht ein Update die Grafik aufhübschen wird. So wie es derzeit ausschaut, unterscheidet sich das neue Pro Evo kaum vom alten. In Details tut es das, und mit Sicherheit sind es wertvolle Details. Doch letztlich bleibt immer noch genug Kritik zu üben und vor allem ist dort die Konkurrenz von EA Sports und FIFA 11. Das Gameplay ist dort mindestens genauso gut und optisch und in Sachen Präsentation ist EAs Titel eine Klasse besser. Zumindest in dieser Saison – aber die nächste kommt bestimmt.



Test: PES 2011 für iPhone
4,05 (80,91%) 22 Bewertungen

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Wertung

4/10
flüssiges Gameplay
Schiedsrichter-KI zu streng
grafisch durchschnittlich
manche Figurenmodelle total an der Realität vorbei

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